Unbekannt

GeschichteAbenteuer, Romanze / P12
Eomer
24.12.2012
05.04.2014
25
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Hallo ihr Lieben,
erst mal schön, dass ihr euch hierher verirrt habt, ich hoffe natürlich, dass es euch gefällt. Zur kurzen Info: Diese FF war erst als Fantasy-Geschichte gedacht, bis ich bemerkt habe, dass meine männliche Hauptfigur Éomer bis aufs Haar gleicht. Also verbringe ich zurzeit den Großteil meiner Zeit (Ferien!) damit, sie umzuschreiben. Wäre natürlich super, wenn euch ein oder zwei Sätze als Review einfallen würden.

Zum Volk der Lumínica: Ja, sie sind den Elben ähnlich, und nein, es sind nicht dieselben, das werdet ihr im Verlauf der Geschichte noch merken. Außerdem gibt es dieses Volk im Original-Roman nicht, also macht euch keine Mühe, es auf den Karten zu suchen. Entstammt alles meiner Fantasie :) Alle Wörter, die kursiv gedruckt sind und sich fremd anhören, stammen aus der Sprache der Lumínica. Ergibt sich meistens aus dem Kontext, falls es dennoch Fragen gibt, übersetze ich natürlich gerne.

Alles Liebe
Lizzy



„Eden!“ Die helle Stimme ihrer Schwester drang durch die Stille des Morgens. Eden rannte hinaus auf die Straße, wo Lilith gerade ihren Hengst zügelte. „Komm mit. Wir haben Besuch.“ Eden runzelte die Stirn. Ihr Volk blieb meist unter sich, und die einzigen Besucher, die sie ab und zu hatten, waren verirrte Wanderer. „Nun komm! Es sind Menschen aus Rohan. Sie brauchen Hilfe.“

Menschen. Ein Volk, das ihre Leute ignorierte, soweit es möglich war. In Erinnerung an alte Zeiten war es vermutlich besser, unter sich zu bleiben. Sie kümmerten sich um ihre eigenen Anliegen. Für gewöhnlich kamen sie sich nicht in die Quere. „Was ist mit ihnen geschehen?“, fragte Eden vorsichtig. „Sie wurden überfallen, von Wesen, die das Böse in sich tragen. Nun suchen sie Schutz. Ich kam, so schnell ich konnte. Sie dürften noch einige Zeit brauchen, sie haben Verletzte dabei, Frauen und Männer. Unsere Heilkunst wird vonnöten sein.“ Lilith lächelte. „Also sattle deine Stute, wir sehen uns an, was auf uns zukommt.“ „Nichts lieber als das.“ Eden blickte zu den riesigen Stallungen der Stadt. Wie alle anderen Gebäude waren sie aus hellem Holz des Eisbaumes gefertigt, der Zauber, der auf den Bäumen lag, schützte sie vor Bösem und verlieh ihren Tieren Schnelligkeit. Geschwind lief Eden den Weg hinab und glitt lautlos durch die Tore. Freyanna sah sie kommen und wieherte leise. Ihr Fell glänzte in der Sonne, und ihre klugen Augen blickten Eden direkt an. Liebevoll streichelte sie ihrer Stute den Hals. Wie immer, wenn sie sie berührte, konnte sie ihren Herzschlag ganz deutlich spüren, als wäre es ihr eigener.

Nurija betrachtete die Menschen mit Misstrauen. Langsam glitt seine Hand vom Griff seines Schwertes zurück an die Zügel. Sie war beinahe automatisch dorthin geglitten, als er die Silhouetten am Horizont gesehen hatte. Nun schienen sie zwar recht friedlich zu sein. Aber es war eindeutig sicherer, die Menschen im Auge zu behalten. Sollte seine Schwester ihnen tatsächlich Einlass gewähren, würde er nicht mehr ruhig schlafen können. Nicht, nach dem, was damals passiert war. Wenn er könnte, würde er sie alle hier draußen zurücklassen, sodass sie auf ihr Schicksal warten mussten. Sie waren ein verletzliches Ziel mit ihren vielen Frauen und Kindern. Ihre Soldaten waren müde, und die Schlacht, die sie geschlagen hatten, schien blutig geendet zu haben. Er hob eine Hand, um eine kurze Rast auszurufen. Sie konnten nicht weiterreiten, nicht in ihrem Zustand. Nurija wollte sie außerdem so lange wie nur irgend möglich von seinem Land und seiner Heimat fernhalten.

Er hoffte bloß, seine Schwester würde einmal die Stärke und Härte zeigen könne, die von einer künftigen Königin zu erwarten war. Denn sie handelte zu gefühlsbetont, zu gutmütig und zu naiv. Noch immer konnte er nicht verstehen, warum seine Mutter damals ausgerechnet sie als Thronfolgerin ausersehen hatte. Sie war die jüngste der Geschwister, nun, sie war die jüngste von ihnen gewesen, bis Lilith aus ihrem freiwillig gewählten Exil zurückkehrte und um keinen Tag gealtert war. Sie hatte es gewusst, als sie auf die Erde ging, in eine Welt, die anders war als ihre hier. Dort verging die Zeit so schnell, sie hatte beinahe siebzig Jahre dort verbracht, während hier, in ihrer Heimat, nur zehn Jahre verstrichen waren. Nurija konnte nicht verstehen, warum sie gegangen war, ihre Familie verlassen hatte, nur, um für eine Sache zu kämpfen, die sie nicht einmal betraf.

Noch nicht. Die Bosheit, die auf der Erde herrschte, sickerte durch die Dimensionen und würde auch ihre ruhige Heimat bedrohen. Irgendwann einmal. Aber es war zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Was ihn sehr viel mehr bedrückte war die Tatsache, dass er ein sehr schlechtes Gefühl bei der ganzen Angelegenheit hatte. Die Menschen würden sein Volk durcheinanderwirbeln und die alte Ordnung zerstören, das spürte er. Und das durfte er nicht zulassen. Im Inneren flehte er zu allen Göttern, dass Eden nur einmal die Charakterzüge ihres Vaters zeigte und ihnen den Schutz verweigerte.


Nach kurzer Zeit war Freyanna aufgezäumt und bereit für einen Ritt über die Ebene. Ungeduldig tänzelte sie vor den geschlossenen Türen hin und her, bis Eden sie endlich öffnete. Eine Hand am Zügel, trat sie zurück zu ihrer Schwester ins Licht. „Bereit?“ Eden lachte. „Die Frage sollte ich dir stellen, honmaé. Du kennst die Stärken meiner Stute.“ Elegant schwang sie sich auf den Pferderücken. Lilith lachte laut und warf den Kopf in den Nacken. „Und du kennst unsere Stärken.“ Sie beugte sich zu ihrem Hengst und strich über sein schwarzes Fell. „Wir werden sie eines Besseren belehren, nicht wahr, Nastor?“ Zur Antwort stampfte Nastor mit dem Huf auf.

„Na, dann los. Möge die bessere Stute gewinnen“, sagte Eden spöttisch zu ihrer Schwester und ließ die Zügel los. Freyanna spürte die erlangte Freiheit und galoppierte los. Wie ein Pfeil aus Gold schossen sie beide über die grünen Ebenen. Lilith schloss dicht zu ihnen auf, doch Freyanna ließ sich nicht von Nastor einholen. Auf einem Hügel angekommen, zügelte Eden ihre unwillige Stute. „Warte, meine Schönheit.“ Ihre Schwester tauchte neben ihr auf und blickte ebenfalls auf das Tal hinab. Sie konnte einige ihres Volkes ausmachen, erkannte ihre Brüder und ließ Freyanna antraben. Gemächlich, Lilith an ihrer Seite, ritt sie wenigen bekannten, zum Großteil jedoch fremden Gesichtern entgegen. Schon von weitem erkannte Eden, wer dieses Volk war.

Reiter. Reiter aus Rohan. Ein Volk der Krieger. Für Eden sahen sie alle gleich aus, sie hatten breite, grobe Gesichter und dunkle Augen. Und Eden sah nichts in ihnen, was sie von den Barbaren aus dem Gebirge unterscheiden würde. Sie ahnte nicht, dass auch die Menschen, denen sie entgegenkam, das gleiche dachten. Die Lichtwesen waren ihnen nicht vertraut, und auch sie erkannten keine Unterschiede in den schmalen, feineren Zügen ihres Volkes. Die Kenntnis, dass sie der Heilung fähiger waren als jedes andere Volk, und ihre Fähigkeit, Magie zu nutzen, machten sie ihnen suspekt. Besonders der Hauptmann ihres Heers war von den Lichtwesen eher abgeneigt.

Er hatte von der Tochter ihres angesehensten Mannes gehört, sie wäre eine Kämpferin und Heilerin zugleich. Sie schickten also einige ihrer Frauen in den Krieg. Ihm war unbegreiflich, wie man das dulden konnte. Der Krieg war nichts für Frauen, sie waren zu schwach und zu unkontrolliert. Sie konnten nicht lange überleben im Durcheinander einer Schlacht. Und das hatten sie damals ja auch bewiesen. Er war damals längst kein Kind mehr gewesen, sondern auf dem besten Weg, ein gut ausgebildeter Reiter zu werden, schon beinahe siebzehn Jahre alt.

