Eine Nacht mit unerwarteten Folgen

GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
01.01.2013
14.01.2020
61
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9
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Hallo,
ein kleines aber hoffentlich feines neues Kapitel für euch :)
Viel Spaß beim lesen.
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POV Eunhyuk


Aufstehen, Kaffee trinken, auf die Arbeit fahren. Dort so tun als ob ich was mache und dabei mich mit noch mehr Kaffee vollpumpen. Danach wieder 'nach Hause' fahre und dann in die Kneipe zwei Blocks weiter gehen. Kaffee mit Alkohol ersetzen und versuchen eine Frau abzuschleppen. Wie gesagt versuchen. Betrunken zurück wanken und schlafen. Dann geht es wieder von vorne los. Und das seit, wie lange bin ich jetzt hier? Zwei Wochen? Drei Wochen?
Meine Leber dankt es mir nicht. Mein Chef auch nicht aber noch hat er nichts gesagt. Und auch sonst ist alles undankbar hier.
Als ich nach gefragt habe ob das mit dem Loch von Wohnung deren ihr ernst sei, meinten die allen ernstest „Ja, jeder Mitarbeiter der eine Wohnung bräuchte bekäme so eine.“

Es ist zum Kotzen hier. Ich will wieder zurück nach Seoul. Was hat sich mein Alter nur dabei gedacht? Seufzend stelle ich das Shotglas, den ich eben ausgetrunken habe auf die Bar. Das Brennen des Alkohols spüre ich schon gar nicht mehr und als ich aufstehe um zu der Mini Tanzfläche zu kommen, schwanke ich stark und muss mich kurz festhalten. Meine Bemühungen Gesellschaft für ein bisschen Matratzensport und Ablenkung zu bekommen ist wieder im Sand verlaufen. Mittlerweile habe ich die Befürchtung es hängt an den fehlenden Sprachkenntnissen. An meinem Aussehen kann es immerhin nicht liegen auch wenn ich abgenommen habe, seit ich hier bin.
Also lasse ich mich noch etwas auf der wie gesagt viel zu kleinem und auch viel zu vollen Tanzfläche aus, bevor ich den Weg nach Hause anstrebe.

Einmal hat man versucht mich auszurauben aber selbst betrunken kann ich mich noch gut Selbstverteidigen. Da konnten mir die zwei Burschen erzählen was sie wollten. Als ob ich Hilfe gebraucht hätte oder je brauche. Verächtlich schnaufe ich, was mir einen seltsamen Blick der vorbeigehenden Passanten einbringt.
Jetzt bin ich viele viele Kilometer von zu Hause entfernt und wie hat Hyung so weiße gesagt? „Geh und lass deine Probleme hier.“ Das ich nicht lache. Ständig sehe ich ihn ob ich wach bin oder schlafe. Manchmal habe ich das Gefühl das es schlimmer ist wenn ich getrunken habe aber diese Tatsache verdränge ich lieber. Den Alkohol hilft mir zu vergessen. Oder bilde ich es mir nur ein?

Da schon wieder! An der Ampel steht er und wartet brav darauf das es grün wird. Aber um diese Zeit ist die Ampel ausgeschaltet, da hier nichts mehr los ist. Irritiert bleibe ich stehen. Ich will nicht weiter gehen aber ich will auch nach Hause. Jetzt ist guter Rat teuer. Ich krame mein Handy aus der Tasche und wähle eine Nummer. Das ich mich bei ihnen nicht melden wollte, daran denk ich jetzt nicht. Immer noch starre ich ihn über die Straße hinweg an und warte bis auf der anderen Seite jemand abnimmt.

