Cross The Border

von - Kaja -
GeschichteKrimi, Mystery / P18
14.12.2012
22.11.2013
19
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Dieses Kapitel
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Herzlich Willkommen zu meiner Geschichte! :)
Bevor es losgeht, ein paar Worte bezüglich der Kategorie. Viele werden sich vielleicht beim Lesen der ersten Kapitel fragen, warum die Geschichte im Bereich "Erotik" gelandet ist. Deshalb schon mal die Warnung, die Geschichte braucht seine Zeit bis es zu sexuellen Handlungen kommt. Da es dann aber auch sehr explizit zur Sache geht, ist die Geschichte hier schon bestens aufgehoben. ;)

So und jetzt viel Spaß beim Lesen! :)

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Ich hasse Vampire! Und nein, es reicht nicht von einer ausgeprägten Abneigung zu sprechen. Regelmäßig überkommt mich ein quälender Würgereiz sobald ich dieses Wort auch nur höre oder lese. Diesem furchtbaren Trend von pubertären Highschool-Blutsaugern, die zu allem Überfluss in der Sonne glitzern und mich im Supermarkt von pinken Butterbrotdosen anstarren, kann ich nun wirklich nichts abgewinnen.

Vielleicht klingt es altbacken, aber in meiner Fantasie sind Vampire anmutige, starke Wesen, die mit ihrer geheimnisvollen Ausstrahlung jeden in ihren Bann ziehen. Nicht allzu lange ist es her, dass ich Anne Rices „Interview mit einem Vampir“ auf dem Nachttisch liegen hatte und mich von Lestats Zauber verführen ließ.  Aber Dank dem durch sämtliche Medien gehypten Trend von Teenie-Vampiren, ist mir der Spaß an besagter Literatur längst vergangen. Und so gerne ich auch dieses leidige Vampirthema aus meinem Leben verbannen würde, so scheint es mich regelrecht zu verfolgen.

Mein Name ist Kate Pamberton und ich bin Detective des Los Angeles Police Departement, das seit einigen Wochen von einem mysteriösen Serienkiller in Atem gehalten wird. Ein kranker Spinner, der einen abartigen Fetisch entwickelt hat junge Frauen zu töten. Seine Opfer weisen jedes Mal Bissspuren am Hals sowie tödlichen Blutverlust auf, wodurch der Mörder den Anschein erweckt, er habe sie ausgesaugt. Wie genau er vorgeht, darüber rätseln die Pathologen noch immer und das L.A.P.D. steht unter enormen Zeitdruck. Die Öffentlichkeit hat bereits ein neugieriges Interesse an den so genannten „Dracula-Morden“ entwickelt und jeden Abend kann die nächste Leiche gefunden werden.


***



„Hier, dein Kaffee!“ Brian steht freundlich lächelnd vor meinem Schreibtisch und stellt mir eine Tasse mit dem koffeinhaltigen Gebräu vor die Nase.

Seufzend lehne ich mich zurück und schaue ihn mit einem schiefen Grinsen von unten herauf an. „Danke!“, entgegne ich ehrlich. „Nicht mehr lange und ich wäre mit dem Kopf auf der Tastatur eingedöst.“

„Schlecht geschlafen?“

Ich nicke.

„Da kann ich dir einen Tipp geben.“ Brian verzieht seinen Mund zu einer anzüglichen Grimasse. „Schaff dir einen Freund an, der es dir abends mal ordentlich besorgt. Danach kannst du auch wieder gut schlafen.“

Ich verdrehe genervt die Augen. „Danke, du bist eine großartige Hilfe. Diesen bescheuerten Spruch hättest du dir mal gepflegt sparen können!“, gifte ich ihn zusätzlich an.

Brians Antwort besteht aus einem beleidigten Schulterzucken. „Ich wollte dir bloß helfen.“ Mit diesen Worten entfernt er sich wieder von meinem Schreibtisch und entschwindet in die Richtung, aus der er gekommen ist.

Ich atme tief ein und bin versucht, ihm nachzugehen und mich zu entschuldigen. Denn ich weiß, dass Brians Bemerkung keinesfalls taktlos und auch keine plumpe Anmache war. Brian ist schwul und damit der Letzte auf diesem Polizeirevier, der in irgendeiner Weise Interesse an mir haben könnte. Seit mittlerweile zwei Jahren arbeiten wir zusammen und ich habe den blonden Wuschelkopf längst in mein Herz geschlossen. Deshalb weiß ich auch insgeheim, dass er mir meine kleine Zickerei nicht allzu lange übel nehmen wird.

Ich greife nach der Tasse und atme zunächst den Duft des frisch gebrühten Kaffees ein, ehe ich einen vorsichtigen Schluck nehme. Zufrieden stelle ich fest, dass Brian mir die perfekte Mischung gebracht hat: viel Milch und zusätzlich zwei Stück Zucker. Lächelnd drehe ich mich zu meinem Computer und schreibe Brian eine E-Mail an seine Dienstadresse:

Du bist ein Schatz!

Seine Antwort folgt nur wenige Sekunden später:

Ich weiß! Hab dich auch lieb... blöde Kuh!

Beruhigt grinsend nehme ich wieder eine Ermittlungsakte zur Hand. Ein weit zurückliegender Fall, der nie aufgeklärt werden konnte. Nun liegt es in meinem Ermessen die Akte als „ungeklärt“ zu schließen oder eine erneute Ermittlung einzuleiten. Ich befinde den Fall als hoffnungslos und lege die Akte auf den Stapel der Dokumente, die später ins Archiv gebracht werden sollen. Ich will gerade die nächste zur Hand nehmen als mein Vorgesetzter, Chief Thomas Preston, vor meinem Schreibtisch auftaucht.

„Pamberton! In fünf Minuten... in meinem Büro.“, weist er mich bruchstückhaft an und verschwindet.

Etwas irritiert und zugleich erschrocken blicke ich ihm hinterher. Erst ein Signalton meines Computers holt mich aus meiner kurzen Schockstarre zurück. Eine E-Mail von Brian blinkt auf dem Desktop.

Na? Was hast du ausgefressen?

Scheinbar hat Brian das kurze Intermezzo von seinem Schreibtisch aus verfolgt. Ehrlich antworte ich:

Ich habe keine Ahnung!

Sobald ich die Nachricht an ihn verschickt habe, stehe ich auf und mache mich auf den Weg ins Büro meines Vorgesetzen.

Zaghaft klopfte ich an seine Tür und trete ein. Mein Chef ist tief in eine Akte versunken und sieht mich erst an, als ich mich ihm gegenüber niederlasse.

„Detective Pamberton, wie alt sind Sie? Sechsundzwanzig, Siebenundzwanzig?“, fragt er und taxiert mich mit einem nachdenklichen Blick.

„Achtundzwanzig.“, entgegne ich wahrheitsgemäß.

„Sie sind jetzt seit zwei Jahren in meinem Team, richtig?“

Ich nicke und spüre wie Nervosität sich in mir ausbreitet. Ich habe keinen blassen Schimmer worauf mein Chef hinaus will und der Unterton in seiner Stimme löst bei mir Unbehagen aus.

„Wissen Sie, Kate, ich war bisher stets zufrieden mit Ihnen.“

Oha, er hat von „Detective Pamberton“ zu „Kate“ gewechselt. Das kann nichts gutes bedeuten. Er versucht sich doch wohl nicht an einem freundlichen Rausschmiss? Aber warum sollte er? Meines Erachtens habe ich mir keinen Fehler erlaubt.

Chief Preston reibt sich die Schläfen. „Kate, würden Sie sich einen Undercover-Einsatz zutrauen?“, platzt er mit seinem Anliegen heraus und lässt damit einen dicken Brocken von mir abfallen.

Also doch keine Kündigung, die auch wirklich absurd gewesen wäre. Doch meiner Erleichterung folgt eine zunehmende Verunsicherung. Von was für einem Undercover-Einsatz spricht mein Chef hier?

Ich schlucke und meine Antwort ist nicht mehr als ein unsicheres Gestammel: „Ich denke... also ich meine... prinzipiell schon.“

Er nickt, scheinbar gibt mein Vorgesetzter sich mit meinem Gestotter zufrieden. Ruhig schiebt er die Akte, in die er zuvor noch vertieft gewesen war, zu mir herüber. Inhalt sind diverse Tatortbilder, die eine grausame Dokumention der Taten eines Psychokillers sind. Der Anblick der Fotos, auch wenn diese mir bereits bekannt sind, lässt mich hart schlucken.

„Wie Sie wissen, tappen wir bezüglich der „Dracula-Morde“ noch immer im Dunkeln.“ Die Stimme des Chiefs klingt heiser. „Der einzige Anhaltspunkt ist der Nachtclub „Purple Haze“, in dessen Nähe alle Opfer gefunden wurden und wir davon ausgehen können, dass sie den Club zuvor besucht haben.“ Er räuspert sich. „Ich möchte, dass Sie undercover als Barkeeperin in diesem Club arbeiten und die Besucher unter die Lupe nehmen. Trauen Sie sich diese Aufgabe zu, Kate?“

Sicherlich, wie all meine Kollegen hoffe auch ich, meine Fähigkeiten irgendwann unter Beweis stellen zu können. Aber dass mein Chef mich ausgerechnet auf diesen durchgeknallten Vampir-Mörder ansetzen will, behagt mir in keinster Weise. Doch habe ich überhaupt eine andere Wahl? Kneifen gilt nicht, ich würde mich nur zum Gespött der ganzen männlichen Belegschaft machen. Also straffe ich die Schultern und lege ein filmreifes Zahnpastalächeln auf.

