Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

"Erzähl uns eine Geschichte, Jack"

von Sevi007
KurzgeschichteFantasy / P16 / Gen
Jack Frost
10.12.2012
10.12.2012
1
4.022
12
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
16 Reviews
 
 
 
10.12.2012 4.022
 
Hallo, liebe Leser!

Nachdem ich gestern den Film "Die Hüter des Lichts" gesehen habe, war ich total begeistert. Der Film ist der Hammer! Wer ihn nicht gesehen hat, muss das nachholen. Unbedingt.

Na ja, jedenfalls war ich der Meinung, dass  Jacks Leben als Mensch ruhig ein bisschen genauer unter die Lupe hätte genommen werden können, daher dieser kleine OS hier.
Alle Figuren ausser Jack, seiner Schwester und Mutter (die ich getauft habe) und den anderen Hütern sind von mir, die oben genannten gehören wohl Dream Works. Leider.
________________________________________________________________________

Der Mond mag dich bestimmt auch.





„Weiter, Jack, weiter!“
„Wartet kurz! Diese Geschichte muss RICHTIG erzählt werden!“

Die Kinder des Dorfes lachten und klatschten, als Jack sich zwei knorrige Äste an die Stirn hielt und damit vor dem prasselnden Feuer hin und her hüpfte. Sein Schatten wurde riesenhaft und monsterartig an die Wand hinter ihm geworfen.

„…….und dann kam der gehörnte Waldtroll aus dem Wald und brüllte herum „Wo sind die unartigen Kinder?!““, fuhr der Junge mit seiner Geschichte fort, während die Jüngeren gebannt lauschten. „Ihr müsst nämlich wissen, Waldtrolle fressen nur unartige Kinder, von braven Kindern kriegen sie immer fürchterliches Bauchweh.“
„Aber Jack, wann ist man denn unartig?“, wollte ein etwa zehnjähriges, braunhaariges Mädchen nervös wissen, während sie sich an ihr Plüschtier klammerte. Wenn man in einem Dorf inmitten eines Waldes lebte, hörte man nicht gerne etwas von bösen Waldtrollen…….

Jack hielt inne und senkte grinsend die Äste. „Unartig……..das ist man, wenn man zum Beispiel immer Unsinn macht. Wenn man……..Fensterscheiben einwirft oder…..Schneebälle auf ältere Leute wirft oder……..“
„Jack, dann bist du ja total unartig!“, rief ein Junge, woraufhin alle lachten.
Das Gelächter wurde lauter, als der Braunhaarige gespielt entsetzt die Augen aufriss. „Meint ihr?!“
„Jaaaa!“, rief die Kinderschar.
„Tjaaaa……….dann werde ich wohl bald gefressen, was?“, Jack kratzte sich am Kinn. „Was mache ich denn nun? Waldtrolle haben doch sicher grässlichen Mundgeruch, da will ich mich nicht fressen lassen! Aber wie bringe ich einen Troll dazu, sich die Zähne zu putzen?“

„Vielleicht schläfst du eine Nacht darüber und bis morgen fällt dir etwas gegen den Mundgeruch ein?“, meldete sich eine lachende Stimme hinter ihm.

Der Junge mit den wild abstehenden Haaren wandte überrascht den Kopf. „Das ist die Lösung! Danke, Mum!“
Die junge Frau, die hinter der Truppe stand, stemmte lächelnd die Hände in die Hüften. „Gern geschehen! Aber, Kinder, es ist auch unartig, wenn man in eurem Alter um diese Uhrzeit noch wach ist! Also, husch, ab ins Bett, und zwar alle!“
„Oooooch!“, kam es einstimmig zurück. „Noch nicht! Die Geschichte ist noch gar nicht zu Ende!“
„Der Sandmann kann seine Arbeit nicht beginnen, wenn ihr alle noch wach seid.“, erinnerte Susanne. „Und ihr wollt doch nicht, dass er euretwegen die ganze Nacht mit seinem Zaubersand warten muss?“

Jack beugte sich mit ernstem Gesicht zu den Kindern. „Und der Mann im Mond guckt auch schon ganz böse! Schnell, ins Bett, bevor euch die Trolle holen! Huhuuuuu!“
Die Kinder rannten lachend und kreischend davon, als Jack mit ausgebreiteten Armen und gebleckten Zähnen vor ihnen auf und ab sprang und die Geräusche eines wütenden Trolls imitierte.

