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Rabbit Doubt ~ The Second Round

von LuneLapin
GeschichteThriller, Freundschaft / P16
06.12.2012
09.07.2013
5
6.425
 
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06.12.2012 2.028
 
Kapitel 2: Die weiße Unschuld

Shiroi fuhr gemeinsam mit ihren Freunden zu ihrer Schwester.
Gerade waren sie in der U-Bahn, als Yatsu wieder mit dem Thema Rabbit Doubt anfing.
„Also letztens hab ich gewonnen als Wolf, weil alle zu dumm waren mich zu stellen“, gab er an, worauf Yoshi konterte: „Vielleicht hatten sie Mitleid mit dir und wollten dich gewinnen lassen. Als wir nämlich mal zusammengespielt haben, warst du immer der erste Hase, der raus geflogen war. Ich sag es dir: Die Gruppe hatte nur Mitleid mit dir!“
„Ja klar! Du willst und kannst es einfach nicht ertragen, dass ich MAL gewonnen habe“, keifte er zurück, wo zeitgleich Haru anfing zu lachen.
„Sag bloß, du hast sonst noch nie gewonnen bei Doubt?“, fragte er neugierig nach und bekam ein scheues Nicken als Antwort.
„A-Aber nur weil ich sonst immer Yoshi in der Gruppe hatte und sie war in 45% aller Spiele bis jetzt immer der Wolf!“, schimpfte Yatsu und fügte flüsternd dazu: „Und als Wolf hat sie mich immer als Erstes oder Zweites getötet.“
„Weil du mich nervst!“, meinte Yoshi herzlos und zeigte ihm die kalte Schulter.
Shiroi verfolgte die Unterhaltung und war schon neugierig auf dieses Spiel.
Gruppen voller Hasen und einem Wolf.
Aufgaben und Rätseln, die man erfüllen muss und nebenbei den Wolf stellen, während dieser Runde für Runde einen Hasen ‚umbrachte‘, also vom Spiel rauswarf.
Irgendwie hätte sie schon gerne mitgespielt.
Alle ihre Freunde spielen es, nur sie nicht, weil ihr Vater es ihr verboten hatte.
//Wäre das mit Áori damals nicht passiert, dürfte ich jetzt das Spiel auch spielen.//
dachte sie und zog eine traurige Miene.
„Was ist los, Shiroi? Du guckst so niedergeschlagen. Gönnst du mir etwa auch nicht den Sieg?“, fragte Yatsu pampig nach.
„Ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn“, warf Yoshi als Bemerkung hinzu und fing auch gleich böse Blicke von dem Jungen mit der Ballonmütze auf.
„Mit mir ist alles in Ordnung. Ich musste nur gerade an meine Schwester und an das Spiel denken“, gab sie offen zu und spielte schüchtern mit ihren langen weißen Haaren her rum.
Haru wurde aufmerksam und stellte die Frage, die auch Yatsu fragen wollte, aber dieser wurde abgelenkt mit Schlägen und Fauchen von Yoshi.
„Ist sie etwa auch ein Doubt-Mitglied?“
Shiroi war für eine Weile schweigsam bevor sie die richtigen Worte fand: „Sie war ein Mitglied. Vor 10 Jahren, aber sie hat aufgehört. Und jetzt will ich nicht darüber reden!“
Die Stimmung der Gruppe war sofort ruhig mit offenen Fragen in der Luft, die aber niemand jetzt aussprechen wollte.
„Übernächste Station müssen wir aussteigen“, meinte die Weißhaarige und sah betrübt rüber zu Yoshi.
Diese hatte aufgehört Yatsu zu tyrannisieren und zockte weiter mit ihrem Handy.
„Der Empfang hier unten ist so schlecht“, fauchte sie und packte angesäuert ihr Handy wieder weg.
„Blitzmerker. Jedes Kind weiß doch, dass U-Bahn, Bunker, Keller und Co. Handyempfangsfeindlich sind“, gab der schwarzhaarige Junge klugscheißerisch an und konnte nur die Augen verdrehen bei Yoshis Bemerkung und danach herrschte wieder ruhe in der Gruppe.

Nach einiger Zeit kamen Shiroi und ihre Freunde bei der Nervenklinik an.
„Und du fährst fast jeden Tag hier her?“, fragte Haru verwundert.
Es war schon 18:45 Uhr und für ihm eine ehr untypische Besucherzeit.
Doch Shiroi schüttelte den Kopf und antwortete: „Nur Freitags oder wenn ich früher Schluss in der Schule habe und ich darf meine Schwester so spät besuchen. Sonderrechte!“,  und freute sich innerlich schon darauf, Haru ihre Schwester vorzustellen, obwohl sie auch viele bedenken hatte.
//Ob sie ihn mögen wird? Hoffentlich hat sie gute Laune? Und hoffentlich fängt keiner an über Doubt zu reden.//
„Haben eigentlich alle Patienten hier ein Einzelzimmer?“, wollte Yatsu wissen und warf immer in Blick in die offenen Räume, an denen sie vorbei gingen.
„Keine Ahnung“, antwortete weißhaarige Mädchen und ließ ab und an ein Blick in Richtung der Zimmer schweifen: „Ich arbeite hier doch nicht, also stelle mir doch nicht so ‘ne Fragen.“
Sie beschleunigte ihre Schritte und blieb prompt vor einer Tür stehen.
Zimmernummer 217. Nur  Zahlen, kein Schild mit Name, wer dieses Zimmer bewohnte oder was der Patient hat.
„Dann wollen wir mal Áori begrüßen“, gab Yoshi als Befehl und wollte auch gleich sich an den Anderen vorbei drängeln, doch sofort drehte sich ihre Freundin sich um und sah alle mit einem strengen Blick an.
„Ich habe eine Bitte an euch! Erwähnt auf keinem Fall, und das meine ich ernst, auf keinem Fall etwas über Rabbit Doubt“, bat sie mit einer kummervollen Stimme und wandte sich auch sofort wieder um, ohne auch nur auf einen Kommentar der Anderen zu warten.
Die Jungs sahen sich verwirrt an, während Yoshi zum letzten Mal auf ihr Handy blickte und es danach ausschaltete.
Shiroi holte tief Luft und klopft mit zitternder Faust an die Tür, bevor sie diese öffnete.
Vorsichtig blickte sie durch den viel zu kleinen Raum mit dem winzigen Fenster, das nicht viel Licht reinwarf.
Am Tisch saß eine junge Frau gedankenverloren. Sie spielte mit ihren weißen Haaren, die ihr zur Schulter gingen und mit einer Schleife zusammengebunden waren.
Langsam machte Shiroi einpaar Schritte in das Zimmer und begrüßte mit leisen Worten ihre Schwester: „Hey Áori. Ich bin‘s. Hast du mein Klopfen nicht gehört? “  
Sofort dreht sich die Frau zu ihr um und lächelte sie an.
„Schön, dass du wieder da bist. Ich hab dich nicht gehört, verzeih mir“, entschuldigte sich Áori und wollte erst aufstehen, doch als Shirois Freunde dann den Raum auch betraten, sack sie wieder zurück in ihre Sitzposition.
„Wer sind die Beiden neben Yoshino?“, fragte sie mit einem ängstlichen Unterton nach und verkrafte sich auf den Stuhl.
Ihre kleine Schwester reagierte auf die Frage schnell: „Das sind Haru und Yatsu, aus der Jungsschule neben an und Freunde von mir und Yoshi.“
„Naja eigentlich nur Haru. Yatsu ist sein Hündchen“, gab ihre Freundin, mit einem coolen Grinsen, frech dazu.
„Ich bin kein Hündchen, sondern sein Kumpel. Soll ich dir das buchstabieren?“, kam er zickig zurück.
Langsam entspannte sich Shirois Schwester und stand auch vorsichtig auf.
Zuerst ging sie zu ihrer Schwester und umarmte sie, gefolgt von Yoshi, die sie versuchte zu umarmen, doch das Mädchen mit der Brille lehnte dankend mit einer Bemerkung ab: „Nenn mich nicht Yoshino, dass hasse ich total. Ich hab dir schon tausendmal gesagt, dass du mich Yoshi nennen sollst.“
„Entschuldigung...“, wisperte die junge Frau und senkte den Kopf leicht zum Boden.
„Toll, du hast sie traurig gemacht, Yoshi! Du liebst es wohl alle leiden zu sehen“, meckerte Yatsu los und ging zu der Schwester von Shiori hin.
Er neigte sein Oberkörper nach vorne.
Mit einem leicht schrägen Kopf suchte er den Blick der Frau.
„Kopf hoch! Die meint es nicht so“, sprach er der jungen Frau zu und lächelte sie dabei sanft an.
Sofort schreckte Áori auf und rannte zu ihrer kleinen Schwester.
Sie krallte sich an dessen Ärmel fest und flüsterte unverständliche Sachen vor sich hin.
Shiori musste Tiefausatmen, als sich ihre ältere Schwester an sie festklammerte.
„Tut... mir leid“, jammerte Áori.
Ihr Verhalten wirkte auf der Gruppe, wie ein kleines Kind, was irgendetwas Wertvolles kaputtgemacht hatte und sich hinter der Mutter versteckte.
„Das ‚Hündchen‘ ist doch nett“, hauchte sie fast unhörbar in Shioris Ohr.
Diese musste sofort anfangen zu lachen und schaffte es sich im Gekicher loszumachen.
Als Shiroi sich wieder beruhigte, nahm sie Áori an die Hand und zog sie rüber zum Bett.
Beide setzten sich und sofort begann die Jüngere von ihrem Schuletag zu erzählen, obwohl ab und an Yoshi Detail der Story korrigierte oder etwas dazu erfand.
Die Stimmung lockerte sich im Raum.
Während die Mädels weiter tratschen, beobachten Haru und Yatsu das Zimmer.
„Ziemlich klein und dunkel, findest du nicht auch?“, stellte der schwarzhaarige Freund fest und sah sich fragend um.
„Hm... Soll wohl so sein. Die Fenster extra so klein, dass niemand flüchtet und die Größe des Zimmers reicht für eine Person“, war Haru der Meinung.
Die Beiden sahen sich den Tisch an und entdeckten nur ein kleines Foto.
Ein Bild von Shiroi, als kleines Kind, und von ihren Eltern.
Haru musterte genau das Foto, doch wurde nach einigen Sekunden von seinem Kumpel unterbrochen.
„Was?“, fragte er desinteressiert.
Yatsu zeigte in die Richtung des Bettes.
„Was soll da sein? Da sitzen doch nur die Mädchen“, sofort schenkte Haru seine Aufmerksamkeit dem Bild, doch bekam gleich nachher einen leichten Schlag auf dem Oberarm.
„Was denn?“, fragte er diesmal aggressiver.
„Siehst du das da hinter dem Kissen?“, fragte Yatsu und beantworte seine Frage, bevor Haru zu Wort kam: „Eine Rabbit Doubt Tasche, die sind so gut wie ausverkauft und sie hat eine!“
Haru sah rüber zum Kissen und entdeckte die Tasche von der Yatsu sprach.
„Süße Tasche, aber sieht ziemlich schmutzig aus. Aber auch so eh war für Mädchen“, sagte Haru und gewann plötzlich die Aufmerksamkeit der Mädchen.
„Was ist für Mädchen?“, fragte Yoshi neugierig, doch die Jungs zögerten mit de Antwort.
„Shiori hat gesagt, wir sollen ihrer Schwester nichts von dem Spiel sagen“, flüsterte Yatsu seinem Freund ins Ohr.
„Was ist nun? Haru? Was ist nur für Mädchen?“, drängte die Brillenträgerin ihn weiter, doch statt zu antworten, schüttelte er nur mit dem Kopf und antwortete mit einem trockenen „Nichts“.
