Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Unbekannt

GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Eomer
24.12.2012
05.04.2014
25
25.122
1
Alle Kapitel
31 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
24.12.2012 1.166
 
Eden erkannte ihren Heerführer sofort. Er hatte ein wunderschönes Pferd, einen Fuchshengst mit hellen Fesseln. Doch vor allem saß er besonders arrogant auf seinem Pferd. Nicht, dass ihn das sehr von den anderen unterscheiden würde. Sie wusste nicht, was es war, doch er strahlte eine gewisse Art von Kraft aus. Jedenfalls war es irgendetwas, das es ihr beinahe unmöglich machte, den Blick abzuwenden, das sie zu ihm hinziehen wollte, in einer so unerträglichen Beständigkeit, als würde sie diesen Mann schon lange kennen.

Er musterte sie eingehend, als sie ihm und seinen Leuten entgegen ritt. Sein Blick war kalt, seine Miene abweisend, und obwohl er eine blutige Schlacht geschlagen haben musste, was sie am Zustand seiner befleckten Rüstung erkannte, saß er aufrecht im Sattel. Die Art, wie er sie ansah, nahezu anstarrte, ließ die Vermutung anstellen, dass er nicht begeistert davon war, eine Frau ihres Volkes zu sehen.

Zwar trug Eden keine Rüstung, wie ihre Schwester, eine Jägerin, es manchmal tat, wenn eine Schlacht in einer Dimension, die Eden unbekannt war, geschlagen werden musste und ihre Schwester dem Ruf folgte, doch sie konnte sich denken, dass sie einen höheren Stellenwert in ihrem Volk hatte als dass sie ihn bei den Menschen gehabt hätte. Eden war die begabteste Heilerin der Stadt, und auch Teile ihres Volks, die im Wald auf der anderen Seite des Flusses lebten, reichten nicht an ihr Wissen heran.

Bei den Menschen wäre sie nicht mehr gewesen als eine einfache Frau. Vermutlich eine Soldatenfrau, deren Schicksal es war, eines Tages allein zu sein, weil ihr Mann im Kampfe fiel. Eine von vielen namenlosen Frauen, die an vergessenen Grabhügeln trauerte und auf das Ende ihrer begrenzten Lebenszeit wartet. Auch Eden würde das Schicksal einer Soldatenfrau bevorstehen. Unwillkürlich glitt ihr Blick an die Seite ihres Bruders, wo sein engster Freund und Berater Sylfaen auf einem Schimmelhengst saß und vergeblich versuchte, sich die Aufregung und Besorgnis nicht anmerken zu lassen.

Das lange, schwarze Haar trug er geflochten, und sein schmales Gesicht war etwas farblos im gleißenden Sonnenlicht des Mittags. Sie lächelte, als sie sein vertrautes Gesicht betrachtete. Zwar lebte er nicht als Krieger wie die meisten anderen Männer ihres Volkes, aber wenn es zur Schlacht kam, wäre er bereit, für sein Volk zu sterben. Es bereitete Eden Schwierigkeiten, daran zu denken, ihn eines Tages zu heiraten. Sie kannte ihn gut genug, um sich sicher zu sein, dass er ein guter und liebevoller Mann sein würde. Nurija, der leidenschaftlichere ihrer beiden noch lebenden Brüder, hatte es sozusagen eingerichtet, dass die beiden einander versprochen wurden. Sylfaen war sein Freund, er wollte nur das Beste für ihn, und auch für seine Schwester.

Eden schätzte seine Meinung über alles, und sie wäre nie auf die Idee gekommen, ihm diesen Wunsch abzuschlagen. Sylfaen war schon immer ein Freund gewesen, und nun war er eben mehr. Es war keine große Sache, es war sogar recht naheliegend gewesen. Schließlich war Eden inzwischen fünfundzwanzig, und es war Zeit, dass ihr Volk wieder eine richtige Herrscherin bekam, die zurzeit durch den Rat des Lichts vertreten war. Aber trotz all dieser Routine mochte sie Sylfaen wirklich sehr.