Als die Kunde über die Schlacht Edoras erreichte, hatte er sich gerade im Bogenschießen geübt. Er wusste es noch genau, es war einer der wenigen Pfeile gewesen, der sein Ziel verfehlt hatte und stattdessen zitternd in die Schutzwand aus Stroh fuhr. Er hatte sofort mit Schrecken an seinen Vater gedacht, aber der war nicht dort gewesen. Keiner von ihnen. Manche erzählten sich noch heute, dass der Hilferuf dieses Volks unbeantwortet geblieben wäre. Ihm war es gleichgültig. Es war nicht die Schlacht der Menschen gewesen. Aber diese hier war es gewesen.

Er erinnerte sich noch immer nur unter großen Kopfschmerzen an die heutige Nacht. Sie hatten nicht einmal Zeit gehabt, die Warnfeuer zu entzünden, so schnell waren die Männer, die fähig waren, ein Schwert zu tragen, aus den schützenden Wällen der Stadt geritten. Es war ein Glück für sie gewesen, dass sie sich in Helms Klamm befunden hatten. Wären sie in Edoras gewesen, wären sie jetzt alle tot. Sie hatten wenigstens den Hauch einer Chance gehabt.

Aber es waren viele gewesen, zu viele. Sie kämpften gegen die brandenden Massen an, aber es war zwecklos. Ihre Feinde waren in der Übermacht gewesen, sie hatten die Überraschung auf ihrer Seite und kontrollierten den Kampf, bis die Reiter unter Éomers Kommando den verängstigten Bewohnern der Stadt zu verstehen gaben, alle Sachen zurückzulassen und über einen kleinen Pfad aus der Stadt zu fliehen. Sie konnten die anderen nicht lange zurückdrängen, ließen die Tore von innen verriegeln und schlugen sich eine Schneise durch das Feld der Angreifer. Sobald diese sahen, dass die Tore geschlossen und die Stadt somit uneinnehmbar war, zogen sie sich in die Höhlen und Gebirgsnischen zurück, aus denen sie gekrochen waren.

Éomer hatte gewusst, dass sie nur darauf lauerten, dass die schützenden Tore wieder geöffnet wurden, und sie konnten nicht wagen, den Gebirgspfad zu nehmen, aus dem Grund, dass man sie entdecken könnte und der geheime Weg zunichte gemacht werden würde. Er hatte auch gewusst, dass sie irgendwo hin mussten, denn die Frauen und Kinder, die nun am Flussufer auf weitere Instruktionen warteten, würden es hier draußen nicht überstehen, falls es wieder zum Kampf käme. Er hatte eine falsche Entscheidung getroffen, als er sie nach draußen trieb, während ein anderer Teil von ihnen noch immer hinter den Mauern der Stadt warteten. Sie hätten in der Stadt bleiben sollen. Er hatte sich von seinen Gefühlen leiten lassen, hatte irrational gehandelt, hatte Rache nehmen wollen. Aber es konnte nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Sie hatten schon lange mit den Gebirgsbewohnern zu kämpfen gehabt, noch vor Éomers Geburt hatte es begonnen, aber nie waren sie so stark gewesen, nie so zahlreich und trickreich organisiert. Er blickte auf die Soldaten, die seinem Befehl unterstanden, auf die Kampfunfähigen, die vor Angst und Kälte zitterten, und wusste nicht, wohin mit ihnen. Sie durften nicht riskieren, nach Edoras zu ziehen. Die Stadt war zu nachlässig gesichert und würde einem ernsthaften Ansturm nicht standhalten. Tränen der Wut brannten in seinen Augen und seine Hände ballten sich zu Fäusten, als ihm klar wurde, was er seinen Leuten angetan hatte. Aus dem Augenwinkel sah er einen großen Mann auf seinem schwarzen Pferd sitzen. Seine hellen, klaren Augen blickten voller Verzweiflung über das Schlachtfeld zu ihrer beider Heimat. Sein dunkles Haar wehte offen im Wind, und mit zitternder Hand wischte er es sich aus den Augen.

Éomer wusste, warum es seinen besten Freund so sehr bedrückte. Seine Frau, Lia, war noch immer innerhalb der Stadtmauern, und wartete auf ihn. Sie war hochschwanger. Wie würde sie es überstehen, wenn sie erführe, dass Magnus womöglich in nächster Zeit nicht zu ihr zurückkehren könnte? Éomer schüttelte den Kopf, um diesen früheren Gedanken zu vertreiben, aber als er jetzt zur Seite sah, erblickte er wieder Magnus. Es war sein Vorschlag gewesen, die Lumínica aufzusuchen und um Hilfe zu bitten. Sie mussten irgendwo bleiben.

Und selbst wenn es dieses Volk war, auf das sie sich jetzt, in diesen schlimmen Zeiten, verlassen mussten, dieses schwache Volk, das sich mehr aufs Beten und Heilen als aufs Kämpfen verstand, es beruhigte Éomer, dass seine Leute einen Platz hatten, wo sie unterkommen konnten.
Zumindest für eine kleine Weile.
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