Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Because you're different-Weil du anders bist!

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P12 / Gen
30.12.2012
03.02.2015
13
21.599
 
Alle Kapitel
21 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
30.12.2012 1.416
 
Schnauben trabte Manson neben mir her. Ich joggte gemächlich einen Waldweg entlang. Schon seit Wochen war hier kein Alien lang gekommen. Ich war zwar auf der Hut, verschwendete trotzdem keinen großen Gedanken an eine Verteidigungshaltung. Manson würde mich durch seinen guten Gehörsinn schon warnen, falls Gefahr drohen sollte. Mit der Zunge aus dem Maul hängend, blieb der junge Hund an einer Abzweigung des Weges stehen. Als ich zu ihm lief, betrachtete ich ihn näher. Er war stark geworden. Man sah ihm nicht mehr an, dass er bis vor kurzen so gut wie fast tot war. Fröhlich bellte er mich an, als ich bei ihm zum stehen kam. Ich lächelte und streichelte ihm einmal über den Kopf. Er schmiegte sich an meine Hand. Er war ein treuer Begleiter. Das sein Name eine Anspielung auf die Manson Familie ist, war kein Zufall. Es war ein Appell auf die Zeiten bei der zweiten Massachusetts. Wenn ich zurück denke und außen vor lasse, dass ich eigentlich nicht bei ihnen bleiben wollte, haben sie mir etwas mitgegeben, was ich verloren geglaubt hatte. In einer Welt, die so am Abgrund stand, wie Diese hier, war es fast unmöglich humanitär zu denken. Sie aber hatten die Grundrechte der Menschheit aufgegriffen und diese Situation so gewendet, dass es sich aushalten ließ, auch wenn man bedacht, dass der Krieg gegen die Außerirdischen schon hoffnungslos schien.
Sie hatten mir mein pessimistisches Denken nicht genommen. Klar. Es war großartig das sie ihr leben verteidigten und kämpften, aber der Prozentsatz der den Gewinn wieder spiegelte, war so gering, das man ihn mit einem Sandkorn vergleichen konnte Und die Welt war voller Sandkörner. Man konnte ihnen aber nicht nehmen, dass sie meinen Glauben errungen hatten.
Manson stupste mich sanft mit seiner feuchten Nase an. Ich hockte mich hin und strich ihn über das braune Fell. ,,Genug Training, lass uns zurück gehen. Das Essen ruft.“ Der deutsche Schäferhund bellte einmal laut und pirschte schon im Galopp den Waldweg, auf den wir gekommen waren, abwärts. Ich schüttelte lächelnd den Kopf. Auch wenn er sonst nur erahnen konnte, wie ich mich fühlte und mich eh nicht verstand, wurde er bei dem Wort ,Essen` ganz hellhörig. Ich steckte mir eine Zigarette an und schlenderte langsam den Fad  entlang. Der Wald lichtete sich leicht und ließ nach fünf Minuten den Blick auf ein kleines verlassenes Dorf frei. Ich trat meine Zigarette aus und ging in das dritte Haus. Das Dorf besaß nur eine richtige Straße und bestand auch nur aus ungefähr zehn Häusern. Ich betrat die Küche und begegnete schon Manson, der hechelnd auf mich wartete. Seine Zunge hing aus seinem Maul. Ich nahm eine Schüssel und füllte diese mit Fleisch und diesem abartigen nassen Hundefutter.
Während der Hund fröhlich schmatzend die Schale durch die ganze Küche bugsierte, setzte ich mich an den Tisch und knabberte an einem Apfel. Ich hatte keinen großen Hunger. Milde lächelnd betrachtete ich das Tier. Ich ließ meine Gedanken schweifen. Der leichte Wind trug ihn in die traurige, verlorene Welt hinaus.
Ruckartig hob der Schäferhund den Kopf und spitzte seine Ohren. Ein Knurren entwich seiner Kehle. Ich stand vorsichtig auf und wich an die Wand. Mein Gewehr in der Hand, kampfbereit, sah ich Manson an. Mit einem Nicken, tapste er zu mir hinüber. Ich sah aus dem Fenster. Die Nase des Hundes hing in der Luft. Ich pirschte mich an der Wand zu der kaputten Eingangstür. Ich stand auf der linken Seite der Tür. Der Schäferhund stand auf der Anderen. Er sah mich an und wartete auf weitere Anweisungen. Ich sah hinaus auf die Hauptstraße. Es war nichts zu sehen. Ich nickte dem Hund zu und er lief mit gesenkten Kopf und gedeckter Haltung auf die andere Seite. Als ich ihm folgte und schon die Hälfte der Straße überquert hatte, durchzuckte ein Schmerz meinen Körper. Ich sackte auf die Knie und ließ mein Gewehr fallen. Verkrampft bohrten sich meine Finger in den feuchten Sand. Mir war kotzübel. Mein Blick flimmerte. Ich wankte und versuchte mich wieder aufzustellen. Der Hund stupste mich an, was ich nur am Rande mitbekam. Als ich die Straße hinunter blickte, sah ich es. Ich fühlte mich auf dope. Es sah mit verschwommenem Blick noch schlimmer aus. Ich hatte mir die Monster unter meinem Bett immer so vorgestellt. Sechs Beine. Grün, ekelig und schleimig. Wie ein Insekt. Eine Spinne und mannsgroße. Und die leuchtenden roten Augen. Die Augen der Verdammnis. Ich wollte mich aus seinem Blick losreißen, aber ich konnte es nicht. In meinem Kopf herrschte vollkommene Leere. Nichts. Es fühlte sich an, als würde ich in der Sahara, Wasser suchen. Ein Dröhnen durchschnitt die Luft. Es wurde immer lauter. Mein Trommelfell drohte zu platzen, als es sich veränderte. Das Dröhnen wurde zu einem Brummen bis es in einem schrillen Schreien endete. Ich sackte weiter in mich hinein. Mein Kopf prallte auf den Boden. Ich presste meine Hände auf die Ohren, aber es minderte das Geräusch wenig. Es brannte weiter in meinen Ohren. Ich rollte mich über den Boden und keuchte vor Schmerz auf. Es musste aufhören. Es musste verdammt noch einmal aufhören. Als hätte das Alien meine Gedanken gehört, verschwand das Fiepen.  Erleichtert nahm ich meine Hände von den Ohren und drehte mich auf den Bauch. Ich stützte mich auf meine Unterarme und Knie. Schmerzverzerrt sah ich die Straße hinauf. Es hatte sich keinen Zentimeter bewegt. Stocksteif stand es da und sah auf mich hinab. So mussten sich also damals die Bauern gefühlt haben, als der König vor ihnen stand und sie zum Tode verurteilte. Meine Arme zitterten als ich mich aufrichtete. Manson leckte mir über die Hand. Ich stützte mich etwas auf ihn und stellte mich wacker hin. Mit schrägen Kopf sah er zu mir auf. ,,Mir geht’s gut.“ Er schüttelte den Kopf und fing an das Alien anzuknurren. Herausfordernd legte  er die Ohren an und stellte sich schräg vor mich. Er fletschte die Zähne. Ich beäugte den Boden an der Stelle an der meine G36C lag. Nach drei Sekunden bedenken, fasste ich den Entschluss, es nicht zu riskieren sie aufzuheben. Nach richtigem schultern meines zweiten Gewehres nahm ich ein Messer zur Hand. Es hatte sowieso keine andere Wahl als mich im Nahkampf anzugreifen. Das Alien stand einfach nur da. Ich wusste das Manson es fixiert hatte, also sah ich mir im Augenwinkel die weitere Umgebung an. Nur es war da. Nur der Skitter mit den blutroten Augen.

Ich kippte zur Seite. Der Schmerz war stechend gekommen und hatte sich schnell in meinem Rücken verbreitet. Es fühlte sich an als hätte mich ein Blitz getroffen. Der Urquelle des höllischen Schmerzes waren meine Stacheln. Ich konnte sie schon förmlich leuchten spüren. Vor meinem inneres Auge sah ich sie. Wie bei Ben damals.
Mit einem dumpfen Geräusch kam ich auf. Mein ganzer Körper zitterte und mein linkes Bein zuckte. Ich vernahm das Fiepen von Manson und das er andauernd um mich herum hüpfte und lief. Er bellte und heulte auf. Ich schnappte apathisch nach Luft und bekam Sand in den Mund. Ich hustete. Vorsichtig hob ich meinen Kopf leicht an. Zu mehr hatte ich keine Kraft. Der Schmerz hüllte mich ein. Verschwommen sah ich das Alien an. Es hatte sich immer noch nicht bewegt. Und es sah mich immer noch seelenruhig an. Als mein Blick immer weiter schwand und ich meine Augen nicht weiter offen halten konnte, bewegte es sich. Aber es kam nicht auf mich zu. Es griff mich nicht an. Es tat all das nicht, was ich erwartet hatte. Denn es machte kehrt und bewegte sich von mir weg. Mein Kopf landete im Sand. Mir war schwindelig. Ich nahm den Schmerz schon gar nicht mehr richtig war. Mit den Augen geschlossen und fast in der Bewusstlosigkeit übergab ich mich. So benebelt wie ich war, in meiner eigenen Kotze liegen, stellte ich mir die Frage, was da gerade passiert war? Wie kam das Ding dazu mich zu verschonen? War das Schicksal? Ich glaub ich wurde Irre, wenn ich schon anfing an das Schicksal zu denken. Ich hatte daran noch nie einen Gedanken verschwendet. Schicksal war was für Versager. Okay ich war ein Versager. Ich hatte damals keine Freunde und Familie, der ich schnurtz war, aber ich dachte wenn ich nicht daran glaube, war ich auch Keiner. Das war enormes Wunschdenken gewesen.
Heutzutage gab es nur eine dünne Bandbreite zwischen Leben und Tod. Ein falscher Schritt und ich war dran. Geliefert. Gestorben. Elendig verreckt. Ich keuchte auf, bis ich voller Schwindel in ein bodenloses Loch fiel und mein Bewusstsein endgültig verlor.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast