Blood Moon - Bis(s) in alle Ewigkeit

von chaela
GeschichteDrama, Fantasy / P16
18.12.2012
21.11.2013
30
179482
7
Alle
55 Reviews
Dieses Kapitel
8 Reviews
 
 
 
Trailer
http://youtu.be/pgbJKehu17k

Webseite
http://chaela.info
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Prolog

Um „Blood Moon – Bis(s) in alle Ewigkeit“ zu verstehen, ist es zwingend erforderlich zuvor meine FF „Rising Sun – Bis(s) das Licht der Sonne erstrahlt" gelesen zu haben.
http://www.fanfiktion.de/s/4a64d45a0000c72a06705dc0

Der Prolog ist dieses Mal kein Tagebucheintrag, sondern ein Ausschnitt aus einem späteren Kapitel. Ich wünsche euch viel Spaß und freue mich über Feedback. :)


Es kostete mich jede menge Überwindung, Renesmees traurigem, flehenden Blick zu widerstehen. Ich nahm sie in den Arm, drückte sie an mich. Ihr Schmerz war schon immer auch der Meine gewesen, doch dieses Mal, kam mein Eigener noch hinzu.
Und dann öffnete sich die Tür zu Carlisles Zimmer. Der blonde Vampir mit den topasfarbenen Augen sah mich verständnisvoll an und nickte – das Zeichen für mich, dass ich Eintreten durfte.
Als ich gehen wollte, hielten mich Renesmees zarte Hände noch einen Moment zurück, denn sie ließ mich nicht los, hatte ihre hellen Finger noch immer in mein Hemd gekrallt. Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Ich fand keine Worte, also sah ich sie einfach nur an und strich ihr mit der Hand über die Wange, über die bereits so unendlich viele Tränen gelaufen waren.
Dann ließ sie mich schließlich gehen und ich betrat das Zimmer.

Es war sehr dunkel hier. Durch das fahle Licht einer kleinen Lampe, sah ich, bis sich meine Augen angepasst hatten, nur die schwächlich beschienenen Buchrücken, die sich in den Regalen aneinander reihten. Ich weiß nicht, warum ich sie jetzt erst so richtig sah. Ich hatte schließlich mehr als dreißig Jahre Zeit gehabt, sie anzusehen, sie vielleicht sogar mal aufzuschlagen. Jetzt wünschte ich mir, ich stünde hier, um ein Buch aufzuschlagen. Aber das war ich nicht.
Langsam setzte ich mich auf den Stuhl neben dem Bett. Erst jetzt wagte ich es, ihn anzusehen.
Ich verfluchte meine übernatürlichen Sinn für den klaren Blick, den sie mir nun selbst im Dämmerlicht ermöglichten. Dann hätte ich vielleicht nicht gesehen, wie sein Brustkorb sich schwer hob und senkte, während sein Herz raste. Oder wie seine Haut durch die Anstrengungen und den Schweiß glänzte und wie sein schwarzes Haar an seiner Stirn klebte.
Ich hatte in den dreißig Jahren zuviel Vampir in ihm gesehen, so sehr, dass es mir in all den Jahren als Unmöglich schien, dass er jemals dazu in der Lage gewesen wäre zu weinen oder zu schwitzen, aber jetzt sah ich, wie menschlich er war. Wie sehr er mein Sohn war.
Den allerletzten Beweis, bekam ich dann, als ich seine Hand nahm und die Nadel sah, die über einen durchsichtigen Schlauch mit dem Infusionsbeutel über dem Bett verbunden war. Was das für eine farblose Flüssigkeit war, wusste ich nicht. Ich hatte ja keine fünfzig Mal Medizin studiert, so wie das eine oder andere Familienmitglied. Das Einzige, was ich wusste war, dass die Heilungsfähigkeit der Werwölfe einen Venenkatheter eigentlich unmöglich machte. Doch das Gift blockierte diese Fähigkeit wohl...
Als ich meinen Blick wieder davon abwandte, erschrak ich fast, als ich sah, dass er seinen Kopf in meine Richtung gedreht hatte. Seine Augen waren kaum geöffnet, aber ich meinte ein wenig von ihrem dunklen Rot wahrzunehmen.
„Anthony...“, sagte ich leise.
Er schloss die Augen und ich dachte schon, er sei wieder in die Bewusstlosigkeit abgeglitten, doch dann öffnete er sie wieder langsam.
„Vater...“, brachte er dann heraus. „Es tut mir Leid.“
Es hörte sich so an, als viele ihm das Sprechen unglaublich schwer, als sei jedes Wort ein Marathonlauf.
„Ich war dumm“, fuhr er fort. „Unsagbar dumm.“
Ich schüttelte leise den Kopf. Er schien es durchaus wahrzunehmen, ignorierte meine Geste jedoch.
„Ich habe...“, hauchte er, dann versagte seine Stimme und er schloss wieder die Augen. Ich sah wie eine Träne seine Wange hinunter lief, dann öffnete sich das Lid erneut.
„Ich habe in den letzten Wochen soviele Fehler begangen.“
„Nein“, antwortete ich sanft. Ich rückte etwas näher an das Bett und beugte mich vorsichtig etwas über den Rand, damit ich näher bei ihm war.
„Ich habe Fehler begangen. In den letzten dreißig Jahren. Immer wieder und wieder.“
Ich schloss die Augen für einen Moment. Vor meinem geistigen Auge, sah ich das Bild eines Neugeborenen in meinen Armen. Ein Baby mit heller Haut und dunklem Haar. Wie sehr hatte ich für dieses Kind gekämpft? Was hatten wir alles auf uns genommen, um es zu schützen?
„Den ersten Fehler“, sagte ich. „Habe ich gemacht, als ich dich zum ersten Mal in meinen Armen hielt. Ich hätte dich festhalten müssen, aber das habe ich nicht getan. Ich bin fort gelaufen.“ Jetzt spürte ich auch, wie bei mir die Tränen kamen. „Und von diesem Tage an, bin ich immer wieder davon gelaufen. Vielleicht nicht im eigentlichen Sinne, sondern immer auf eine andere Art und Weise, aber ich bin davon gelaufen.“
Und dann tat ich etwas, was ich nicht mehr getan hatte, seit er ein Baby gewesen war, ich beugte mich vor, strich ihm den Pony zur Seite und gab ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Es tut mir Leid, Ani“, flüsterte ich dann.
„Daddy...“, war das Letzte was er herausbrachte. Dann waren seine Augen wieder geschlossen. Und ich hoffte, betetete, dass sie es nicht für immer waren...
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