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Coming Back

von Rose17
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Adrian Ivashkov Dimitri Belikov Eddie Castile Ibrahim "Abe" Mazur Rosemarie "Rose" Hathaway Tasha Ozera
03.01.2013
14.04.2013
18
47.532
1
Alle Kapitel
112 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
03.01.2013 4.433
 
Autoren Nachricht:

Also:
Diese Story wird VIELE Flashbacks bekommen, damit wir auch VIELE Rose & Dimitri, aber auch Rose & Adrian Momente bekommen.
Genauso wie generell Moment wo alle noch Kinder und/oder Teenager und Jugendliche sind :D
(Alle = Rose, Dimitri, Adrian, Lissa, Christian, Eddie, Mason, Mia, Abe, Janine, Olena, Viktoria etc)

Diese Story scheint anfangs vielleicht nicht so, aber es geht um

ROSE UND DIMITRI

Nochmal.
Es mag anfangs nicht danach aussehen, aber es geht um Rose und Dimitiri als PAAR!!!

Diese Geschichte ist ein Drama, also viel mit Trauer, Wut und eher weniger Lovly Dovly, dass eben nur in den Flashbacks. Zumindest vorerst.




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How We Came To Be


Paris, eine wunderschöne Kleinstadt. Glaubt ihr mir nicht? So geht es den meisten, wenn ich ihnen erzähle woher ich komme. Aus der Kleinstadt Paris. Hören die Leute das Wort "Paris" denken sie sofort an Frankreich, aber es gibt noch ein weiteres Paris. Paris in Texas. Es war eine überschaubare Stadt, die ich vor langer Zeit verlassen hatte.
     "Nervös?", fragte mich mein Ehemann.
Mit zitternden Händen saß ich neben ihm im Flugzeug. Ich versuchte ein kleines Lächeln, aber er sah direkt dahinter und sah wie viel Angst ich davor hatte mich meinem alten Leben zu stellen.
     "Shhh", machte er und legte einen Arm um meine Schulter.
Er küsste meine Stirn, drückte meinen Kopf an seine Schulter und beruhigte mich ein wenig. Ich saß neben ihm im Flugzeug, dass gerade zur Landung ansetzte. Am Flughafen würde niemand auf uns warten, denn niemand wusste, dass Rose Mazur zurück nach Hause kam und das fand ich auch gut so. In Paris kannte beinahe jeder meine Lebensgeschichte und sie wurde sicherlich immer noch breit getreten. Das Klischee, das in Kleinstädten viel breitgetratscht wird, stimmt zu 100 Prozent.
Es gab so vieles was ich in dieser Stadt erlebt hatte, immerhin war ich dort aufgewachsen. Dort hatte ich meine erste Liebe kennen gelernt, und meine zweite. Dort wurde mir das Herz gebrochen und von dort hatte ich fliehen müssen.
Klingt alles etwas verwirrend, also fangen wir von vorne an. Mit dem Tag, an dem Dimitri Belikov in mein Leben trat.


     "Rosemarie!", rief meine Mutter mich von unten zu sich.
Ich saß auf meinem Bett und hatte mit meinen Buntstiften gerade einen Tiger lila angemalt, aber bei dem Ruf meiner Mutter hatte ich über den Rand gemalt.
     "Mist", schimpfte ich.
Schnell ließ ich den Stift fallen und machte mich auf den Weg zu meiner Mutter. Mein kleines fünfjähriges Ich war ziemlich klein, deshalb dauerte es eine Weile bis ich den Flut und die vielen Treppen überstanden hatte.
     "Ja, Mommy?", fragte ich, als ich unten angekommen war.
     "Das Haus die Straße runter wurde heute bezogen, komm wir wollen uns vorstellen und sie willkommen heißen", lächelte meine Mum und hielt mir ihre Hand hin.
Ich wollte lieber wieder hoch gehen, aber ich wusste, dass das nicht gehen würde. Also nahm ich seufzend ihre Hand und gemeinsam machten wir uns auf den Weg.
     "Was ist mit Eddie und Daddy?", fragte ich, während wir die Straße hinab gingen.
     "Dein Daddy und dein Bruder sind noch beim Baseball", lachte Mommy.
Sie verstand deren Lust zum Sport nicht. Ich hatte auch mitkommen wollen, aber Eddie - mein dummer älterer Bruder - wollte ohne mich gehen, also hatte mein Dad mich vertrösten müssen. Aber er hatte mir versprochen, dass nur wir beide zum nächsten Basketball spielen gehen würden. Denn meiner war seit heute morgen weg ...
Schneller als erwartet standen wir vor einem Haus. Ich war überrascht. Versteht mich nicht falsch, es war ein Haus, nur kein Haus wie ich es kannte. Mein Dad war ein erfolgreicher Anwalt, besaß sogar eine eigene Kanzlei und meine Mum führte ihr eigenes Unternehmen, was bedeutete das wir sehr viel Geld hatten. Wir lebten in einer Villa. Jeder meiner Elternteile besaß ein eigenes Büro, Eddie und ich hatten jeweils ein Zimmer, meine Eltern hatten ein Schlafzimmer, wir besaßen drei Gästezimmer, ein Musikzimmer, ein Fernsehzimmer, ein kleines Sportstudio, eine Sauna, einen Pool, fünf Bäder, ein ausgiebiges Wohnzimmer mit Wintergarten, ein einladendes Esszimmer und zwei Ankleidezimmer.
Dieses Haus, es war ... klein? Es hatte ein Erdgeschoss und einen ersten Stock. Aber das ganze Haus hatte höchsten vier oder fünf Zimmer und so was war für mich als fünfjährige missverständlich, da auch alle meine Freunde reiche Eltern besaßen.
Meine Mum klopfte an und eine Frau, in selben Alter wie meine Mum wahrscheinlich, öffnete uns lächelnd die Tür. Hinter ihr stand ein kleiner Junge. Mit meinem Basketball!
     "Hey!", rief ich also, bevor auch nur irgendjemand etwas sagen konnte. "Das ist meiner!"
Sofort sah der Junge auf und hörte auf mit dem Basketball zu spielen. Er erhaschte einen Blick auf mich, meine Mum und vermutlich seine Mum. Seine Wangen färbten sich rot und er schaute schnell zu Boden.
Ohne irgendein Wort warf er ihn zu mir und sah traurig auf den Boden. Er spielt mit seinem T-Shirt und wich jedem Blick aus. Es dauerte eine Weile bis ich begriff, dass diese Familie arm war und der Junge sich wahrscheinlich keinen eigenen Ball leisten konnte.
     "Wollen wir spielen?", fragte ich also schnell.
Sofort sah er mich mit großen Augen an. Zur Erklärung hielt ich den Ball hoch und lächelte, damit er sah, dass ich nicht böse war. Auch er lächelte überglücklich und sah fragend seine Mutter an. Sie nickte nur und wir beiden gingen in den Garten.
     "Ich bin Rose", stellte ich mir vor.
     "Dimitri", lächelte er.



Ich lächelte bei der Erinnerung an unser Treffen. Damals hatte ich noch nicht gewusst, dass die Kluft zwischen uns nicht nur mit einem einfachen Basketball zu beschwichtigen sein würde. Unsere finanziellen Unterschiede sollten noch für viel mehr Probleme sorgen.
     "Bitte begeben Sie sich nun alle auf Ihre Plätze und legen Sie ihre Sitzgurte an. Wir werden in Kürze den Flughafen von Dallas erreichen", ertönten die Worte der Stewardess über die Lautsprecher.
Ich setzte mich wieder gerade hin und löste mich aus der Umarmung meines Mannes. Mein Gurt klemmte für einen Moment, aber es lag viel mehr an meinen zitternden Händen, als an dem Gurt, dass ich ihn nicht richtig zu bekam.
     "Hier, lass mich."
     "Danke", nuschelte ich und lächelte.
Er schenkte mir ebenfalls ein strahlendes Lächeln und küsste meine Wange. Eine Eigenart, die viele Männer zu besitzen schien ...