Schliesslich standen nur noch Susanne, Jack und das zehnjährige Mädchen mit ihrem Plüschtier um das Feuer herum.
„Mama, der Troll frisst mich doch nicht, oder?“, wollte die Kleine verängstigt wissen.
Die Frau ging vor ihr in die Hocke und strich ihr über den Kopf. „Natürlich nicht, Amy. Hör nicht immer auf deinen grossen Bruder.“
„Sie lügt.“, grinste der Junge. „In Wirklichkeit hat der Troll dich schon auf seiner schwarzen Liste und wartet nur darauf, dass du etwas Unartiges machst, damit er dich fressen kann.“
Amy quietschte auf und vergrub das Gesicht im Stoff des selbstgenähten Hasen. „Du lügst! Du willst mich nur wieder ärgern, Jack!“
„Neeeeeiiiin! Ist mein voller Ernst.“

„Jack!“, tadelte seine Mutter, auch wenn ihre Mundwinkel zuckten. „Lass das!“
„Komm schon, Mum, sie fällt echt auf alles rein, man MUSS sie einfach ärgern.“, Jack grinste frech, dann wurde sein Gesichtsausdruck sanfter und er griff nach Amys Hand. „Komm, du kleiner Angsthase, wir gehen nach Hause. Und wenn ein Troll kommt, hau ich ihm meinen Stock über den Kopf.“
Demonstrativ hielt er den Holzstab hoch, der am oberen Ende gebogen war.
„Und wenn er dich dann an meiner Stelle frisst?“
„Dann trete ich ihn denn Bauch, da kriegt er so Bauchschmerzen, dass ihm der Appetit auf kleine Mädchen vergeht.“
„Okay.“, Amy schien beruhigt, jedenfalls lächelte sie wieder, während sie die Hand ihres grossen Bruders drückte.

Susanne schüttelte den Kopf und folgte ihren Kindern, den dünnen Umhang eng um sich schlingend. „Irgendwann machst du dem Sandmann noch Konkurrenz mit deinen Geschichten, Jack.“
„Ach, ich bin nicht so der Typ für Konkurrenzkämpfe. Vielleicht nimmt er mich ja als Partner auf!“, grinste der Junge. „Ich denke mir die Träume aus und er verteilt sie.“
„Das klingt aber nach einer unfairen Verteilung, du hast ja viel weniger zu tun.“
„Mum! Träume auszudenken ist total anstrengend!“
„Ach, und woher willst du das so genau wissen, junger Mann?“
„Der Mond hat es mir gesagt!“
„Jaja, der Mond……….wenn der doch nur halb so gesprächig wäre……“, seufzte die Mutter gespielt.

Jack winkte zu dem Himmelskörper hinauf, der neben den wenigen flackernden Feuern die einzige Lichtquelle war. „Hör nicht auf sie, ich mag dich, wie du bist.“
Amy lachte fröhlich. „Der Mond mag dich bestimmt auch, Jack.“
„Ja, meinst du?“
„Jack, lass den armen Mond in Ruhe und komm endlich ins Bett.“
„Ja, Mum.“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~


Einige Zeit später beobachtete der Mann im Mond lächelnd, wie über der dunklen Seite der  Erde goldene Linien erschienen, hin und her zischten und sich auf den Boden senkten.

„Sandy ist pünktlich wie immer.“, murmelte er in seinen Bart hinein, während er sich, die Arme hinter dem Kopf verschränkt, zurücklehnte.
Die Oberfläche unter ihm bebte leicht, was ihn zum Lachen brachte. „Ja, du bist auch pünktlich, du alter Steinklumpen. Aber du musst ja auch nur im Weltall herumhängen und warten, bis die Erde sich dreht.“
Erneutes Beben, dieses Mal so stark, dass sein Hirtenstab davonrollte.

„He! Kein Grund, beleidigt zu sein!“, grummelnd erhob sich der Mann und trabte dem Stab hinterher. Nicht, dass das gute Stück verloren gehen könnte. Hier, auf der Oberfläche des Mondes, gab es rein gar nichts, wohin man verschwinden konnte. Grauweisser Sand und Gestein, wohin man blickte, hin und wieder ein Mondkrater. Nicht gerade ein Vergnügungspark.
Deshalb liebte der Mann im Mond es auch so sehr, die Erde unter sich zu beobachten und manchmal auch ein kleines bisschen zu lauschen. Dort gab es immer etwas zu sehen, etwas zu lachen oder zu weinen, wohin man auch blickte.
Besonders ein Junge hatte es ihm mit seinen Geschichten angetan.

„So, wie geht es unserem Jack?“, grinste der Bärtige, während er sich mit seinem geretteten Stab wieder niederliess. „Was hat er wohl morgen für Geschichten für uns?“
Ein leichtes Zittern, versöhnlicher als die vorhergehenden, ging durch den Mond.
„Ja, eine Geschichte über den Mond und seinen Bewohner wäre nicht schlecht.“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~


„Jack, Jack! Bitte, komm da runter!“

Der Braunhaarige grinste vom Dach der einfachen, schneebedeckten Hütte auf seine aufgeregte kleine Schwester hinunter. „Ganz ruhig, Amy. Ich bin ein grosser Junge, ich falle nicht runter.“
„Das hat doch nichts mit gross oder klein zu tun!“, jammerte das Mädchen. „Du tust dir weh, wenn du runterfällst!“
„Wenn ich falle, schon. Aber ich werde nicht fallen. Komm doch auch hoch!“, neckte der Ältere. „Oder hast du Angst, kleiner Angsthase?“
„Ja!“, schrie Amy zurück, während sie ihren Plüschhasen umklammerte. „Komm runter!“
„Hmmm……….nö.“
„Du bist so blöd!“

Jack schmunzelte nur, als die Kleine aufstampfte und sich schniefend auf einem Holzstapel niederliess, wo sie ihrem Hasen - Bunny, wenn er sich recht erinnerte - erzählte, was für einen blöden, gemeinen Bruder sie hatte.

„Und ich dachte, das weiss der arme Hase schon.“, murmelte der Junge in sich hinein, während er eine Handvoll Schnee vom Dach kratzte und damit eine Kugel formte.
Suchend sah er sich auf der Strasse unter ihm um. Wer war heute dran?

„Jack, Bunny sagt auch, dass du blöd bist!“, schrie Amy von unten.
„Sag ihm, wenn er ein echter Hase wäre, würde ich ihn dafür in den Kochtopf werfen!“, rief der Ältere leicht abwesend zurück. Sein Grinsen wurde breiter, als er den griesgrämigen alten Andrews entdeckte. Der Holzfäller stapfte mal wieder mit einer Trauermiene durch die Gegend und knurrte irgendetwas so Unfreundliches vor sich hin, dass die anderen Dorfbewohner einen grossen Bogen um ihn machten.
Den musste man doch ein bisschen aufmuntern, den guten alten Andrews. Und was munterte mehr auf, als eine Schneeballschlacht?

„Du darfst Bunny nicht in den Kochtopf werfen, dann erzähl ich es Ma-……..“, das Mädchen unterbrach sich, als laut und deutliches ein dumpfes Klatschen über die Strasse hallte.
Genauso erschrocken wie die anderen Dorfbewohner sah sie auf und entdeckte Andrews, der stocksteif stehengeblieben war. Seine gesamte linke Gesichtshälfte war mit Schnee bedeckt, der langsam abbröckelte und zu Boden fiel.
Der sichtbare Teil des Gesichts nahm langsam eine ungesunde Rotfärbung an, als der Holzfäller sich nach dem schallenden Gelächter umdrehte.

Jack lachte so heftig, dass er sich beide Hände auf den schmerzenden Bauch presste und am ganzen Körper zitterte. Nach Luft schnappend sah er auf und begegnete dem mörderischen Blick des Mannes. „Hi, Andrews.“
„JACK!“, donnerte der Holzfäller los. „Das war ja klar, dass du das wieder warst! Komm da runter, damit ich dir den Hintern versohlen kann!“
„Wofür?“, der Junge riss die Augen auf. „Oh, wie kommt denn der ganze Schnee in dein Gesicht?“

Während Andrews vor Empörung über so viel Frechheit nach Luft schnappte, fuhr der Braunhaarige fort: „Oh, ich weiss! Das war sicher ein Yeti. Kennst du schon die Geschichte von den Yetis, die Schneebälle vom Nordpol bis hierher werfen? Du hast wohl genau in der Schusslinie gestanden. So ein Pech!“
„DU! Komm da runter!“, Andrews stürmte fuchsteufelswild los.

Jack grinste breit, als er sich vorstellte, wie der Alte versuchte, auf die Hütte zu klettern.
Um eventuelle Knochenbrüche des Mannes zu verhindern, erbarmte der Junge sich, drehte sich auf dem Dach um und schlitterte die Schräge hinab, direkt in einen Schneehaufen.

Prustend schüttelte er sich kurz und wetzte dann los, in den Wald hinter dem Dorf hinein.
Flink wie ein Wiesel schoss er zwischen Büschen und Bäumen hindurch, rutschte geschickt über Eisflächen und sprang über umgestürzte Baumstämme.
Irgendwo hinter sich - WEIT hinter sich - hörte er das Schnaufen und die stampfenden Schritte seines Verfolgers.
Aber der würde ihn bestimmt nicht kriegen.

Der Junge sprintete ein bisschen im Zickzack, bis er die gesuchte Stelle fand: Rechts von ihm standen dicht an dicht einige Tannen, deren Zweige - unter den Mützen aus Schnee immer noch grün - bis auf den Boden hingen.
Jack warf sich zu Boden und rollte sich zwischen den Zweigen hindurch, so dass er mit rasendem Herzschlag im Schatten der Tannen lag und zwischen den grünen Nadeln hindurchsehen konnte.

Nach einigen Minuten stoppten zwei schwere, schneeverkrustete Stiefel vor ihm. Der schwere, pfeifende Atem und die Flüche verrieten auch gleich Andrew als Besitzer.
Gespannt beobachtete Jack die Stiefel - das einzige, was er in seiner Position sehen konnte -, bis der Mann sich augenscheinlich für eine Richtung entschied und davonstapfte.

Jack wartete noch einige Minuten ab, bevor er sich wieder aus seinem Versteck rollte und aufstand.
Grinsend sah er an sich herunter. Der Schnee klebte wie eine zweite Haut an seinen Kleidern, färbte den groben braunen Stoff seines Umhangs weiss.
Mit ordentlichem Schütteln befreite er sich vom Schlimmsten, bevor er den Weg zu seinem Lieblingsplatz einschlug. Nur wenige kannten den See, der im Winter einfror und eine perfekte Fläche für Eislaufen bot, daher hatte der Junge dort seine Ruhe.

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


„Jack? Bist du da?“

Der Junge warf den Zweig beiseite, mit dem er in den Schnee neben sich gezeichnet hatte und sah auf, als seine kleine Schwester sich vorsichtig zwischen den Bäumen hindurchschob. „He, Amy. Ganz allein unterwegs, kleiner Angsthase?“

Das Mädchen schob die Unterlippe vor und sah ihn böse an. „Mama hat gesagt, ich soll dich suchen. Wir warten schon seit Stunden auf dich, und sie musste sich immer wieder bei Andrews entschuldigen. Er hat so laut gebrüllt, dass ihn das ganze Dorf gehört hat.“
„Tut er das nicht immer?“
Amy schnaufte. „Das ist nicht lustig, Jack!“
„Jaja, ich weiss. Ich schäme mich in Grund und Boden, ehrlich.“
„Du lügst mich doch schon wieder an.“, murmelte die Kleine, immer noch mit grimmigen Blick.

Jack grinste und klopfte neben sich auf den Boden. „Entschuldige. Komm her, dann erzähle ich dir eine Geschichte.“
„Eine schöne?“
„Eine über die Elfen, die die Geschenke für den Weihnachtsmann herstellen.“
Amys Augen leuchteten auf. „Niedliche Elfen?“
„Ganz niedliche. Komm, komm.“

Seine kleine Schwester krabbelte zu ihm und kuschelte sich an ihn. Als er jedoch einen Arm um sie legen wollte, hob sie stirnrunzelnd den Kopf. „Du, Jack?“
„Ja?“, verdutzt über den ernsten Blick, hielt der Junge inne.
„Woher weisst du denn das alles? Alles über die Elfen und Trolle und die anderen?“
Jack tat so, als würde er angestrengt überlegen, dann grinste er: „Der Mond hat es mir gesagt.“
„Ehrlich?!“
„Selbstverständlich, der alte Herr weiss alles.“
„Toll!“
„Willst du jetzt was über die Elfen hören oder über den Mond?“
„Die Elfen! Erst die Elfen!“
„Kommt sofort!“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~


„So, Schlafenszeit, Amy.“

Das Mädchen, das trotz der späten Uhrzeit noch mit ihrem Hasen gespielt hatte, sah aufgeregt auf. „Mama, Mama! Wusstest du, dass die Elfen vom Weihnachtsmann sich in den Kinderzimmern verstecken um zu sehen, welches Spielzeug am besten zu jedem Kind passt?“
Susanne hielt inne und warf einen Blick zu Jack hinüber, der auf seinem Bett sass und aus dem Fenster sah, als hätte er damit überhaupt nichts zu tun. „Nein, Schatz, die Geschichte kenne ich noch nicht.“
„Es ist toll! Vielleicht bekomme ich ja einen Spielkameraden für Bunny!“, stolz hielt Amy ihren Liebling hoch.
„Ach du meine Güte, noch ein Hase.“, murmelte Jack.
„Du bist bloss neidisch, weil du keinen so tollen Hasen hast!“, empörte sich Amy.
„Oh ja, ich bin furchtbar neidisch.“

Fasziniert zeichnete Jack die Eisblumen nach, die auf der Aussenseite seines Fensters zu sehen waren und im Mondlicht glitzerten. Winter war eben einfach die beste Jahreszeit.

Hinter ihm schaffte es seine Mutter, dass die Zehnjährige sich hinlegte und sich zudecken liess. „Schlaf schön, Schatz. Und träum von den Elfen, das bringt Glück.“
„Okay, Mama.“
„Du auch, Jack.“
„Was, ich soll auch von Elfen träumen?“, schreckte der Braunhaarige aus seinen Betrachtungen auf.
Susanne lachte. „Das ist deine Entscheidung. Aber eigentlich meinte ich, dass du auch schlafen sollst.“
„Okay, Nacht, Mum.“, schnell legte der Junge sich hin und deckte sich zu.
Die junge Frau lachte und beugte sich über ihn, um ihm einen Kuss auf die Wange zu drücken. „Darum kommst du nicht herum!“
„Bäh, iiih! Mum!“, Jack verzog das Gesicht, bevor er in das Gelächter seiner Familie mit einstimmte.

Als Susanne zurückwich, stolperte sie über etwas und bückte sich im Dunkeln danach, bis sie kühles Metall und hartes Leder ertastete. Lächelnd sah sie auf. „Gehst du Eislaufen, Jack?“
„Ja, morgen!“, der Junge grinste breit. „Ich hab heute nachgesehen, das Eis dürfte dick genug sein.“
„Ich will auch mit!“, krähte Amy aus ihrem Bett.
„Du fällst doch sowieso wieder hin.“
„Ich bin besser als vorher!“
„Okay. Aber nimm dieses Mal deine Handschuhe mit, letztes Mal bist du fast erfroren.“
„Gar nicht wahr!“
„Du hattest blaue Finger.“, erinnerte Jack grinsend.

„Schluss jetzt, ihr zwei!“, tat Susanne streng. „Ihr geht morgen beide Eislaufen, dann könnt ihr wenigstens niemandem mehr Schneebälle hinterherwerfen. Und jetzt gute Nacht.“
„Schneebälle? Gütiger Himmel, wer tut denn so was?“
„Gute Nacht, Jack!“
„Nacht, Mum.“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


Der Mann im Mond lachte immer noch so heftig, dass er kaum noch Luft bekam. „Elfen, die die Geschenke herstellen! Wenn der wüsste!“
Damit ging das Gelächter wieder von vorne los, bis der Mond genug hatte und ein wahres Erdbeben auslöste, das den Bärtigen von Füssen riss.

„Autsch!“, das Gelächter verstummte abrupt, wurde aber nach einigen Sekunden durch Kichern ersetzt. „Du musst aber zugeben, sein Gesicht zu sehen, wenn er rauskriegen würde, dass YETIS die Geschenke machen, wäre lustig.“
Keine Antwort, nicht mal ein leichtes Zittern.
„Okay, okay, ich höre auf zu lachen, du alter Griesgram.“
Leichtes Beben, eindeutig fragend.
„Nein, nicht für immer!“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


„Seid aber vorsichtig, ihr zwei!“, mahnte Susanne, als Jack und Amy, beide in Umhänge gewickelt, aus dem Haus traten.
„Ja, wir passen schon auf.“, lächelte Jack, während Amy an seinem Arm zog. „Ich komme ja, kleiner Angsthase!“

Aufgeregt rannte Amy voraus. Sie bemerkte nicht einmal, dass sie ihren geliebten Hasen zu Hause gelassen hatte oder dass Jack mit seinem Stab Schneewehen von den Zweigen schlug, die seine braunen Haare dann mit einem weissen Schleier bedeckten.
„Jack, komm schon!“
„Nicht so schnell, wir haben doch den ganzen Tag Zeit.“
„Ich will dir aber beweisen, dass ich jetzt Eislaufen kann!“
„Aber ich habe doch deine Schlittschuhe……..“
„Deshalb sollst du dich ja auch beeilen!“

Jack beschleunigte seine Schritte und folgte der Kleinen zum See, an dessen Ufer sie auf und ab sprang, bis er ihr endlich geholfen hatte, in die Schlittschuhe zu kommen.
Vorsichtig und wacklig machte sie ein paar Schritte aufs Eis hinaus, wo sie stehenblieb und um ihr Gleichgewicht kämpfte.

Der Ältere lachte, schlüpfte geschwind in seine eigenen Schuhe und schoss gleich darauf an ihr vorbei zur Mitte des Sees, wo er ein paar Runden drehte. „Ich dachte, du seist besser als letztes Mal?“
Er liess seinen Stab zwischen den Fingern wirbeln  und nutzte ihn, um eine Kurve zu fahren. „Los, Amy, beweg dich, sonst ist das ein Eisstehen statt ein Eislaufen.“
„Du bist gemein.“, trotzig schob Amy einen Fuss nach vorne und kämpfte wieder um ihr Gleichgewicht, bevor sie den anderen Fuss nachzog und wieder stehen blieb.

Neidisch beobachtete sie, wie ihr Bruder elegant über den See flitzte und sogar eine Pirouette drehte. Ob seiner Begeisterung über die Sportart vergass er das Mädchen ganz.

Amy runzelte konzentriert die Stirn und machte einen weiteren Schritt nach vorn, um zu ihrem Bruder zu kommen. Dabei richtete sie die Augen starr auf Jack.
Ein lautes Knirschen liess sie zur Salzsäule erstarren und nach unten sehen.

Schneeweisse Risse zogen sich durch das Eis unter ihrem linken Fuss. Als sie hastig zurückweichen wollte, wurden die Risse mit einem Krachen grösser, so dass sie wieder erstarrte.
„Jack!“

Der Junge drehte sich zu ihr um und wäre beinahe gegen einen Baum gerast, als er ihr Gesicht bemerkte, das nackte Panik zeigte.
Hastig sah er zu ihren Füssen und entdeckte die Risse, woraufhin er vor Schreck seinen Stab fallen liess. „Ach du heilige……..! Amy, nicht bewegen.“
„Jack, ich hab Angst.“
Jack war mindestens so blass wie sie, als er auf sie zu schlitterte, trotzdem redete er beruhigend auf sie ein: „Alles gut, alles gut. Ich hol dich.“

Ein weiteres Knacken und Knirschen war zu hören, so dass er stoppte.
Mit einem prüfenden Blick stellte der Braunhaarige fest, dass er wohl nicht einfach zu seiner Schwester laufen konnte. Das Eis würde unter ihnen brechen.
Langsam hockte er sich hin und streifte sich die nun störenden Schlittschuhe aus, bevor  er wieder aufstand und eine Hand nach Amy ausstreckte. „Komm her.“
Amy beugte sich leicht vor, hielt aber wimmernd wieder inne, als die Risse noch grösser wurden. „Ich hab Angst.“

Jack machte einen Schritt nach vorn, was aber nur weitere Risse zur Folge hatte, so dass er es aufgab. „Ich weiss das. Aber alles wird gut. Du fällst nicht ins Wasser, hörst du? Äh………he, wie wäre es, wenn wir etwas lustiges machen?“
„Machen wir nicht!“, rief das Mädchen panisch.
„Hey, hey. Würde ich dich reinlegen?“
„Ja! Du legst mich andauernd rein!“
„Okay, du hast Recht, aber dieses Mal nicht, ja?“, redete Jack auf sie ein, während er versuchte, Augenkontakt zu ihr zu halten. Alles war besser für Amy, als auf das Eis zu starren. „Ich versprech’s dir, okay? Glaub an mich.“

Amy nickte vorsichtig.
Jacks Blick fiel auf seinen Stab, der ein Stück rechts von ihm lag. Der Junge grinste und richtete sich wieder ganz auf. „Spielen wir Himmel und Hölle! Das spielen wir doch fast jeden Tag. Das ist leicht.“
Das Mädchen lächelte schwach.
„Also, eins.“, Jack machte einen Schritt zur Seite und sog scharf die Luft ein, als das Eis knackend etwas unter seinem Gewicht einsackte. Hastig balancierte er albern auf einem Bein. „Whoa!“
Seine Schwester lachte unwillkürlich auf.

Zufrieden machte Jack den nächsten Schritt. „Zwei…….“
Mit einem grossen Schritt war er neben seinem Stab. „………drei!“
Vorsichtig ging der Junge in die Hocke und nahm seinen Stab hoch. „Und jetzt du.“

Amy nickte zaghaft und machte einen winzigen Schritt nach vorn, wobei Jack zählte: „Eins.“
Das Mädchen schrie leise auf, als das Eis unter ihr weiterbrach.
„Schon gut, alles gut!“
Die Kleine machte den nächsten wackligen Schritt. „Zwei.“

Die Risse im Eis verbanden sich, bis nur noch eine einzige, unsichere Fläche unter Amy übrig war.

„Drei!“, rief Jack, schlang das gebogene Ende des Stabs um Amys Hüfte und warf sich herum, wobei er das Mädchen ein Stück durch die Luft auf dickeres Eis warf.
Während Amy noch ein Stück schlitterte und dann liegenblieb, stolperte Jack nach hinten, so dass er nun dieselbe Position hatte wie seine Schwester zuvor.

Aber das bemerkte er gar nicht. Immer noch seinen Stab in der Hand beobachtete er Amy keuchend, bis diese sich mit einem absolut ungläubigen Blick aufsetzte und ihn anlächelte.
Jack erwiderte das Lächeln mit einem erleichterten Grinsen und wollte einen Schritt nach vorne machen, als das Eis mit einem lauten Krachen endgültig unter ihm nachgab und er ins eiskalte Wasser fiel.

„JAAACK!“, hörte er Amy noch schreien, dann hörte er nichts mehr. Er spürte nur noch nasse, schwere Kälte, die seine Glieder und seinen Verstand zu lähmen schien und ihn hinunterzog, hinunter in die Dunkelheit.

Und vor sich, über sich, sah er durch die gezackte Öffnung im Eis den Mond.

„Der Mond mag dich bestimmt auch, Jack.“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


Der Mann im Mond fuhr auf, als die Oberfläche unter ihm bebte wie verrückt. „Was? Was ist?!“
Erneutes Beben.
„Amerika? Da ist helllichter Tag, da musst du dich noch nicht zeigen.“, stellte der Mann mit einem Blick fest.
Erneutes Beben.
„Was?! Jack?!“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


Langsam öffnete der Junge die Augen. Einst braun, waren sie nun dunkelblau, was sich stark von den schneeweissen Haaren abhob, die um seinen Kopf wirbelten.

Noch leicht benommen bemerkte der Weisshaarige, dass er sich unter Wasser zu befinden schien. Über sich sah er Licht, auf das er langsam zutrieb, bis er mit einem lauten Keuchen die Wasseroberfläche durchbrach.
Und immer noch weiterstieg.

Das Licht stellte sich als Mond heraus, was er erst bemerkte, als er etwa eineinhalb Meter  über der Wasseroberfläche in der Luft schwebte und den weissen Himmelskörper wie gebannt anstarrte, ohne zu bemerken, dass er dabei wieder Richtung Erde schwebte.

Unter den Füssen des Jungen gefror das Loch im Eis wieder zu, so dass er auf fester Oberfläche landete.
Erst jetzt riss er den Blick vom Mond los und betrachtete seine eigenen Hände, als könnte er nicht glauben, dass sie zu ihm gehörten. Schneeweiss waren sie, wenn nicht ganz so rein weiss wie seine zerzausten Haare.
„Wer……….bin ich?“, wisperte er leise.

„Du bist Jack Frost.“

Der Junge, Jack, hob den Kopf, und sah den Mond an, mit dem seltsamen Gefühl, dass der mit ihm gesprochen hatte.
Suchend sah Jack sich um und entdeckte neben sich einen Stab aus Holz, so gross wie er selbst, dessen Ende gebogen war.
Langsam streckte er die Hand danach aus.

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


„Was meinst du? Schnee und Eis passen doch zu ihm.“

Der Mond bebte ungeduldig.
Der Bärtige verdrehte die Augen. „Ja, natürlich, es war ganz allein deine Idee. Schon klar.“
Erneutes Beben, dieses Mal beinahe ein zufriedenes.
„Ah, ja, ich denke auch, dass er eines Tages einen guten Hüter abgeben wird.“

                               
~~~~~~~~~~~~~~ F ~~~~~~~~~~~~~


„Mein Name ist Jack Frost. Woher ich das weiss?
Der Mond hat es mir gesagt.“

_________________________________________________________________________

Ja, wie ihr seht, habe ich den Mann im Mond und den Mond selbst als zwei eigenständige - na ja, ein bisschen zumindest - Wesen dargestellt und bin tatsächlich so frech, die beiden zu beschreiben. ;)
Ich hoffe, die Geschichte gefällt euch ein bisschen.........ich war machtlos, sie wollte einfach geschrieben werden. ^^

LG Sevi
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast