Brennender Schnee

von sparx
GeschichteAbenteuer, Freundschaft / P6
Dunkle Fee Fuchs / Celeste Jacob Reckless Kamien Nerron OC (Own Character)
13.12.2012
26.03.2018
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Bevor du dich in die Geschichte stürzen kannst, lies bitte noch die folgenden Hinweise!

1.
Ich orientiere mich zu einem großen Teil am Theaterstück Reckless - lebendige Schatten, das 2012/13 in Dresden lief.

2.
In Anlehnung an die Märchen, die Cornelia Funke als Inspirationsquelle nutzt, habe ich mich entschieden, es auch mal mit Märchen und Sagen zu probieren. Da Funke nun schon Grimmsche Märchen im Ersten Buch, amerikanische Märchen im Zweiten und vermutlich russische dann im Dritten verwendet, habe ich mich mal mit den doch etwas unbekannteren Märchen und Sagen nach Bechstein auseinandergesetzt.
Wenn es dich interessiert:
Ludwig Bechstein lebte von 1801 - 1860 (also etwa zeitgleich mit den Brüdern Grimm) und schrieb zahlreiche Romane, Erzählungen und Lyrik. Bis heute jedoch sind vor allem seine Sammlung an Volksmärchen und Sagen bekannt. Zum Beispiel nahm er auch das Märchen vom Ritter Blaubart in seine Sammlung auf. Es muss allerdings gesagt werden, dass er die Märchen nach seinen Vorstellungen abänderte.

3.
Nerron ist in meiner Geschichte kein kompletter Goyl, sondern halb Mensch und halb Goyl. Wenn du sehen möchtest, wie ich ihn mir vorstelle, schau einfach mal auf mein Profilbild ;)
Die Heinzel gehen bei mir eher in die Richtung diebische Heinzelmännchen.
Kami'en hat einen gesunden Sohn, der allerdings auch halb Mensch und halb Goyl ist.
Die Geschichte geht wenige Monate, nachdem Jacob mit Fuchs durch den Spiegel geflohen ist, los.

Viel Freude beim Lesen und schreib doch bitte ein Review oder lass mich per Mail wissen, wie es dir gefallen hat :)


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[...]
Es war einmal ein arm Kind und hatt kein Vater und keine Mutter, war alles tot, und war niemand mehr auf der Welt. Alles tot. Und es is hingegangen und hat gesucht Tag und Nacht. Und weil auf der Erde niemand mehr war, wollt's in Himmel gehn, und der Mond guckt' es so freundlich an; und wie es endlich zum Mond kam, war's ein Stück faul Holz. Und da is es zur Sonn gegangen, und wie es zur Sonn kam, war's ein verwelkt Sonneblum. Und wie's zu den Sternen kam, waren's kleine goldne Mücken, die waren angesteckt, wie der Neuntöter sie auf die Schlehen steckt. Und wie's wieder auf die Erde wollt, war die Erde ein umgestürzter Hafen. Und es war ganz allein, und da hat sich's hingesetzt und geweint, und da sitzt es noch und is ganz allein.
[...]

Georg Büchner: Woyzeck.

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Goylschnaps und Heinzelgeheimnisse


Erwürgen. Erdolchen. Ertränken.
Es gab so viele schöne Möglichkeiten eines qualvollen Todes.
Während Nerron durch die verlassenen Gänge des Schlosses schlich, malte er es sich wie sooft aus.
Die Eiserne Jungfrau? Nein, zu blutig. Jacob Reckless sollte eines Todes sterben, den Nerron genießen konnte.
Reckless. Wenn ich dich kriege...
Doch momentan sah es nicht so aus, als würde Nerron überhaupt irgendetwas kriegen. Schon seit einigen Monaten versteckte er sich wie ein gehetztes Tier in dem alten Schloss des Blaubarts. Dumpfe Wut kochte in ihm auf, wenn er daran dachte, wie er hierher gekommen war.
Im gesamten Goylreich suchten die Onyx fieberhaft nach ihm, um das nachzuholen, was sie vor fünfundzwanzig Jahren versäumt hatten. Ein aufmüpfiger Bastard, der lieber eigene Pläne verfolgte, als ihnen zu dienen, war ganz und gar nicht erwünscht.
Mit einer gewissen Genugtuung dachte Nerron an das viele Gold, das es die Onyx gekostet haben mochte, ihre besten Attentäter auf ihn anzusetzen.
Durch Lothringen konnte er auch nicht unbeobachtet reisen, denn Prinz Louis ließ ihn steckbrieflich gegen eine geradezu unverschämt hohe Summe suchen.
Nach der Auseinandersetzung mit dem Schneewittchenapfel und den Rieslingen würde dem Prinzlein wohl eine wesentlich fantasievollere Methode einfallen, den Bastard zu Tode zu quälen.
Albion war der einzige Ort, an dem man Nerron nicht an den Kragen wollte, aber dorthin getraute er sich nicht. Er hatte mit dem Gedanken gespielt, war sogar am Hafen gewesen, aber die Angst vor dem Wasser war zu mächtig, als dass er sich auf eine Insel absetzen konnte.
Hier im Schloss des Blaubarts, den Reckless vor gut sechs Monaten erledigt hatte, war Nerron zumindest vorerst sicher. Er hatte schnell herausgefunden, dass sich niemand in die Nähe des verwunschenen Hauses getraute. Und das darum liegende Labyrinth tat sein übriges, unerwünschte Besucher fernzuhalten. Hier würde ihn so schnell niemand suchen.
Es war zu einem Ritual geworden, dass er jeden Morgen bei Sonnenaufgang durch die vermodernden Gänge geisterte und durch die Fenster nach draußen spähte, um eventuelle Eindringlinge rechtzeitig zu erkennen. Aber das Labyrinth lag ruhig da, als würde es schlafen.
Irgendwann wird dir diese staubige Decke auf den Kopf fallen, Nerron.
Es quälte ihn, eingesperrt zu sein wie Vieh. Noch war ihm kein guter Plan eingefallen, wie er sich unbemerkt irgendwohin absetzen konnte, wo es keine Steckbriefe und keine Onyx gab. Aber ewig konnte er nicht in diesem Schloss sitzen.
Reckless...
Und Jacob Reckless war an allem Schuld! Wohin er auch immer durch den Spiegel in Guismunds Schloss verschwunden war, er war in Lothringen oder dem Goylreich seither nicht wieder aufgetaucht. Die Neugier, wohin dieser Spiegel führte, hatte Nerron fast umgebracht. Warum hatte Reckless ihn denn nur zerstören müssen? Nerron hatte ihm und seiner Fuchsfreundin ja nicht einmal etwas antun wollen. Er war sogar froh gewesen, dass Reckless nicht starb, sondern dass ihr gemeinsamer Wettstreit weitergehen konnte.
Aber als Reckless auf einmal spurlos verschwunden war und ihn in Guismunds Schloss hatte sitzen lassen, war ihm nichts anderes übrig geblieben, als zu dem Prinzlein und dem Käfer zurück zu gehen.
Der Wassermann war deutlich klüger gewesen. Er hatte sich gleich mit seiner Beute in irgendein Gewässer verzogen und sich nicht wieder blicken lassen.
Louis war von dem Riesling übel zugerichtet gewesen und der Käfer hatte Nerron puterrot angekeift, dass der Krumme jeden Bauern in Lothringen anstacheln würde, ihm Nerrons Kopf auf einem Tablett zu servieren.
Das Prinzlein hatte es sich dann wohl anders ausgemalt. Auf den Steckbriefen, die Nerrons ungleiches Gesicht zeigten, war in großen Buchstaben „lebend!“ zu lesen.
Die Sonne schien immer heller durch die dunklen Glasfenster und Nerron verzog sich in die Kellergewölbe.
Vielleicht konnte er irgendwie nach Anatolien gelangen? Das ferne Land war groß und spärlich besiedelt, dort würden die Menschen eher mit dem eigenen Überleben beschäftigt sein, als einen Halbgoyl zu jagen. Aber bis nach Anatolien war es ein weiter, gefährlicher Weg. Er musste große Teile Lothringens und Austriens durchqueren. Es war wahrscheinlicher, dass er unbemerkt in das Schloss des Krummen eindringen und Louis in seinem eigenen Bett erwürgen würde, als lebend bis nach Anatolien zu kommen.
Es hatte keine drei Tage gedauert, bis Nerron die Zimmer und Gänge des Schlosses auswendig kannte. Auch das Rote Zimmer mit den Leichen hatte er gefunden, aber darum machte er lieber einen großen Bogen.
Die Kellerräume gefielen ihm gut. Seine steinerne Haut dankte ihm die dunklen und feuchten Räume unter der Erde, denn sie war von der Jagd nach Guismunds Armbrust unangenehm rissig geworden.
Auch eine Schatzkammer hatte der Blaubart besessen, aber die schwere Tür war verschlossen und Nerron hatte momentan keine große Lust darauf, Schätze, die womöglich mit Fallen geschützt waren, zu durchsuchen.
Sein Weg führte ihn wie jeden Tag in den Weinkeller.
Es war schon erstaunlich, wie viele Weinfässer der Angstfresser angehäuft hatte. Offenbar waren Blaubärte einem guten Tropfen nicht abgeneigt. Zu Nerrons Freude beherbergte der Weinkeller auch eine große Sammlung an Goylschnaps, gestapelt in langen Regalen. Mit dem Blaubart zu zechen wäre sicher interessant gewesen.
Wie viel Schnaps so ein Blaubart wohl vertrug? Der Anzahl der Flaschen nach zu urteilen eine ganze Menge.
Da Nerron nichts Besseres mit seiner Zeit anzufangen wusste, kam er jeden Morgen hierher und begann zu trinken. Er schaffte ein bis zwei Flaschen, bevor er in einen tiefen, alkoholisierten Schlaf fiel.
Wenn du die letzte Flasche geleert hast, Nerron, dann wirst du aufbrechen.
Das sagte er sich jeden Morgen. Aber wohin er aufbrechen würde, wenn es soweit war, das wusste er immer noch nicht.

