Sylvien

von - Leela -
GeschichteÜbernatürlich / P12
Eddie Jake Tracy
22.12.2012
22.12.2012
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Jake hetzte quer durch das Ghostkommando, als das Ansabone klingelte. Doch jegliche Mühe war umsonst, das Ansabone war schneller.
      „Ja, Sie sind mit dem Büro der Ghostbusters verbunden. Leider können sie Ihren Anruf nicht entgegennehmen. Die Ghostbusters haben sich bei ihren Zielübungen selbst dematerialisiert, haha!“ Ansabone wich geschickt einer Attacke von Jake aus.
      „Laß den Quatsch! Du kommst auf den Schrotthaufen, wenn wir das Geld nicht reinkriegen, um den Laden hier aufrecht erhalten zu können!“
      Ansabone sah ihn groß an.
      Diesen Augenblick nutzte Jake und sprang förmlich an’s Telefon. „Hallo? Sind Sie noch dran? Ja, Jake von den Ghostbusters am Apparat! Worum geht es? – Aha. Ein Gespenst in einer alten Villa! Ja, ich verstehe. Wir kommen sofort!“ Jake hängte den Hörer ein und sah auf. „Jungs, es gibt Arbeit!“
      „Was ist es denn?“ fragte Eddy, als er gerade dazukam.
      „Ein Bauunternehmen hat gerade angerufen. Weiter außerhalb soll eine alte Villa abgerissen werden. Allerdings spukt es dort!“
      „Aha, und wir sollen den Geist busten! Na dann mal los!“
      „Genau! Auf geht’s Ghostbusters!“
      Sie verloren keine Zeit, und nur Augenblicke später saßen sie umgezogen im Ghostbuggy.
      „Auauau, verdammte… Fettklopse, wie oft hab’ ich euch schon gesagt, ihr sollt zum einsteigen die Türen benutzen! Als ich das sagte, meinte ich das ernst, verdammt nochmal!“ beschwerte sich GB.
      „Wir haben es eilig, GB!“ meinte Jake besänftigend. „Wir haben einen Auftrag!“
      „Euer Auftrag geht mir am Heck vorbei! Wenn meine Achsen wegen euch im Eimer sind, könnt ihr zu eurem Auftrag laufen!“
      „Ach komm, so schlimm wird es schon nicht sein!“ bemerkte Eddy von hinten.
      „Der größte Stein des Anstoßes nach dem Gorilla, und dann solche Worte! – Ich streike!“
      „Ach, komm schon GB!“ bat Jake. „Weißt du was? Wenn du wieder lieb mit uns bist, fahren wir nach dem Auftrag noch durch die Waschanlage!“
      GB reagierte zuerst nicht. Dann fragte er nachdenklich: „Mit Heißwachs und Unterbodenwäsche?“
      Jake verdrehte leicht die Augen. „Ja!“
      „Na gut!“ lenkte GB ein.
      Jake atmete auf, und Tracy startete das Ghostbuggy. Einige Zeit später trafen sie beim Bestimmungsort ein.

Es war nicht zu übersehen: Überall auf dem Gelände standen Baumaschinen, Bagger und Kräne.
      Die Ghostbusters gingen zu dem Bauherren herüber.
      „Wir suchen einen Mister Oatis!“ sprach Jake den erstbesten an, dem er begegnete.
      „Den haben Sie vor sich! Sie müssen die Ghostbusters sein!“
      „Ja, wir haben vorhin miteinander telefoniert. Bitte schildern Sie noch mal genau die Ereignisse.“
      Oatis zeigte zu dem kleinen Haus, welches dem Stil des Ghostkommandos nicht ganz unähnlich war; hier jedoch ganz anders wirkte, weil es nicht von Hochhäusern gesäumt war, sondern in einer Gegend stand, in der moderne Ein- oder Zweifamilienhäuser das Bild dominierten. ‚Und weil es absolut heruntergekommen und baufällig aussieht’, fügte Jake in Gedanken hinzu.
