Größtenteils beruflich

GeschichteRomanze / P18
Chloe Frazer Nathan Drake
21.12.2012
21.12.2012
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GRÖSSTENTEILS BERUFLICH



Ein Klopfen an der Zimmertür riss Nathan aus seinem nachmittäglichen Halbschlaf. Er konnte sich sofort denken, wer es war, der da um Einlass bat: Flynn schied von vorneherein aus; er lag in diesem Augenblick wahrscheinlich unten am Strand mit reichlich Bier eingedeckt in einer Hängematte und machte sich einen Spaß daraus, den leichtbekleideten Touristinnen im Bikini hinterherzuschauen. Er käme nie im Leben auf die Idee, seinen faulen Arsch für ein kleines Männergespräch zwei Stockwerke höher ins Hotelinnere zu verlagern.

Nein, Chloe war die Einzige aus ihrem kleinen Trio, mit der er noch alte Angelegenheiten ausstehen hatte, und sowohl ihr als auch Nathan selbst war bewusst, dass diese nicht mehr lange unangesprochen bleiben konnten. Anscheinend war es ihres Ermessens nach nun der perfekte Zeitpunkt, um die Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.
Er wollte dieses Gespräch so schnell wie möglich hinter sich bringen und mit all dem abschließen, was erst vor wenigen Tagen erneut in ihm hochgekommen war. Was vergangen war, war vergangen, und es würde das Beste für beide von ihnen sein, wenn er das einsähe. Ohne Umschweife rollte er sich daher vom notdürftigen Hotelbett herunter und öffnete die Tür.

"Hallo", hauchte Chloe ihm entgegen und blickte mit einem vielsagenden Lächeln zu ihm herauf. Sie trug dasselbe weinrote Tanktop wie an dem Tag, als sie sich zum allerersten Mal begegnet waren. War das bloßer Zufall oder steckte, so wie er sie kannte, eine Absicht dahinter? Sie sah atemberaubend aus.

Schnell schaute er sich im Flur um - die Luft war rein - und zog seinen Besuch wortlos hinein. "Soviel also zum Vorspiel", raunte sie ihm zu, während er die Tür verriegelte. Diese Begegnung hatte sie sich ohne Zweifel etwas anders und vor allem wesentlich herzlicher ausgemalt.

"Macht es dir vielleicht was aus, mir mal zu erklären, was hier gespielt wird?", fuhr er sie harsch an. Seine Laune war nicht gerade die beste, und das sollte sie ruhig zu spüren bekommen.

Chloe zeigte sich jedoch unbeeindruckt und zog lediglich eine Augenbraue hoch. "Mit Flynn, meinst du?"

Natürlich mit Flynn, was sonst? Was hatte sie sich dabei gedacht, aus heiterem Himmel mit dem Kerl aufzukreuzen und ihn mit in ihre Angelegenheiten hineinzuziehen - bei ihrer gemeinsamen Vergangenheit? Sie konnte seinetwegen mit dem guten Harry anstellen, was ihr beliebte, aber sie musste es ihm nicht derart unter die Nase reiben. Sie spielte mit ihm, das wusste er genau, und er hasste es. Doch er wollte ihr noch nicht mehr seiner Selbst zum Fraß vorwerfen.

"Du hättest mich vorwarnen können", antwortete er knapp. Vorwarnen, dass sie nun für Mister Casanova höchstpersönlich das Betthäschen spielte.

Sie erwiderte seinen Vorwurf mit einem provokanten Grinsen. "Und dabei deinen Blick verpassen?" Ihr Tonfall war so furchtbar höhnisch, wie er es immer war, wenn sie spürte, dass sie ihn an der Angel hatte, und paradoxerweise war das doch eine der Seiten an ihr gewesen, weswegen er sie so gemocht hatte.

Gemütlich schlenderte sie durch das spärlich ausgestattete Zimmer und nahm dabei so beiläufig wie möglich sein Reisetagebuch, welches auf seinem Nachttisch thronte, in die Hand. "Wie auch immer... Es ist nicht unbedingt leicht, dich zu finden, das ist dir bewusst, ja?"

Das ging jetzt zu weit. Wenn sie dachte, dass sie einfach so sein Leben der letzten Jahre durchstöbern konnte, hatte sie sich gewaltig geschnitten. Verärgert stellte er sich ihr in den Weg und schnappte ihr das Büchlein wieder weg.