Für heute hatte Nerron jedoch einen anderen Plan, als sich nur voll laufen zu lassen. Seit einigen Tagen gab es einen kleinen Dieb im Schloss, der hinter Nerrons Sachen her war. Er kam immer nachts, wenn der Goyl seinen Rausch ausschlief und durchwühlte seine Tasche.
Viele Schätze beherbergte sie nicht mehr, einige Dinge davon hatte er Reckless bei ihrem letzten Zusammentreffen abgenommen. Aber das Verwunderliche an dem Dieb war, dass er für jedes Stück, das er mitnahm etwas anderes zurück ließ.
So war Nerron mittlerweile im Besitz eines ganzen Sortiments aus goldenen Ohrringen, Ketten, Ringen und Krimskrams. Dagegen fehlten ihm einige wichtige Dinge, wie sein Fläschchen mit Baumharz oder die seltsame Wünschtinte, die er Reckless entwendet hatte.
Er trauerte keinem der Sachen sehr nach, aber als der Dieb in der letzten Nacht Nerrons einziges Goldtuch hatte mitgehen lassen, war ihm der Geduldsfaden gerissen. So ein Goldtuch war nützlich, auch wenn es dünn und zerschlissen war.
Nerron trank den Goylschnaps heute nur in kleinen Schlucken. Er wollte den Dieb fangen und er war sich sicher, dass der unvorsichtig genug war, dem Goyl in die Arme zu laufen.
Er hatte stark einen Heinzel im Verdacht, denn in einer der letzten Nächte war er irgendwann von dem Gemurmel des Männchens aufgewacht und hatte verschwommene Umrisse gesehen. Da hatte er sich den Dieb schon greifen wollen, aber der Alkohol hatte ihn zu träge gemacht.
Heute würde er besser aufpassen. Außerdem waren nur noch drei Flaschen übrig.
Er holte sich eine der leeren Flaschen aus dem Regal und stellte sie neben sich. Von der drittletzten Flasche hatte er nur die Hälfte getrunken. Dann lehnte er sich gegen eines der großen Weinfässer und tat so, als würde er schlafen. Dabei spitzte er die Ohren.
Es dauerte gar nicht lange, bis er leise Schritte im Raum hörte. Scheinbar hatte der Dieb irgendwo einen Posten, von dem aus er ihn beobachten konnte.
Warte, Nerron. Warte noch...
Die Schritte mussten von ziemlich kleinen Füßen stammen, denn sie hallten kaum in dem Gewölbe wieder. Nerron hörte, wie sie näher kamen. Dann stieß etwas an die leere Flasche.
„Trunkenbold“, murmelte eine krächzende Stimme. Ganz offensichtlich die eines Heinzels. Sie waren bekannt dafür, gute Diebe zu sein.
Das Männchen ging um den schlafenden Nerron herum und öffnete geübt die Tasche, die er immer bei sich trug. Es kramte darin und sprach dabei leise mit sich selbst.
Nerron lauschte, wie weit der Dieb wohl in seiner Tasche verschwunden war. Erst als er sich sicher sein konnte, dass wohl nur noch die Füße des Wichts herausschauten, drehte er sich schnell um und packte die Tasche samt dem Dieb.
Nun hielt er die kleinen Füße in der Hand, während der Rest in der Tasche zappelte und schimpfte.
„Hab ich dich endlich, Dieb.“ Nerron konnte ein Lächeln nicht unterdrücken. Der kleine Jagderfolg war spaßig.
„Lass mich runter!“, jammerte der Heinzel. „Ich will raus! Hier drin stinkt es nach Baumharz!“
Nerron überlegte kurz. „Du musst versprechen, nicht davon zu laufen. Ich will da etwas wiederhaben, was du mir gestohlen hast.“ Er zog die Pistole, aber nur zur Abschreckung. Er hatte nicht vor, den kleinen Dieb umzubringen.
„Ja, ja, ist ja gut. Ich versprech’s. Aber lass mich runter, mir ist schon ganz schlecht!“ Der Dieb hörte auf zu strampeln.
Da Nerron vermeiden wollte, dass sich der Wicht in seiner Tasche übergab, legte er ihn vorsichtig auf dem Steinboden ab und ließ seine Füße los.
Vor sich hinfluchend krabbelte der Heinzel aus dem Beutel. „Du hast mich überlistet, Goyl. Du warst gar nicht betrunken.“ Mürrisch nestelte er seinen Hut aus der Tasche.
Belustigt musterte Nerron den kleinen Burschen. Es war tatsächlich ein Heinzel, aber einer der ärmeren Sorte. Die Kleider, die er am dürren Leib trug waren abgenutzt und zerklüftet. Sogar der spitze Hut, auf den alle Heinzel sehr großen Wert legten, wies einige Löcher auf.
Als sich der Heinzel wieder aufgerichtet hatte, starrte er entsetzt auf sein rechtes Handgelenk. Daran war ein breiter Goldreif befestigt, der plötzlich zu leuchten begann.
„Oh nein, nicht schon wieder“, fluchte der Heinzel. Aus dem Armreif wuchs eine goldene Kette bis auf den Boden. Sie mündete in einem kleinen Schloss. Sofort versuchte der Dieb, das Schloss auf den Steinboden zu schlagen und es zu zerstören, aber es bekam nicht mal einen Kratzer. Entmutigt ließ er sich auf den Boden fallen.
„Heinzel Edwin ist mein Name. Sets zu Euren Diensten, mein Herr Goyl.“ Die Worte waren eingeübt und klangen selbst für Goylohren ziemlich traurig.
„Was soll das heißen, stets zu Euren Diensten? Du hast mich bestohlen“, sagte Nerron. Der Armreif mit dem Schloss daran musste irgendwie verzaubert sein.
Edwin schaute ihn aus traurigen, kleinen Augen an. „Verzeiht, mein Herr. Ihr habt so tief geschlafen, da konnte ich nicht widerstehen. Und in Eurer Tasche sind so viele interessante Dinge... Aber ich habe Euch dafür auch viele schöne Schätze aus der Schatzkammer des Blaubarts gegeben.“ Es klang wie eine Entschuldigung.
Diese Heinzel. Sie konnten das Stehlen nicht lassen.
„Die Schatzkammer ist verschlossen, soweit ich mich erinnern kann.“
„Nicht für Heinzel.“ Nun huschte ein gewieftes Schmunzeln über das kleine Gesicht. „Es gibt genug zugige Spalten in diesem alten Gemäuer, durch das sich ein kleiner Dieb zwängen kann.“
Nerron griff wieder nach der angefangenen Schnapsflasche. „Deine Lust zu Stehlen kann dich noch teuer zu stehen kommen. Ich hätte dich auch einfach zerquetschen können, weißt du das?“
Der Heinzel starrte entgeistert auf die Pistole, die Nerron wieder in den Gürtel schob. „Oh bitte, mein Herr Goyl“, jammerte er nun. „Ich bin Euer ergebener Diener. Diese verhexte Fessel bindet mich an denjenigen, der mich einfängt. Der Blaubart hat sie mir umgelegt. Ich bitte Euch, habt Erbarmen mit mir, ich habe Frau und sieben Kinder!“ Er sank auf die Knie und zerrte weinend an Nerrons Mantel.
Angewidert schob der Goyl den Wicht von sich weg. Heinzel waren hervorragende Schauspieler, wenn es um ihre Haut ging. Im nächsten Moment räumten sie einem wieder die Taschen aus und waren auf und davon. Es war keine schlechte Idee des Blaubarts gewesen, den Heinzel mit magischen Fesseln an sich zu binden.