      „Dieses Haus ist mehrere hundert Jahre alt. Nachdem die letzten Bewohner verstorben sind, hat sich niemand mehr darum gekümmert. Die letzten Erben haben sich nicht darum geschert. Nun hat die Stadt das Grundstück aufgekauft. Das Haus soll abgerissen werden und mit einem modernen Verwaltungskomplex in das neue Stadtbild eingefügt werden.“
      „Gut, und was hat es mit dem Spuk auf sich, von dem Sie am Ansa… Ich meine am Telefon erzählten?“ fragte Jake weiter.
      „Das ist das mysteriöse! Bevor wir mit dem Abriß beginnen wollten, haben wir einen Rundgang über das Gelände gemacht, um das Vorgehen zu besprechen. Dabei sichteten die ersten Arbeiter Geistererscheinungen an den Fenstern. Zuerst dachten wir natürlich, es hätte ganz natürliche Ursachen, Sonnenreflektionen oder ähnliches. Aber selbst bei einer Inspektion im Haus sahen wir mindestens eine Gestalt, die durch das Gebäude spukte. Sie griff sogar einige meiner Männer an.“
      „Wie griff sie die Männer an?“
      „Ich weiß nicht, wie man das am besten beschreiben soll! Energieblitze, Druckwellen… Es hörte erst auf, als wir wieder draußen waren. Wir können aber nicht vernünftig arbeiten, wenn die Geistererscheinung uns stört.“
      „Ja, das sehe ich ein. Wir kümmern uns darum, keine Sorge!“ sagte Jake zu. „Dieser Geist ist bereits Geschichte!“
      „Vielen Dank!“ erwiderte Oatis erleichtert.
      „Keine Ursache! Geben Sie Tracy nachher die Rechnungsadresse.“
      Tracy warf Oatis sein bestechendstes Lächeln zu, was den Bauherrn frösteln ließ.
      Jake ließ das unbekümmert und fuhr fließend fort: „So, und jetzt werden wir uns mal das Geisterproblem ansehen!“

„J-jake, das ist ja die reinste Gruselvilla, auch ohne Geist“, bemerkte Eddy beim reingehen.
      „Ach was. Das ist eigentlich ein richtig tolles Haus. Schade, daß es nicht genau so wieder hergerichtet wird. Aber das ist nicht unser Problem“, erwiderte Jake, der voranging und den Dematerialisator bereits im Anschlag hatte.
      Sie traten in einen geräumigen Hausflur, von dem aus eine Treppe in’s obere Stockwerk führte. Einige Türen gingen in andere Räume ab, es gab Säulen und alte Möbel. Was bislang jedoch fehlte, war ein Geist.
      „Ob Oatis sich wohl getäuscht hat…“ überlegte Jake gerade, als seine Nase plötzlich anfing zu zucken. „Oh, nein! Hat er nicht! Hier gibt es definitiv einen Geist!“
      Tracy war schon zur Stelle mit dem Geisterdetektor und sondierte damit die Umgebung. Dann zeigte er in eine Richtung. „Dort!“
      „Aha, bei der Treppe. Ja, jetzt sehe ich es auch!“ Jake machte einen Umriß aus, der das Bild dahinter leicht verschwimmen ließ. Er schlich sich an und ging in Angriffsposition.
      Die Erscheinung bewegte sich nun die Treppe hinunter auf Tracy zu, der nahe des Fußes der Treppe stand.
      Jake verfolgte die Erscheinung mit dem Visier des Dematerialisators. Als sie die Richtung änderte und auf die Ghostbusters zukam, packte ihn jedoch ein alarmierendes Gefühl, welches ihn den Auslöser des Dematerialisators drücken ließ, ohne nachzudenken.
      Der Geist wich hastig dem Strahl aus und flüchtete die Treppe wieder hoch.
      Jake nahm ihn erneut in’s Visier, bevor er aus dem Blickfeld verschwinden könnte. Bevor er jedoch den Dematerialisator abfeuern konnte, traf ihn eine der von Oatis erwähnten Druckwellen und warf ihn einige Meter über den Boden zurück. Während dessen floh die Geistererscheinung einem wirbelnden Nebel gleich nach oben.
      Jake sammelte sich vom Boden auf und machte eine Bestandsaufnahme seiner Knochen. „Du meine Güte! Was war das denn?“
      Eddy traute sich jetzt erst langsam hinter einer Säule wieder hervor. „Jetzt weiß ich, wovon der Bauherr gesprochen hat.“
      Tracy deutete nach oben. „Müssen schneller sein!“
      „Ja, allerdings!“ pflichtete Jake ihm bei und hielt sich den Kopf.
