Allein gegen die Zeit - Fluch der Stille

von Kitty11
GeschichteKrimi, Thriller / P12
Ben Brehmer Cenk Delikaya Jonas Stürmer Leonora "Leo" Largareta Özgür "Özzi" Delikaya Sophie Kellermann
21.12.2012
09.12.2013
15
21.589
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21.12.2012 1.431
 
Moin :)) Erst mal vielen Dank an die drei bisherigen Reviewer ^.^ und an die 50 Klicks :)
Hier ist also das versprochene 2. kapitel von AGDZ ^^
Ich hoffe es gefällt euch und ihr schreibt mr weiter leißig Reviews :)
In diesem Sinne einen guten Rutsch und schon mal einen guten
Start ins neue Jahr *bowle ausgeb*
gglg Kit :-**


Leo knabberte nervös an ihren Fingernägeln, während ihr Blick unruhig durch den Raum wanderte. Dabei blieb er  immer wieder an ihren Freund hängen, der mittlerweile zum Telefonhörer gegriffen hatte und Sophies Nummer wählte. Sie schloss die Augen, wartete auf Bens erleichtertes Aufatmen oder eine sonstige beruhigende Situation. Doch nichts geschah. Als sie die Augen wieder öffnete, legte Ben gerade auf und schüttelte langsam den Kopf. Dann sah er in die Runde.
„Es meldet sich keiner. Selbst Frau Kellermann nicht.“ Bei dem Gedanken an Sophies überforsorgliche Mutter musste Özzy leicht grinsen. Ständig machte sie sich über irgendetwas Gedanken, egal was es war. Dass sie jetzt nicht zu Hause war, konnte eigentlich nur heißen, dass sie entweder arbeiten war oder schon nach Sophie suchte. Und da Weihnachten war, fiel das Erste weg.
„Oh Gott …“ Leo vergrub das Gesicht in den Händen. „Wo kann sie nur sein?“
„Vielleicht … vielleicht ist ja wirklich nichts passiert.“, versuchte Jonas abermals die Sorgen zu vertreiben. Wieder vergeblich. „Vielleicht hat sie die Zeit vergessen oder ihr ist etwas dazwischen gekommen. Die halbe Stunde …“
„Jonas.“ Ben fixierte ihn mit seinen dunklen Augen. „Das ist Sophie. Es passt einfach nicht zu ihr, zu spät zu kommen oder sich nicht abzumelden, wenn sie nicht kann. Das war schon so, als wir sie kennengelernt haben, okay? Irgendwas ist da los, das spüre ich.“ Leo nickte, ihr ging es genauso.
„Wir müssen etwas tun.“, kam es leise von gegenüber. Überrascht sah zu Özzy hinüber, der die ganze Zeit nur stumm auf den Boden gestarrt hatte. Was musste er empfinden, wenn er uns so reden hörte? Er mochte sie sehr, und Leo kannte das Gefühl, jemanden verloren zu haben. Aber bisher haben wir uns immer wiedergefunden, dachte sie und sah wieder zu Ben.
„Was willst du denn bitte machen, Alter? Ihr 'ne SMS schicken mit 'Hey Sophie, miss u. Sag mal an wo du bist. Gruß und Kuss Özzy' oder was?“
„Jonas, bitte. Einmal ernst bleiben, ja?“ Ben schüttelte den Kopf. Das war mal wieder typisch für Jonas.
„Özzy hat Recht, irgendetwas müssen wir tun. Wenn ihr wirklich etwas passiert sein sollte, dann … dann müssen wir sie doch …“ Was war das passende Wort? Suchen? Beschützen? Suchen? Retten?
Leo wusste es nicht.
Özzy sah hoch, sein Blick war seltsam leer. „Ich werde sie finden. Und wenn es das Letzte ist, was ich tue.“ Damit stand er auf ging ohne ein weiteres Wort durch die Tür.
„Özzy! Bleib hier verdammt! Du kannst doch nicht auf eigene Faust ermitteln, man.“ Ben sprang auf und wollte hinter ihm herlaufen, doch Leo hielt ihn zurück.
„Lass ihn, er wird schon klarkommen. Das ist Özzy.“
„Eben!“ Ben sah sie bittend an, machte sich los und lief hinter seinem Freund her. Jonas und Leo blieben schweigend zurück. Und dann machte das Mädchen mit den dunklen Locken eine Entscheidung.
„Ich weiß ja nicht, was mit dir ist, Jonas. Aber ich werde ebenfalls nach Sophie suchen. Wir können Ben und Özzy nicht alleine gehen lassen. Wir sind eine Gruppe. Und ein Mitglied ist verschwunden, und wir wissen alle, dass da etwas nicht stimmen kann.“ Mit diesen Worten stand Leo auf, zog sich ihre Jacke an und verschwand, ohne sich noch einmal umzudrehen.
„Scheiße!“, fluchte Jonas und ließ seine Faust auf den Couchtisch donnern. „Verdammter Mist!“
Dann sprang auch er auf und verließ Leos Haus, um den Anderen zu folgen. Wohin auch immer …

Immer noch umschloss sie Dunkelheit, es war, als wäre sie mitten in einer großen schwarzen Leere
gefangen. Ihr Hals kratzte, sie wollte nach einem Glas Wasser fragen. Doch ihre Kehle war wie verschnürt. Kein Laut brachte sie heraus.
„Özzy!“, wollte sie rufen. „Özzy, bist du hier? Ist irgendjemand hier? … Hört mich jemand? Irgendjemand?“ Verzweiflung kam in ihr auf. Sie konnte ihre Stimme nicht hören. War sie taub geworden? Vielleicht sagte sie die ganze Zeit was, nur sie hörte es nicht. Das würde diese entsetzliche Stille um sie herum erklären.
Aber nein, da war ja noch ihr Atem. Den hörte sie. Wieder versuchte sie zu rufen, schreien. Auf sich aufmerksam zu machen. Doch nichts geschah. Sie war den Tränen nahe, umklammerte ihre Beine, als wären diese die letzte Hoffnung. Stumm legte sie sich auf den kalten, harten Boden und schloss die Augen. Sie konnte sich nicht erinnern, was passiert war. Das letzte, was sie wusste, war, dass sie am letzten Schultag mit Özzy zum Eisessen gegangen war. Er hatte sie eingeladen, und trotz andauerndem Schneefall und Protesten ihrer Mutter war sie mitgegangen. Es war ein wunderschöner Nachmittag gewesen, sie hatten gelacht. Sich tief in die Augen geschaut und sich liebevoll, aber zaghaft geküsst. Es war alles so neu für sie gewesen, immer wenn sie an solche Augenblicke dachte, bekam sie ein warmes Kribbeln im Bauch. Es war später Nachmittag, als sie sich verabschiedet hatten. Ihre Wege trennten sich wie immer beim Berliner Funkturm, wo Özzy aussteigen musste. Sie erinnerte sich auch noch daran, wie sie mit einem breiten Lächeln an ihrer eigenen Haltestelle aus der Bahn gesprungen ist. Auch jetzt dachte sie mit voller Sehnsucht an ihren Freund. Seinen Namen konnte sie dennoch nur denken. Wenn er doch nur hier wäre, er und die Anderen. Selbst Jonas Art, sie auf die Schippe zu nehmen und seine manchmal höhnischen Sprüche vermisste sie. Würde sie sie jemals wieder hören? Würde sie jemals wieder Licht sehen? Und würde sie jemals wieder lachen können?
Plötzlich wurde sie aus ihren Gedanken gerissen. Ein leises Geräusch erklang hinter ihr, ein Schaben auf dem Boden, als würde jemand mit Sandpapier darüberwischen. Dann ein Knarzen hinter ihr. Schaudernd riss sie die Augen auf und befand sich wieder unmittelbar in der leeren Dunkelheit. Langsam drehte sie sich um und blinzelte, um etwas erkennen zu können. Da, da war etwas Licht. Ein Spalt, ein kleines Rechteck etwa auf Brusthöhe, das vorher noch nicht da gewesen war. Ihr Herz klopfte wie verrückt, sie musste dieses Licht erreichen. Egal, was es war. Es würde ihr vielleicht zeigen, wo sie sich befand. Vielleicht waren noch andere hier außer sie.
Sie sprang auf, stolperte durch die Dunkelheit. Ihre Beine drohten nachzugeben, doch sie zwang sich, weiterzugehen. Wie lange hatte ich nur gelegen?, fragte sie sich. Das Rechteck taucht vor ihr auf, sie bückte sich, um hindurchzusehen. Anscheinend war es an einer Tür angebracht, solide und aus schwerem Metall. Undurchdringlich.
„Hey!“ Ein laute Stimme ließ sie augenblicklich zurückweichen. Vor das Rechteck schob sich ein Schatten, den das Mädchen nicht genau erkennen konnte.
„Wer hat dir erlaubt, hier zu gucken?!“, dröhnte die Stimme, die eindeutig von einem Mann kam, vielleicht Anfang dreißig. Er schien sie zu mustern.
„Ach ja, du bist die Stumme. Nummer 218, is' klar. Trotzdem. Wehe, ich erwische dich noch einmal beim Lauern, verstanden?“ Sie nickte verängstigt. Tausende Fragen wirbelten durch ihren Kopf. Nummer 218? Die Stumme? Wer war der Typ? Und was wollte er? Sie wusste nicht, ob er es sah in der Dunkelheit, aber sie musste doch ziemlich verunsichert geguckt haben, denn auf einmal sagte er: „Pass mal auf, Kleine …“ Der Schatten raschelte mit einem Papier, dann fuhr er fort. „Dein Name ist Sophie.“ Sie zuckte zusammen, doch sie blieb ruhig dabei. „Ich weiß das, weil ich alles über dich weiß, kapiert? Wir alle wissen es. Wenn mich jemand über dich ausfragen würde, ich könnte ihnen alles verraten. Auch, wenn du nie dahinterkommen würdest. Wenn du das verstanden hast, dann hast du auch unser Prinzip verstanden. Fragen stellen kannst du ja eh nicht.“ Der Mann lachte, dieses Lachen, das einem Gänsehaut über den Rücken laufen ließ …
Der Schatten verschwand und es kam wieder etwas Licht in den Raum. Schnell sah sie sich um, das Zimmer war nicht größer als ein Kellerraum, vielleicht fünf Quadratmeter groß. In einer Ecke sah sie gerade noch eine Art Liege ohne Bezug.
„Du kannst nicht entkommen. Denk nicht einmal dran. Wir brauchen dich noch. Damit das klar ist, Sophie.“ Eine Klappe schloss sich fest um das Rechteck und tauchte alle in das Schwarz, dass sie so hasste.
Schaudernd ließ sie sich auf den Boden zurücksinken und brach in Tränen aus. Und alles was sie hörte, war ihr eigener Atem, ihr Schluchzen und die dunkle, bedrohliche Stimme, die immer wieder ihren Namen wiederholte. In ihrem Kopf. Immer und immer wieder. Immer lauter, immer schneller. Immer weiter …