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Mesmerize

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Balthier Vaan
13.12.2012
21.12.2012
10
32.833
3
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
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13.12.2012 3.389
 
Titel: Mesmerize
Fandom: Final Fantasy XII
Pairing: Balthier x Vaan
Warnungen: P18 Slash
Autor: Lynn Fairwell
Disclaimer: Diese wundervollen Charaktere gehören nicht mir und ich verdiene kein Geld damit. Ich lebe lediglich meine seltsamen Fantasien mit ihnen aus >.<

Nachdem ich endlich begriffen habe wie man korrekt postet -_-, hier eine etwas ältere Geschichte aus meinem Fundus. Sie hat ihre Schwächen doch ich hoffe der ein oder andere von euch hat soviel Spaß beim Lesen, wie ich ihn beim Schreiben vor Jahren hatte ^^
Lob und konstruktive Kritik machen mir eine große Freude! Entstanden ist diese Geschichte aufgrund der Inspiration durch ein tolles youtube Video, das es heute nicht mehr zu geben scheint :(
Der Status 'in Arbeit' bezieht sich nur auf verschiedenen Tage an denen ich poste. Die Story ist bereits abgeschlossen und wird vollständig veröffentlicht.

Kapitel I
Hangar für Träumer

Die Straßen Dalmascas waren auch zu dieser späten Stunde überfüllt. Der milde Frühlingsabend lockte viele Bewohner nach draußen. Vor allem jetzt, da Vayne die übertriebene Bewachung aufgehoben hatte und nur noch wenige imperialistische Soldaten in den Gassen patrouillierten.
Vaans Weg führte ihn in Richtung Westtor. Er lief über den Platz vor den Toren, schlängelte sich an Händlern und Anwohnern vorbei, wich einer Gruppe Kindern aus, aus der ihm einige bekannte Gesichter zuwinkten und hielt schließlich kurz am großen Brunnen inne.
Er hatte es zu Hause nicht mehr ausgehalten.

Die kleine Wohnung, die er mit Penelo seit dem Tod ihrer Eltern bewohnte, hatte ihn erdrückt. Hier draußen, unter all den Menschen war es zwar nicht viel besser aber er konnte wenigstens durchatmen.
Seit sie aus der Hafenstadt Balfonheim in Dalmasca angekommen waren, fühlte er sich rastlos und unwohl. Er wollte wieder losziehen.
Die Sorge seiner Freunde hatte er sowieso nicht ganz nachvollziehen können.
Ja, die Cerobi Steppe war ein gefährlicher Ort und die dort lebenden Monster hatten sie mehr als einmal in arge Bedrängnis gebracht aber wäre Ashe nicht krank geworden, hätte er bis zum Letzten dafür eingestanden dort zu bleiben und das Risiko auf sich zu nehmen.
Doch so hatten schließlich alle beschlossen, dass es das Beste wäre für eine kurze Weile bei Migelo unterzutauchen, bis es der Prinzessin wieder besser ging.
Sie hatte übrigens genauso vehement gegen eine Unterbrechung der Reise protestiert wie Vaan, doch sie wurde schließlich überstimmt und ihre Proteste ließen nach, je mehr ihre Beschwerden zunahmen.
Natürlich war Vaan froh zu hören, dass die Prinzessin sich nur eine Vergiftung beim Kampf mit einem Serpent zugezogen hatte. Doch diese war zu weit fortgeschritten als dass sie auf der Reise hätte auskuriert werden können.

Jetzt musste sie in den Privaträumen Migelos das Bett hüten und hielt den alten Bangaa mit ihrer energischen Art, trotz Krankheit, ganz schön auf Trab.
Vaan musste lächeln.
Zum Glück hatte Penelo sich bereit erklärt, den Großteil der Krankenpflege zu übernehmen und die grummelige Prinzessin bei Laune zu halten.
Doch mit jedem Tag der verstrich und ihn in der Stadt hielt, die zwar seine Heimat doch auch immer eine Art Gefängnis für ihn gewesen war, sehnte er sich mehr und mehr nach der Freiheit, die er kosten konnte seit er das Risiko eingegangen war ins Schloss einzudringen und die königliche Schatzkammer um einen Klunker zu erleichtern.
Zugegeben, der Klunker hatte es in sich, war er doch der Beweis für Ashe’s Herkunft…
Basch nannte dass alles ja mit Vorliebe ‚Bestimmung’ aber Vaan hielt es nur für einen Zufall.
Wenn überhaupt etwas Bestimmung war, dann war es sein Treffen mit Fran und Balthier, bei dem es das Schicksal gut mit ihm gemeint hatte.
Das war das Leben, das er anstrebte.
Ein Luftpirat zu sein, ein Luftschiff zu besitzen und frei zu sein… hinzufliegen wo immer man wollte um Abenteuer zu erleben.
Und er würde diese Zeit nutzen um alles Wichtige zu lernen, um eines Tages selbst im Cockpit seines eigenen Luftschiffes zu sitzen.
Er hatte sogar schon einen Namen, doch der war ein Geheimnis und er würde ihn niemandem verraten, bis sein Wunsch sich erfüllt hatte.

