Eine Bananenschale – zur denkbar schlechtesten Zeit!

von - Leela -
KurzgeschichteFreundschaft / P12
Eddie Jake Tracy
23.12.2012
23.12.2012
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„Hey, Eddy!“
      Tashas warme Stimme ließ Eddy einen Schauer über den Rücken laufen, als sie sich zu ihm in die Küche gesellte. War das nur sein Wunschdenken, oder war ihre Stimme immer einen Hauch sanfter, wenn sie ihn ansprach? Ach, sicher war das nur Einbildung…
      Sie blieb hinter ihm stehen und schaute ihm interessiert über die Schulter. „Was machst du da?“ erkundigte sie sich neugierig und legte wie nebenbei den Arm um ihn.
      Eddy zuckte unwillkürlich zusammen und schnappte atemlos nach Luft. „Ähm, nichts besonderes… Ich dachte mir nur, es ist eine schöne Zeit, um den Weihnachtstee mal auszuprobieren.“
      Tasha legte die Arme um ihn und schmiegte sich leicht an ihn. „Weihnachtstee ist immer etwas besonderes!“
      Eddy spürte sein Herz rasen. Er konnte sich nicht helfen, das hier wirkte nach mehr als nur einer freundschaftlichen Geste!
      Obwohl niemand etwas sagte, und Eddys eigentliches Vorhaben fast schon in Vergessenheit geriet, stellte sich eine wunderbare Atmosphäre ein. Bis sie aus dem Büro einen Aufschrei hörten, und direkt im Anschluß ein krachendes Geräusch.
      Aufgeschreckt wirbelten Tasha und Eddy herum und liefen zum Büro.
      Dort hatte Jake sich langgelegt, und die Ursache war offensichtlich eine Bananenschale.
      Tracy stand mit verlegener Miene daneben. „Tut mir leid…“
      Jake sammelte sich derweil wieder vom Boden auf.
      „Hast du dir wehgetan?“ fragte Tasha.
      Jake klopfte seine Hose ab. „Seh’ ich so zart besaitet aus?“
      „Tschuldigung!“ ließ sich Tasha vernehmen und machte eine beschwichtigende Geste.
      Jake beachtete sie gar nicht. Dafür hob er, noch immer gereizt, die Bananenschale auf und warf sie in den Papierkorb.
      Tasha sah sich die Konstruktion, die mittlerweile das Büro dominierte, an. „Was ist das, Tracy?“
      Tracy machte eine euphorische Geste, daß er ihr das gleich zeigen würde. Er nahm ein Bündel Bananen und legte es in die trichterförmige Öffnung. Dann schaltete er die Maschine ein.
      Ein paar Greifer trennten die einzelnen Bananen zuerst voneinander. Der Trichter wurde während dessen geschüttelt, so daß die Bananen einzeln durch ein Rohr nach unten fielen.
      Ein Förderband brachte sie an einer Vorrichtung vorbei, wo sie geschält wurden. Mehrere Messer sorgten ein Stück weiter dafür, daß die Bananen in handliche Scheiben zerkleinert wurden.
      Am Ende des Förderbandes stand ein Becher. Als die Bananen hineinfielen, wurde der Becher durch das Gewicht nach unten gedrückt und löste so die Vorrichtung aus, die Milch hinzugoß.
      Eine Lichtschranke sorgte im rechten Moment dafür, daß die Milch gestoppt wurde, und der Becher wieder nach oben transportiert wurde. Auf dem Rückweg wurde ein Hebel aktiviert, der den Pürierstab in Gang setzte. Dieser war auf ein Zeitlimit eingestellt, welches gleichzeitig mit einem zweiten Förderband koordiniert war, das sich nun in Bewegung setzte.
      Auf dem Band war eine Vorrichtung montiert, welche einige große Trinkgläser enthielt. Ein Hebel aktivierte den Mechanismus, der den Becher in gleichmäßigen Abständen zum Kippen brachte und die Gläser füllte. Als besonderes Extra gab es kurz darauf ein kleines, durch Lichtschranken gesteuertes Fach, welches Schokoladenstreusel auf den Shake rieseln ließ.
      Am Ende der Prozedur, als das Förderband am Anschlag ankam, fielen aus einer Vorrichtung Strohhalme und Papierschirmchen in die Gläser.
      „Tadaa…!“ präsentierte Tracy stolz.
      „Phantastisch!“ staunte Tasha.