     "Rosie Posie", lachte Dimitri.
Er umarmte mich stürmisch, küsste meine Wange und ging dann an mir vorbei rein ins Haus. Etwas perplex sah ich ihm nach. Es war nicht ungewöhnlich, dass Dimitri einfach mal so vorbei kam. Er war mein bester Freund und tat es oft genug, genau wie ich unangekündigt bei ihm vorbei kam. Immerhin war er noch so höflich zu klingeln oder zu klopfen, ich hingegen ging einfach immer hinein, als würde ich bei ihm leben.
Dimitri schmiss sich breit grinsend auf mein Bett und lächelte mich an.
     "Wieso so glücklich?", fragte ich etwas skeptisch und schloss meine Zimmer wieder.
     "Darf ich nicht auch mal glücklich sein?", gluckste er und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.
Sein T-Shirt rutschte ein Stück hoch und ließ einen schmalen Spalt seines Bauches sehen. Die äußere Linie seiner Bauchmuskeln und die sonnen gebräunte Haut. Ich musste mich zwingen ihn nicht anzustarren und zu sabbern. Je älter Dimitri wurde, umso besser sah er aus. Seine Haut war sonnen gebräunt Sein Körper stählern und voller Muskeln, die einen an Ort und Stelle zum schmelzen brachten. Seine braunen Haare wurden immer länger und bald könnte er sich einen Zopf machen, aber noch waren sie dafür zu kurz. Sein braunes Haar war etwas heller als meines, aber nicht sehr. Es war weich und hatte einen Goldschimmer in der Sonne. Und seine Augen, seine Augen waren von einem satten dunklem Schokoladenbraun Gott, ich liebe Schokolade vermutlich nur so sehr, wegen dieser Augen! Und wenn er lächelte, es war als wäre er die Sonne, die strahlte. Er lächelte nicht häufig, war mehr für sich, aber wenn er bei mir war, war das anders.
Okay, ich war in meinen besten Freund verliebt, aber er nicht in mich und das machte das ganze für mich ziemlich schwierig.
     "Doch, natürlich", nuschelte ich.
Ich legte mich neben ihn auf mein Bett und grübelte darüber nach, was - oder viel mehr wer - ihn in so eine Hochstimmung versetzt hatte.
Aber er schien das nicht zu bemerken. Lachend schlang einen arm um meine Schultern, drückte mich an sich, küsste meine Stirn und schaltete den Fernseher an. Wie jeden Freitagabend sahen wir uns irgendeinen Film gemeinsam an. Es war ein Gruselfilm und bei jeder gruseligen Stelle - die eigentlich gar nicht so gruselig waren - versteckte ich mein Gesicht an Dimitris Brust. Es war mehr ein Vorwand um ihm näher zu sein, aber das musste er ja nicht wissen. Jedes Mal drückte Dimitri mich enger an sich und küsste meine Wange. Danach würde ich ihn anlächeln und er zurück.
Im Nachhinein hätte ich bemerken können, dass auch er mehr für mich empfunden hatte ...



Und so wie Dimitri, war es auch Adrian ...


Weinend saß ich an einen Baum gelehnt. Wie hatte er mir das nur antun können? Wieso er? Wieso ich? Wieso wir? Wieso hatte er all das zerstören müssen? Wieso hatte er mich angelogen?
     "Rose?"
Jemand setzte sich neben mich und schlang einen Arm um meine Schultern. Erneut brachen die Wasserfälle und ich schluchzte, heulte Rotz und Wasser.
Das Rasierwasser würde ich überall erkennen, vermischt mit dem Geruch von Alkohol und Zigaretten.
Adrian zog mich auf seinen Schoß, rieb mir beruhigend den Rücken und tröstete mich. Immer wieder küsste er meine Tränen von den Wangen. Immer wieder versicherte er mir, dass Dimitri meine Tränen nicht wert waren. Immer wieder küsste er meine Wangen, bis er schließlich meinen Mund fand.



