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Es begann mit einem Schneesturm

von Sevi007
KurzgeschichteFantasy, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Bunnymund Jack Frost
11.12.2012
11.12.2012
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11.12.2012 3.113
 
Hi, alle zusammen. ^^

Einige von euch kennen mich vielleicht von von meinen letzten OS zu den Hütern des Lichts. Einige werden sagen: "Gott, schon wieder derselbe Autor." Aber ich kann es eben einfach nicht lassen.........und da die Nutzerin "Schattenwesen" von der ersten Story so begeistert gewesen ist, gibt's hier gleich die nächste. Gewidmet - wie könnte es anders sein - an "Schattenwesen". Hoffe, dieser OS gefällt dir auch nur halb so gut wie der erste! ;-)

Mir gehört nix, nur die Story.
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Fröhliche Ostern, Meister Lampe


April 1968




„Pass mal auf, wo du hinläufst, Keule!“

Energisch scheuchte der Osterhase das riesige Stein-Ei beiseite, das gerade Anstalten gemacht hatte, einfach über eine Reihe Ostereier hinweg zu spazieren. Genannte Ostereier - alle mit kleinen Beinchen versehen - beeilten sich, so schnell sie konnten weiter zu den Färbeblumen zu kommen. Keines von ihnen wollte als Omelett enden. Oder als Rührei.

„He, die kleinsten zu der roten Farbe, habe ich gesagt. Seid ihr farbenblind?! Das ist GELB!“, Bunny sprang aufgeregt hin und her und scheuchte die Eier von einer Seite zur anderen. „Nicht drängeln, einer nach dem anderen ……….. du da, du bist ja einseitig bemalt, lauf nochmal unter der Blume durch! Meine Güte, jedes Jahr dasselbe mit euch! Okay, wir haben nur noch ein paar Stunden Zeit,  und ich sage euch, wenn ich wieder die Hälfte von euch selbst an euren angestammten Ort bringen muss, dann kriegt ihr meinen Bumerang zu spüren!“

Schnaufend bremste der riesige Hase und hockte sich hin, während er sich mit einer Vorderpfote über die Stirn fuhr. „Puh! Da soll Nord doch mal behaupten, dass sein Weihnachten anstrengender ist als mein Ostern!“

                               
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„Mama, krieg ich einen Schoko-Hasen?“
„Warte doch noch bis morgen.“
„Aber ich will JETZT einen haben!“

Neugierig beugte Jack sich so weit über die Dachkante, dass der Wind warnend um seinen Kopf säuselte.
„Keine Sorge, alter Freund, du musst mich nicht auffangen.“, beruhigte der weisshaarige Junge lachend, während er sich wieder ausbalancierte. „Ich komm schon klar.“

Der Wind wisperte noch kurz, bevor er davonzischte und dabei einige Wetterhähne zum Zittern brachte.
Jack gluckste nur und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die spärlich beleuchteten Strassen unter sich, wo der kleine Junge, der eben noch mit seiner Mutter diskutiert hatte, sich gerade entfernte.
Mit einem Satz sprang der Wintergeist einen Stock tiefer auf einen Balkon, um von dort Anlauf zu holen und über die Strasse zu schweben und leichtfüssig vor dem Geschäft zu landen, das den Kleinen so fasziniert hatte.

Dort begutachtete er die erwähnten Schoko-Hasen, die in Reih und Glied im Schaufenster aufgestellt waren. Grosse und kleine, solche in buntem Papier und solche ohne Verpackung. Gegen die meisten von ihnen hatte man bunt bemalte Eier gelehnt.

Langsam dämmerte Jack, wieso in den letzten Tagen so ein Trubel in vielen Städten der Welt geherrscht hatte.
„Ostern, hm?“

Er zuckte die Schultern und wandte sich ab, während er seinen Stab auf der Schulter ablegte. So spazierte er die Strasse entlang und dachte laut vor sich hin: „Dann seh ich ja den Hasen mal wieder.“
Normalerweise ging er den Hütern, allen voran Bunny, lieber aus dem Weg. Er musste sich nicht am laufenden Band anhören, dass er - obwohl er ihnen so ähnlich war - im  Gegensatz zu den Hütern IMMER unsichtbar war. Keiner glaubte an Jack Frost, den Winter in Person, was bedeutete: Kein Mensch konnte ihn sehen.
Besonders Bunny fand das immer unheimlich lustig. Ein sehr guter Grund, einen Bogen um das Fellknäuel zu machen. Vor allem vor Ostern, da wurde das Langohr immer leicht……..reizbar.

Aber genau dieses „reizbar“ machte den Hasen so interessant für Jack. Winter war gerade vorüber - Nordpol, Südpol, Grönland und einige uninteressanten Länder nicht eingerechnet - und der Junge langweilte sich furchtbar.
Und wenn ihm langweilig war, dann ärgerte er jemanden. War doch glasklar!

„Ich geh mal hallo sagen, so vor seinem grossen Tag.“, Jack hielt inne und verzog das Gesicht. „Und gewöhne mir nebenbei noch die Selbstgespräche ab.“
Es wurde WIRKLICH Zeit, dass er jemanden ärgerte.

                               
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„Wie läuft’s oben in Deutschland? Gute Wetterbedingungen?“

Ungeduldig tappte Bunny mit dem Fuss auf, als das Gesicht des Stein-Eis sich drehte und von fragend auf emotionslos wechselte. „Und was heisst das?!“
Das Gesicht drehte sich erneut und zeigte nur noch eine grosse, steinerne Fläche mit einem Fragezeichen.
„Muss man denn alles selber machen?! Du wirst ja wohl wissen, was „gut“ und was „schlecht“ ist, Eierkopf!“, schimpfte der Osterhase los.
Das Ei blieb hartnäckig bei seinem Fragezeichen.

„Memo an mich, intelligentere Helfer finden!“, Bunny schimpfte vor sich hin, liess das Ei stehen und sprintete den nächstbesten Tunnel entlang, wobei er von Boden zur Wand sprang und wieder zurück.
Währenddessen versuchte er, sein Gemüt wieder abzukühlen. Sich aufzuregen, kurz bevor Ostern begann, war keine gute Idee. Er musste ruhigbleiben, es gab noch viel zu tun.

                               
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Mit einem grossen Satz sprang der Osterhase aus dem letzten Loch im Boden, das sich hinter ihm wieder schloss, und landete auf den Hinterpfoten.
Prüfend sah er sich um. Nachdem er innerhalb von wenigen Minuten das ganze Land abgeklappert hatte, wollte er sich hier in Norddeutschland noch einmal umsehen. Aus Erfahrung wusste er, dass besonders in dieser Gegend die Winter sehr hartnäckig sein konnten.

Aber weit und breit nicht einmal eine kleine Schneeflocke. Höchstens ein bisschen Schneematsch war noch übrig, durch den aber schon grünes Gras schimmerte.
Zufrieden nickte Bunny vor sich hin. April und kein Schnee! So gehörte sich das!

„Hey, Puschelschwänzchen! Hat ja ganz schön gedauert!“, meldete sich eine fröhliche Stimme.
Betont langsam wandte der Osterhase den Kopf und fixierte den weisshaarige Sprecher, der seinen Stab als Sitzgelegenheit benutzte……….zwei Meter über dem Boden.
„Jack Frost. Super, mein Tag ist ruiniert.“

Jack lachte laut auf und liess sich kopfüber vom Stab hängen. „Komm schon! Dabei hab ich doch extra Tom gebeten, dich zu holen!“
„Tom?“, erkundigte sich Bunny misstrauisch.
„Tom. Steinkopf, zwei Meter gross, arbeitet für dich.“