Doch hier, in dieser überfüllten Stadt schien dieser Traum mehr denn je in die Ferne zu rücken. Deshalb hielt es ihn heute auch nicht mehr in der kleinen Wohnung.
Sein Ziel war der Luftschiff Hangar am Westtor.
Nur das würde ihm den Abend noch erträglich machen.
Er wusste nicht, ob Balthier was dagegen hätte. Aber Vaan war auch zu stolz um zu fragen. Im schlimmsten Fall würde der Luftpirat seine Träumerei noch belächeln und das war ein unerträglicher Gedanke für Vaan.
Balthier war ein Vorbild für ihn. Er lebte seinen Traum und hatte schon soviel erlebt, Schätze erbeutet und Gefahren überstanden. Und dabei hatte er sich seine verwegene und lässige Art erhalten.
Die Frauen verehrten ihn und Männer achteten ihn.
Vaan fühlte sich davon noch weit entfernt.
Doch in einem waren sie bereits gleich. Wenn Balthier von der Strahl sprach, dann konnte Vaan den Stolz und das Hochgefühl in den Augen des Mannes sehen, das auch ihn erfüllte wenn er von seinem eigenen Luftschiff träumte.
Er hörte die gleiche Freiheit in der markanten Stimme, die ihm das Herz schneller schlagen ließ und die ihm wichtiger war als alles andere.

Immer wenn Balthier ihm etwas über die Bewaffnung, den Antrieb oder die Legierung der Strahl erzählte oder von einem riskanten Manöver berichtete, das ihn und Fran aus einer brenzligen Situation gerettet hatte, fühlte Vaan ein Kribbeln im Bauch das ihn in Hochstimmung versetzte.
Er sog jedes Wort auf wie ein Schwamm und nachts träumte er von diesen Ereignissen. Er und Balthier bei einem riskanten Manöver bei dem nur Geschick und Verständnis für das eigene Flugschiff zum Erfolg führte…
Vaan wurde warm ums Herz.
Die Vorfreude ließ ihn lächeln als er seinen Weg fortsetzte und endlich das große Westtor erreichte. Raus aus Dalmasca, weg vom Trubel des großen Platzes…
Vor dem Tor war es längst nicht mehr so belebt wie innerhalb der Stadtmauern.

Vaan lief gerade noch langsam genug um nicht aufzufallen, durch den überdachten Gang zum Hangar und durch die langläufige Halle zum Eingang des Anlegeplatzes für Privatschiffe.
Die junge Frau, die hier am Schalter stand nickte ihm nur lächelnd zu und ließ ihn ohne Einwände passieren.
Sie wusste, dass dieser süße, etwas hitzköpfige Junge zu dem gut aussehenden Piloten und der umwerfenden Viera gehörte und hatte deswegen keinen Zweifel, dass seine Anwesenheit berechtigt war.
Vaans Herz schlug schneller. Nur noch ein kurzer, dunkler Gang trennte ihn von der Strahl.
Dann öffnete sich vor ihm die riesige Halle und mittendrin das Luftschiff, das in der untergehenden Sonne funkelte. Der Anblick nahm Vaan jedes Mal den Atem.
Die stromlinienförmige Erscheinung mit den blitzenden Flügeln ließ ihn die bedrückende Stimmung der Stadt sofort vergessen.

Langsam und bedächtig ging er auf das Luftschiff zu. Seine Schritte hallten in der großen Halle wieder und sein Atem ging schneller vor Entzücken. In der Luft lag ein leichter Ölgeruch, das Parfum eines jeden Luftpiraten.
Obwohl, selbst wenn Balthier gerade etwas an der Strahl repariert hatte, hatte Vaan selten diesen Geruch an ihm wahrgenommen.
Aber manchmal, da mischte sich unter den Geruch von Wäldern und Wüsten ein Hauch von Öl und Vaan hatte sofort das Gefühl von Freiheit und aufregendem Abenteuer im Bauch…  
Nur kurz flammte in ihm der Gedanke auf, dass Balthier es nicht gutheißen könnte, dass er hier alleine herumschlich.
Doch es war nicht seine Art sich lange mit Wenn und Aber zu beschäftigen.

Balthier und Fran waren im Sandmeer einquartiert und ließen den Abend wahrscheinlich mit einem Wein und einem gelegentlichen Flirt ausklingen.
Vaan trat in den Schatten der Strahl und streckte die Hand aus. Bedächtig, fast zärtlich strichen seine Fingerspitzen über das glatte, kühle Metall.
Genauso würde sich auch sein Luftschiff anfühlen. Sie würden gemeinsam durch Wolken jagen, über Wüsten und Wälder fliegen und sie würde ihn hintragen wo immer er wollte.
Vaan tauchte unter dem Bauch der Strahl hinweg, inspizierte die Unterseite, übte den erfahrenen Blick eines Luftpiraten und richtete sich rückwärtsgehend langsam wieder auf.
‚Hallo Vaan.’
Der Aschblonde fuhr erschrocken herum und starrte mit vor Schreck geweiteten Augen nach oben.
Auf dem Flügel der Strahl, mit einem halb süffisanten, halb schelmischen Lächeln, hockte Balthier und sah zu ihm hinunter.
‚Balthier… ich… ähm. Ich wollte nur… was machst du hier?’
Das Lächeln wurde kurz etwas breiter dann wedelte der Luftpirat mit einem grauen Lappen in seiner beringten Rechten.

‚Ich pflege Beziehungen. Allerdings hatte ich dabei nicht an ein Dreierdate gedacht. Was treibt dich hierher, allein?’
Das letzte Wort war eindeutig eine versteckte Anschuldigung allerdings ohne jegliche Aggression.
Vaan kratzte sich verlegen am Kopf.
‚Ich… also ich wollte nur mal nach dem Rechten sehen.’
Balthier legte eine Hand auf das Metall an seiner Seite.
‚Nun, unsere stählerne Prinzessin erfreut sich bester Gesundheit. Wie sieht es mit unserer anderen Patientin aus?’
Der junge Mann erhob sich und erreichte mit wenigen Schritten die provisorische Leiter, die er elegant und schnell mit einem Eimer in der Linken hinab stieg.
‚Oh… Ashe geht’s gut… denke ich. Ich meine, Penelo hat jedenfalls nichts anderes gesagt.’
Balthier trat an ihm vorbei und leerte den Eimer über einem in den Boden eingelassenen Ausguss.
Schaum und Wasser versickerten in der Kanalisation. Vaan wäre jetzt lieber dort unten und würde ein paar Ratten erlegen. Er konnte Balthiers Verhalten nicht einschätzen, war der Luftpirat nun wütend oder nicht?
Besagter Luftpirat hatte den Eimer mittlerweile wieder an der Wasserpumpe an der Wand der Halle gefüllt und schritt wieder auf das Gerüst zu.
Das ewig leichte, überhebliche Lächeln machte Vaan noch nervöser.
Ihm fiel auch erst jetzt auf, dass Balthier nicht seine übliche Weste trug. Er hatte nur das weiße Hemd an, dessen Ärmel er bis über die Ellbogen aufgerollt hatte.
Vaan bemerkte wie braungebrannt Balthier war. Alle Luftpiraten waren sonnenverwöhnt. Er war dagegen ein blasser Stadtmensch, obwohl ihre Reisen durch Steppen und Wüsten ihre Spuren hinterlassen hatten.
Doch wie ein Luftpirat, der der Sonne näher war als alle anderen, sah er längst nicht aus.

‚Du ziehst es also auch vor, die Krankenpflege einer Dame zu überlassen.’
Balthier trat erneut an ihm vorbei, griff mit der freien Hand nach oben und zog sich mit geübtem Griff auf den linken Flügel der Strahl.
Wälder und Wüsten
Der Geruch stieg Vaan ganz deutlich in die Nase.
‚Also, was ist?’
Etwas verwirrt schaute er zu Balthier nach oben.
‚Wenn du schon mal hier bist kannst du mir auch helfen.’
Mit einer lässigen Handbewegung bedeutete ihm der Ältere, zu ihm hinauf zu steigen und das löste Vaans Starre augenblicklich auf.
Im Licht der untergehenden Sonne auf der Strahl herumlaufen, die Legierung zu überprüfen und sie zu pflegen war noch viel besser als sie nur von unten zu bewundern und seinen Tagträumen nachzuhängen.
So schnell er konnte kletterte Vaan Balthier nach und folgte ihm Richtung Cockpit.
‚Die Mogrys haben die Technik und den Antrieb schon überprüft. Eine Reinigung gehört üblicherweise auch zu ihrem Service aber ich ziehe diese Art von Zerstreuung einem Abend in der Taverne jederzeit vor.’
Die durchsichtige Kuppel glitzerte im Sonnenlicht und Vaan erinnerte sich sofort an das Gefühl, in den gepolsterten Sitzen auf den Start zu warten und schließlich bei der Beschleunigung in das weiche Polster gedrückt zu werden.
Er erinnerte sich an den Geruch von Leder und Metall und das Brummen der Maschine, das im ganzen Körper vibrierte…

‚Nicht träumen, schäumen.’
Ein weicher, tropfender Schwamm in einer braungebrannten Hand mit goldenen Ringen erschien vor seinem Gesicht.
Vaan griff zu und begann mit bedächtigen Bewegungen die Cockpitkuppel einzuseifen. Danach zog er sie gewissenhaft mit einem speziell gebogenen Abzieher trocken. Er verfiel in einen geradezu tranceähnlichen Zustand und achtete genau darauf, nicht eine Schliere auf der Scheibe zu hinterlassen.
Schon nach kurzer Zeit waren seine Arme, die Brust und die Hose nass.
Balthier wischte und putzte irgendwo hinter ihm die Legierung, hatte jedoch nicht einen Fleck auf der Kleidung, als Vaan schließlich fertig war und sich umdrehte.
Der Luftpirat kniete mit dem Rücken zu Vaan und polierte gerade mit eleganten und routinierten Bewegungen die Nase der Strahl.
Seine Schulter und Rückenmuskulatur zeichnete sich deutlich unter dem weißen Hemd ab und Vaan zog einen gedanklichen Vergleich.
Er selbst war kein Schwächling und hatte durchaus einen gut trainierten Oberkörper, doch bei Balthier sah das alles so natürlich aus. Seine ganze Erscheinung strahlte Kraft und Gewandtheit aus. Davon konnte Vaan nur träumen…. Er bewegte sich oft noch etwas unbeholfen und man sah ihm seine Vergangenheit als Straßenjunge immer noch an.
Penelo hatte einmal gesagt, er bewege sich manchmal wie ein geprügelter Straßenhund auf der Suche nach Futter.
Sie hatte gelacht und gesagt es wäre nur ein Scherz doch jetzt, im Vergleich mit Balthier, kam ihm das gar nicht mehr so weit hergeholt vor.
‚Sieht so aus als würdest du dich im Wasser genauso wohl fühlen wie in der Luft.’
Vaans Augen mussten sich erst wieder fokussieren, er war beim Starren auf Balthiers Rücken total in Gedanken versunken.

Der Ältere hatte sich aufgerichtet und lächelte sein provokant, liebenswertes Lächeln und
Vaan musste erst an sich hinuntersehen bevor er die Bemerkung verstand, dann verzog er die Mundwinkel und ließ den Schwamm zurück in den Eimer fallen.
‚Haha, sehr witzig.’
Er rieb mit seinen Händen über Arme und Brust um die offensichtlichen Wassertropfen zu vertreiben.
‚Aber sehr gute Arbeit. Vielleicht komme ich heute doch noch zu meinem Wein, wenn wir weiter so gut vorankommen.’
Das Lob ließ den Jungen die spitze Bemerkung von eben sofort vergessen und ein Lächeln stahl sich auf seine Lippen.
‚Das Luftschiff ist das Statussymbol eines Luftpiraten. Wenn ich erst mein eigenes habe, wirst du dich anstrengen müssen mich zu übertrumpfen.’
Vaan griff nach Eimern und Tüchern um sich der rechten Seite der Strahl zuzuwenden.
Balthiers süffisantes Grinsen war deutlich in seiner Stimme zu hören.
‚Große Worte für jemanden, der sich in den Privathangar schleicht um Tagträumen nachzuhängen.’
Vaan wurde rot.

Manchmal war es unheimlich wie leicht der Ältere ihn durchschaute. War es so offensichtlich? Hielten ihn alle nur für einen Träumer, der es nie schaffen würde sich seine Wünsche auch zu erfüllen?
Er zweifelte jedenfalls nicht daran, irgendwann als Luftpirat den Himmel zu erobern.
Vaan ging in die Knie und ließ sich auf das Seitengerüst herunter, um die Flanke der Strahl zu putzen und zu polieren. Kurze Zeit später schob auch Balthier sich zu ihm hinab und griff nach einem zweiten Schwamm.
‚Wir hätten ein paar mehr Hände gebraucht, nachdem wir eine Notlandung in den Sümpfen nahe des verwunschenen Waldes machen mussten.’
Vaan wurde sofort hellhörig.
‚Eine Notlandung? Warum?’
Balthier verzog gequält die Lippen.
‚Ein technischer Defekt. Erst dachten wir, ein Mogry hätte einen Fehler gemacht aber es war Sabotage. In der Stadt in der wir vorher angelegt hatten wimmelte es von zwielichtigem Gesindel.
Kopfgeldjäger waren auch dabei und dachten sie hätten so leichteres Spiel mit uns.
Jedenfalls trafen wir sie kurze Zeit später rein zufällig im Nirgendwo.’
Der Junge starrte den Luftpiraten neugierig an.
‚Und was ist dann passiert?’
Ein bekanntes Lächeln huschte über Balthiers Gesicht.

‚Die sicherste Methode, sich in Schwierigkeiten zu bringen, ist Hand an das Luftschiff eines Luftpiraten zu legen Vaan, merk dir das gut.
Übrigens hast du gleich den Unterlack erreicht.’
Balthiers Hand legte sich über seine und schob sie ein Stück nach links.
Erst jetzt bemerkte Vaan, dass er während Balthiers Erzählung die ganze Zeit auf einer Stelle im Kreis poliert hatte.
Er sollte sich nicht so leicht ablenken lassen.  
‚Sie sah aus wie nach einer Schlammschlacht und erst die Kratzer… Gestrüpp ist wirklich der letzte Bodenbelag, auf dem ich je wieder notlanden möchte. Es hat Tage gedauert sie wieder auf Vordermann zu bringen.
Versichere dich in fremden Städten immer genau über die Sicherheitsvorkehrungen, bevor du dein Schiff zurück lässt und scheue keine Ausgaben, was das betrifft’
‚Und wieso bist du dir in Dalmasca sicher, dass der Strahl nichts passiert?’
Balthier lachte.
‚Das war ich bis vor kurzem. Diese Entscheidung werde ich überdenken müssen…’
Vaan blinzelte verwirrt und Balthier lächelte schief.

‚…immerhin hat sich ein Dieb ohne große Schwierigkeiten in diesen Hangar einschleichen können.’
Vaans Blick haftete auf dem Gesicht des größeren Mannes, der ihn allerdings nicht erwiderte, sondern mit größter Sorgfalt die Legierung seines Luftschiffes polierte.
Die Provokation hätte Vaan vor einigen Wochen noch gereizt, doch irgendwie machte es ihm nichts mehr aus. Er wusste dass Balthier ihn nur aufzog.
Eine Weile konzentrierte auch Vaan sich wieder voll und ganz auf seine Arbeit.
Bei den gleichmäßigen Bewegungen über die weitläufige Fläche kamen sich ihre Hände oft sehr nahe.
Er hatte wirklich elegante Hände.
Keine Pranken wie viele andere Männer. Sie waren groß aber feingliedrig und die Haut auf dem Handrücken war glatt, nur gelegentlich trat eine Vene durch die andauernde Anstrengung hervor. Auf dem Unterarm war es das gleiche. Das weiße Hemd über den Ellbogen bot einen interessanten Farbkontrast zu der sonnengebräunten Haut.  
Vaan wunderte sich dass Balthier seine Ringe nicht abgenommen hatte. War es nicht unangenehm mit ihnen immer wieder ins Wasser zu tauchen?
Bestand nicht auch die Gefahr dass er den Lack zerkratzte? Obwohl, bis jetzt hatte Vaan noch nicht einmal gesehen oder gehört dass die Ringe die Legierung berührten.
Ein weiterer Beweis für Balthiers geschickte Hände und Routine im Umgang mit der Strahl.
Vaan seufzte.

‚Ich denke das wärs für heute. Ein würdiges Statussymbol, meinst du nicht?’
Der Jüngere nickte, bückte sich um die Poliertücher aufzuheben und warf nebenbei den Schwamm ins Wasser, der mit einem satten Platschen und ein paar Spritzern im Eimer landete.
Etwas von dem Wasser traf Vaan im Gesicht und er beeilte sich, es mit der flachen Hand wegzuwischen. Als er sich aufrichtete und sein Blick dem Balthiers begegnete, huschte ein Grinsen über die sinnlichen Lippen.
‚Was?’
Die beringte Hand des Älteren war plötzlich an seinem Gesicht und der Daumen fuhr mit sanftem Druck über seinen linken Wangenknochen.
Vaans Herz setzte aus.
‚Du hast da Polierseife.’  
Der Aschblonde konnte nur starren.
Das grün-braune Farbspiel in den Augen des anderen Mannes erinnerte ihn an die faszinierenden Landschaften, die sie auf ihrer Reise überflogen hatten. Balthiers Wimpern waren sehr lang und pechschwarz.
Keine Frau die er kannte, hatte so aufregende Augen...

Das Blut schoss ihm ins Gesicht und die Stelle, an der eben noch Balthiers Finger die weiche Haut berührt hatte, prickelte heiß obwohl die fremde Hand schon längst nicht mehr da war.
Großer Gott…
‚Vaan, alles in Ordnung?’
Alles andere als das.
Automatisch wich Vaan einen Schritt zurück. Zu spät kam ihm wieder in den Sinn wo er war. Das Seitengerüst hatte kein Geländer. Ein Gitter auf festen Metallstäben auf dem man gefahrlos stehen konnte. Nicht mehr.
Er geriet ins Straucheln, sah sich schon einige Meter tief fallen und auf dem kalten Beton aufschlagen, als eine Hand ihn am Arm packte und in die entgegengesetzte Richtung zog.
Er prallte gegen etwas Weiches und dann war es eine Sekunde still bevor der Eimer mit einem hellen Knall an seiner Stelle unten aufschlug und das Wasser sich mit einem weichen Rauschen über dem Fußboden ergoss.
Vaans Körpergefühl kehrte zurück und vertrieb den Schrecken über den, nur knapp entgangenen Sturz.

Er stand dicht vor Balthier, warme Hände an seinen Schultern und seine eigenen Hände, die reflexartig nach vorn geschnellt waren, auf Balthiers Bauch und seiner Brust.
Der Stoff unter Vaans Fingern war warm, die Haut darunter fast heiß und fest. Er fühlte die Muskeln die sich darunter verbargen, angespannt durch das geistesgegenwärtige Zupacken.
Unter den Fingerspitzen seines rechten Mittel- und Ringfingers spürte der Junge ganz deutlich den starken, lockenden Herzschlag des anderen Mannes und unter seiner Handfläche hob sich der Brustkorb in einem tiefen Atemzug.
‚Ich muss nach Hause.’
Vaan wich zurück, diesmal allerdings kontrolliert, schob sich so schnell wie möglich und ohne versehentlichen Körperkontakt an Balthier vorbei, glitt die Leiter herunter und ging schnellen Schrittes auf den Ausgang zu. Er wollte nicht rennen, auch wenn die Gefahr bestand dass Balthier ihn zurückrufen würde.
Er tat es nicht.
Kaum war Vaan in dem dunklem Zwischengang eingetaucht, rannte er los, vorbei an der etwas verwundert dreinblickenden Frau am Schalter des Privathangars, raus aus dem Gebäude Richtung Westtor, über den Platz an den Toren und durch die Gassen zurück zu der mickrigen Wohnung.
Er knallte die Tür hinter sich zu und erlaubte sich erst jetzt zu Atem zu kommen.
Dann ging er in sein Zimmer, warf sich aufs Bett und zog sich sein Kopfkissen über seinen Hinterkopf.
Niemals hätte er im Traum gedacht dass diese Wohnung, die eigentlich ein Gefängnis für ihn war, ihm einmal soviel Schutz bieten würde.
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