     "Okay, Rose, komm."
Er hielt mir seine Hand entgegen und ich ergriff sie dankbar. Hand in Hand verließen wir die Maschine. Der Flughafen war nicht sonderlich gut besucht, aber dennoch mussten wir eine Weile darauf warten unser Gepäck zu bekommen. Wie immer durfte ich nur die leichteste, aller kleinste Tasche tragen. Grinsend nahm ich sie und schüttelte den Kopf.
     "Was?", grinste mein Mann. "Ich lasse meine Frau doch keine schweren Sachen schleppen."
Grinsend schlang einen Arm um meine Schultern. Mit der anderen trug er den Koffer und die große Reisetasche. So verließen wir dann den Flughafen, beide breit grinsend und lachend. Die Sonne schien und es schien alles in allem ein schöner Tag zu werden.
     "Wir brauchen ein Auto", stellte ich fest. "Wo ist der Auto Verleih?"
     "Verleih? Schatz, da vorne steht unser Auto."
Verwirrt folgte ich seinem Finger und sah einen funkelnagelneuen Wagen. Er stand zu weit weg, so dass ich die Marke nicht erkennen konnte, aber war neu.
     "Du hast uns ein neues Auto gekauft?", fragte ich.
     "Ist das schlimm?", fragte er und sah für einen Moment wirklich schuldbewusst aus.
Es war ja irgendwie süß, wie er mit seiner Schmolllippe auf mich hinab sah.
     "Nein", lachte ich und küsste ihn.
Er atmete erleichtert aus. Es war etwas kompliziert, dass zu verstehen. Wir hatten Geld, sogar sehr viel Geld. Aber ich wollte es dennoch nicht zum Fenster rausschmeißen. Aber ein zweites Auto war nicht wirklich raus geschmissenes Geld, immerhin waren wir zwei Personen.