      Eddy kniete sich zu ihm. „Geht’s dir gut, Kumpel?“
      „Ja, es war nur der Schreck – und wahrscheinlich ein paar blaue Flecke!“ Jake rappelte sich vom Boden auf. „Wir müssen den Geist verfolgen! Ich hoffe nur, die Treppe ist nicht so baufällig, wie das Haus aussieht. Ich traue der Sache nicht so ganz.“
      Tracy kramte in seinem Rucksack. Dann holte er ein Seil hervor, an dessen einem Ende ein Haken befestigt war. Mit gekonntem Wurf schlug er den Haken durch das Fenster am oberen Endes des Treppenaufganges und befestigte das andere Ende an einer der Säulen in der Halle, so daß das Seil gespannt war. Dann machte er eine einladende Geste.
      „Tracy, das ist super! Jetzt haben wir etwas, woran wir uns festhalten können! – Okay, habt ihr eure Dematerialisatoren griffbereit? Im Zweifel müssen wir den Geist in’s Kreuzfeuer nehmen!“
      „Dematerialisator und Ghost-Gummer stehen zu deiner Verfügung!“ erwiderte Eddy.
      Tracy kramte im Rucksack und präsentierte kurz darauf seinen Dematerialisator und das Spectrosnare.
      „Na, dann kann ja nichts mehr schiefgehen! Los, kommt! Dieser Geist ist nicht zu unterschätzen!“
      Vorsichtig gingen sie die Treppe hinauf. Zu Jakes Überraschung war sie relativ gut erhalten, doch er hatte nicht ganz Unrecht gehabt, denn einige Stufen waren bereits so brüchig und angemodert, daß man beim Drauftreten aufpassen mußte.
      Am Ende des Aufganges mußten sie noch einige Stufen nach links weiter hochgehen, bis sie auf den oberen Flur gelangten. Von dort aus konnte man in eines der Zimmer sehen, den einzigen Raum, dessen Tür nur angelehnt war.
      Jake hielt die anderen mit einer Geste zurück.
      Wortlos konsultierte Tracy den Geisterdetektor und nickte. Der Geist befand sich in dem Zimmer vor ihnen.
      „Okay, wir greifen ihn von drei Seiten an!“ flüsterte Jake. „Eddy, du gehst nach links. Tracy, du nach rechts. Und ich bleibe in der Mitte. Sobald ihr ihn lokalisiert habt, feuert ihr, was das Zeug hält. Irgend einer von uns muß dabei den Geist erwischen!“
      Eddy und Tracy nickten.
      Sie schlichen vorwärts, bereiteten sich vor, dann stieß Jake die Tür auf.
      In dem Moment ging alles ganz schnell. Ein Körper wirbelte zu ihnen herum, daß die Konturen verschwammen, Eddy sprang nach links, Tracy nach rechts, die Gestalt löste sich in spirituellen Nebel auf, dann feuerten alle gleichzeitig, doch bevor die Strahlen der Dematerialisatoren den Geist treffen konnte, schoß der Nebel durch den Boden des Raumes nach unten.
      „Verdammter Mist!“ fluchte Jake. „Das darf doch wohl nicht wahr sein!“
      „Andere Idee!“ warf Tracy ein. Er deutete auf Jake. „Du oben! Eddy unten! Ich vorne!“
      „Du meinst, wir sollen uns aufteilen! Ja, anders werden wir dem Geist auch nicht beikommen können“, pflichtete Jake bei. „Also, los!“
      „Bist du sicher?“ wandte Eddy erschrocken ein. „Ich will dem Geist nicht allein gegenüberstehen!“
      „So haben wir aber die höchsten Erfolgschancen! Und nicht lange überlegen! Ich möchte gerne, daß euch die Erfahrung dieser Druckwelle oder anderen Überraschungen erspart bleibt!“ Jake gab den anderen einen Wink. „Im Zweifel versucht, den Geist wieder zu mir nach oben zu scheuchen! Ich werde hier auf ihn warten!“
      „Na gut“, meinte Eddy unsicher. „Aber dafür möchte ich Gefahrenzulage!“
      „Ich verspreche dir auch eine Unterbodenwäsche! Und jetzt geht schon!“ wies Jake sie an.
      Sie teilten sich auf, und während Jake im oberen Stockwerk auf der Lauer lag, sondierten Eddy und Tracy den unteren Bereich.
      Tracy bezog in der Halle Aufstellung. Bevor Eddy weitergehen konnte, deutete der Gorilla auf sich.
      „Oder ich soll ihn zu dir scheuchen! Schon verstanden!“ sagte Eddy. „Na, dann mal los…“ Er suchte sich die Tür, hinter der er das Zimmer vermutete, welches unter dem oberen lag, durch das der Geist geflohen war. Staub und Spinnweben kamen ihm entgegen, ließen ihn husten und mit den Armen wedeln. Das ganze Haus war voll davon, doch hier schienen sie ein eigenes Bewußtsein erlangt zu haben mit dem Hintergedanken, Eddy zum würgen zu bringen.
      Als er sich vom Schreck erholt hatte, ging er vorsichtiger weiter. Von dem Geist jedoch fehlte jede Spur. „Der ist bestimmt schon über alle Berge“, sagte er zu sich. Er hatte kaum ausgesprochen, als er aus der Halle einen Krawall hörte und geschockt herumwirbelte.
      Als er in die Halle zurückhetzte, konnte er nur erahnen, was hier passiert war: Offenbar war der Geist in die Halle geflohen, wo Tracy ihm aufgelauert hatte; und dann mußte der Gorilla von einer Druckwelle erfaßt worden sein, die ihn postwendend gegen die nächste Wand befördert hatte, und auf dessen Weg er eine der großen Vasen mitgenommen und in tausende Einzelteile zertrümmert hatte. „Tracy, alles in Ordnung?“ rief Eddy erschrocken.
      Auch Jake war alarmiert zur Treppe gestürzt und lief die Stufen hinunter, um seinem Freund zu helfen. Dabei ließ er die gebotene Vorsicht außer Acht, stolperte - glücklicherweise bei einer der unteren Stufen - über eine morsche Stelle und landete bäuchlings am Treppenende.
      Während dessen zischte die Geistererscheinung an Eddy vorbei und durch die Wand, vermutlich in das Zimmer, aus dem er gerade kam.
      Einen Moment war Eddy hin- und hergerissen, erst nach seinen Freunden zu sehen oder zu versuchen, den Geist zu busten, doch da er annahm, daß er allein dem Geist sowieso nicht beikommen konnte, verschob er die Idee nach hinten und rannte zu Tracy und Jake hinüber.
      Tracy schälte sich gerade aus den Tonscherben, während Jake sich auf alle Viere aufrichtete und nach Atem rang.
      „Leute, geht’s euch gut? Himmel!“
      Jake stöhnte leicht unter Schmerzen. „Mir tut alles weh. Aber sonst geht’s mir gut. – Tracy, was ist mir dir?“
      Tracy klopfte gerade sein Fell ab. Kurz darauf gab er ein entwarnendes Grinsen von sich. „Oki Doki!“
      Eddys Blick drückte deutlichen Kummer aus. „Ich weiß nicht, ich glaube, diesen Geist können wir mit herkömmlichen Mitteln kaum besiegen. Da ist es ja einfacher, Prime Evil zu bekämpfen!“
      Jake atmete noch einmal durch, um sich zu sammeln. „Prime Evil ist berechenbar, weil wir seine Strategie kennen. Das ist es, was uns im Moment das Genick bricht: Wir können den Geist nicht einschätzen!“
      „Oh, sprich bloß nicht vom Genickbruch…“ erwiderte Eddy unbehaglich.
      Jake sah sich um. „Wo ist der Geist hin?“
      „Ich bin mir nicht sicher… Als ich ihn zuletzt sah, sauste er durch die Wand dort drüben“, gab Eddy Auskunft.
      Tracy hatte den Geisterdetektor bereits wieder zur Hand genommen und sondierte die Umgebung.
      Jake lief derweil durch die Halle. Seine Nase sagte ihm deutlich, daß der Geist in der Nähe war, doch er konnte ihn nicht eindeutig lokalisieren.
