Jahrestag

GeschichteFreundschaft / P12
Eve Sven Vollfied Train Heartnet
01.01.2013
01.01.2013
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"I didn't know then it would hurt like this, but I think;
The older I get, maybe I’ll get over it.
It's been way too long for the times we missed,
I can't believe it still hurts like this."


Grummelnd hielt sich Train die schmerzende Wange, welche das Prinzesschen bloß kurze Zeit zuvor durch eine rasche Handbewegung mit einem roten, pulsierenden Abdruck versehen hatte. Niemals hätte sich der brünette Sweeper zu träumen gewagt, das kleine emotionslose Mädchen von damals jemals so in Rage darüber zu erleben, sich unerlaubten Eintritt in ihr Zimmer zu verschaffen. Zugegeben, seit sie die Volljährigkeit erreicht und Jahr für Jahr überschritten hatte, veränderte sich die kleine Eve stetig ein weiteres Stückchen in die Richtung einer Dame. Dennoch befand er dies als nichtigen Grund im Angesicht ihrer jahrelangen Partnerschaft.
Mit einem leichten Seufzer ließ er sich auf einen der freien Stühle des Wohnzimmertisches fallen und begann gelangweilt, sich mit den Dokumenten zu beschäftigten, welche Sven ihm explizit eingetrichtert hatte, durchzusehen. Trotz der stolzen Anzahl der dreizehn Jahre, welche sie nun bereits als Sweeper zusammenarbeiteten, schien der Ältere ohne Zweifel noch im Dunkeln darüber zu tappen, welch großen Fehler er damit beging, seinem Partner den die schriftlichen Arbeiten zu überlassen.
Womöglich hatte er auch schlicht beschlossen, diese Tatsache zu ignorieren, um sein Gewissen nicht zu sehr damit zu belasten. In welche Richtung Train es auch drehte und wendete, sein Verstand war nun einmal nicht auf Angelegenheiten wie diese ausgerichtet, selbst nach einer derartig langen Zeit in derselben Beschäftigung.
Ein letztes Mal huschten seine Augen über die Formulare sowie die unter ihnen verborgenen Reporte und Informationsdokumente, bevor er sie allesamt gleichermaßen verfluchte und sich stöhnend in dem hölzernen Stuhl zurücklehnte. Sein Blick fiel aus seinen Augenwinkeln auf den leicht vergilbten Kalender, welcher in der Entfernung einiger Schritte von ihm an der Wand befestigt worden war. Um selbst bei den kleinsten Dingen an Geld zu sparen verwendeten sie in diversen Verstecken nun alte Kalender wieder, welche für die jeweiligen Jahre übereinstimmten.
An diesem prangte die stechend rote Jahreszahl 2005, obgleich sie sich bereits weit voraus in 2011 befanden, jedoch war keine der Seiten herausgerissen worden, noch zeigten sie ein Zeichen davon, jemals beschrieben worden zu sein; demnach schien es als das Beste, Sven seinen Willen zu lassen und die beinahe schon gelben Seiten an ihrem Platz verweilen zu lassen.
„Schon wieder dieser Tag, was?“, murmelte er in einem selbst für ihn undefinierbaren Tonfall, als ihm der nächste nicht ausgestrichene Tag ins Auge stach. „Dreizehn Jahre schon…“
„Und selbst in deinen Dreißigern drückst dich immer noch vor dem Papierkram“, schloss Svens brummende Stimme seinen unfertigen Satz, für welchen er selbst nicht intendiert hatte, ihn jemals zu einem Ende zu bringen. Nach einem verwunderten Blinzeln schwenkte der brünette Mann seinen Kopf in die Richtung, in welcher sein Partner diesen überaus spitzen, dennoch unwiderlegbar akkuraten, Kommentar ausgesprochen hatte. Gerade löste dieser die Bänder seiner leicht abgenutzten doch dennoch stets getragenen, rosaroten Schürze, als der brünette Sweeper den runden Tisch vor sich als nützliche Stütze für einen seiner Arme befand, sowie sein Kinn in der geöffneten Handfläche ablegte.
