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Gibt es einen Weg zurück? (EmPa)

von forsnow
GeschichteAllgemein / P16 / Gen
06.12.2012
23.10.2015
65
137.008
1
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93 Reviews
Dieses Kapitel
15 Reviews
 
 
06.12.2012 763
 
Hallo, nach dem traurigen Ausgang in der Serie habe ich mich auch mal an einer Geschichte zu Patrick versucht und sie nach seinem Besuch in Emilys Laden etwas umgeschrieben. Hier ist der Anfang. Viel Spaß. :)


Die Figuren gehören nicht mir, die Geschichte basiert auf der Serie GZSZ.

Teil 1

„Lass mich!“, schrie Emily, doch Aylas Hände wollten nicht von ihren Schultern ablassen. „Ich muss zu Patrick! Er war hier, gerade eben! Warum kapiert ihr das nicht?!“ Ein erneuter Schmerz fuhr durch ihr Herz und gleichzeitig durch ihren Bauch. Er war kurz und so heftig, dass sie etwas zusammensank und den Widerstand gegen Ayla kurzfristig aufgab. Ihre Hände suchten Halt an der Lehne der Bank, die gegenüber von ihrem Laden stand; dem Ort, an dem sie vor einer Viertelstunde noch Patrick begegnet war. Sie hatte geglaubt zu träumen, sie hatte geglaubt, verrückt zu werden, und ihn weggeschickt. Aber der Chip in ihrer Hand war Beweis genug, dass er es wirklich gewesen war – dass er lebte.
Sie sagte immer wieder seinen Namen, umklammerte den Chip wie einen kostbaren Diamanten, und erst nach und nach begriff sie die Wahrheit, die zu schön war, die alles änderte: Patrick lebte. Dann aber dachte sie daran, wie fertig er ausgesehen hatte und wie verstört er gewirkt hatte. „Ich muss ihn finden, es geht ihm nicht gut.“
Auch wenn sie nur den Bordstein im Blick hatte, wusste sie, dass Ayla und Philipp sich gerade einen mitleidigen Blick zuwarfen. Sie glaubten ihr nicht, aber das spielte keine Rolle.
„Emily, setz dich bitte hin“, forderte Ayla, die Emily stützte.
„Emily“, mischte sich da ihr Bruder Philipp ein, „du musst zu einem Arzt. Du siehst nicht gut aus.“
„Genau, du musst auf dein Baby aufpassen!“
„Ich muss gar nichts.“ Als der Schmerz etwas nachgelassen hatte, versuchte sie sich aufzurichten und ihn wegzuatmen - natürlich wich Ayla dabei nicht von ihrer Seite.
„Patrick ist tot“, setzte da Philipp an. „So schwer das auch zu akzeptieren ist...“
Es gab nichts mehr, das sie dazu sagen konnte und wollte.
Aus der Ferne tauchte ein Auto auf. Philipp schien jemanden zu erkennen, denn er rannte auf dieses Auto zu, das jetzt vor ihm am Bürgersteig anhielt. „Gut, dass du da bist, wir brauchen dringend einen Fahrer...“, hörte sie ihn aus der Ferne sagen.
„Gut, ich komme mit“, sagte Emily schnell zu Ayla und versuchte ihrer Stimme einen ruhigen Klang zu geben, auch wenn sie kaum einen normalen Atemzug nehmen konnte.
Ayla, überrascht von diesem plötzlichen Entgegenkommen, strahlte vor Erleichterung.
„Aber jemand muss meinen Laden abschließen – hier.“ Mit Mühe kramte Emily einen Schlüssel aus ihrer Jackentasche hervor, Philipp immer im Auge behaltend, und ließ ihn in Aylas Hand fallen.
„Gut, ich mach das. Bleib schön sitzen – ich bin in drei Sekunden zurück!“, versprach Ayla und flog über die Straße.
Als Philipp und Ayla das nächste Mal einen Blick zur Bank warfen, war Emily nicht mehr da.


Es war kalt, als Emily durch die teils nur schwach beleuchteten Straßen des abendlichen Berlins irrte, und sollte sie noch Schmerzen haben, so spürte sie sie nicht. Es gab in diesem Moment nichts, das noch wichtig war, nichts, woran sie sich halten konnte und wollte, als den Gedanken daran, ihn zu sehen. Ihn noch einmal zu sehen. Sie hatte es sich in den letzten Tagen so sehr gewünscht – und jetzt war es möglich. Es war wie ein Wunder.
Sie hatte ihn nicht verloren. Er war am Leben. Und das änderte alles.
Sie hatte keine Ahnung, wo er sein könnte, keine Ahnung, wo sie ihn suchen sollte, keine Ahnung, was sie hier eigentlich tat. Doch der Schock, den sie gerade eben in ihrem Geschäft erlitten hatte, trieb sie immer weiter voran, immer weiter um die Häuser Berlins, über dem sich langsam, aber sicher die Schatten der Nacht ausbreiteten.

„Sebastian Regner“, sagte er in lästerlicher Weise und beobachtete das kleine, wertlose Stück Plastik, das der Wind meterweit davontrug und schließlich weit unter seinen Füßen auf den Steinen absetzte. Sebastian Regner war Geschichte, die Euphorie über den Erfolg seines Rachefeldzuges wie verflogen, seit dem Moment, in dem er dieses Papier in Jos Büro in der Hand gehalten hatte. Das Papier, das besagte, dass er sein Vater war. Der Mann, der ihn hasste, der ihn nie haben wollte. Zuerst hatte er kurz gehofft, aber dann war ihm klargeworden, dass es keine Versöhnung geben würde. Niemals. Er nahm einen tiefen Schluck aus der Flasche, die neben ihm stand. Mehr brauchte er auch nicht. Er brauchte niemanden.
„Hörst du, Jo! Ich brauche dich nicht!“, schrie er gegen den Wind an, breitete die Arme aus und schloss die Augen.
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