„Ich will mein Goldtuch wieder. Du hast es mir in der letzten Nacht gestohlen.“
Augenblicklich hörte der Heinzel auf zu flennen und starrte Nerron mit fragenden Augen an. „Das alte Ding?“, fragte er. „Es kann kaum noch etwas wert sein. Ich habe es meiner Frau als schicke Tischdecke präsentiert.“ Ein triumphierendes Lächeln glitt auf den kleinen Mund, als er daran dachte.
Nerron hätte ihn am liebsten geschlagen. Ein seltenes Goldtuch als Tischdecke? „Das alte Ding“, fauchte er, „ist sogar sehr wertvoll. Und wenn du es mir nicht sofort wieder herbringst, werde ich selbst danach suchen und glaube mir, ich bin gut im Finden von Dingen.“ Nerron schenkte dem Heinzel einen so düsteren Blick, dass der kleine Mann zurück wich.
„Ganz wie Ihr wünscht“, wisperte Edwin. Er zeigte eine vollendete Verbeugung und stolperte rückwärts. Als er sich umdrehen und davon laufen wollte, hielt ihn die goldene Fessel mit einem Ruck zurück. Wütend hielt er inne und ließ das für ihn schwere Schloss in einem magischen Geheimfach an dem Armreif verschwinden. „Mein Herr Goyl“, sagte er übertrieben höflich. „Ihr müsst mir die Erlaubnis geben, zu gehen. Wie gesagt, die Fessel fesselt mich an Euch.“
Nerron zog eine Augenbraue hoch. Das war ein wirklich ausgebuffter Zauber. „Du darfst gehen“, sagte er und der Heinzel konnte nun leichten Schrittes davon eilen.
Sieh an, Bastard. Jetzt hast du einen Heinzel als Diener.
Heinzel waren geschickte Handwerker und meistens auch hinterlistige Diebe. Vielleicht konnte das Männchen ihm noch irgendwie nützlich sein?
Nerron suchte die Schmuckstücke, die Edwin ihm in den letzten Nächten zugesteckt hatte, aus seiner Reisetasche. Es waren nicht sonderlich wertvolle goldene Dinge, aber eines davon hatte Nerrons Aufmerksamkeit erregt.
Es war ein Amulett, groß wie der Kopf des Heinzel. Die Form glich dem eines Auges in dessen Mitte ein schwarzer Opal als Iris glänzte. Auf dem Opal waren goldene Formen eingraviert, die Ähnlichkeit mit einer Frauengestalt hatten. Auf der Rückseite befand sich eine verschnörkelte Inschrift.
Demant leuchte, leuchte wie der Mond.

Was sollten die Worte bedeuten? Nerron konnte sich keinen Reim darauf machen. Vielleicht beherbergte das Amulett einen Diamanten in seinem Inneren? Aber es ließ sich nicht öffnen. Nerron hatte es mit seinen Goylkrallen und mit verschiedenem Werkzeug versucht, aber es war ihm nicht gelungen. Gut möglich, dass es sich nur von ganz bestimmten Wesen oder womöglich nur von Frauenhänden öffnen ließ. Nerron hatte in seinem Schatzjägerdasein mehr als genug verzauberte Schmuckstücke mit einem Eigenleben gesehen.
Wo blieb der Heinzel? Er brauchte lange, um das Goldtuch wieder herzubringen. Nerron malte sich aus, wie die kleine Heinzelfrau sich an die hübsche Tischdecke klammerte und sie nicht hergeben wollte.
Putzig, diese kleinen Diebe.
Wenn Edwin bis zur Abenddämmerung nicht wieder auftauchte, würde er selbst nach dem Versteck des Goldtuchs suchen müssen und dabei wohl auch die Heinzelwohnung auf den Kopf stellen.
Nerron widmete sich wieder seiner Schnapsflasche.


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