„Ach komm. So stark verändert sich niemand“, meinte er in dem bübischen Tonfall, welcher ihm über all die Jahre erhalten geblieben war. Selbst wenn sein Körper entschieden hatte, dem Ruf der Zeit Folge zu leisten und sich mit ihr zu bewegen, galt dies keinesfalls für seinen Geist, welcher wie bereits seit dem Beginn ihrer Partnerschaft eher dem eines Minderjährigen glich. Seine Kindheit war weitestgehend aufgeholt, doch nun befasste er sich damit, seine Jugendzeit nachzuholen.
Sven brachte ihm ein schiefes Lächeln entgegen, welches offenkundig Svens gemischte Gefühle über diese Aussage vermittelte. Noch während sich der grünhaarige Sweeper die Tasse brühenden, schwarzen Kaffee griff, welche sich auf der Anrichte nahe des Tisches befunden hatte, bequemte er sich ebenfalls auf eine der freien Sitzgelegenheiten neben seinen Partner. Bereits bevor er sich vollständig gesetzt hatte, nippte er leicht an dem Heißgetränk, welches ihn seinem Gesichtsausdruck nach zu teilen ungemein zufriedenstellte. Erst dann widmete er sich erneut Train.
„Klar. Und das ausgerechnet von dir, Mr. Black Cat.“
„Klappe“, konterte dieser schlicht mit einem breiten Grinsen auf den Lippen. Es spielte keine Rolle, wie lange sie in Gesellschaft des jeweils anderen verbrachten, niemals würden die beiden Sweeper in eine Situation geraten, in der sie sich nicht blind verstanden, soviel war beiden Seiten bewusst. „Anstatt mir auf die Nerven zu gehen, solltest du mal mit dem Prinzesschen reden. Sie hat mich eben einfach aus ihrem Zimmer geschmissen.“
„Gut so. Mit 22 hat sie das Recht dazu, Männer aus ihrem Raum zu werfen. Meine vollste Unterstützung hat sie dabei jedenfalls“, erwiderte Sven postwendend. Den ungläubigen Ausdruck des Jüngeren sichtlich genießend, nahm er einen weiteren Schluck aus seiner Tasse und rückte seine Position in dem Stuhl etwas zurecht. Lange hielt Trains Entrüstung allerdings nicht an, da dessen Gesicht nach einigen Momenten ein frecheres Grinsen als das zuvor zierte und er sich kurzerhand halblängs über den Tisch beugte, um seinem Partner aus kürzerer Distanz seine folgenden Worte zu übermitteln.
„Hör‘ ich da väterliche Sorge aus dir sprechen? Du wirst alt, mein Lieber.“
„Du doch auch“, konterte Angesprochener schmunzelnd. „34 gilt immerhin nicht mehr als blutjung, wie du sehr wohl weißt.“
„Ach, lass mich in Ruhe mit Zahlen. Du weißt, Mathe liegt mir nicht.“
In dem Versuch, seiner Haltung einen beleidigten Ausdruck zu verleihen, verschränkte der brünette Sweeper während er sprach die Arme vor der Brust, sowie er im selben Moment seinen Kopf erneut aus der Richtung seines kaffeetrinken Partners wandte. Dies ließ seinen Blick erneut auf den Kalender fallen, welchen er zuvor noch betrachtet hatte und rief seine Gedanken aus der kurzen Zeitspanne vor ihrem Gespräch wieder in sein Bewusstsein. Ohne Verzögerung fiel der gespielte Ausdruck von seinem Gesicht, da ihm keinesfalls mehr danach zu Mute war, über das Thema, welches er zu beginnen im Begriff war, zu scherzen. „Glaubst du, es hört irgendwann auf?“
Unmittelbar nachdem Sven wohl die Ernsthaftigkeit in seiner Stimme vernommen hatte, wechselte auch dieser nun in eine ernstere Stimmung, welche ihn selbst dazu veranlasste, die Tasse in seiner Hand auf der glatten Oberfläche des Tisches abzustellen. „Ich nehme stark an, du bist vernünftig genug, mich nicht danach zu fragen, ob das Altern irgendwann aufhört. Also was meinst du?“
„Ich rede von heute“, begann Train seine verschleierte Erklärung, welche jedoch mit jedem Wort, das er schließlich noch anhängte, besser verständlich wurde. „Von diesem Datum, jedes Jahr. Der Feuerwerksnacht in Port City. Ich frage mich, ob ich irgendwann so weit bin, es abhaken zu können, ohne an sie zu denken.“