„Lügner!“ betitelte Yoshi ihn und ging zu ihm.
Sie stellte sich vor ihm und sah ihm pausenlos in die Augen.
„Horrorblick!“, argumentierte sein bester Freund.
Lange konnte Haru den Blick der Mädchen nicht standhalten und zeigte auf die Tasche neben Áoris Kissen.
Alle sahen zur Tasche.
Shirois Schwester schreckte auf und riss die Tasche zu sich.
Sie klammerte sich an die Tasche, wie sie es vorhin am Arm ihrer kleinen Schwester.
„Nicht! Die Tasche bekommt niemand!“, schrie Áori los und beobachtete ihre Gäste mit einem strengen und doch auch ängstlichen Blick.
„Schwesterherz... Sie nehmen dir die Tasche nicht weg!“, beruhigte Shiroi sie.
//Toll... hoffentlich fängt sie nicht an über diese Leute zu reden und bekommt keinen Anfall//
Dachte sich die jüngere Schwester und sah zu grimmig zu den Jungs rüber.
„Nicht... die Ta... sche...“, wisperte Áori und sah ihre Schwester an.
Diese schüttelte den Kopf, „Nicht die Tasche. Niemand nimmt sie dir weg, versprochen“, bestätigte sie noch mal.
Ihre Schwester beruhigte sich langsam und sah hoch zum Fenster.
„Der Arzt sagte, dass ich heute raus darf, wenn du kommst und ich mich beherrsche“, meinte sie und lächelte Shiori an.
„Wirklich?!“, erstaunend blickte die Weißhaarige ihre Sitznachbarin an.
Rausgehen, außerhalb dieses Gebäudes, in die Welt, vor der Áori vor Jahren geflüchtet ist und immer noch angst hat.
„Darfst du wirklich? Darfst du auch schon nach Hause?“, fragte die Kleine weiter, zu schön wäre der Gedanke, wieder mit ihrer Schwester zu Hause zu sein.
„Ich hatte zwar die Nacht wieder einen Anfall, aber der Doc meinte, dass mein Zustand sich langsam erholt...“, sie machte eine Pause und flüsterte vor sich hin: „Ich werde mich nie vollständig erholen.“
„Papa und der Arzt haben ausgemacht, dass ich einmal im Monat nach Hause darf, erst mal so als Test. Und der Arzt sagte, dass Papa heute am Telefon gesagt hat, dass ich mit dir nach Hause darf!“, verkündet Áori freudig und auch Shiroi freute sich total.
„Super! Pack die Sachen, wir gehen sofort los, raus aus diesem Kaff!“ schrie Shiroi und sprang vom Bett weg.
Kaum hatte ihre Schwester diese Worte gesprochen, stand Áori auf.
Das Foto auf Tisch packte sie schnell in die Tasche: „So fertig! Wir können. Ich will unsere Eltern wieder sehen!“
Verwunderte beäugte Shiroi ihre Schwester: „Mehr nicht?“
„Als ob ihr zu Hause keine Kleidung für mich hättet, wenn sonst zieh ich was von dir oder Mutter an“, sprach die Ältere und freute sich innerlich auf die Heimat.
Bevor sie losgingen, musterte Yatsu die Tasche und stellte Áori Fragen: „Wo hast du die Tasche her? Und wieso sieht sie so schmutzig aus?“
Die jung Frau schreckte zusammen und drückte die Tasche wieder fest an ihre Brust.
„Ein altes Andenken... hat halt viel mitgemacht...“, meinte sie traurig und rannte aus dem Zimmer.
„Kommt schon! Sonst verpassen wir die letzte Bahn!“, schrie sie im Flur und wartete Hecktisch auf die Gruppe.

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Ich hoffe Kapitel 2 hat euch gefallen.
Kommis sind sehr erwünscht.
Bis zum nächsten Kapitel.

Kyuubi-Kitsune ~♫~
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