     "Happy Birthday Rose!", riefen alle meine Freunde, als ich durch die Tür trat.
Überrascht trat ich einen Schritt zurück und grinste dann bis über beide Ohren.
     "Aw, Leute", grinste ich und wurde sofort in mehrere Umarmungen gedrückt. "Danke!"
Es war mein Geburtstag gewesen, meine Eltern hatten eine große Feier organisiert mit all meinen Freunde. Ich hatte sehr viele, sehr teure Geschenke bekommen. Es war mein erster Geburtstag als Dimitris feste Freundin und eigentlich wollte ich nur sein Geschenk sehen, da er den ganzen Tag so nervös gewesen war, es mir zu geben.
Am Abend lagen wir beide in meinem Bett und er strich mir eine Strähne hinters Ohr, als ich es endlich bekam.
     "Mach die Augen zu", flüsterte er.
Ich gehorchte. Seine Hände verschränkten sich in meinem Nacken und dann waren sie auch schon wieder weg und etwas kaltes lag in meiner Halskuhle. Als ich die Augen wieder öffnete sah ich auf die Kette um meinen Hals. Sie war aus Silber und sehr dünn. Ein Anhänger hing daran, verziert mit Rosen auf der Vorderseite und einem Cowboyhut auf der Rückseite. Ich kicherte, als ich das bemerkte.
     "Öffne es", meinte Dimitri.
Ich sah für einen Moment in seine dunklen Augen und öffnete dann das Medaillon. Innen war ein Foto von Dimitri und mir. Auf der anderen Seite waren die Worte "Für immer" eingraviert. Mir stiegen Tränen in die Augen als ich mich zu Dimitri wandte, aber er hatte sich von mir abgewandt und saß nun am Rand des Bettes, mit den Unterarmen auf den Knien gestützt.
     "Ich weiß, es ist nicht viel wert und du hast viel schönere Ketten, aber mehr konnte ich mir nicht leisten", meinte er offenkundig beschämt.
     "Spinnst du?", entfuhr es mir.
Sofort bereute ich den Ausbruch, denn Dimitris Rückenmuskulatur spannte sich an. Aber ich dachte eigentlich nie nach, bevor ich sprach. Ich setzte mich auf und rutschte vom Bett, nur um mich dann vor Dimitri zu knien. Er hatte den Kopf in den Händen und ich nahm seine Hände von seinem Gesicht.
     "Das ist das wunder schönste Geschenk, dass ich je in meinem Leben bekommen habe. Aber Dimitri, du hast zu viel dafür ausgegeben. Ich will nicht, dass du extra etwas für mich gravieren lässt, dass musst du nicht. So etwas brauche ich nicht."
     "Rose, wie soll ich denn sonst mit all dem mithalten, huh?!", sprudelte es nun aus ihm heraus. "Deine Eltern haben dir ein verdammtes Auto geschenkt. Deine Bruder die eine Woche Ferien in Frankreich, im richtigen Paris. Lissa hat dir Klamotten im Wert von mehreren Tausend Dollar geschenkt! Adrian hat die Diamanten geschenkt. Rose, dass kann ich dir nicht bieten. Ich werde dir das nie bieten können, aber du verdienst das alles, verstehst du denn nicht? Du verdienst Diamanten, aber die kann ich dir nicht bieten."
Erschöpft ließ er den Kopf fallen. Da war sie wieder, die alte Diskussion, das alte Problem. Dimitri, der arme Junge von nebenan. Ich, dass reiche Mädchen. Es scherte mich nicht und auch unseren Freunden war es egal, wer wie viel Geld hatte. Nur Dimitri nicht. Er kam sich schuldig vor, wenn jemand ihm etwas bezahlen wollte oder er bei Geburtstagen nur kleine Geschenke hatte und nichts großes, wie all wir anderen.
     "Und was soll ich mit Diamanten, huh, Dimitri?"
Er sah auf mit tränennassen Augen. Aber er weinte nicht, er weinte nie.
     "Was bringen mir diese Ohrringe, die tausend andere auch haben. Was soll ich mit einem Auto, dass ich nicht fahren darf? Was soll ich eine Woche Paris ohne dich? Und Klamotten habe ich schon genug! Dimitri, all das bedeutet mir nichts. Es ist mir scheiß egal, was ich zum Geburtstag bekomme, Hauptsache ich habe dich. Du bist mir wichtig, nicht all diese Sachen!"



Danach hatten wir das Thema nicht mehr angeschnitten. Ich hatte geglaubt er hatte mich verstanden, aber dass hatte er nicht. Vermutlich verstand er es heute noch nicht. Er war damals verschwunden, ohne es verstanden zu haben.


     "Ich werde aufs College gehen. In New York. Sie bieten mir ein Stipendium."
Was? Nein! Mit großen Augen blickte ich Dimitri an. Nein, wieso?
     "W- Wieso?", fragte ich.
Seufzend fuhr sich Dimitri mit einer Hand durchs Haar.
     "Rose, ich muss aufs College gehen. Dann kann ich studieren, einen guten Job bekommen und der Mann sein, den du verdienst. Der sich die Dinge leisten kann, die du verdienst."
Vehement schüttelte ich den Kopf, während Tränen über meine Wangen liefen. Doch bevor ich protestieren konnte, sprach er weiter.
     "New York bietet mir dafür die besten Möglichkeiten. Ich habe schon alles geklärt, meine Sachen sind gepackt und ich werde fahren."
     "Wann?", blieb mir also nur noch erstickt zu fahren.
     "Nächste Woche."
Ich sah die Trauer in seinen Augen, aber auch die Resignation und ich sah wie er etwas vor mich verschloss. Irgendetwas, dass ich nicht wissen sollte. Er verheimlichte etwas vor mir, aber das war mir im Moment egal. Er verließ mich.

- Der Abschied -

Ich stieß die Türen zum Bahnhof auf. Dort stand er, umrandet von seinen Schwestern und seiner Mutter. Unsere Freunde hatten sich gestern bei ihm mit einer Party verabschiedet. Eben diese war auch der Grund, dass ich zu spät hier angekommen war. Als ich auf ihn zukam, lächelten mich alle Belikovs an. Sie waren etwas wie meine zweite Familie. Meine Mum und mein Dad waren immer arbeiten, also war ich meistens bei ihnen gewesen.
     "Ich wusste, du würdest zu spät kommen", grinste Dimitri.
Die Belikovs kicherten und auch ich konnte mir ein Grinsen nicht verkneifen.
     "Sei froh, dass ich überhaupt gekommen bin", boxte ich seinen Arm.
Aber schon wechselte seine spielerische Miene einer ernsten. Mit einem Ruck zog er mich in seine Arme und ich schluchzte an seiner Brust.
     "Du kommst wieder", nuschelte ich an seiner Brust. "Dann heiraten wir, bekommen Kinder und kaufen uns ein Haus."
Das war unser Plan gewesen, schon seit wir klein waren. Aber diesmal stimmte er nicht zu, wie er es sonst immer getan hatte. Verwundert löste ich mich von ihm. Er sah mir nicht in die Augen.
     "Dimitri?"
Er schwieg eine Weile, ehe er abwesend nickte und mir ein letztes trauriges Lächeln schenkte.
     "Musst du wirklich gehen?", fragte ich.
Nickend umschloss er mein Gesicht.
     "Ja Rose, ich muss. Du verdienst mehr. Ich werde mein Studium machen und dann einen Job finden. Ich werde der Mann werden, den du verdienst."
Ich hatte schon am vorherigen Tag, der vorherigen Woche, versucht ihm diese Gedanken auszureden, aber es half nichts. Er gab nicht nach.
Insgeheim hatte ich mir gewünscht schwanger zu sein, etwas von ihm bei mir zu behalten oder ihn zu zwingen bei mir zu bleiben, aber nein. Ich hatte ihm sogar gesagt ich sei schwanger, aber er konnte mich lesen wie ein offenes Buch und wusste, dass ich gelogen hatte. Ich versuchte alles mögliche, nur noch sechs Monate zu leben, Selbstmord Gefahr, Schwanger, ich würde sein Zimmer verbrennen, alles, aber nichts half und nun winkte ich ihm zu. Sah zu wie der Mann, die Liebe meines Lebens, in einem Zug davon rollte.
Ein einziger Zug, nahm mir meinen Freund, meinen besten Freund, meinen zukünftigen Mann, den zukünftigen Vater meiner Kinder, meinen Seelen verwandten



Und er war wieder gekommen, ohne irgendetwas verstanden zu haben.