      Tracy schaute derweil ratlos auf die Anzeigen des Geisterdetektors.
      „Was hast du, Tracy?“ fragte Eddy.
      Tracy hob die Schultern. „Kein Oki Doki!“
      Jake sah sich zu ihm um. „Kein Oki Doki?“ Er gesellte sich zu Tracy und sah mit auf die Anzeigen. „Was ist das denn? Wenn die Anzeige stimmt, ist die ganze Wand dort drüben ein Geist!“ Er wechselte einen verwirrten Blick mit dem Gorilla. „Entweder ist das Gerät kaputt, oder…“
      Noch während Jake sprach, veränderte sich die Anzeige wieder, und kurz darauf floß die spirituelle Energie, die das Gerät anzeigte, an einem Punkt zusammen.
      „Da!“ Tracy zeigte in eine Richtung.
      „Eddy! Der Dematerialisator!“ rief Jake.
      Eddy reagierte sofort, aber mit zitternden Fingern, und so ging der Schuß schon von vorneherein in’s Leere. „Oh, verdammt!“
      Die Anzeige auf dem Geisterdetektor war wieder verschwunden.
      Tracy ging mit dem Gerät durch die ganze Halle und versuchte, irgend eine Richtung zu verfolgen; da die Erscheinung jedoch bereits geflohen war, war das ein schwieriges Unterfangen, da er nicht einmal wußte, wo er anfangen sollte. Er begann systematisch die Bereiche zu untersuchen, wo sie den Geist zuletzt ausgemacht hatten, und erweiterte den Bereich immer mehr.
      Eddy beobachtete die Bemühungen besorgt. „Sollten wir nicht lieber den Ectoblitz einsetzen?“ fragte er. „Dann können wir seine Spur nachverfolgen!“
      „Wer hat den Ectoblitz seit unserer letzten Mission auf dem Gewissen?“ fragte Jake tiefgründig.
      „Ach ja…“ meinte Eddy kleinlaut. „Hat Tracy ihn noch nicht repariert?“
      „Scherzkeks!“ ließ sich der Gorilla hinter ihm vernehmen.
      In dem Augenblick rauschte eine Energiewelle durch die Halle und produzierte ein gleißendes Licht, welches die Ghostbusters blendete und zurückweichen ließ, bevor der Geist wieder in irgend eine Richtung, die die Jungs nicht ausmachen konnten, verschwand.
      „Da!“ rief Tracy mit geschlossenen Augen aus. „Der Geist!“
      Langsam wagten sie, die Augen wieder zu öffnen.
      „Wo ist er hin?“ Jake sah sich verbissen um, doch die Erscheinung war wieder verschwunden.
      „Jake, sieh nur…“ Eddy zeigte mit zitterndem Finger auf einen verstaubten Spiegel.
      Als Jake seinem Fingerzeig folgte, stockte auch ihm der Atem. Wie von einem unsichtbaren Finger geschrieben malten sich Buchstaben in den schmierigen Staub. „Das muß von hinter dem Spiegel kommen“, stellte Jake verblüfft fest, als er den Bereich anstarrte, an dem der unsichtbare Schreiber hätte stehen müssen; doch keine Unregelmäßigkeit kündete davon, daß sich der Geist an der Stelle befand.
      „Sicher will er dem Dematerialisator entkommen“, bemerkte Eddy beklommen.
      „Was… habe…“ las Jake langsam mit. „… ich…“
      Eddy wich einen Schritt zurück und prallte an Tracy.
      „… euch… getan… – Was habe ich euch getan?“ Jake brauchte ein drittes lesen, um den Sinn der Botschaft zu verinnerlichen und stockte verblüfft. „Wie ist das jetzt gemeint?“
      Tracy schob sich an Eddy vorbei. „Geist, ängstlich!?“
      Jake starrte ihn an. „Du meinst, der Geist hat Angst vor uns?“
      „Na, das soll er wohl auch! Ich würde mich als Geist auch fürchten, vor dem Dematerialisator!“ bemerkte Eddy aus dem Hintergrund.
      Jake derweil war in Gedanken versunken. „Was habe ich euch getan…“ wiederholt er leise für sich. „Das klingt wie eine Anklage…“
      Tracy hob den Daumen. „Oki Doki!“
      Jake ließ den Dematerialisator sinken. „Was wissen wir eigentlich über den Geist?“
      Die anderen überlegten.