„Natürlich traue ich mir diese Aufgabe zu.“ Entschlossen blicke ich meinen Chef an. „Sie können sich voll und ganz auf mich verlassen.“

„Schön.“ Der Chief stimmt auffällig schnell zu. Fast zu schnell für meinen Geschmack. „Sie haben bereits kommenden Freitag Ihren ersten Arbeitstag. Und bis dahin sollten Sie definitiv noch etwas an Ihrem Erscheinungsbild ändern.“

„Bitte was?“ Ich glaube mich zu verhören und blicke ihn entsetzt an.

Bisher hatte nie jemand etwas an meinem Aussehen zu beanstanden gehabt. Für eine Frau habe ich die optimale Größe und meine Figur ist aufgrund regelmäßigem Sports eher als zierlich zu bezeichnen. Durch meine Kulleraugen und mein Stupsnäschen wirkt mein Gesicht recht mädchenhaft. Ein Zug, der bei Männern meist den Beschützerinstinkt hervorruft, solange, bis sie meine harte Rechte zu spüren bekommen.

„Verstehen Sie mich nicht falsch, im Grunde genommen ist daran nichts zu mäkeln.“ Verlegen sucht Chief Preston nach den richtigen Worten. „Aber wenn Sie in diesem Club arbeiten, sollten Sie doch über eine Veränderung nachdenken. Etwas flippigeres würde Ihnen sicherlich gut stehen!“

„Etwas flippigeres?“

„Ja, etwas auffälligeres. Meinetwegen färben Sie sich die Haare lila und stechen sich einen Ring durch die Nase. Hauptsache Sie passen sich dem Laden dort an.“

Nun fällt auch bei mir der Groschen. Als versteckte Ermittlerin muss ich natürlich wie ein Chamäleon dem Style des Clubs angepasst sein und darf nicht wie ein biederes Schulmädchen hinterm Tresen stehen.

„Gut, ich gebe mir Mühe.“ Mit einem zustimmenden Nicken erhebe ich mich und schicke mich an, das Büro zu verlassen. „Noch einen schönen Abend, Chief.“


***



„Dylan, jetzt halt doch mal für einen Augenblick die Luft an.“, genervt rolle ich mit den Augen, während ich den Telefonhörer vom einen Ohr ans andere wechsle. „Du brauchst dir wirklich keine Sorgen zu machen.“

„Ich soll mir keine Sorgen machen? Hast du auch nur einmal daran gedacht, dass dieser Spinner dich als nächstes Opfer auswählen könnte?“ Dylans Stimme dringt aufgeregt an mein Ohr und ich bin erleichtert, dass er in diesem Moment nicht neben mir steht.

„Wenn ich Angst davor hätte, dass mir etwas zustoßen könnte, dann hätte ich niemals Polizistin werden dürfen.“ Energisch öffne ich meinen Kühlschrank und greife nach einer Flasche Wasser. „Dylan, hör` endlich auf dir für alles einen Kopf zu machen. Ich rufe dich in ein paar Tagen wieder an, ich muss mich jetzt für den Club fertig machen.“

Ohne seine Antwort abzuwarten beende ich das Gespräch und lege das Telefon beiseite, ehe ich die Wasserflasche öffne und einen großen Schluck nehme.

Kopfschüttelnd trete ich an die große Pinnwand, die über meinem Küchentisch thront. Notizzettel, Flyer und Erinnerungsfotos sind dort zu einem chaotischen Gesamtkunstwerk angeheftet. Mein Blick bleibt sofort an einem Bild hängen, das plakativ in der Mitte der Pinnwand angeordnet ist. Es zeigt mich zusammen mit Dylan, wie wir gemeinsam um die Wette strahlen.

Ich schmunzle beim Gedanken an meinen besten Freund. „Du wirst wohl nie aufhören, mich beschützen zu wollen.“

Seufzend stelle ich die Wasserflasche auf die Spüle und wechsle mit langen Schritten in mein Schlafzimmer über. Auf meinem Bett habe ich bereits verschiedene Outfits ausgebreitet, welche ich abwechselnd vor meinen Körper halte und mich dabei prüfend im Spiegel betrachte.

Die erste optische Veränderung habe ich bereits am Mittag hinter mich gebracht. Jerome, ein passionierter Hairstylist, hat aus meinem unscheinbaren Straßenköterbraun ein leuchtendes Kirschrot gezaubert. Statt biederem Mittelscheitel fällt mir nun ein fransiger Pony in die Stirn.
'Das bringt deine bernsteinfarbenen Augen noch besser zur Geltung.', höre ich Jeromes Stimme in meinem Kopf widerhallen. Womöglich hat er damit sogar Recht.

Nach langem hin und her entscheide ich mich schließlich für eine eng sitzende graue Hüftjeans, die ich mit schwarzen High Heels und einem körperbetonten schwarzen Top kombiniere. Ich gestatte mir einen letzten kritischen Blick in den Spiegel, ehe ich mir zufrieden eine Jeansjacke überwerfe, nach meiner Tasche greife und die Wohnung verlasse.
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