„Mach dich nicht lächerlich.“
Ob der unerwarteten Entgegnung in einen Zustand der Verwunderung driftend, weiteten sich die braunen Augen des jüngeren Sweepers ein wenig, als er sich bedächtig zu Sven umwandte, welcher ihn einige Augenblicke lang mit seinen Augen fixierte, bevor er seinen Kaffee wohl als betrachtenswerter befand. „Sie ist der Grund dafür, dass du in diesem Moment überhaupt hier sitzt und dir darüber Gedanken machen kannst. Was hättest du davon, sie zu vergessen? Soweit ich weiß, wolltest du das nie –“
„Ich rede ja auch nicht davon, sie zu vergessen!“, fiel Train ihm abrupt ins Wort, sobald ihm dieser verhasste Ausdruck zu Ohren gekommen war. Ruckartig erhob er sich aus seinem Stuhl, welcher gefährlich taumelnd eben noch dem Sturz entging und stützte sich mit beiden Armen gegen den Tisch, was Svens Tasse dazu veranlasste, leicht überzuschwappen. Ohne es zu beabsichtigen, hob er seine Stimme zu einer Lautstärke an, welche bereits über lautes Sprechen hinausreichte. „Ich könnte sie nie vergessen, sogar, wenn ich es jahrelang versuchen würde; was ich übrigens nicht vorhabe! Was ich meine, ist, ob ich mich vielleicht irgendwann mit ihrem Tod abfinden kann, damit in mir nicht jedes Mal an diesem Tag irgendwas zerbricht!“
Unnatürliche Stille legte sich über die beiden Sweeper, nachdem er geendet hatte. Beiden war die momentane Angespanntheit zwischen ihnen wohl bewusst, doch Sven schien ein geringfügig mulmigeres Gefühl erfasst zu haben als sein Gegenüber, weswegen er wohl in seinen Gedanken nach den passenden Worten Ausschau hielt. Train hingegen verblieb in seiner Haltung sowie Gemütslage, ohne nach weiteren Sätzen zu suchen, welche diese für ihn keineswegs angenehme Unterhaltung weiter verlängern würden. Doch trotz dieser Ambition entkamen ihm doch einige weitere Worte.
„Ich weiß nicht mehr, was ich dagegen tun soll, Sven. Als ich Creed geschlagen habe, dachte ich, ich hätte mich damit abgefunden. Aber da lag ich falsch. Und je mehr Zeit vergeht, desto weniger glaube ich, dass ich das überhaupt hinbekomme.“
„Ich hätte da einen Vorschlag“, überraschte sie aus dem Nichts eine hellere Stimme, welche unter keinen Umständen einem der beiden Männer gehören konnte und veranlasste Train sowie Sven dazu, sich ruckartig in die Richtung zu drehen, aus der sie die Worte vernommen hatten. Ihr goldgelbes Haar leicht über die Schultern fallend nahm Eve soeben die letzte Stufe der Treppe, welche zur oberen Etage des Versteckes führte, in dem sich ihre Schlafräume befanden. Die junge Frau, welche Train nun bereits bis zur Nasenspitze reichte, behielt eine ihrer Hände auf dem letzten Pfahl des Geländers, an welchem sie sich selbst hinuntergeführt hatte.
„Du hast uns zugehört?“, verlangte Sven, welcher zuerst die Sprache wiedergefunden zu haben schien, von ihr zu erfahren, bevor sie zu einer weiteren Aussage ansetzen konnte, um sich zu erklären. „Wie lange?“
„Seit von der Feuerwerksnacht die Rede war.“
„Und was ist dein Vorschlag, Prinzesschen?“, fiel Train seinem Partner ins Wort, als dieser seinem tiefen Atemzug nach zu urteilen, bereits eine weitere Frage im Sinn gehabt hatte, was dem jüngeren Sweeper jedoch zweitrangig erschien. Über die letzten Jahre war Eve zu einer verantwortungsvollen, jungen Frau heran gewachsen – ihre Lesegewohnheiten und wortkargen Antworten waren ebenfalls angewachsen – und im Gegensatz zu den ersten paar Monaten, welche sie gemeinsam verbracht hatten, sah er sie nun ebenso als Teil seiner ‚Familie‘ an wie Sven. Daher schenkte er ihrer Meinung nun auch viel offener und kompromissloser Gehört, als er es in der Vergangenheit getan hatte.
Eve nickte zum Dank für seine Aufmerksamkeit knapp in seine Richtung, bevor sie selbst erneut sprach. „Du meintest doch, dass dadurch, dass du dir die Feuerwerke über der Stadt vorstellst, immer die Erinnerung an diese eine Nacht zurückkommt. Stimmt doch, oder?“
Der brünette Sweeper gab ihr durch eine schnelle Handbewegung zu verstehen, fortzufahren. Doch bevor sie ihre Ausführungen fortsetzte, wandte sich die blonde, junge Frau ein wenig um Raum, um einen Blick auf die Wanduhr zu erhaschen, welche an einer ein wenig demolierten Wand neben ihr angebracht worden war. Ihre Augen blitzten in einer freudigen Weise auf, als ihre Augen die Uhrzeit feststellten und verschafften ihr eine Ausstrahlung der Entschlossenheit, welche sie nur selten besaß.
„Dann sage ich, wir fahren jetzt sofort in diese Stadt und sehen uns das Feuerwerk an.“

„Halt“, wies Train seine beiden Partner an, welche ihm auf dem Fuße gefolgt waren, da immerhin der ehemalige Eraser derjenige war, der in dieser Stadt gelebt hatte. Sowohl der ältere Mann als auch Eve verhielten sich ruhig, als sie ihrem Freund dabei im Auge behielten, wie er bedächtig zur etwaigen Mitte der weiten, leeren Straße begab, in der sie sich befanden. Ein bedrückter Unterton schlich sich in Trains ohnehin bereits ungewöhnlich leise Stimme, als er schließlich an einer bestimmten Stelle in die Hocke ging und den Boden zu seinen Füßen mit den Fingerspitzen berührte. „Genau hier.“
Seit Eve ihren Vorschlag unterbreitet hatte, waren einige Stunden vergangen, in denen sie in Svens nun noch älterem Wagen darum gekämpft hatten, zur rechten Zeit in der Stadt anzukommen, aus der der jüngere der beiden Männer vor etwa 15 Jahren auf der Flucht vor Kronos und Suche nach Creed gestürmt war. Ohne eine gesunde Menge an Zweifel nicht außen vor zu lassen, hatte sich dieser nach einigen Minuten der unterlegenen Argumentation in Eves Überzeugung gefügt und war direkt im Anschluss als Letzter in die grüne ‚Schrottlaube‘, als welche er das Auto vor einigen Jahren liebevoll getauft hatte, gestiegen war.
Eves Idee setzte sich bloß aus einem wesentlichen Gedanken zusammen; da die einzige Erinnerung, welche Train mit der Nacht des Feuerwerks verbinden konnte, nun einmal die an Sayas brutale Ermordung darstellte, würden sie diese schlichtweg durch ein erneutes Ansehen eben jener explodierenden Himmelslichter ausgleichen. Betreffender war erst skeptisch an diesen Vorschlag herangegangen, hatte sich aber schließlich in beiderseitiger Überredung durch Eve sowie Sven gefügt.
Es hatte sie wesentlich weniger Zeit gekostet, als sie erwartet hatten, den Weg zu finden, da Sven sich in den verstrichenen Jahren dazu bequemt hatte, ein Navigationsgerät installieren zu lassen. Ohne es wären sie Gefahr gelaufen, wie früher an den verschiedensten und ungünstigsten Orten irrtümlich in verschiedenste Sackgassen abzudriften, welche ihnen die ohnehin knapp bemessene Zeit geraubt hätte, welche bis zum Start des Feuerwerks noch verstreichen hatte müssen. Beinahe drei Stunden Fahrt mussten sie zurücklegen, bevor sie sich nicht weit entfernt des Ortsschildes dazu entschlossen, zu Fuß zu jenem Ort zu gelangen, auf dem Eve als Schauplatz bestand.
„Denkst du wirklich, das hier wird helfen, Prinzesschen?“
Langsam richtete sich Train wieder in eine gerade Haltung auf und warf einen fragenden Blick in Richtung der jungen Frau, in welchen auch die Melancholie ihren Platz nicht missen mochte. Ihr Blick so fest verblieben wie zuvor, nickte Eve zustimmend und tat einige Schritte auf ihren Partner zu, dicht gefolgt von Sven.
„Irgendetwas wird es ganz bestimmt auslösen. Wenn es nicht das ist, was wir erwarten, haben wir es zumindest versucht“, erklärte sie sachlich und gefasst, doch ihre kindliche Ungeduld darüber, den Start des Feuerwerks nicht abwarten zu können, bröckelte doch ein wenig unter ihrer Maske hindurch. „Außerdem wissen wir dann zumindest, dass es nicht mit dem Feuerwerk zusammenhängt.“
Nicht ohne seine andauernde Skepsis nickte Train ihren Erläuterungen zaghaft zu. Gerade machte er sich daran, sich wieder an die Seite seiner beiden Partner zu begeben, als seine überempfindlichen Ohren einige Stimmen ausmachten, welche sich ihnen aus einer unauffällig kleinen Seitengasse in ihre Nähe annäherten. Interessiert und sogleich verwundert darüber, weitere Beobachter gefunden zu haben, welche diesen relativ ungünstigen Schauplatz gewählt hatten, warf er einen schnellen Blick in entsprechende Richtung. Eine Gruppe aus drei jüngeren Männern, ihrem Aussehen nach zu urteilen vermutlich inmitten ihrer dritten Lebensjahrzehnte, schlurfte vertieft in ihrer Unterhaltung aus den Schatten. Ihre Blicke trafen den seinen, als sie einige Schritte auf die Mitte der Straße zu taten und schienen gleichsam überrascht darüber, jemanden neben ihnen anzutreffen. Jeder von ihnen trug einen Strauß frisch gebundener Blumen und Dekorationsornamente mit sich, zusammengebunden durch je ein pinkes Zierband, welche ihrerseits in die Form von Schleifen gebracht worden waren.
„Ist hier ein bisschen ungünstig als Schauplatz für das Feuerwerk“, warf Sven ihnen ohne Umschweife entgegen, bevor einer der Neuankömmling für sich selbst sprechen konnte. „Wir wollten auch grade nach etwas anderem suchen.“
Doch einer der Männer schüttelte bloß den Kopf, mit einem Schlag ein leicht melancholisches Lächeln auf den Lippen, bevor er zu einer Entgegnung ansetzte. „Wir sind nicht hier, um das Feuerwerk anzuschauen. Bloß, um die Blumen abzulegen.“
„Wofür denn, wenn ich fragen darf?“, bat Train kurzerhand nach Information, an welcher er zu jedem anderen Zeitpunkt, an jedem anderen Ort unter keinen Umständen Interesse gezeigt hätte. Doch diese Nacht schien weder für die kleine Gruppe mit den Blumen noch für ihn selbst eine reguläre durch die Bewegung des Planeten verursachte Dunkelheit zu sein. Wohl überrascht, an eine Fragestellung wie die seine geraten zu sein, tauschten seine Gegenüber vor einer Antwort einige wenig sagende Blicke unter einander aus, schienen jedoch zu dem Schluss zu kommen, nichts verbergen zu müssen.
„Uns wurde vor dreizehn Jahren genau hier das Leben gerettet“, erklärte der einzig Blonde unter ihnen, während sie sich langsam zu einer Hauswand begaben, um ihre Sträuße an eben diese anzulehnen. „Wir waren damals noch Kinder. Seitdem kommen wir jedes Jahr her, um unserer Retterin die Ehre zu erweisen, bevor wir uns das Feuerwerk ansehen.“
Die Augen des brünetten Sweepers weiteten sich in Überraschung, als er diese Begründung vernahm. Ohne sie herbeigerufen zu haben, rasten seine Gedanken für einige Momente durch die Erinnerung an jenen Tag und ihm wurde bewusst, kurz vor seiner Gegenüberstellung mit Creed aus den Augenwinkeln einen Blick auf eine kleine Gruppe von Jungen erhascht zu haben, welche sich in die entgegensetzte Richtung begeben hatten, in welche er damals über die Dächer geeilt war. Darauf bedacht, sein unangebrachtes Grinsen über diese Begebenheit so gut wie ihm möglich zu verbergen, nickte er den mittlerweile jungen Männern bloß leicht zu und überließ sie ihren stillen Danksagungen, bevor sie sich bereits einige Momente später durch ein kurzes Heben ihrer Hände verabschiedeten und in die Richtung um eine Ecke bogen, welche zu den öffentlichen Schauplätzen des Feuerwerkes führte.