      Tracy hob die Schultern. „Geist!“
      „Richtig! Das einzige, was wir wissen ist, daß es sich um einen Geist handelt!“ bestätigte Jake.
      „Genügt das nicht?“ fragte Eddy.
      Jake fühlte sich derweil betroffen. Unwillkürlich konnte er ein schuldiges Gefühl nicht unterdrücken. „Nein! Rekonstruieren wir doch noch mal: Der Geist hat uns erst attackiert, nachdem wir ihn angegriffen haben. Er hat sich zur Wehr gesetzt! Wer von uns würde das nicht tun?“
      „Was willst du damit sagen, Jake?“
      Jake drehte sich zu Eddy um, und in seiner Miene spiegelte sich Beklommenheit. „Ich bin mir nicht mehr so sicher, daß der Geist hier das böse Wesen ist.“
      „Was?? Willst du mich veralbern?“ rief Eddy aus.
      Jake sah wieder zum Spiegel. „Wir haben dem Geist nicht einmal Gelegenheit gegeben, sich zu äußern. Das hier war ein verzweifelter Kommunikationsversuch.“
      „Seit wann muß man einem Geist Gelegenheit geben, sich zu erklären?“ fragte Eddy grimmig.
      „Bei manchen lohnt es sich! Und wir werden jetzt damit anfangen!“ bestimmte Jake. „Dematerialisatoren weg, Freunde!“
      „Spinnst du?“ entfuhr es Eddy.
      Jake schickte ihm einen funkelnden Blick. „Weg mit dem Zeug, und zwar sofort!“
      Das reichte, um Eddy und Tracy gehorchen zu lassen.
      Derweil ging Jake mit erhobenen Händen, um zu zeigen, daß sie leer waren, auf den Spiegel zu. „Bitte komm raus! Wir tun dir nichts!“
      Eine Weile tat sich überhaupt nichts.
      „Er ist noch in der Nähe“, sagte Jake. „Ich spüre es in der Nase.“ Er sah sich aufmerksam um. Dann rief er erneut: „Du brauchst keine Angst zu haben! Wenn du ein guter Geist bist, werden wir dir auch nichts tun!“
      Während Eddy und Tracy sich diplomatisch ein Stück zurückzogen, sondierte Jake den Raum genau, von einer Ecke bis zur anderen.
      Dann auf einmal manifestierte sich eine Erscheinung, in einiger Entfernung hinter ihm und so weit im Hintergrund, wie um schnell die Flucht antreten zu können. „Warum wird eigentlich immer davon ausgegangen, daß Geister männlich sind?“
      Jake wirbelte herum. Ihm Gegenüber sah er den Geist zum ersten Mal in seiner vollen Gestalt. Es handelte sich um eine hübsche, hochgewachsene Frau, und was ihn am meisten erschreckte, sie konnte dem Ansehen nach nicht wesentlich älter sein als er selbst. Wenn seine Vermutung über ihr Erscheinungsbild stimmte, mußte sie jung gestorben sein. Ihr gut schulterlanges Haar mutete dunkel an, auch wenn Jake das nicht richtig an Argumenten festmachen konnte. „Wer bist du?“ fragte er aus reinem Reflex.
      „Erst möchte ich euer Wort, daß ihr mir nicht feindlich gesinnt seid!“ setzte sie entschieden dagegen. Hin und wieder verflüchtigte sich ihre Gestalt, so als wäre sie nervös, und immer auf dem Sprung zu fliehen.
      „Wir haben die Dematerialisatoren weggepackt! Keine Sorge, wenn du uns freundlich gegenüberstehst, dann tun wir das auch!“
      „Du meinst diese schrecklichen seelenfressenden Dinger!“ stellte sie fest.
      „Ja! Du mußt uns verstehen, wir haben auch Angst vor dir!“
      „Vor mir?“ In ihrer Miene spiegelte sich Überraschung. „Ich möchte nichts weiter, als hier in Ruhe leben! Nichts weiter!“
      Jake blieb der Mund offen stehen. Mit einem Schlag konnte er sich alles erklären.
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