Der Hase kratzte sich nervös mit einer Hinterpfote am Kinn, während er sich zu beruhigen versuchte. „Du TAUFST die Dinger?!“
„He, die haben auch Gefühle.“, tat Jack empört.
„Warte. Der Idiot hat auf deine Bitte gehört?! Wieso REDEN die überhaupt mit DIR Keule?!“
„Weil ich ein guter Zuhörer bin?“ // Oder einfach der einzige ausser dir, der diese Gesichter-Sprache versteht….. //
„Du?! Das ich nicht lache! Du bist der unverantwortlichste, kindischste und selbstsüchtigste Geist, der mir je untergekommen ist!“, donnerte Bunny.
„Danke, danke. Bitte nicht so viel Lob auf einmal, ich werde ja noch rot!“, der Junge sprang auf die Füsse, fing seinen Stab auf und verneigte sich übertrieben. „Wobei ich mich frage, der wievielte Geist ich schon bin, der dir unterkommt.“

Bunny massierte sich die Ohren, eine Geste, die er sich in Jahrtausenden von Stress zur Beruhigung angeeignet hatte. „Was willst du überhaupt von mir? Deine und Nords Jahreszeit ist vorbei, jetzt bin ich dran. Und du hältst mich von der Arbeit ab.“
„Spielst du was mit mir?“

Eine Weile herrschte erdrückende Stille zwischen den beiden, dann hatte der Osterhase seine Sprache wiedergefunden: „Sag mir, dass ich mich verhört habe, Keule.“
„Kann eigentlich gar nicht sein, du hast doch soooo grosse Ohren.“, neckte der Wintergeist.
„Wieso. Sollte. Ich. Mit. DIR. Spielen?!“
„Mir ist langweilig.“, war die schlichte Antwort.
Bunny blieb der Mund offenstehen und er schlug sich eine Pfote vor die Augen.

Jack amüsierte sich prächtig. Das lief ja noch besser als gedacht! Der Hase war noch leichter aus der Fassung zu bringen als vor zehn Jahren, und da war er schon als reinstes Nervenbündel durch die Gegend gesprungen. (Irgendwas wegen eingefrorenen Ostereiern………der Wintergeist konnte sich partout nicht erinnern, wie das passiert war.)

Um noch einen draufzusetzen - diese Hasen-Mimik war der Hammer - legte der Junge mit einem strahlenden Lächeln den Kopf schief. „Wir könnten eine Schneeballschlacht machen.“
Vom Osterhasen kam ein undefinierbarer Laut, irgendwo zwischen verbittertem Lachen und genervten Stöhnen.
„War das ein Ja?“
„Das war ein: „Nerv jemand anders!““, fauchte Bunny. „Ich hab zu tun! Im Gegensatz zu dir!“
„Ja, farbige, gekochte Eier zu verteilen ist ja so unglaublich wichtig für den Seelenfrieden der Menschen.“, nickte Jack.
„Immer noch wichtiger, als Eis und Schnee, was den Menschen das Leben schwer macht!“
„Sie haben Spass damit. Schon mal was von „Schlittenfahren“, „Eislaufen“ und „Kältefrei“ gehört?“
„Mir egal, ich spiele nicht mit Unsichtbaren!“

Jacks Grinsen wurde abrupt schmaler.
Bunny witterte seine Chance und triumphierte: „Oha, habe ich einen Nerv getroffen?“
„Nein.“
„Wie viele Menschen sind in den letzten zehn Jahren durch dich durchgelaufen, Frost?“
„Nicht sehr viele.“, behauptete der Wintergeist, der noch eine Spur blasser geworden war als ohnehin schon.
„Weichst ihnen aus, was? Muss deprimierend sein, wenn niemand an dich glaubt.“
„Muss deprimierend sein, so lange Lauscher zu haben, Meister Lampe. Bleibst sicher oft damit hängen.“

Aber seine spöttischen Bemerkungen erreichten den Osterhasen anscheinend gar nicht mehr richtig, der hatte nämlich Oberwasser. „Die Menschen glauben nicht an dich, Jack Frost. Winter, Schnee, Eis, Kälte……….alles Wetterveränderungen, Naturphänomene. Keiner wird je glauben, dass ein kleiner, nerviger Junge dahintersteckt. Deshalb sehen sie dich auch nicht. Sie bemerken dich nicht.“
„Heute hast du eine ganz besonders spitze Zunge, Puschelschwänzchen. Stress bei der Arbeit?“
Bunny grinste. „Oh, nein, JETZT bin ich richtig entspannt. Danke dafür! Sollten wir mal wiederholen! Aber nicht jetzt, ich hab noch zu tun. Viel Spass noch, du Luftikus!“
Damit stampfte er lachend mit der Pfote auf, öffnete einen Tunnel unter sich und verschwand.