      Tracy reichte ihr ein Glas. „Bitte sehr!“
      Als Tasha sich die Konstruktion näher ansah, bemerkte sie auch, was Jake augenscheinlich zum Verhängnis geworden war: Die Wegräumfunktion für die Bananenschalen funktionierte noch nicht sauber, und so war die eine oder andere Schale neben dem Auffangkorb gelandet; und durch den Schwung ein ganzes Stück in’s Zimmer geschleudert worden. Tasha nahm einen Schluck während sie nachdachte. „Wie wäre es, wenn du hier noch ein Schutzglas vorbaust? Eine einfache Plexi-Verglasung müßte reichen!“
      Tracy schien ganz angetan von der Idee. Nachdenklich betrachtete er den Auffangkorb und dachte bereits darüber nach, wie er sie am besten umsetzen konnte. „Sehr gute Idee!“
      „Ja! Das finde ich auch!“ bemerkte Jake bissig und rieb sich das offensichtlich immer noch schmerzende Knie.
      Tasha bemerkte es besorgt, reagierte aber bewußt nicht darauf.
      Tracy hielt Jake versöhnlich einen Bananenshake hin. „Verzeihst du mir?“
      Jake seufzte. „Na gut!“ meinte er und nahm das Glas entgegen.
      Das dritte Glas reichte Tracy Eddy, und das letzte nahm er selbst.
      „Das ist wirklich gut, Tracy!“ lobte Eddy.
      „Ja! Bis auf die Bananenschalen!“ meinte Jake.
      „Jetzt hör doch auf, rumzumotzen!“ gab Eddy zurück. „Jede Erfindung, die noch in den Kinderschuhen steckt, benötigt noch Feintuning! Deswegen gibt es ja Testläufe wie diesen!“
      „Wobei ich das hier nicht mehr Kinderschuhe nennen würde“, meinte Tasha beeindruckt.
      Tracy sah Tasha fragend an. „Hilfst du mir?“
      Sie mußte erst einmal schalten. „Mit der Schutzvorrichtung? Ja, wenn ich darf!“ In ihren Augen funkelte es ehrfürchtig. Es war nicht mehr als ein Gedanke gewesen; dem Gorilla jetzt bei der Arbeit helfen zu dürfen, war mehr als eine große Ehre.
      Jake stellte das leere Glas auf dem Schreibtisch ab und nahm seine Jacke. „Ich bin für eine Weile weg. Ich treffe mich gleich mit Jessica, wegen dem Pressebericht.“
      Die anderen nickten, und Tasha räumte alarmiert noch schnell eine Bananenschale aus Jakes Weg, bevor er dort auch noch drauftreten konnte.
      Eine Weile später nahm Tracy Tasha den Becher aus der Hand und stellte ihre beiden zu dem anderen auf den Schreibtisch. „Dann woll’n wir mal!“
      Tasha beobachtete verhalten, wie Tracy die Konstruktion anhob. „Soll ich dir tragen helfen?“
      „Geht! Danke!“
      Sowohl Tasha, als auch Eddy konnten sich einen ehrfürchtigen Blick wie so oft nicht verkneifen. Wenn sie sich um eines keine Gedanken machen mußten, dann, daß Tracy seine Kraft überschätzte, und in diesem Fall war einiges davon notwendig, um die Erfindung vom Büro wieder in die Werkstatt zu bugsieren. Keine Frage, vor Tracy hatten sie deutlichen Respekt.
      Tasha schenkte Eddy ein schnelles Lächeln. „Bis später!“ Dann eilte sie euphorisch voraus, um dem Gorilla die Türen bis zur Werkstatt aufzumachen.
      Eddy schlang die Arme um den Körper und sah ihnen nach. Als er schließlich allein im Büro stand, seufzte er schwer. Jake war weg – das an sich war nicht das schlechteste, aber nun war Tasha auch noch mit Tracy in der Werkstatt, wer wußte, für wie lange. Unwillkürlich glitten seine Gedanken zu dem Moment vor Jakes Aufschrei zurück. In einem gab er seinem Partner im stillen Recht: Warum hatte diese vermaledeite Bananenschale ausgerechnet in diesem Moment kommen müssen…?
      Er lehnte sich demoralisiert in den Türrahmen zur Küche. „Das kam genau im richtigen Moment“, meinte er frustriert zu sich selbst. Dann ging er hinein, um sich endlich seinen Tee zu machen.
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