Scheinbar nicht einen Bruchteil einer Sekunde zu früh. Denn nur dieser verstrich, bevor ein erster, ohrenbetäubender Knall am Himmelszelt erklang und die Aufmerksamkeit der Sweeper auf sich zog, welche sich nicht von ihren Standorten bewegt hatten. In Eves Augen spiegelte sich nun die Freude darüber wieder, welche sie jedes einzelne Mal verspürte, wann immer wie ein Feuerwerk miterlebte und auch Sven stieß einen leisen, anerkennenden Pfiff aus. Sie befanden sich keineswegs an einem der besten Orte, um dem Lichterspektakel beizuwohnen, dennoch konnten sie Blicke auf die größten und farbenfrohsten der Feuerwerkskörper erhaschen, welche ihnen bereits den Atem raubten.
Ebenfalls Trains Blick ruhte auf dem unglaublichen Spiel mit Farben, welche durch den Kontrast des pechschwarzen Nachthimmels nur noch eine fulminantere und atemberaubendere Wirkung erzeugten. Ohne sein Zutun schweiften seine Augen jedoch erneut auf die drei farbenfrohen Blumensträuße ab, welche inmitten des kalten, grauen Steins ebenfalls hervorstachen, so wie sie es vermutlich sollten.
„Hey, Prinzesschen“, meinte er bloß einige Augenblicke später und lächelte nun sanft. Er drehte sich in einer minimalen Bewegung zu der jungen Frau, welche seinen Blick verwundert erwiderte. Jedoch benötigte sie nicht allzu lange, um seine Beweggründe zu verstehen und brachte ihm nach einigen weiteren Knallen ebenfalls ihr zur Gänze eigenes Lächeln entgegen. „Danke, dass du mich hergebracht hast.“
„Keine Ursache.“
Trotz ihrer Entgegnung geleitete Train eine letzte Welle der Dankbarkeit zu seiner jungen Freundin, bevor er sich erneut dem Feuerwerk auf dem Himmel über ihm widmete. Damals war er zu aufgebracht gewesen, zu sehr von Gefühlen übermannt gewesen, um dessen Schönheit mit denselben Augen zu betrachten wie Saya, welche im Augenblick ihres Todes einen Blick auf denselben Himmel erhascht hatte. Ihm war endlich bewusst geworden, weshalb sie ihm eine derartige Anzahl von Nachrichten auf die Mailbox gesprochen hatte, in denen sie ihn dazu drängte, sie zum Feuerwerk zu begleiten. Bislang waren sie ihm als nichtig erschienen, da große Menschenmassen und Festivals damals nicht weniger in seinem Interesse hätten liegen können. Nun verstand er ihre Beweggründe.
Und beschloss ohne auch nur länger als einen Wimpernschlag lang darüber nachzudenken, im nächsten Jahr die Anzahl der Blumensträuße zu erhöhen.
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Ich hätte das hier zwar zu einer Songfic machen können, aber die Lyrics haben dann doch nicht gut genug mit meinem geschriebenem Teil zusammengepasst ;D Deswegen bloß inspiriert.
Viel steckt hier ehrlich nicht dahinter. Hab‘ mal wieder Osu! aufgemacht, aus Zufall auf die Map mit dem Song geklickt, der mich schon immer an Train/Saya erinnert hat. Und zu dem Zeitpunkt war ich halt in der Laune, zu schreiben.
…das ist alles. Mehr hab ich nicht zu sagen xD Oder halt…
Das wäre dann also mein vierter Black Cat OS. Vor etwas mehr als drei Jahren sind ‚I miss you‘ und Let’s play tag, I am the devil‘ entstanden, vor knappen drei Monaten kam ‚Ihr EDEN. Sein ENDE.‘ dazu, und jetzt wird ‚Jahrestag‘ in die Familie mit aufgenommen. Ich hätte nie gedacht, dass ich für ein einziges Fandom je so viele Ideen hätte. Aber ich bin froh, dass es ausgerechnet in diesem hier dazu gekommen ist. Black Cat befindet für mich als erster Anime, den ich in Original-Japanisch gesehen habe, an einem besonderen Platz in meinem Fangirl-Herzen und Train & Co. gut genug zu kennen, um so viel in ihre Geschichte hineinzuinterpretieren, macht mich ehrlich richtig glücklich.

So, jetzt ist Schluss :P
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