"Du bist doch Expertin darin, es anderen leicht zu machen, vielleicht kannst du ja mir ein paar Tips geben."

Sein Versuch eines Seitenhiebs entlockte ihr ein leises Lachen. "Oooh, du bist eifersüchtig", neckte sie ihn. Ihre Augen funkelten vor hämischer Freude.

Na toll. Jetzt hatte sie ihn genau dort, wo sie ihn haben wollte, und er hatte sich ganz wunderbar selbst in diese Lage hineinmanövriert. Warum hatte er nicht ein verdammtes Mal seinen Mund halten können? "Jetzt vergiss mal nicht, wer hier wem damals abgehauen ist", fuhr sie fort. Du hast gar kein Recht, eifersüchtig zu sein."

Was erlaubte sie sich bitte? Er war nicht eifersüchtig! Bevor er sich darüber erbosen konnte, dass sie dieses Thema anschnitt, was nun wirklich nicht nötig gewesen wäre, legte sie ihm auf einmal beide Hände auf die Brust und schubste ihn nach hinten. Nathan versuchte, sein Gleichgewicht wiederzuerlangen, doch er stieß an das Bettgestell hinter ihm und fiel rücklings auf die Matratze. Chloe nutzte die Sekunde der Verwirrung, um mit aus Bett zu klettern uns machte es sich lasziv auf seinem Schoß bequem.

Na toll. Diese Situation war ja wohl ziemlich schnell eskaliert. Eben noch war er es gewesen, der die Oberhand gehabt hatte, und wenige Sekunden später fand er sich nun mit Chloe auf dem Bett wieder, und sie machte den Eindruck, dass sie mehr als bereit war, die Angelegenheit auf andere Weise zu klären als durch eine intensive Diskussion. Und so sehr ihm die Vorstellung auch gefiel... Oh nein, so leicht würde er sich nicht rumkriegen lassen.
"Jetzt warte mal eine Sekunde, Chloe...", stammelte er, bemüht, ihre Avancen abzuwehren, doch nur mit begrenztem Erfolg. Diese Frau ließ nicht so schnell locker, das hatte er früher oft zu spüren bekommen, und wenn es etwas gab, was sie begehrte, dann nahm sie sich es auch.

Allem Anschein nach war es ihr Wunsch, alte Feuer neu zu entfachen - und sie war gefährlich kurz davor, ihr Ziel zu erreichen. Er war schließlich auch nur ein Mann mit gewissen Bedürfnissen, und auch, wenn er mit Chloe reden wollte... sie war umwerfend und schmiegte sich just in diesem Augenblick an ihn.

"Wenn du dich dadurch irgendwie besser fühlst, mein Verhältnis mit Flynn ist rein beruflich", sagte sie und ließ dabei ihre Fingerspitzen über seine Brust tanzen. Sofort flammte in ihm das Bedürfnis auf, sich seines Shirts zu entledigen, um ihre Hände auf seiner nackten Haut spüren zu können.

Verdammt noch mal, was sollte das? Er hatte sich vorgenommen, willensstark zu sein und ernsthaft mit Chloe über die ganze Sache mit Harry zu sprechen! Wieso musste sie bloß so eine unglaubliche Verführerin sein? Es war ihr schon immer gelungen, eine weitere Runde aus ihm herauszukitzeln, und wenn er sich nicht schleunigst am Riemen riss, konnte er sein klärendes Gespräch ganz vergessen. Er hoffte, das Gesprächsthema hin zu weniger anregenden Dingen lenken zu können.
"Wirklich?", fragte er.

Sie schmunzelte verwegen. "Größtenteils."

Ein tiefer Seufzer bahnte sich den Weg aus seiner Brust, als sie die Arme um ihn schlang und sich enger an ihn schmiegte. Sie gab einfach nicht auf. "Als mir bewusst wurde, dass er ausnahmsweise tatsächlich etwas Großem auf der Spur ist, dachte ich mir, dass du vielleicht..." - sie fasste seine Hände und legte sie sich auf die Oberschenkel - "...mit von der Partie sein wolltest..."

Sie war ihm so nahe, so verdammt nahe. Der Duft ihrer Haut betörte ihm die Sinne. Ja, er wollte mit von der Partie sein! Ihr konnte er einfach nicht widerstehen. Doch, konnte er! Nein, konnte er nicht... verdammt. "Und was ist der Plan?"

"So, wie wir's besprochen haben", hauchte sie ihm ins Ohr. "Wir ziehen die Aktion durch, wir finden die Schiffe und verschwinden mit dem Schatz."

"Mit Flynn?"

Sie schnurrte zustimmend.

"Und was dann?" Bitte, dieses Gespräch möge schnell zu Logistik und anderem uninteressanten Schnickschnack wechseln.

"Dann", fuhr sie fort, "dritteln wir den Gewinn, und wir verschwinden ganz plötzlich. Dieses Mal... zusammen."

Eine Strähne ihres schwarzen Haares kitzelte ihn an der Wange. Das Gefühl ihres Körpers auf seinem zehrte an seiner Selbstbeherrschung. Sie konnten doch auch noch wannanders über die Vergangenheit sprechen, oder? Er wollte sie. Er sehnte sich danach, sie nach so langer Zeit wieder zu spüren.

"Bis dahin darf er nicht von uns erfahren", flüsterte sie ihm mit heißem Atem ins Ohr.

"Er wird ziemlich angepisst sein", schob Nathans Verstand ein, in einem letzten verzweifelten Versuch, sich ihr doch nicht voll und ganz hinzugeben. Vergeblich.

"Mach dir deswegen keine Sorgen. Vertrau mir."

Dann presste sie ihre Lippen auf seine und er vergaß alles um sich herum.

Gott, wie oft hatte er sich vorgestellt, noch einmal mit ihr zu schlafen. Wie oft hatte er es im Nachhinein bereut, damals einfach abgehauen zu sein. Zunächst hatte ihn diese Frage bloß nachts geplagt, wenn er dem guten Sex nachtrauerte, und während seiner kurzen Zeit an Elenas Seite hatte er Chloe sogar gänzlich vergessen. Doch seitdem Elena vor einem Dreivierteljahr die Beziehung beendet hatte, hatte er sich immer öfter die Zeit mit Chloe zurückgewünscht. Chloe, die so umwerfend war, dass ihm bei ihrem Anblick jedes Mal aufs Neue der Atem gestockt war. Chloe, mit der alles unkompliziert gewesen war, unverbindlich. Chloe, mit der er eine Leidenschaft geteilt hatte, die Elena, so sehr er sie auch liebte, nie in ihm hatte wecken können.
Während sich die unliebsame Kleidung in einem Rausch aus feuchten Lippen, heißem Atem und weicher Haut auf dem Zimmerboden sammelte und seine Augen gierig den Anblick aufsogen, wie sie beinahe quälend langsam Stück für Stück ihren perfekten Körper preisgab, stellte er sich unweigerlich die Frage, wie er so jemand Einmaligen wie Chloe je hatte verlassen können. War es die Angst gewesen, sich zu fest an sie zu binden, mit ihr aus einer Affäre wesentlich mehr werden zu lassen? Die Angst, verletzt werden zu können? Er wusste es beim besten Willen nicht und scholt sich innerlich, sich damals unbedacht aus dem Staub gemacht zu haben.

Ein weiterer leidenschaftlicher Kuss riss ihn aus den Gedanken. Ihre vollen Lippen pressten sich auf seine, während ihre zarten Arme sich um seinen Rücken schlangen. Mit jedem Atemzug erfüllte ihr süßer Duft, er war wie im Rausch. Haut auf Haut, sanfte Berührungen. Ihr gedrängter Atem keuchte ihm leise ins Ohr. Er war so hart wie selten zuvor. Er wollte sie. Er brauchte sie. Alles in ihm sehnte sich nach ihr.

Chloe spürte sein unbändiges Verlangen. Langsam rieb sie sich an ihm, glitt gemächlich an ihm hinab. Ihre Finger genossen die Wärme seiner Haut, als sie sich verspielt den Weg an seinem Oberkörper hinab bahnten. Sie nahm ihn sanft in die Hand und schaute mit vernebelten Augen zu ihm herauf, kostete seinen gequälten Blick aus, ließ ihn zappeln. Sie wusste genau, was er brauchte, war aber nur unter einer Bedingung bereit, es ihn spüren zu lassen.
"Sag es", flüsterte sie mit samtiger Stimme und übte - wie als Aufforderung - so flüchtigen Druck auf ihn aus, dass er stöhnend den Kopf zurückwarf und ein Beben seinen Unterleib durchzuckte. "Ich will, dass du es aussprichst."

Schon wieder spielte sie mit ihm. Wie sehr liebte sie es, ihn nach ihrer Pfeife tanzen zu lassen, weil sie wusste, das er es eigentlich nicht abkonnte; und eigentlich hätte er ihr widerstehen wollen, doch er konnte nicht mehr länger. Das Tier in ihm verlangte nach ihr. Jetzt. Sofort. "Nimm mich in den Mund", brachte er mit gequälter Miene hervor. "Tu es."

Einige Sekunden verstrichen, in der sie ihren Triumph auskostete, bis sie ihn endlich erlöste. Ihre weichen Lippen, ihre feuchte Zunge... Sie hatte es schon immer vermocht, derartige Wunder zu vollbringen. Seine Finger vergruben sich in ihrem schwarzen Schopf und drückten sie sanft nach unten. Er musste sich tiefer in ihr spüren. Sie kam seinem Verlangen ohne Widerrede nach, wie sie es immer getan hatte. Gemächlich glitt er tiefer in ihren Rachen hinein, bis sie ihn ganz aufgenommen hatte. Ihr lustvolles, wenn auch gespieltes Stöhnen betörte ihn nur noch mehr, und die Unterwürfigkeit, die er in ihren haselnussbraunen Augen erblickte, zerstreute sämtliche seiner Gedanken. Ihre Zunge spielte mit ihm, huschte flink hin und her, zog langsame Kreise, ihre feuchten Lippen bewegten sich auf und ab... Er spürte, wie er sich zusehends schneller dem Ende näherte. Das unkontrollierte Zucken seines Unterleibs verriet auch Chloe, dass es bald soweit sein würde. Als er laut zu keuchen und in Ekstase ihren Namen zu rufen begann, als sie merkte, dass er nicht mehr länger konnte, tat sie das, was er schon früher immer geliebt hatte: Sie nahm ihn erneut bis in den Rachen auf und stieß ihn über den Rand der Selbstbeherrschung. Sie überwand sich, schluckte für ihn jeden Tropfen und ließ ihn, während er erschlaffte, langsam wieder aus ihrem Mund herausgleiten.

Keuchend lag er da und versuchte sich von dem Erlebnis, den sie ihm beschert hatte, zu erholen. Ein angenehm warmes Kribbeln breitete sich in seinem gesamten Körper aus, und er spürte, wie sich ebenso ein Schleier geborgener Müdigkeit über ihn legte. Doch so schnell würde es das mit ihm nicht gewesen sein. Chloe war noch kein Stück auf ihre Kosten gekommen, und nach all der verstrichenen Zeit und all den phantasiegeladenen Nächten wollte er ihr auf unmissverständliche Art und Weise deutlich machen, was ihr mit Flynn alles entging.

* * *


Sie schob sich unterdessen in einer flüssigen Bewegung wieder an ihm herauf und blickte ihm, sich eng an seinen Körper kuschelnd, tief in die Augen. "Na, hat dir das gefallen?", hauchte sie in einem Tonfall, der ihm früher stets die Sprache verschlagen hatte. Natürlich hatte es ihm gefallen. Sie wusste ganz genau, dass sie gut war, und hatte - anscheinend sehr zu seiner Freude - nichts von all dem vergessen, was ihm in besonderem Maße gefiel.

Selbstverständlich hatte sie das nicht. Wie hätte sie je eine einzige Nacht, geschweige denn eine einzige Sekunde mit Nate vergessen können? Sie war zweifelsohne ein Fan von gutem Sex und war immer für eine wilde Runde im Bett zu haben, was im Grunde genommen der einzige Grund war, wieso sie bei Flynn geblieben war, nachdem sie ihm damals in Montenegro begegnet war. Aber mehr konnte er ihr nicht bieten. Eher aus Verzweiflung als aus wirklicher Hingabe hatte sie sich an den jungen Abenteurer und sein großspuriges Casanova-Gehabe eingelassen, nachdem Nathan eines Morgens plötzlich spurlos verschwunden war und nichts als einen kleinen Post-it-Zettel zum Abschied hinterlassen hatte.

An jenem Morgen hatte Chloe zum ersten Mal seit damals elf Jahren Tränen vergossen. Sie hatte sich unzählige Stunden mit dem Vorwurf gequält, ihm nie drei ganz bestimmte Worte gesagt zu haben, bevor es zu spät gewesen war und er, sie für eine bloße weitere Affäre haltend, zu neuen Ufern aufgebrochen war. Hätte sie ihn doch damals wissen lassen, was sie für ihn empfunden hatte, und ihn hinter ihr distanziertes Gehabe blicken lassen, um ihm zu zeigen, dass es auch eine wesentlich wärmere, emotionalere Seite an ihr gab, die allerdings nur ihre engsten Freunde zu sehen bekamen... dann wäre es alles ganz anders gekommen, hatte sie sich eingeredet und ihren Schmerz mit dem guten alten Harry betäubt, der die Rolle des Painkillers auch liebend gerne einnahm.

Dass sie Nathan je wiedersehen würde... damit hätte sie nie gerechnet. Sie hatte nach ihm gesucht, sich bemüht, ihn oder seine neuen Auftraggeber ausfindig zu machen, aber stets ohne Erfolg. Dieser Mann war für sie wie ein Phantom, hatte sie schnell resigniert einsehen müssen. Es sei denn, man wusste, wo genau man suchen musste - und wie es der Zufall so wollte, wusste Harry genau das.
Völlig aus dem Blauen heraus hatte er eines Abends vorgeschlagen, einen alten Bekannten mit ins Boot zu holen, um ihrer gemeinsamen Operation, die gehörig ins Stocken geraten war, frischen Aufwind zu verschaffen - jemanden namens Nathan Drake. Chloe war so geschockt gewesen, dass sie zuerst gedacht hatte, nicht richtig gehört zu haben - wieso hatte Harry dann in all der Zeit, die sie bereits mit ihm verbracht hatte, kein einziges Mal von Nate gesprochen? Doch sie hatte sich tatsächlich nicht verhört, und ehe sie sich versah, hatte Harry ein Treffen mit dem "guten alten Nate" vereinbart, der zu diesem Zeitpunkt seinerseits recht knapp bei Kasse war und einen gut bezahlten Auftrag wie diesen gut gebrauchen konnte. Von ihrer Beteiligung an der ganzen Sache hatte Harry dankenswerterweise kein Wort erwähnt.

Und nun lag sie hier, nach so vielen Jahren wieder in Nathans Armen. Sanft streichelte sie seine Wange und umschloss seine Unterlippe zärtlich mit den ihren. Eigentlich war sie an diesem Nachmittag hoch auf sein Zimmer gekommen, um mit ihm über alles zu sprechen, darüber, was in der Vergangenheit lag und was die Zukunft für sie bergen könnte. Als sie ihm vor wenigen Tagen erneut gegenübergestanden hatte, war in ihr schlagartig wieder alles hochgekommen, was sie jahrelang weggestaut hatte, und ein zweites Mal wollte sie es nicht so enden lassen. Diesmal würde es besser werden, das hatte sie sich felsenfest vorgenommen. Sie würde Flynn, die erbärmliche Leuchte, seiner Selbstverliebtheit überlassen und gemeinsam mit dem Mann, der so viel mehr war als Harry es je sein würde, ein für alle mal verschwinden.

Doch wie es das Schicksal nun einmal so wollte, hatten sowohl ihre eigene Aufregung als auch Nathans abweisendes Verhalten sie schnell in ihre alte Masche zurückfallen lassen - die der Verführerin, der Distanzierten, der Überlegenen. Aber sie würde sich ändern. Ganz sicher. Er würde eine andere Chloe, die wahre Chloe Frazer, zu sehen bekommen. Irgendwann, wenn sie den Mut dazu aufbringen würde.

Sie schmiegte ihren Kopf an seinen Oberkörper an und genoss das Heben und Senken seines Brustkorbs, seinen Herzschlag. Sie wollte es sich gerade bequem machen, einfach seine Nähe genießen, die sie so lange vermisst hatte - als er sie auf einmal mit seinen starken Armen umfasste und mit einer kräftigen Drehung ihre Position wechselte.
Sie war von seinem plötzlichen Eifer so überrascht, dass sie bloß dalag und zusah, wie er, ihr einen unwiderstehlich verschlagenen Blck zuwerfend, langsam zum Fußende des Bettes zurückrutschte. Allein die Vorahnung, was er alles mit ihr anstellen würde, trieb ein Kribbeln durch ihren Körper. Sie war überrascht, das musste sie zugeben - früher war es mit Nate im Bett für sie stets mehr ein Geben als ein Nehmen gewesen, und nach einem solchen hingebungsvollen Akt wie gerade zuvor wäre damals fürs Erste Schluss gegeben. Aber anscheinend hatte er dazugelernt, und verdammt, der Gedanke gefiel ihr. Und noch mehr gefiel ihr die Vorstellung, dass er das nicht aus bloßer sexueller Begierde heraus tat, sondern dass mehr dahintersteckte: Dass er ihr zeigen wollte, wie sehr er sie vermisst hatte, wie viel sie ihm bedeutete, wie dringend er sie zurückhaben wollte. Dass er es tat, weil er Gefühle für sie hegte. War das denn eine derart abwegige Hoffnung?

Mit langen, feuchten Küssen arbeitete er sich sanft an ihrem Körper hoch. Seine Hände liebkosten zärtlich ihre nach Berührungen bedürftige Haut, während seine Lippen liebevoll an ihr hochwanderten, angefangen mit ihren Fußsohle... über ihr Schienbein... ihre Oberschenkel... Das leichte Kitzeln seiner Bartstoppeln sandte ein Schaudern über ihre Haut... Sie spürte seinen heißen Atem auf ihr und fühlte, wie sie begann, feucht zu werden. Instinktiv spreizte sie ihre Beine weiter auseinander. Das flammende Bedürfnis, seine Zunge zu spüren, seine Lippen, seine Finger durchglühte sie mit jedem Herzschlag. Sie konnte nicht mehr länger, doch er spannte sie auf die Folter, spielte mit ihr, streifte mit seinen Küssen immer wieder haarscharf vorbei. Ein gequältes Stöhnen brach aus ihr heraus. "Oh Gott, bitte, Nate", flehte sie. Ihre Stimme war zittrig. "Bitte... ich kann nicht mehr..." In ihr pulsierte eine Hitze, wie sie sie selten wahrgenommen hatte, und sie wusste, dass sie feuchter nicht mehr werden konnte. Wenn er jetzt nicht den nächsten Schritt tat, würde sie den Verstand verlieren.

Mit einem gierigen Knurren stürzte er sich auf sie. Vor lauter Überwältigung blieb ihr die Luft im Halse stecken. Ihr Becken kam ihm lechzend entgegen, ihre Oberschenkel klammerten sich unkontrolliert um seinen Kopf. Alles, was sie noch spürte, waren seine Finger, seine Zunge, seine warmen Lippen. Der einzige Gedanke, den sie noch halbwegs greifen konnte, bevor er ihr genauso entglitt wie alle anderen, war, dass er das noch nie für sie getan hatte. Und zu wissen, dass er es nun extra für sie wagte... Wäre sie noch bei Sinnen gewesen, hätte sie es "Glück" betiteln können.

Sie war nicht mehr Herr ihrer selbst. Wie aus weiter Ferne hörte sie sich Nates Namen rufen, keuchen, stöhnen, betteln, flehen. Konnte das wirklich ihre eigene Stimme sein? Die kühle Chloe, wie Nate sie immer geneckt hatte? Rhythmisch bewegte sich ihr Unterleib auf und ab, um ihm so weit wie möglich entgegenzukommen. Sie krallte sich in sein Haar und drückte ihn fester an sich. Viel länger würde sie es nicht mehr aushalten, dazu war er zu verdammt gut.

"Wenn du jetzt aufhörst, bringe ich dich um", keuchte sie, um Kontrolle über ihre eigene Stimme bemüht. Als Antwort erhielt sie ein weiteres tiefes Knurren - er würde nicht eher von ihr lassen, bis sie erschöpft, zitternd und befriedigt vor ihm auf dem Bett lag. Das war es, was sie über die Klippe stieß.

Ihr gesamter Körper stand unter Hochspannung, drohte zu explodieren, bis sie schließlich atemlos zusammenklappte und regungslos das Nachkribbeln an ihrem gesamten Körper genoss.

* * *


Das hätte er definitiv früher tun sollen, dachte er sich, als er auf Chloe herabschaute, die mit der Chloe, die er gemeinhin kannte, nur noch wenig zu tun hatte. Sicher, ihr verschwitzter, atemloser Anblick war ihm angesichts der unzähligen Abenteur zwischen den Laken, die die beiden einst geteilt hatten, kein unbekannter. Aber sie sah in diesem Augenblick so unglaublich erfüllt und geradezu glücklich aus, dass er sich insgeheim scholt, diese ganzen Tricks nicht bereits damals ausgepackt zu haben. Zitternd, splitterfasernackt und grinsend lag sie vor ihm, und er sah eine Seite an ihr, die er nur allzu selten jemals zu Gesicht bekommen hatte: die Seite, die ohne all die Überheblichkeit, die ganze Distanz und das Verführerinnen-Getue auskam - eine Facette an ihr, die er schon längst für bloße Einbildung gehalten hatte. Doch da lag sie, mit einem Blick, der mehr sagte als tausend Worte es je hätten sagen können.

Er wollte sich gerade wieder neben sie legen, da zog sie ihn zu einem leidenschaftlichen Kuss heran, der ihm die Sprache verschlug. So hatte sie ihn noch nie geküsst. Das war keins ihrer üblichen Machtspiele...  in diesem Kuss erkannte er so viel mehr.

Hatte er sich geirrt? Verbarg sich tief in ihr etwa doch ein Teil dessen, weshalb er sich später in Elena verliebt hatte? Hatte er Chloe Unrecht getan? War sie doch vollkommener als die bloße Affäre, für die er sie gehalten hatte - "oberflächlich ganz nett, aber für mehr nicht zu gebrauchen"? Sollte er ihr eine zweite Chance geben?

Doch noch bevor er sich ernsthafte Gedanken darüber machen konnte - War er vielleicht, dachte er kurz, bloß so viel besser im Bett als Flynn, dass sie geradezu sexuell ausgehungert gewesen war? -, spürte er in sich neue Lust anschwellen. Ihre weiche Haut auf seiner, ihre Brüste auf seinem Brustkorb, der süße Duft ihrer Haare, der salzige Geschmack ihrer Haut... Er wünschte sich nichts sehnlicher, als sie erneut zu nehmen. Nur mit Mühe behielt er die Beherrschung und blickte ihr tief in die Augen. Er musste nichts sagen. Sie hielt seinen Blick - einen Moment lang verlor er sich im dunklen Braun, das ihm vernebelt entgegenblickte - und nickte. "Du weißt, ich gehe immer auf Nummer sicher", versicherte sie ihm sanft, "also los, Tiger."

Das ließ er sich nicht zweimal sagen. Ohne zu zögern drang er in sie ein. Er hörte, wie sie tief ein- und ausatmete, und er musste sich selbst zügeln, nicht zu schnel loszupreschen. Sie war so verdammt feucht... So eng. Leise stöhnte er auf, als sich ihre Wände um ihn zusammenzogen, eng an ihn schmiegten. Nur langsam bewegte er seine Hüften, achtete darauf, sein Tempo mit Bedacht zu steigern, um Chloe, die ohnehin noch von ihrem vorherigen Orgasmus halb benommen war, nicht total zu überfordern. Es schien ihr zu gefallen. Sie wand sich unter ihm, rieb sich an ihm, ihre schweißgetränkte Haut auf seiner. Lustvoll seufzte sie auf, als er ihr ihren Namen leise ins Ohr flüsterte. Ihr Atem prickelte auf seiner Wange. Ihre Arme schlangen sich fest um seinen Rücken. Ihre Beine klammerten sich um seine Lenden, die Füße hinter seinem Rücken verschränkt, sodass er noch tiefer in sie eindringen konnte.

Immer wilder, immer schneller stieß er in sie, das Tier in ihm ergriff die Oberhand. Mit jedem Stoß jaulte sie kurz auf. Sie spürte, wie er tief in ihr pochte, pulsierte, und krallte ihre Fingernägel in seine Schulterblätter. Der Schmerz spornte ihn bloß weiter an. Er verschlang sie in einem heftigen Kuss, der ihnen beiden das letzte Fünkchen Verstand entriss.

"Oh Gott, Chloe!", hörte er sich rufen. Immer unkontrollierter pflügte er in sie hinein. Ein Zucken durchfuhr seinen Unterleib - ein wildes Kribbeln kündigte sich an. Da schnurrte sie ihm mit tiefer Stimme ins Ohr und er verlor endgültig die Beherrschung. "Komm für mich, Nate", stöhnte sie, als habe sie noch nie in ihrem Leben etwas dringlicher gewollt, "komm in mir!"

Das war es. Er konnte nicht mehr. Mit einem lauten Stöhnen brach er auf ihr zusammen und versank in ihrem feuchten, heißen Inneren. Zwei, drei, vier Mal stieß er noch in sie hinein, dann gab er auf und schloss erschöpft die Augen.
Das war unglaublich gewesen. Vielleicht sogar das Intensivste, das er bis dato mit Chloe je erlebt hatte. Zärtlich küsste er ihre Brust, schmeckte den salzigen Schweiß auf ihrer Haut. Alles an ihr schmeckte nach Sex, nach dem atemberaubenden Moment, den sie gerade geteilt hatten. Ächzend rollte er sich von ihr herab und schmiegte strich ihr durchs Haar, das verschwitzt an ihrer Stirn klebte.

* * *


Oh mein Gott. Das war besser als alles, was sie mit Harry jemals gehabt hatte - und intensiver, als es der Möchtegern-Casanova je hinbekommen würde -, und wohl auch das Beste, was sie und Nate je zustande gebracht hatten. Sie lag zitternd, keuchend, splitterfaßernackt, nassgeschwitzt, völlig erschöpft und befriedigt in irgendeinem Hotelbett neben dem Mann, nach dem sie sich so lange gesehnt hatte, und es war das beste Gefühl der Welt. Einfach daran zu denken, dass sie wieder in seinen Armen lag, ließ bereits ein Lächeln über ihre Lippen huschen, und nach allem, was sich in der letzten Stunde ereignet hatte, machte sich ein warmes Kribbeln in ihrer Magengegend breit. Etwas... Schönes. Nein, es war nicht sexueller Natur, vielmehr knüpfte es an dem Punkt an, als sie sich damals aus den Augen verloren hatten. Chloe tat sich schwer, es sich einzugestehen, aber sie hatte die Befürchtung... nein, vielmehr das Gefühl... nein, sie hatte die Hoffnung, wieder Gefühle für ihn zu entwickeln. Dass da etwas in ihr aufkeimte, konnte sie nicht leugnen, schließlich fühlte es sich so verdammt richtig an, hier und jetzt in seinen Armen zu liegen. Sicher, geborgen. Zum ersten Mal seit langer Zeit war sie wirklich glücklich.

Da erinnerte sie sich an das Versprechen, das sie sich selbst gemacht hatte: Dieses Mal würde alles besser enden. Diesmal würde sie mit ihm über alles sprechen und ihm ihre Gefühle offenbaren, bevor der Zeitpunkt erneut verronnen war. Ein zweites Desaster würde sie nicht verkraften - nicht jetzt, wo sie... wo sie... schon wieder...
'Komm schon, Mädchen', hörte sie auf einmal eine leise Stime in ihrem Kopf sagen, 'du schaffst das. Tu es.'
Sollte sie das wirklich... War jetzt der richtige Zeitpunkt dazu? Andererseits, wenn nicht jetzt,  wann dann? Würde Nate ihr überhaupt eine zweite Chance einräumen? Natürlich würde er das, dazu war alles, was eben geschehen war, viel zu intim, zu leidenschaftlich, zu liebevoll, zu persönlich gewesen, um eine bloß eine weitere Kerbe im Bettpfosten darzustellen... oder?
Zögerlich nahm sie ihren Mut zusammen. Verdammt, sie war eine erwachsene Frau, wieso verkroch sie sich vor so etwas wie ein kleines, schüchternes, unerfahrenes Mädchen?
"Nate", flüsterte sie, ihren Blick vor Aufregung starr an die entgegengesetze Wand geheftet, "ich habe dich vermisst. Ich habe dich so sehr vermisst." Sie schluckte. Jetzt oder nie. "Ich... ich hätte dir das früher sagen sollen, Nate. Ich..." Na los, reiß dich am Riemen, Chloe!
"Ich glaube, ich liebe dich."

Ein lautes Schnarchen war seine einzige Antwort, gefolgt von einem schlaftrunkenen Grunzen.
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