Wenn zwei Blicke sich treffen...

von shegora
KurzgeschichteFantasy / P12
Hershel Layton
23.12.2012
23.12.2012
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Wenn zwei Blicke sich treffen...

Ich ging gestresst von der Schule ins Internat. „Mist schon nach fünf Uhr“, dachte ich genervt. Es regnete, also zog ich mir die Kapuze meiner weißen Jacke über den Kopf. Hinter mir trotteten meine Zimmerkollegin und ihr Freund hinterher. „Mann noch so viel zu tun heute und es ist schon so spät“, dachte ich und ging nun schneller. Wir kamen an der Bushaltestelle vorbei, als ich einen Mann mit einem Koffer und hohen Zylinder einsteigen sah. Er sah noch ziemlich jung aus. Ich schätzte ihn auf 28 Jahre. „Komische Leute gibt's“, dachte ich verwundert den hohen Zylinder betrachtend und ging weiter. „Geh nicht so schnell“, jammerte der Freund meiner Zimmerkollegin. Ich verdrehte meine Augen und drosselte wieder mein Tempo. Gedankenversunken überlegte ich mir was ich heute noch alles erledigen sollte.

Einen Lebenslauf für Italienisch schreiben, den Aufsatz von Englisch verbessern, Bio lernen und für Werbegrafik ein Bild retuschieren. Ich seufzte da ich genau wusste, dass ich das nie alles an einen Tag schaffen würde. „Tja dann eben nur Bio lernen und vielleicht noch das Bild in Werbegrafik retuschieren“, dachte ich, als ich plötzlich von hinten schon das tiefe brausen des Buses hören konnte. Ich musste wieder an den Mann mit dem Zylinder denken und sah auf die Straße die rechts neben mir am Bürgersteig entlanglief. Der Bus fuhr langsam vorbei, da wir uns noch im Ort befanden und ich konnte einen ganz kurzen Blick auf den Mann erhaschen. In diesen Moment trafen sich unsere Blicke. Es war nur für einen Bruchteil einer Sekunde, doch mir blieb fast das Herz stehen. Sein Blick brannte sich in mein Gedächtnis ein und im nächsten Moment fuhr der Bus schon an mir vorbei. Für einen kurzen Augenblick war ich stehengeblieben und die zwei hinter mir hätten mich fast überrannt. „Tsch-tschuldigung“, sagte ich nur und ging weiter, noch immer an den Blick des Mannes erinnernd.

Im Zimmer angekommen schleuderte ich meine grüne Schultasche auf den Boden und legte mich auf das Bett. Dieser Mann ging einfach nicht mehr aus meinen Kopf. Sein kühler, nüchterner aber auch irgendwie trauriger und in sich gekehrte Blick. Ich stand wieder auf und kochte mir mein Abendessen. Nach dem Abwasch lernte ich noch für Biologie da wir in zwei Tagen einen Test hatten und machte mich Bettfertig. Es war mittlerweile schon 22:30. Das Bild konnte ich nicht mehr retuschieren. Es blieb mir also nur noch die geringe Hoffnung, dass die Lehrerin darauf vergessen würde. Ich steckte mir meine Kopfhörer an meinen Laptop an und hörte meine derzeitige Lieblingsmusik um mich entspannen zu können und damit ich meine Zimmerkollegin und ihren Freund am anderen ende des Zimmers in ihrem Bett nicht knutschen hören musste. Ich schloss meine Augen und konzentrierte mich auf die Musik. „Wenn es keine Musik geben würde..., dachte ich. Ich wüsste nicht wie ich mein Leben ohne es schaffen würde.“ Ich sah auf die Uhr: 22:58. Ich stellte meinen Wecker auf 6:05, schaltete den Laptop aus und ignorierte das knutschende Paar im Zimmer. Nach einer weile ging der Freund meiner Zimmerkollegin und ich drehte das Nachttischlicht aus.

„Gute Nacht“, sagte ich ausdruckslos und drückte mir die Ohrenstöpsel in meine Ohren damit ich durch das schnarchen meiner Mitbewohnerin nicht gestört werden konnte. Ich drehte mich mit dem Kopf zur Wand und kehrte der Zimmerkollegin so den Rücken. Tief kuschelte ich mich in die Bettdecke. „Bin ich müde, dachte ich während ich meine Augen schloss die sich anfühlten als wogen sie drei Kilogramm Zement. Wie lange hab ich morgen wieder Schule? Achja, wieder bis fünf wir haben ja morgen laut Schulkalender den geraden Dienstag.“ In Gedanken musste ich seufzen und schlief ein. Das einzige was ich in dieser Nacht träumte, war der Blick des Mannes mit dem Zylinder.