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We almost had it all (OS)

KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Barney Stinson Lily Aldrin
17.12.2012
17.12.2012
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Halli Hallo ihr da draußen :)
Meine Premieren-Story in diesem Fandom. Ich hoffe, sie findet ein paar Leser ;)
Liebe Grüße, Jule
PS: Wir befinden uns am Ende der 2. Staffel...

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Sie sah so glücklich aus. Sie sah so verdammt „heute ist der schönste Tag in meinem Leben“-glücklich aus. Und es zerriss ihm das Herz.
Niemals hätte Barney es sich selbst eingestanden, aber diese Frau hatte sein Leben verändert. Hatte ihn gelehrt, wie es war, zur Ruhe zu kommen. Hatte ihm beigebracht, wie es war, sich einem Menschen zu öffnen. Seine Gefühle mit ihr zu teilen. Alles mit ihr zu teilen.
Und jetzt schritt sie, wenige Meter von ihm entfernt, auf ihren Zukünftigen zu, mit dem sie wohl den Rest ihres Lebens verbringen würde. Marshall.
Barney war froh, dass nicht er selbst es war, sondern Ted, der an Marshalls Seite stand, während der strahlende Bräutigam seiner umwerfenden Frau entgegensah. Er konnte die Augen gar nicht von ihr abwenden und Lilys Blick war ebenso an ihn gefesselt, als wollte sie allen Anwesenden deutlich machen, wie sehr sie diesen Mann liebte. Wie sehr sie diesen Tag herbeigesehnt hatte, an dem sie ihm endlich das Ja-Wort geben konnte. Ganz offiziell. Ganz „für immer und ewig bis das der Tod uns scheidet“-mäßig.
Durch die Hochzeitsgesellschaft ging ein Wispern und man konnte den einen oder anderen leisen Seufzer hören, den manche der Anwesenden von sich gaben, vor lauter Rührung. Währenddessen musste Barney wegsehen. Aus Angst, sich übergeben zu müssen bei so viel Liebe. So viel Liebe, die nicht ihm galt.
Das war doch alles verdammt noch mal nicht fair! Lily hatte Marshall verlassen, war fortgegangen, um sich als Künstlerin zu verwirklichen. War zurückgekehrt, weil ihr altes Leben ihr gefehlt hatte. Und dann? War sie bei Barney eingezogen.
Von Anfang an war den beiden klar gewesen, dass diese Sache nicht auf Dauer sein würde, dass sie nur eine Übergangslösung war und außerdem natürlich absolut nichts zu bedeuten hatte.
Barney hatte die Finger von Lily gelassen, obwohl ihr Körper ihn schon lange wie magisch anzog. Doch er wusste, was sich gehörte. Marshall war immer noch sein Bro und der wäre sicher wenig begeistert davon gewesen, wenn er hätte erfahren müssen, dass Barney sich hinter seinem Rücken an seine Ex-Freundin und Beinahe-Frau ranmachte. Denn auch, wenn Marshall Lily erst einmal auf Abstand hielt, war allen klar, dass die beiden früher oder später wieder ein Paar werden würden. Sie waren einfach viel zu perfekt füreinander, um diese Chance vergehen zu lassen.
Doch mit der Zeit schlich Lily sich immer mehr in Barneys Leben ein. Sie gestaltete seine Wohnung um – und er ließ sie gewähren. Sie machte im Frühstück – und er begann, es zu genießen. Sie schlief beim Fernsehen neben ihm ein – und er erwischte sich des öfteren dabei, wie er gedankenversunken ihr Gesicht betrachtete. Mit jedem Augenblick, den sie in seiner Nähe verbrachte, wickelte sie ihn ein Stückchen weiter um den Finger, ohne sich dessen bewusst zu sein. Ihre liebenswerte, manchmal etwas schräge Art brachte ihn immer wieder zum Lachen. Er wollte es sich nicht gerne eingestehen, aber er hatte sie einfach gerne bei sich.
Wenn er im Büro saß, dachte er an sie. Auf dem Nachhauseweg freute er sich darauf, sie zur Begrüßung in die Arme zu schließen. Immer öfter brachte er ihr kleine Geschenke mit, denn er wusste wie sehr Lily Geschenke liebte. Mal waren es ein paar Ohrringe, mal ein witziges Kinderspielzeug, über das sie sich anschließend stundenlang amüsierten. Wenn sie zusammen waren, lachten sie eigentlich fast immer. Und wenn nicht, dann nur, weil sie gerade eine von Lilys himmlischen neuen Kochkreationen verspeisten. Sie war eine tolle Köchin und Barney fand schnell Gefallen daran, ein warmes Abendessen serviert zu bekommen, wenn er nach Hause kam.
Es war einfach, mit Lily zusammen zu wohnen. Einfach und auf der anderen Seite doch unendlich schwer. Weil er es leid war, diese fantastischen Frau ständig in seiner Nähe zu haben, ohne ihr dabei jedoch wirklich nahe kommen zu dürfen. Und weil er sich ständig zurückhalten musste, um sich nicht selbst zu verraten.
Barney war es nicht gewohnt, nicht zu bekommen, was er wollte – oder eher gesagt: WEN er wollte – und es machte ihn rasend, dass er Lily nicht haben konnte. Weil sie Marshall liebte. Das wusste er. Sie sprach nämlich sehr viel von ihm, auch, wenn es ihr selbst wohl gar nicht bewusst war. Und jedes Mal, wenn sie beiläufig in einem „Marshall sagt immer“- oder „wenn Marshall das macht“-Satz seinen Namen fallen ließ, spürte Barney ein schmerzhaftes Ziehen der Eifersucht in seiner Brust. Lily und Marshall gehörten zusammen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die einzige Frau, die jemals für längere Zeit als eine Nacht in seine heilige Wohnung eingedrungen war, ihn wieder alleine lassen würde. Alleine mit seiner Pornosammlung und der Klobrille, deren automatischen Hochklappmechanismus er längst deaktiviert hatte. Alleine mit seinen riesigen Breitbildfernsehern und den Schränken voller Anzüge. Und alleine mit der Stormtrooper-Figur, die ihm plötzlich gar nicht mehr so viel bedeutete. Ja, eigentlich bedeutete ihm alles nichts mehr, worauf er bisher Wert gelegt hatte. Das einzige, was ihm noch wichtig war, war Lily glücklich zu sehen. Und er tat wirklich alles dafür, dass es ihr bei ihm gefiel.
Er ließ sie sein Leben lenken und es tat verdammt gut. Er ließ sie sein Heim einrichten, brachte ihr manchmal sogar einen Kaffee ans Bett, hinterließ ihr kleine Nachrichten, bevor er zur Arbeit ging und brachte keine anderen Frauen mehr mit nach Hause. Ja, vor allem das. In der ersten Zeit, als Lily bei ihm wohnte, hatte er sie noch eingespannt, um seine One-Night-Stands in die Flucht zu schlagen, doch irgendwann verspürte er gar keine Lust mehr darauf, Frauen aufzureißen. Lieber sah er sich mit Lily einen Film an oder beobachtete sie beim Kochen. Er genoss dieses Leben, das sich ihm auftat. In dem er sich nicht jeden Tag neu beweisen musste. Lily war da, egal wie gut er aussah. Sie war da, als er sich eine heftige Erkältung einfing und sie war da, wenn er sich über seinen Job auskotzen wollte. Er musste nicht in jedem Augenblick darauf achten, ob er sich korrekt verhielt. Lily mochte ihn auch so. Mehr, als er es verdient hatte. Und doch nicht genug.
Er war drauf und dran, sein ganzes ehemaliges Selbst abzustreifen wie einen zu klein gewordenen Anzug. Für eine Frau, die nie die seine sein würde. Eine Frau auf Zeit. Eine Frau, der er nie so nah sein konnte, wie er es sich wünschte. Und die ihm dennoch alles bedeutete. So viel, dass er sich selbst kaum wiedererkannte. Und sie ihn auch nicht.
So war es eigentlich wenig überraschend, dass sie ihn irgendwann darauf ansprach.
„Barney“, meinte sie, während sie beide beim Frühstück saßen – er in die Zeitung vertieft, sie in einem Katalog blätternd – „wir hatten seit Wochen keinen Frauenbesuch mehr. Nicht, dass es mich stören würde, aber ich mach mir allmählich ein wenig Sorgen um dich. Bist du krank?“ Er blickte stur weiter auf seine Zeitung und murmelte nur:
„Nein, nein, alles bestens, ich brauch gerade nur mal eine Auszeit.“
„Eine Auszeit?“, fragte Lily und zog eine Braue in die Höhe. „Barney, zwing mich nicht, „Wo ist das Häufchen?“ mit dir durchzuspielen.“ Ihr Blick durchbohrte ihn wie Laserstrahlen und er konnte nicht anders, als aufzusehen. Diese Frau machte ihn wahnsinnig.
„Na gut, ich...“, er zögerte. Was wollte er ihr sagen? Dass es schön war, sie bei sich zu haben? Dass er in einem dummen kleinen Teil seines Gehirns darauf hoffte, dass sie Marshall vergessen würde? Sich vielleicht sogar in ihn, Barney Stinson, verlieben würde? Dass sie die tollste Frau war, die er jemals kennen gelernt hatte und vielleicht die einzige, die ihn, den Weiberhelden, dazu bringen könnte, ein ruhiges und geordnetes Leben zu führen? „Weißt du, Lily“, setzte er an, zögerte und fuhr schließlich mit fester und vielleicht etwas zu herablassender Stimme fort: „Du störst meine Aura! Wenn ich weiß, dass du ständig hier herumwuselst, kann ich mich nicht auf die Chicks konzentrieren. Vielleicht hast du schon längst überall Kameras installiert und... Lily Aldrin, du bist ein kleines versautes Luder! Wie kommst du auf die Idee, mich und meine... Besucherinnen bei unseren Aktivitäten im Schlafzimmer zu filmen?“ Empört sah er sie an, während Lily nur die Augen verdreht und in aller Seelenruhe weiter aß. Und es machte ihn verrückt, dass er ihr einfach nicht die Wahrheit sagen konnte.
„Glaub mir, Barney, ich will das gar nicht sehen“, versicherte sie ihm. „Ich muss dich nicht unbedingt nackt gesehen haben. Und vor allem nicht mit irgendeiner deiner Tussis im Bett. Also, tob dich ruhig weiterhin aus, ich werd sicher nicht reinplatzen, wenn ihr euch grade vergnügt.“
„Und wenn doch, wollte ich schon immer mal einen Dreier...“, versuchte er mit einem gezwungenen Grinsen weiterhin die „ich brauch dich nicht und eigentlich seh ich in dir auch nur eine Frau, die ich gerne mal flachlegen würde“-Schiene zu fahren. Doch sie unterbrach ihn:
„Barney! Jetzt reicht’s aber! Iss dein Frühstück und gib Ruhe.“ Ihre Stimme klang, als würde sie ein kleines, ungezogenes Kind zurechtweisen. „Das ist wirklich nicht das Thema, über das ich am Morgen allzu viel nachdenken will.“
Und Barney gehorchte. Natürlich. Es fiel ihm eh schon schwer genug, vor Lily weiterhin den Frauenaufreißer zu spielen, an den er sich kaum mehr erinnern konnte. War er wirklich einmal so gewesen? Die Zeit mit Lily hatte ihn weich gemacht. Sein Leben bisher war aufregend und abwechslungsreich gewesen, aber im Moment gab sie ihm genau das, wonach er sich heimlich immer gesehen hatte. Das, was er nie zu träumen eingestanden hatte. Nicht einmal vor sich selbst. Er wollte mit dieser Frau alt werden. Weil sie ihn glücklich machte. Und das ohne, dass er jemals Sex mit ihr gehabt hätte.
Die Tage kamen und gingen und Lily gehörte inzwischen zu Barneys Leben, als wäre es nie anders gewesen. Und doch quälte es ihn auch von Tag zu Tag mehr, dass sie da war. Dass sein Herzschlag sich beflügelte, wann immer er sie ansah, war kein aufregendes Gefühl mehr, es tat einfach nur noch weh. Die Schauer, die seinen Körper durchfuhren, wenn sich ihre Blicke kreuzten, ermüdeten ihn. Ihr Lachen hatte sich in seinen Kopf hineingefressen und klang darin wieder wie eine kaputte Schallplatte. Wieder und immer wieder.
Es machte ihn krank, ihr so nahe zu sein, aber nie nahe genug. Es machte ihn krank, in ihre Augen zu sehen und das Strahlen, das er aus ihrer Zeit mit Marshall kannte, nicht darin zu entdecken. Es machte ihn krank, in der Nacht ihrem Herzschlag zu lauschen und doch zu wissen, dass ihr Herz niemals für ihn schlagen würde.
Und eines Morgens hielt er es nicht mehr aus. Er musste diese Sache beenden, bevor sie ihn von innen zerfraß. Er musste sie beenden, bevor er sich zu sehr in seine Tagträumerein hineinsteigerte. Nie, wirklich niemals, würde zwischen ihm und Lily irgendetwas laufen und deshalb musste er sie rausschmeißen. Es ging nicht anders, auch, wenn es ihm das Herz zerriss. Sie würde nie zu ihm gehören. Und besser war, es jetzt zu beenden, als sich ewig etwas vorzumachen...

„Barney?“ Die gedämpfte Stimme holte ihn zurück in die Gegenwart. Er brauchte einen Moment, um sich zu sammeln und sich wieder darüber klar zu werden, wo er sich befand. Ach ja. Er war auf Lilys Hochzeit. Es war der Tag, an dem er die wichtigste Frau in seinem Leben endgültig an einen anderen verlor. Satz und Sieg. Eins zu null für Marshall. Und gegen Barney.
„Barney, geht es dir gut?“ Wieder dieselbe Stimme, die ihn schon vorher angesprochen hatte. Er sah sich um und stellte fest, dass es Robin war, die sich neben seinen Stuhl in die Hocke gesetzt hatte und ihn besorgt musterte. „Ist alles in Ordnung bei dir?“, fragte Robin jetzt. „Du siehst irgendwie fertig aus.“
„Nein“, versicherte Barney rasch. „Es ist alles in Ordnung. Wirklich. Ich war nur... in Gedanken.“ Sein Blick wanderte wie automatisch wieder zu Lily. Sie hatte jetzt neben Marshall in der ersten Reihe Platz genommen.
„Sie sind so glücklich“, murmelte Robin und er sah ihr an, wie gerührt sie war.
„Du wirst doch wohl nicht sentimental werden, Scherbatsky?“, feixte er, um sich selbst von seinen Gedanken an Lily abzulenken. Robin sah ihn empört an und hob eine Augenbraue.
„Sei bloß vorsichtig, Barney“, zischte sie. „Du solltest dich nicht mit einer Frau anlegen, die mit Waffen umzugehen weiß.“
„Keine Sorge“, grinste Barney zurück. „Die Waffen einer Frau weiß ich ganz gut zu händeln.“ Er zwinkerte ihr anzüglich zu und konnte sich nicht verkneifen, zu einer eigentlich schon eindeutigen Geste noch „Möpse!“ herauszuposaunen. Vielleicht etwas zu laut.
„Pssst“, machte ein dicklicher Mann eine Reihe hinter ihnen und warf Barney einen anklagenden Blick zu. Robin begann zu kichern und Barney wandte sich wieder dem Brautpaar zu.
In diesem Augenblick drehte die Braut sich um. Für einen Augenblick kreuzten sich ihre Blicke und Lily schenkte Barney ein Lächeln. Ein Lächeln, das seine Welt für eine Sekunde völlig aus der Bahn warf. Er konnte nicht anders, als zurückzulächeln und in diesem Moment spürte er, wie gut es ihm tat. Lily war seine Freundin, eine Vertraute, mit der er über alles sprechen konnte. Naja, über fast alles. Und sie gehörte einfach zu Marshall. Die beiden waren wie füreinander geschaffen.
Dieses glückliche Lächeln, das in diesem Augenblick auf Lilys Gesicht lag, das Lächeln eines Menschen, der weiß, dass er alles richtig gemacht hat, war durch nichts in der Welt zu ersetzen. Und Barney hätte ihr diese innere Zufriedenheit niemals geben können.
Das hier war Lilys Hochzeit und er war glücklich. Weil sie es war.
Und vielleicht würde auf er irgendwann eine Frau finden, der er sich wieder so öffnen konnte wie Lily. Ja, vielleicht. Und bis dahin gab es ja genügend andere Frauen, mit denen er sich die Zeit vertreiben konnte.
Prüfend ließ Barney den Blick durch den Raum schweifen. Irgendwo würden sich schon ein paar verzweifelte Brautjungfern auftreiben lassen. The show must go on!

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