„Du hast gelogen“ nuschele ich betrunken ins Handy. „Was? Eunhyuk?“ „Du hast gesagt wenn ich gehe, lass ich alle Probleme zurück. Aber du hast gelogen“ bringe ich aufgebracht und vielleicht etwas undeutlich raus. „Eunhyuk was redest du da? Bist du betrunken?“ „Das geht dich gar nichts an“ werde ich auch noch protzig. „Jungs, jetzt seid doch mal leise.. ich versteh ihn ja auch so schon nicht“ höre ich auf der anderen Seite der Leitung. Jungs? Sind sie zusammen und haben Spaß ohne mich? Natürlich... wer braucht mich auch schon. „Eunhyuk? Bist du noch dran? Sag es mir bitte noch mal. Mit was hab ich gelogen?“ fragt die Stimme sanft. Er läuft an mir vorbei und sieht dabei gar nicht mehr aus wie er.
Seufzend schaue ich in den Himmel und fühle mich für einen Moment klarer im Kopf. „Du hast gesagt hier wird es besser...“ meine ich leise und schlurfen schließlich über die Straße. „Hyukjae, das war nicht Kangin sondern ich“ meldet sich eine andere Stimme zu Wort. Verwirrt bleibe ich wieder stehen und schaue auf mein Handy. Tatsächlich habe ich Kangin anstelle von Shindong angerufen. Verdammt. „Das macht es nicht besser“ nuschele ich wieder in mein Handy und gehe weiter. „Wie geht es dir?“ werde ich gefragt aber darauf möchte ich nicht antworten und schweige einfach. Im Hintergrund kann man die anderen reden hören, wobei auch Stimmen dabei sind die ich nicht kenne oder erkenne. „Eunhyuk rede mit uns oder mir. Es tut mir so leid was passiert ist“ fängt Kangin an doch ich unterbreche ihm direkt. „Lass es bleiben.“ Als ich endlich an meiner beschissenen Wohnung angekommen bin brauche ich ein paar Anläufe bis ich die Tür auf habe, die man wahrscheinlich auch einfach so knacken könnte und gehe hinein. Die Schuhe ziehe ich einfach so aus und gehe auf die Suche nach etwas zu trinken. Das einzige was ich finde ist warmes Bier und so kippe ich es hinunter um den Nebel in meinem Kopf wieder willkommen zu heißen. Meine Freunde immer noch am Ohr geklemmt und doch schon wieder vergessen. „Eunhyuk hör zu. Wenn du wieder hier bist bekommst du dein Büro und deinen Posten zurück“ fängt er schon wieder damit an. „Wen interessiert dieses dämliche Büro oder dieser beschissene Job“ als die Dose leer ist pfeffere ich sie in die Spüle und öffne zischend eine neue. „Eunhyuk stell die Dose weg und geh ins Bett.. wir können morgen noch mal darüber sprechen. Wenn du nüchtern bist“" beinahe aber wirklich nur beinahe hätte ich lachen müssen. Ich und nüchtern? Seit ich in Japan bin ein seltener Fall. „Hyukjae“" dringt Shindong‘s Stimme wieder an mein Ohr als ich die Dose auf dem Tisch abstelle und mich auf mein Bett fallen lasse. „Mhm?“ Mir fallen die Augen beinahe zu und die angenehme Schwärze zieht an mir. „Ich habe nicht gelogen. Du musst nur loslassen und weiter gehen. Aber jetzt schlaf gut“ damit war das Gespräch beendet und ich drifte mit Handy in der Hand in eine tiefe Schwärze.

Leises Rauschen lässt mich die Augen öffnen und in eine strahlend blauen Himmel schauen. Als ich den Kopf etwas drehe sehe ich eine Palme die sich leicht im Wind wiegt. Wo zur Hölle bin ich? Verwirrt setze ich mich auf, verliere das Gleichgewicht und segele zu Boden. Ein klares, kindliches Kichern, wie ich es schon lange nicht mehr gehört habe, dringt an mein Ohr. „Appa was machst du denn da?“ taucht der Kopf des kleinen schwarz haarigen Mädchen über mir auf. „Was?“ Mehr bringe ich nicht raus. „Ihhh, Appa du stinkst“ hält die Kleine sich die Nase zu. Immer noch verwirrt setze ich mich auf und fühle warmen, weichen Sand unter meinen Fingern. Und als ich den Blick jetzt wandern lasse, sehe ich das ich an einer Küste sitze. So wie man es auf Bildern kennt die diese Reiseveranstalter benutzen um Kunden zu locken. Das Meer kommt in sanften Wellen ans Ufer und hinterlässt nasse Spuren. Eine Hängematte genau neben mir schaukelt immer noch sanft in Wind und überall spenden große Palmen Schatten. Aber außer uns beiden kann ich niemanden sehen. „Appa warum bist du hier?“ werde ich gefragt. „Magst du Umma und mich nicht mehr?“ traurige Augen schauen zu mir hoch. Nur ein erneutes intelligentes „Was?“ kann ich von mir geben. Muss wohl am Alkohol liegen, wobei ich mich gerade furchtbar klar im Kopf fühle. „Wieso bist du weggegangen? Wieso hast du uns zurück gelassen? Das macht mich traurig“ kleine Tränen glitzern in ihren Augen und in meiner Hand zuckt es als ob sie die Tränen wegwischen wollen. „Ich bin nicht weggegangen. Also schon aber ich musste..“ fange ich an mich zu rechtfertigen. „Ich bin zum Arbeiten hier!“ nickend verschränkte ich die Beine zum Schneidersitz. „Und wieso tust du es nicht?“ Kritisch werde ich von der Seite aus angeschaut, denn sie hat sich neben mich gesetzt. „Was meinst du? Natürlich arbeite ich. Ich bin schwer beschäftigt.“ „Umma hat gesagt man darf nicht lügen“ „Woher willst du das wissen? Du bist nur ein kleines Mädchen in meinem Kopf. Ein Hirngespinst. Mehr nicht“ werfe ich ihr an den Kopf. „Wieso muss ich mir das eigentlich vor dir anhören?“ streng sehe ich zu ihr zurück, doch kann ich nicht lange in diese Augen schauen und so wende ich den Blick wieder ab. „Wann kommst du nach Hause?“ leise und unerwartet dringen ihre Worte in mein Ohr. Als ich den Blick zurück zu ihr wende sehe ich das sie die Knie angezogen hatte und Kopf auf diesen abgelegt hat. Mit den Fingern malt sie kleine Muster in den Sand. „Ganz ehrlich?“ Ich schaue wieder hinaus auf das Meer das vor uns den Sand aufwühlt. So wie der Sand von den Wellen aufgewühlt wird, so fühlt es sich auch in mir drin an. Nichts als Chaos verspüre ich derzeit in mir. Ob ich wach bin oder schlafe. Ich komme einfach nicht mehr zur Ruhe. Ich weiß es nicht was es ist. Der Gedanke das es alles nur in meinem Kopf ist, ein alberner Traum, ein Hirngespinst ohne weitere Bedeutung. Aber was es auch war. Es lässt mich ehrlich sein. „Ich weiß es nicht.“ Und ich wusste es wirklich nicht. Denn so wie es gerade läuft, so einfach ich es mir gerade auch mache, so weit komme ich damit nicht. Desto mehr ich mich ablenken will, desto ferner kommt mir meine Heimat vor. Je mehr ich die Realität von mir stoße desto mehr fühle ich mich wie ein kleines Sandkorn am Strand, welches von den Wellen hin und her geschubst wird. Und wieso mir das auf einmal alles vor Augen kommt weiß ich auch nicht. Wieso ich gerade so klar denken und alles verstehen kann. Wenn ich in meiner jetzigen Position weiter von zu Hause entfernt werde so muss ich das genaue Gegenteil tun um wieder näher zu kommen. Hyung hat gesagt ich soll loslassen. Aber was soll man los lassen wenn man nicht weiß was man festhält? Wo soll man hingehen wenn ein ganzer Steinhaufen vor einem liegt. Wo anfangen wenn zu viele Baustellen auf einmal zusammen brechen? Was tun wenn man plötzlich fern von allem bekannten ist und ganz alleine? Wie erkennt man den rechten Weg, wenn es so viele Abkürzungen und Umwege gibt. Wer sagt einem wie es weiter geht?
Meine Gedanken drehen sich wild in meinem Kopf herum und doch finde ich keine Antworten darin.
„Appa fighting“ höre ich plötzlich neben mir und als ich den Kopf zu dem Mädchen wende, ist sie verschwunden.

Vom Piepsen des Handyweckers werde ich aus meinem Schlaf gerissen und strecke mich müde nach dem störenden Geräusch um es auszuschalten. Mühsam schaffe ich es und lasse mich zurück ins Kissen plumpsen. Blinzelnd öffne ich die Augen und warte auf meine Mörderkopfschmerzen. Doch alles was ich spüre ist ein dumpfes Pochen also kann ich meine Morgenroutine ohne die tägliche Schmerztabletten nach gehen. Kaffee machen, duschen gehen, heute noch eine Rasur, Kaffee trinken und anziehen und das schäbige Loch verlassen. Da ich hier kein Auto habe muss ich überall hin zu Fuß gehen. Zum Glück ist die Strecke zur Arbeit nicht so lange. Auf den Weg zur Firma komme ich an einer Bäckerei vorbei und seit langem habe ich mal wieder ein Hungergefühl. Also entscheide ich mich dazu kurz hinein zu gehen und mir ein Sandwich zu holen. Doch das ganze stellt sich als gar nicht so leicht heraus. Auch hier stelle ich wieder die sprachliche Barriere fest. Erkläre einer Japanerin das man kein Käse will aber dafür Schinken ohne wie ein Volltrottel vor der Theke herum zu hantieren und auf das gewünschte Sandwich zeigt, das zwischen gefühlt tausend anderen liegt. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, sich näher mit der Landessprache auseinander zu setzen und nicht immer nur so zu tun als ob. Da kommt mir eine Frage in den Kopf ‚Wo anfangen?‘ Ich bezahle mein Sandwich und verlasse die Bäckerei. Leise schnaubend schüttele ich den Kopf und habe trotzdem den Ansatz eines Lächelns im Gesicht. „Am Anfang“ murmele ich zu mir selbst.