Er war wieder da. Er war wieder da. Er war wieder da.
Mein Herz wäre vor Freude beinahe geplatzt. Strahlend war ich den altbekannten Weg gelaufen. Ich rannte in den Garten, in dem die ganze Familie stand und hörte sein Lachen. Nach vier langen Jahren sah ich ihn wieder. Und seine Frau. Und er, wie hatte er reagiert, als er mich wieder sah? Er hatte gelächelt, und mir seine Frau vorgestellt.
Schockiert über den Mann der vor mir stand war ich weggelaufen. Dimitri. Verheiratet!
Kein Wunder, dass er nie auf irgendwelche Briefe geantwortet hatte. Kein Wunder, dass er in vier Jahren nicht einmal nach Hause gekommen war. Der Betrug zerbrach mein Herz. Seine Familie musste es gewusst haben, sie waren zu vertraut mit dieser Frau gewesen, auch sie hatten mir ins Gesicht gelogen.  
An noch demselben Abend hatte er mich aufgesucht. Ich hatte die Tür einen Spalt geöffnet und sobald ich ihn gesehen hatte, versucht sie wieder zu zuknallen, aber sein Fuß war schneller und er trat ein, ohne auf meine Proteste zu achten.
     "Raus!", schrie ich ihn an.
     "Nein", knurrte er dagegen.
Wir funkelten uns eine Weile nur wütend an, eher seine Schultern die Anspannung verloren.
     "ich will mit dir reden", meinte er.
     "Ich aber nicht mit dir."
     "Lass es mich erklären", bat er.
     "Was? Deine Frau? Dass du dich all die Jahre nicht gemeldet hast? Dass ich die letzten Jahre mit warten vergeudet habe?"
     "Es tut mir Leid. Rose, ich" Er seufzte. "Ich hatte nie vor zurück zu kommen. Es ist unmöglich für mich einen Job zu bekommen, der so gut wäre wie der deines Vaters oder Adrians. Tasha -" Wieder ein Seufzen. "Sie ist bodenständig, kommt aus einer Arbeiterfamilie. Sie -"
     "Willst du mich verarschen?!", schrie ich an.
     "Rose, ich liebe Tasha! Ich liebe dich auch, immer noch, aber ich weiß nicht ob das reicht", schüttelte er den Kopf.
Es reichte nicht, entschied ich in diesem Moment. Er hatte sie geheiratet weil sie nicht reich war. Er bestrafte mich, weil ich reich war? Das war nicht meine Schuld, nicht meine Entscheidung. Es war nicht einmal etwas, dass ich wollte! Ich könnte gut ohne den Luxus leben! Verdammt, wenn er es von Anfang an so geplant hatte, wieso hatte er mich dann in dem Glauben gelassen, er würde wieder kommen, mich heiraten und mit mir eine Familie gründen?! Wieso hatte er mir das angetan?!



Wir saßen im Auto und fuhren in Richtung Paris. Paris war 105 Meilen von Dallas entfernt. Wir hatten also ungefähr zwei Stunden Fahrtzeit vor uns. Das letzte Mal war ich diese Strecke noch mit Adrian gefahren.


Adrian fuhr und nahm meine linke Hand in seine rechte. Ohne die Augen von der Straße zu nehmen, hob er sie an seine Lippen und küsste meine Fingerknöchel.
     "Er hatte dich nie verdient", flüsterte er in die Stille.
     "Und du schon?", grinste ich schelmisch.
Aber es hatte nicht den gewünschten Effekt, meine Wangen waren immer noch feucht, von all den vergossenen Tränen, die ich Dimitris 'wegen vergossen hatte. Sogar meine Wimperntusche war noch in Striemen auf meinen Wangen.
Adrian sah zu mir rüber, mit einer traurigen Miene.
     "Nein", schüttelte er den Kopf. "Ich verdiene dich nicht, aber im Gegensatz zu ihm werde ich alles tun, um zu versuchen, dich glücklich zu machen und zu hoffen. Ich werde jeden Tag damit verbringen, dich wie eine Königin zu behandeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Königin sich in ihren Butler verliebt."
Ich musste auflachen. Er war so süß. Dimitri war vorgestern zurück gekommen. Gestern hatte ich ihn noch ertragen müssen, aber heute floh ich. Ich wusste nicht wohin, einfach nur weg, dass war es das ich wollte und mein Vater verstand es. Er hatte mir sofort einen Flug gebucht, ein Hotel und mir Geld auf mein Konto überwiesen. Das ganze Dorf tratschte über mich und Dimitri und ich hielt es nicht aus. All das Gewisper, die Blicke, das Gekicher und das glückliche Paar: Dimitri und Tasha.
Also floh ich, und Adrian mit mir.
Aber nicht lang. Wir blieben einen Monat in Italien, Florenz. Dann fuhr Adrian wieder nach Hause. Er besuchte mich immer mal wieder. Mal in Paris, mal London, Mal Toronto, mal Peking. Ich war eigentlich fast überall. In der Zwischenzeit blieb ich per E-Mail mit allen in Kontakt. Lissa, Mason, Eddie, Christian, Mia, Dad, Mum und Adrian. Auf Adrians Nachrichten hatte ich mich am meisten gefreut, da ich mich langsam in ihn verliebt hatte. Ich musste nur noch den Mut finden, es ihm zu beichten. Aber er zerstörte diesen Plan mit einer einzigen Mail.

Rose,

ich kann nicht mehr. Ich warte schon so lange auf dich und ich kann nicht mehr. Ich habe jemanden kennen gelernt.
Rose, ich liebe sie.
Es tut mir Leid

Adrian



Danach hatte ich den Kontakt abgebrochen. Ich schrieb nicht mehr allen meinen Freunden, sondern nur manchen. Ich schrieb nicht mehr täglich, höchsten ein mal pro Monat und auch nur das Nötigste. Mein altes Leben geriet immer mehr in Vergessenheit.
Ich hatte den Männern abgeschworen. Erst Dimitri, dann Adrian. Ich verlor den Glauben an die wahre Liebe und an ein Happy End für mich. Also wurde ich draufgängerischer. Ich machte mir auch keine Mühe mehr Männern zu gefallen. Ich war auf keine Beziehungen aus und ich wollte von keinem Mann angesprochen werden. Ich wollte für mich sein, allein.
Aber das blieb nicht lange so.
Und nun war ich verheiratet und verständlicherweise wollte mein Mann meine Eltern kennen lernen. Er würde die Stadt sehen, in der ich geboren und aufgewachsen war. Er würde meine Freunde aus Kindertagen kennenlernen. Meine erste und zweite Liebe meines Lebens, von denen ich nicht wusste, wie sie oder ich reagieren würden, bei einer Wiedervereinigung.
Und er würde all das Getratsche der Stadt erleiden müssen. Denn er würde der Neue sein, der Eindringling.
Seufzend sah ich von der Landschaft weg und sah mir meinen Mann an.
Sein blondes Haar schien in der Sonne. Wie ein Heiligenschein. Seine blauen Augen leuchteten vor Aufregung und Erwartung. Seine hohen Wangenknochen warfen leichte Schatten auf sein Kinn und er hatte leichte Bartstoppeln.
     "Du hast dich nicht rasiert", bemerkte ich und fuhr mit dem Daumen seinen Kiefer lang.
Er brummte zufrieden und schloss für einen Moment die Augen. Dann lehnte er sich in meine Berührung und lächelte.
     "Ich werde es heute Abend nachholen", versicherte er mir.
     "Ich habe nicht gesagt, dass er mich nicht gefällt", grinste ich.
Er lachte ein herzhaftes Lachen, dass mir jedes mal aufs neue den Atem verschlug. Er klang so offen, so glücklich. Und dieses Lachen hörte ich nicht oft, nur wenn er wirklich entspannt war. Wenn er unter seinen Freunden war, seiner Familie oder bei mir. Ich lächelte.
     "Ich werde mich trotzdem rasieren", gluckste er.
     "Wieso"?, schmollte ich. "Ich mag's."
     "Mag sein, aber ich werde mich deinen Eltern nicht unrasiert vorstellen."
Ich verdrehte nur kichernd die Augen Typisch. Hauptsache die Etikette blieb gewahrt, wenn er schon nicht um meine Hand anhalten konnte, wie es eigentlich der Brauch war, dann wollte wenigstens das erste Treffen nach seinem Plan verlaufen.
     "Ich liebe dich", lächelte ich und fuhr mit einer Hand durch sein goldblondes Haar.
Ein strahlendes Lächeln legte sich auf seine Lippen.
     "Ich werde nie müde, dass zu hören", lächelte er. "Ich liebe dich, Rose."







Autoren Nachricht:

Ich wiederhole:
Rose kommt jetzt nach Hause und wird auf Dimitri und alle anderen Treffen

Dies ist und bleibt eine Rose & Dimitri Story :)
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