Jack blieb stehen und fühlte sich seltsam leer, während er beobachtete, wie der Tunnel sich wieder schloss und nichts als glatten Erdboden zurückliess.
Das war ja gründlich nach hinten losgegangen. Statt sich von der Langweile ablenken zu können, spürte er nun zum ersten Mal seit fast dreissig Jahren wieder diese bohrende Ungewissheit, die nur eine einzige Frage zurückliess.

„Warum ich?!“, schrie der Junge zum Mond hinauf. „Warum ich, den man noch nicht mal SIEHT?! An den man nicht GLAUBT?!“
Keine Antwort.
„Das war ja so was von klar, du ……..du stummer Steinklumpen!“, Jack trat in die Luft und ignorierte, dass er dabei einen Baum streifte, der prompt mit Eisblumen bedeckt war. „Gibst mir einen Namen und schweigst mich dann 300 Jahre an. Toll. Echt super. Hat es dir die Sprache verschlagen?!“

Düster vor sich hin schimpfend sprang er in die Höhe und liess sich schwer auf einen Ast fallen, bevor er seinen Blick auf eine Stadt in der Nähe lenkte. Einige wenige Lichter schienen noch durch die Dunkelheit, der Rest war nur noch als eine schwarze Silhouette erkennbar.

Der Wind wisperte fragend und strich durch Jacks weisse Haare, wie um ihn zu trösten. Aber der Wintergeist brodelte viel zu sehr, als dass er das mitbekam.

„Die Menschen glauben nicht an dich, Jack Frost. Winter, Schnee, Eis, Kälte……….alles Wetterveränderungen, Naturphänomene. Keiner wird je glauben, dass ein kleiner, nerviger Junge dahintersteckt. Deshalb sehen sich dich auch nicht. Sie bemerken dich nicht.“

„Sehen tun sie mich nicht.“, flüsterte Jack, während er sich erhob. „Aber bemerken werden sie mich!“
Damit wandte er sich direkt zum Wind um, der ihm ins Gesicht blies. „Bring mich so hoch hinauf, wie du kannst, alter Freund!“
Ohne zu zögern packte ihn ein Windstoss, riss ihn von den Füssen und weit hinauf, so dass die Erde innerhalb von Sekunden unter dem Jungen zu schrumpfen schien.

Jack lachte auf und breitete die Arme aus. So ging das! Egal, ob man ihn sah oder nicht, DAS HIER sollte ihm mal einer nachmachen!
Laut jubelnd, legte er seinen knorrigen alten Holzstab vor sich in die Luft und nutzte ihn wie ein Surfbrett, während der Wind um ihn herum laut aufheulte und so sein Vergnügen zeigte.

Einige Loopings und Schrauben später erinnerte der Junge sich wieder, wozu er überhaupt hier war, und steuerte auf die grösste und schwerste Wolke zu, die er entdecken konnte.

Mit einem breiten Grinsen raste er mitten durch die Wolke und fuhr dabei mit seinem Stab hindurch.
Leises Klirren war zu hören, als Wassertropfen im Inneren der Wolke gefroren.
„Kannst du mir helfen?“, brüllte der Weisshaarige. „Ich brauche so viele Wolken, wie es geht!“
Ein zustimmendes Zischen war zu hören, als der Wind davonjagte.

Kurze Zeit später türmten sich schwere, graue Wolken übereinander. Eisiger Wind jagte darum herum.

Jack schlug ein paar Saltos und stoppte vor seinem Werk, um es zufrieden zu begutachten. Das Ganze brauchte nur noch einen kleinen Anstupser und ein bisschen freundliche Hilfe von seinem luftigen alten Freund……..
………und einer der heftigsten Schneestürme, die man zu dieser Jahreszeit bekommen konnte, würde losbrechen.

„Wäre doch schade, wenn nicht alle was davon hätten.“, murmelte der Wintergeist, bevor er dem Wind zurief: „Wie schnell schaffst du es einmal um die ganze Erde? Zwei, drei Stunden?“
Entrüstetes Heulen antwortete.
„Eine Stunde und dreissig Minuten? Reicht nicht! Wird Zeit, einen neuen Rekord aufzustellen!“, Jack stürzte sich kopfüber in die Wolken, liess seinen Stab wirbeln und zog die graue, luftige Masse hinter sich her, als er einen Sturzflug machte. „Los geht’s! Wuhuuuu!“

                               
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Von diesem Zeitpunkt an gerechnet exakt 57 Minuten später stemmte Bunny zufrieden die Pfoten in die Hüften  und beobachtete, wie die bunt bemalten Ostereier auf ihren Beinchen zu den Ausgängen steuerten.
„Na endlich!“, zufrieden seufzend liess er sich auf dem Hügel gegenüber der Tore nieder und lehnte sich zurück. Erst einmal ausruhen, dann würde er später nach oben klettern und sehen, ob die Kinder auch wirklich alles fanden.

Gerade, als er überlegte, ob er sich nicht eine Karotte und eine Runde Schlaf verdient hatte, kam der Marsch der Ostereier merklich ins Stocken. Die Eier stoppten und wichen zurück………und diejenigen, die eigentlich zuvor schon durch die Tore gelaufen waren, kamen zurück!

„He, he, wow! Was macht ihr da, hat man euch zu heiss gekocht oder was?!“, der Osterhase war mit wenigen Sätzen bei der Bande von Unruhestiftern und baute sich vor ihnen auf. „Falsche Richtung! Ab nach oben mit euch, ihr müsst euch verstecken, bevor die Kinder wach sind!“
Die Eier schüttelten sich, was ein eindringliches Wispern zur Folge hatte.
Bunny stöhnte auf. „Nein, ich habe mich NICHT im Tag geirrt, heute ist Ostern!“
Das Wispern wurde lauter.
„Was soll das heissen, es ist zu kalt für Ostern……..?“
Bunny verstummte und sah mit grossen Augen auf, als auch aus den anderen Toren mehr und mehr Ostereier zurückkamen. Sie alle stimmten in das Getuschel und Geraschel mit ein.

„Zu kalt?! Zu KALT?! Wollt ihr mich veräppeln?! Es kann doch nicht in einer Stunde auf der gesamten Erde zu kalt geworden sein! Was seid ihr für Weicheier?!“, donnerte der Hase los. „Wir haben April! Da fallen die Temperaturen nicht innerhalb von so kurzer Zeit so tief ab! Väterchen Frost macht Pause um diese Jahreszei-……“
Er stockte, als ihm aufging, was er da gerade gesagt hatte.
Das Wort „Frost“ liess doch was bei ihm klingeln……..!

„Oh nein, das hat er nicht getan.“, Bunny sprang mit grossen Sätzen über die Reihe aus Ostereiern hinweg und wählte den Tunnel nach Deutschland. „Und ihr, reisst euch zusammen und macht eure Arbeit!“, brüllte er über die Schulter.

                               
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Keuchend purzelte er mehr schlecht denn recht aus dem Tunnel. So schnell war er wohl noch nie gerannt.
Sein Sturz wurde weich, aber kühl aufgefangen von einem……….Schneehaufen.

Bunny rappelte sich keuchend hoch und sah sich um, nur um schlotternd die Pfoten um sich zu schlingen.
Es herrschte beinahe arktische Kälte.
Und rund um ihn herum tobte ein Schneesturm, wie man ihn hier wohl selten sah. Schneeflocken rasten beinahe waagrecht an ihm vorbei, der Schnee reichte ihm schon bis zu den Knien.

„Was meinst du, Puschelschwänzchen, jetzt müssten die Menschen mich doch eigentlich bemerken, oder?“

Der Osterhase fuhr herum, wurde aber durch seine klappernden Zähne an lautstarken Wutanfällen effektiv gehindert. Also stiess er nur hervor: „F-F-Frost, du m-mieser……!“

Jack grinste über beide Ohren, während er - von den miserablen Wetterverhältnissen unberührt - mitten in der Luft stand, den gebogenen Stab locker auf eine Schulter gelegt. „Hübsch, nicht? Und einen neuen Rekord konnten mein alter Kumpel und ich auch noch aufstellen. Wie wäre es JETZT mit einer Schneeballschlacht? Ist doch ideales Wetter dafür.“
„Du dämlicher Luftikus!“, donnerte Bunny. „I-Ich muss noch die O-Ostereier v-verstecken, wie soll ich das b-bei dem Wetter?!“

Fluchend begann er, von einer Pfote auf die andere zu hüpfen. Er fror noch am Boden an, wenn das so weiterging. „M-Mach das rückgängig!“
„Hmmm…….“, der Weisshaarige runzelte die Stirn. „Hmmmm!“
„Lass d-das dämliche „Hm!“ und u-unternimm was!“
„Tjaaa……….geht nicht.“
„W-Wie bitte?!“
„Ich bin nur ein Luftikus, Meister Lampe!“, der Junge zuckte die Schultern. „Im Gegensatz zu so einem grossartigen Hüter wie dir bin ich noch nicht mal sichtbar für die Menschen! Gegen so einen Sturm bin ich machtlos.“
„D-Du hast den Sturm erschaffen!“, zischte Bunny. „Also k-kannst du ihn auch w-wieder stoppen!“
„Im erschaffen bin ich gut, aber mir hat noch nie jemand gesagt, wie man so was wieder stoppt………“
„D-Das darf doch nicht wahr sein!“

Der Weisshaarige grinste und stieg höher hinauf. „Da hilft nur abwarten. Ich spreche aus Erfahrung: Solche Stürme hören von ganz allein wieder auf.“
„Ich h-habe keine Zeit, um a-abzuwarten!“, fluchte der Osterhase. „HEUTE ist O-Ostern! JETZT ist Ostern!“
„Dann solltest du dir Handschuhe anziehen beim Verteilen der Ostereier, sonst kriegst du Erfrierungen.“
„F-Frost, ich warne dich, w-wag es nicht, jetzt einfach a-abzuhauen! Du m-machst das rückgängig, u-und zwar sofort!“
„Wie schon gesagt, geht nicht.“, meinte Jack fröhlich, ohne mit höherschweben aufzuhören. „Und da du so ein vielbeschäftigter Hase bist, suche ich mir jetzt jemand anderen, mit dem ich eine Schneeballschlacht veranstalten kann. Viel Spass noch, Schlappohr!“
Damit pfiff er laut und liess sich vom Wind hoch hinaufwirbeln, bis er in den Wolken verschwand.

Bunny starrte ihm einen Moment lang mit offenem Mund hinterher, bevor ihm dämmerte, dass er sich beeilen musste, wollte er bei dem Wetter auch nur die Hälfte aller Ostereier an ihren vorbestimmten Platz schaffen.
Er wandte sich um und starrte auf die schneebedeckte Landschaft hinaus, bevor er sich in einem lauten Schrei Luft machte.

„JAAAAACK!“

                               
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„Whups, bei dem sollte ich mich wohl ein paar Jährchen nicht mehr blicken lassen.“

                               
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„Na, Meister? Lange nicht gesehen. Seit dem Schneesturm ’68, glaub ich. War ein Ostersonntag, oder?“
„Du bist doch nicht immer noch sauer, nein?“
„Doch. Aber jetzt geht es um was anderes.“

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Hoffe, ihr hattet Spass. Ich jedenfalls hatte ihn ganz bestimmt! ^^

P.S.: Ich bin aus der Schweiz, nicht aus Deutschland. Also bitte fragt mich jetzt nicht, wo Jack und Bunny sich getroffen haben!

P.P.S: Ich weiss, der Gute heisst offiziell "Bunnymund". Aber schreibt das mal ein paar Mal, da verliert jeder die Lust, das auszuschreiben.

LG Sevi
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