Damals in der Höhle

von envy1
KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
Reyn Shulk
24.12.2012
24.12.2012
1
1.779
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
24.12.2012 1.779
 
„Shulk, kann ich dir was sagen?“, fragte der junge Mann mit den rostbraunen Haaren.
„Sicher. Tu dir keinen Zwang an“, kam es von Shulks Seite.
Die beiden waren auf dem Weg nach Kolonie 6 und hatten in der Tephra-Höhle Rast gemacht, da sie erschöpft waren, nachdem sie ein paar Händler beerdigt haben, die sie tot aufgefunden hatten.  
Nun sassen sie an einer steinigen, kalten Höhlenwand, und vor ihnen brannte ein kleines Feuerchen vor sich hin.
Reyn starrte ins Feuer, seine Arme um die Knie geschlungen, auf denen er seinen Kopf gebettet hatte.
„Du hast doch mal gesagt dass ich dir alles anvertrauen kann, oder?“, kam es von ihm, der noch immer den Flammen beim Tanzen zusah.
„Natürlich. Aber was ist denn los? Du sagst doch sonst auch alles gerade heraus.“
„Du musst mir aber versprechen, dass es unsere Freundschaft nicht kaputt macht!“, antwortete der Grössere mit ernster Stimme.
Shulk sah etwas verwirrt aus. Auch er hatte seine Knie eng an den Körper gezogen und die Arme um sie gelegt.
„Reyn, ich kenne dich seit ich denken kann, eine einzige Aussage könnte das, was wir zusammen durchgemacht haben niemals einfach zerstören. Ein bisschen mehr Vertrauen hätte ich von dir schon erwartet. Und jetzt red‘ nicht mehr um den heissen Brei herum!“
Für kurze Zeit herrschte absolute Stille, bis auf die Wassertropfen, die vereinzelt von der Decke der düsteren Hähle fielen.
„Ich… Ich… kann es einfach nicht sagen…“ Reyn vergrub sein Gesicht in seinen Knien, blickte aber nach kurzer Zeit neben sich, da er etwas aus den Augenwinkeln entdeckt hatte, das seine Aufmerksamkeit erregte. Ein kurzer, unverzweigter Holzstock lag auf dem dreckigen Boden. Er sah alt und morsch aus und war leicht mit Staub bedeckt. Reyn hob ihn mit einer zitternden Hand auf und kritzelte langsam drei Worte auf den Boden und liess den Stock sogleich wieder fallen.
‚Ich liebe dich‘ stand kaum leserlich und doch waren die Worte unverkennbar. Waren sie doch die wohl wichtigsten und bedeutsamsten Worte auf ganz Bionis und Mechonis zusammen.
Reyns Gesicht war rot angelaufen und auch Shulk schoss das Blut in den Kopf als er fertig gelesen hatte.
Kaltes Schweigen hüllte die beiden ein und der Braunhaarige fühlte sich, als würde ihn die Spannung, die in der Luft lag gleich zerreissen. War er zu weit gegangen? Hatte er ihre Freundschaft für immer zerstört? Er würde Shulk nie wieder in die Augen sehen können. All diese Gedanken schossen ihm durch den Kopf. Er wartete auf eine Antwort und kaute nervös auf seiner Unterlippe herum.
„Du… meinst das Ernst? Du liebst mich? Wie… lieben auf die `mehr als Freunde-Weise‘? Das ist auch kein Scherz, du meinst das wirklich ernst??“, Shulk bombardierte seinen Gegenüber mit Fragen und hatte einen etwas unsicheren, aber ernsten Ton angeschlagen. Reyn vergrub sein Gesicht erneut in seinen Knien, um seine Scham zu verstecken, was allerdings nichts nützte.
„Denkst du, ich veräpple dich mit so was?! Ja, ich meins ernst, sehr ernst sogar!“
Shulks Gesicht nahm einen nachdenklichen Ausdruck an und erneut trat Schweigen ein, doch zum Glück nur für kurze Zeit.
„Hast du dir noch nie Gedanken über sowas gemacht? Ich meine, darüber… mich zu küssen oder so…?“ Reyn zeigte noch immer nicht sein Gesicht, wollte aber trotzdem eine eindeutige Antwort aus Shulk herauslocken.
„Naja, ich müsste lügen wenn ich Nein sagen würde,“ Reyns Herz schien für einen kurzen Augenblick fast stehen zu bleiben, als er Shulks Worte hörte „Aber das geht doch nicht, ich meine wir sind doch beide Männer…“
„Ist doch egal, ob Mann oder Frau, die Liebe sucht sich ihren Weg. Man liebt doch nicht das Geschlecht einer Person, sondern die Persönlichkeit. Und weisst du was? Ich bin froh, dass ich mich in dich verliebt habe und nicht in irgendeine dahergelaufene Frau. Du bist was Besonderes. Du bist klug, gutaussehend, freundlich und kämpfen kannst du auch. Was will ich mehr?“ Reyn hatte sich dazu bequemt sein Gesicht endlich wieder zu zeigen und schaute den Blonden an.
Shulk fühlte sich geschmeichelt von Reyns Worten des Lobes.
„Ich mach dir ein Angebot, wir küssen uns und wenn es dir nicht gefällt, lass ich dich in Ruhe und verliere nie wieder ein Wort über die Liebe, oder das, was in den letzten Minuten hier abgelaufen ist, in Ordnung?,“ bot der Grössere Shulk mit einem schelmischen Unterton in der Stimme an.
„Was?! Du nimmst mir sicher nicht meinen ersten Kuss! Und schon gar nicht an so einem unwirtlichen Ort wie diesem!“, protestierte der Blonde lauthals.
„Ähh, was das angeht… das wäre nicht unser erster Kuss… Erinnerst du dich an damals, bevor die Mechons ein zweites Mal Bionis angriffen? Da waren wir mit Fiora zusammen etwas abseits der Kolonie schwimmen. Du warst im Wasser und dein Fuss hat sich in einer Schnur oder so verfangen, die einem riesigen Fisch aus dem Maul hing. Der Fisch ist daraufhin ruckartig in die Tiefe geflüchtet und hat dich mitgerissen. Ich bin dir nachgetaucht, aber die wurdest ohnmächtig und als ich dich an Land gebracht hatte, musste ich dich Mund-zu-Mund beatmen.“
Shulk sass fassungslos da, als er hörte, was an dem Tag damals noch alles passiert war. Er wusste, dass dieser Fisch ihn mitgerissen hatte, aber was danach passiert war, davon wusste er nichts.
„Tut mir leid, ich hätte es dir früher sagen sollen, aber ich hatte Angst dass du wütend wirst.“
„Ich bin nicht wütend, immerhin hast du mir das Leben gerettet… Aber sag mal, hegst du diese Gefühle für mich schon seit diesem Tag?“, fragte der Blonde.
„Naja, das war der Tag an dem es mir bewusst wurde, weil ich mit Fiora darüber gesprochen habe. Ob die Gefühle vorher schon da waren, weiss ich nicht. Fiora hat es damals gesehen und mich darauf angesprochen und da wurde es mir klar. Sie sagte ich sollte mir dir darüber sprechen, aber bis heute hatte ich nie den Mut dazu.“
„Sie wusste also davon?! Fiora…“ Shulks Stimme wurde düster und sein Gesicht sah traurig aus.
„Hey, mein Angebot mit dem Kuss von vorhin steht noch. Gib mir doch wenigstens `ne Chance, jetzt wo ich mich endlich getraut hab es dir zu sagen.“
„Öhhm… hm… Na wenn du meinst… Aber nur ein Kuss und wir sprechen nie wieder darüber, verstanden?!“
„Ja, ja.“ Reyn beugte sich langsam zu Shulk vor und legte seine Lippen sanft auf die Seinen. In seinem ganzen Körper verbreitete sich ein wohliges Kribbeln. Die Lippen des Kleineren fühlten sich so gut an, so warm und weich. Reyn genoss es und schloss die Augen. Shulk war sich noch unschlüssig, was er davon halten sollte, aber er hatte es sich komischer vorgestellt. Eigentlich war es ja ganz schön.
Als sich ihre Lippen wieder voneinander lösten verlor Shulk nicht ein Wort darüber.
„Ich geh mich mal ausruhen. Nachher geht’s weiter nach Kolonie 6.“ Er stand auf und begab sich etwas weiter weg, um sich dort niederzulassen und etwas zu schlafen. Doch innerlich tobten die Gedanken in seinem Kopf. Sein Herz klopfte wie wild und er fragte sich, was das für ein eigenartiges Gefühl war.
Reyn dagegen hatte ein breites Lächeln auf dem Gesicht. Auch wenn Shulk ihm noch keine Antwort gegeben hatte, war er glücklich. Es war alles viel besser gelaufen als er sich gedacht hatte.

„Shulk! Shulk!“, hallte es in dessen Kopf. Sein merkwürdiger Traum, in dem jemand Fremdes vorkam und ihm etwas über das Monado zu sagen versuchte, wurde unterbrochen und die Stimme wurde klarer. Reyn! Das war Reyns Stimme!
„Steh schon auf und hilf mir!“, rief der Braunhaarige lauthals und total aufgebracht. Als Shulk endlich zur Besinnung kam sah er um sich herum nur tausende Spinnen. Reyn und er waren umzingelt! Als sie versuchten, sich einen Weg zu kämpfen, schossen von der Decke herab plötzlich lange Fäden, die Reyn einhüllten und nach oben zogen. Er schrie und versuchte sich zu befreien, doch nichts nützte.
„Reyn! Reyn!“, rief Shulk ihm hinterher. Er musste ihm helfen, er musste! Schliesslich wollte er ihn nicht verlieren, er war ihm wichtig und könnte es nicht ertragen noch einen geliebten Menschen zu verlieren.
Shulk rannte in die Richtung, die ihm nach einem Durchgang erschien. Er gelangte zu einer Steilwand, die mit Efeu bewachsen war. Daran konnte er hochklettern. Seine Lungen schmerzten von seinem schnellen, schweren Atem, die Beine waren müde und fühlten sich an wie Blei. Doch all das war egal, unwichtig, zweitrangig. Alles was Shulk im Moment wollte, war Reyn zu retten.
Ein schmaler Gang erstreckte sich vor ihm, schon bald endete er an einem kleinen Abhang. Da unten war Reyn! Er kämpfte gegen die Spinnen! Aber hinter ihm, hinter ihm war eine gigantische Riesenspinne und sie machte sich bereit zum Angriff.
Alles war wie in seiner Vision, die er gehabt hatte. Wenn er jetzt nicht unternahm, würde Reyn unweigerlich sterben.
„Reyn!“ schrie er und rannte zu ihm, doch die Spinne war schneller.
„Hinter dir! Reyn!!“
Shulk hatte ein stechendes, zerrendes Gefühl in der Brust. Es war das Gefühl der Angst, einen geliebten Menschen für immer zu verlieren.
Seine Beine konnten nicht mehr, seine Stimme versagte bereits, ganz klar, jetzt half nur noch ein Wunder.
Doch genau in dem Moment, als die Spinne zum Angriff ausholte und Reyn den Schild seiner Waffe notdürftig über sich halten wollte, da geschah etwas, das einem Wunder gleichkam. Das Monado ergriff praktisch die Kontrolle über Shulk und ein neues Symbol zeigte sich darauf. Gelboranges Licht strömte hinaus, als der Auserwählte das Schwert schwang und ein Schild aus eben diesem Licht legte sich um ihn und Reyn.
Die Fänge der Spinne prallten an dem Schild ab. Reyn war gerettet… fürs Erste.
Reyn und Shulk gingen in Kampfposition und wehrten sich mit aller Macht.
Die Schlacht war geschlagen, die Spinne vernichtet. Die Beiden sanken auf die Knie und keuchten völlig ausser Atem nach den Strapazen des langen und anstrengenden Kampes. „Ich dachte… du stirbst…“ presste Shulk aus seiner Kehle, die völlig ausgetrocknet war.
„Ich hatte… eine Vision, wie die… Spinne dich tötet. Aber das Monado hat dich gerettet.“
Shulk richtete sich auf, nachdem er sich von der Atemlosigkeit erholt hatte.
„Ich danke dir. Jetzt hast du mir das Leben gerettet.“
Auch der Braunhaarige richtete sich auf.
Shulk kam auf ihn zu und schloss ihn in die Arme.
„Ich dachte ich verliere dich. Ich hatte solche Angst und ich konnte nur noch schreien. Ich fühlte mich so machtlos!“
Der Blonde hatte Tränen in den Augen, als er sich an die muskulöse Brust des Grösseren schmiegte. Dieser strich ihm durch das hellblonde Haar und versuchte ihn zu beruhigen.
„Ich weiss es jetzt! Ich liebe dich auch und ich will dich niemals verlieren. Ich will dich für immer bei mir haben!“
Reyn lächelte ihn überglücklich an und schloss ihn noch fester in die Arme.
Review schreiben