Er war ruhig und still, genau der Ruhepol, den sie in ihrem ausufernden Leben brauchte. Wenn sie ihn abends aufsuchte, was beinahe jeden Tag vorkam, fühlte sie sich sicher und geborgen in seinen Armen. War er anfangs nicht mehr als ein Teil von Nurijas Plan gewesen, dass Eden sich endlich zu ihrer Krone bekannte, hatte sie in letzter Zeit das Gefühl, sich in ihn verliebt zu haben. Ihre Mutter hätte dem niemals zugestimmt, war doch ihre eigene Vereinigung mit Ceolmhar, dem Erben des Thrones, nur ein Geschäft. Zwar hatte sie Eden und auch ihre anderen Kinder stets spüren lassen, dass sie ihn liebte, aber inzwischen, nun, da sie tot war, fragte Eden sich, ob ihre Mutter es sich vielleicht anders erträumt hatte.

Sie war allein aufgewacht. Erst hatte sie sich keine Sorgen machen wollen, denn vermutlich war er nur kurz fort, um etwas mit Éomer zu besprechen, und alle Sorge war ohne Grund. Doch dann bemerkte sie, dass er nichts zurückgelassen hatte. Alles sah nach einem hastigen Aufbruch aus, die Schranktüren waren aufgerissen worden, einige Kleidungsstücke lagen auf dem Boden, als hätte er etwas gesucht. Ihr wurde schwindelig bei dem Gedanken, dass sich ihre schlimmste Angst vielleicht bewahrheiten könnte.
Sie warf sich schnell einen Mantel über ihr Nachtkleid und schlüpfte in ihre Stiefel, bevor sie auf die Straße stürzte. Es war still in der Stadt, zu still, beinahe so, als wäre niemand mehr hier. Sie sah nur vereinzelt Leute. Doch sie wagte nicht, nach Magnus zu fragen, wusste sie doch längst, wo er war. Sie wusste, dass er fort war. Wieder einmal. Verzweifelt fand Lia an einer Wand Halt, als ihre Knie nachgaben und sie sich ihren Bauch hielt. Der Schluchzer in ihrer Kehle war trocken und ertrank dann in ihren Tränen.


Eden schüttelte unwillig den Kopf, während sie der Gruppe immer näher kam. Noch immer ruhten ihre Augen auf dem Heerführer der Menschen. Sie versuchte, ebenso überlegen und arrogant im Sattel auszusehen wie er, aber sie glaubte selbst nicht daran, dass es ihr gelang. Mit gestrafften Schultern lenkte sie Freyanna direkt vor ihren Bruder, der neben ihm stand. Nervös ließ sie das weiche Leder der Zügel zwischen ihren Fingern hin und her gleiten. Ihr rechtes Bein wippte ungeduldig, was ihre Stute mit einem Schnauben quittierte.

Jemand sprach, es war wohl an ihren Bruder gerichtet. „Was machen die Frauen hier?“ Hadamar, der jüngere ihrer beiden Brüder, sah ihn etwas missbilligend an. Seine Schwestern lagen ihm sehr am Herzen, und er hatte es nicht gerne, wenn jemand sie in Frage stellte. „Das sind die besten Heilerinnen unseres Volkes, mein Herr.“ Lilith und Eden neigten anmutig, wie es ihr Blut ihnen erlaubte, die Köpfe. Doch als verantwortliche Erbin konnte sie nicht darauf warten, näher vorgestellt zu werden. Es lag es an Eden, die Reiter zu begrüßen. Sie räusperte sich leise.

„Unsere Herzen sind getrübt, dass Ihr uns in solcher Not aufsucht, dessen Schmerz wir nicht zu lindern vermögen, doch seid versichert, dass wir unsere Hallen für Euch öffnen. Jedes Leid, das wir von Euch abwenden können, sei es durch Heilung oder Unterkunft, werdet Ihr nie erfahren.“ „Mein Volk hat genug Leid erfahren, unsere Heimat wurde zerstört, viele von uns starben, da wir unvorbereitet waren, als der Tod durch unsere Lande schritt.“ Die Stimme des Menschen, der sprach, war eisig kalt und verbarg nur dürftig das wütende Beben in ihr.

„Kein Leid, das wir erfahren haben, könntet Ihr jemals wieder von uns nehmen. Ich unterstelle Euch keine finstere Absicht, da Ihr doch hoch anerkannt scheint bei Eurem Volk, und Ihr Euch oft genug bewährt habt, durch welche Taten auch immer, dass Euch die Rede des Königs aufgetragen wurde. Doch lasst Euch für die Zukunft gesagt sein, dass Ihr Eure Worte weiser wählen solltet, wenn Ihr mit einem der Unseren sprecht.“ Eden hörte, wie ihre Schwester neben ihr scharf die Luft einsog. Sie selbst war starr vor Schreck ob dieser nicht gerade höflichen Reaktion.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast