Advent, Advent ein Herzchen brennt

von Die Lisa
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18 Slash
Borussia Dortmund FC Bayern München
02.12.2012
19.10.2019
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Hallo liebe Leser :)

Ich heiße euch herzlich willkommen bei meiner Adventsstory über Manuel und Kevin :)
Wie schon in der Zusammenfassung erwähnt, handelt es sich hierbei um AU, wir haben also keine bekannten Fußballer, sondern drei 19-Jährige Jungs, die gerade ihr Abi machen ;)

Ich wünsche euch viel Spaß und freue mich auf eure Rückmeldungen.

Einen schönen ersten Advent euch allen,

Lisa


...................



„Hey Mats, wo treibst du dich so lange rum? Ich steh hier an der Bushaltestelle und frier mir den Arsch ab, also mach mal hinne!“
  Frustriert beendete Kevin seine Mailboxansage und steckte das Handy mit vor Kälte steifen Fingern zurück in seine Hosentasche.
 Missmutig sah er sich um. Für das erste Adventswochenende war es definitiv einfach schon zu kalt, die Straßen waren gefroren und Raureif hing an den Bäumen. Niemand war bei diesem Wetter auf der Straße, aber Mats hatte natürlich darauf bestehen müssen, ihn an der Bushaltestelle statt zuhause abzuholen.
  „Bei euch ist die ganze Straße zugefroren, da komm ich doch nie wieder den Berg hoch!“
  Kevin schnaubte. Natürlich kam Mats da mit seiner Minikiste von Auto nicht hoch, aber dass er dann ausgerechnet hier an der Bushaltestelle auf ihn warten musste, war auch nicht gerade besser. Und dann war Mats auch noch eine Viertelstunde zu spät!
  Langsam wurde es dunkel und Kevins Laune sank förmlich in den Keller. Er hatte sowieso schon so absolut gar keine Lust auf diese dumme Weihnachtsfeier vom Verein.
Aber Mats hatte ihn überredet doch mitzukommen, schließlich war Mats das erste Mal dabei und auch noch nicht so lange im Team, da war es nur fair ihn nicht alleine dahin gehen zu lassen, denn die Jungs aus ihrer Mannschaft waren manchmal schon etwas speziell...
  Umso undankbarer war es jetzt von seinem Kumpel ihn hier warten zu lassen!




„Na endlich!“
Kevin ließ sich auf den Beifahrersitz fallen und schloss die Autotür. Fünf Minuten hatte er noch warten müssen und er glich wirklich schon fast einem Eisklotz.
„Ich hab schon gedacht du kommst gar nicht mehr! Ein Wunder, dass ich nicht festgefroren bin! Schöner Dank dafür, dass ich mir die Jungs heut Abend für dich antue!“, wetterte Kevin, kaum dass Mats sich für die „kleine“ Verspätung entschuldigte.
  „Sorry, man! Der Motor sprang nicht an und dann habe ich auf den Straßen auch noch ewig gebraucht, bis ich vorwärts kam! So und jetzt hör auf hier rumzumosern, ich hab keinen Bock, dass Manuel gleich nen falschen Eindruck von dir hat, wenn ihr euch über den Weg lauft!“, entgegnete Mats jedoch ungewohnt forsch und Kevin murmelte bloß noch irgendetwas leise vor sich hin, während er sich anschnallte und dann aus dem Fenster starrte.
  Manuel! An den hatte er ja gar nicht mehr gedacht! Mats neuer Kumpel aus dem Geschichts-LK... Es war Kevin so oder so ein Rätsel, wie man freiwillig den Leistungskurs in Geschichte belegen konnte, aber dann auch noch irgendeinen von den Nerds mit zu ihrer Weihnachtsfeier zu bringen, überspannte den Bogen gewaltig. Er wusste so oder so, dass Manuel den richtigen Eindruck von ihm bekommen würde. Er konnte Störenfriede nicht leiden und dann war der auch noch von ihrer Partnerschule, wo so oder so nur irgendwelche Streber rumliefen.
  Mein Gott, es war doch nur Schule! Musste man da den halben Tag lernen und eine Eins nach der anderen schreiben? Wenn er den Abschluss fertig hatte, wollte er eh nicht studieren. Er machte das Abi doch nur, weil seine Mutter unbedingt wollte, dass mal was aus ihm werden sollte...

Leise seufzte Kevin, als ihm wieder einmal bewusst wurde, dass sie es nur gut mit ihm meinte. Schließlich war sein Traum, irgendwann mal als Profifußballer auf dem Feld zu stehen, doch weit hergeholt. Das war doch fast unmöglich, wo er bereits neunzehn war und noch immer bei irgendeiner Kreisligamannschaft kickte...
 


„So, wir sind da und jetzt hör auf so ein Gesicht zu ziehen!“, riss Mats ihn schließlich aus seinen Gedanken und Kevin schenkte ihm einen kurzen Seitenblick um ihm mitzuteilen, dass er so gucken würde, wie er wollte...
  Mats seufzte, mit Kevin war es noch nie einfach gewesen...
Trotzdem hatte er es geschafft ihn zu dieser Weihnachtsfeier mitzuschleppen und solang er nicht erfuhr, wo Manuel in seiner Freizeit Fußball spielte, würde der Abend hoffentlich auch ganz gut verlaufen.


  „Wer ist das eigentlich, dieser Typ, den du da einfach so eingeladen hast!?“, fragte Kevin, während sie das Vereinsheim betraten und ihre Jacken und Schals an die Garderobe hängten.
  Hier drin war es angenehm warm, Glühweingeruch erfüllte den Raum und die meisten anderen Jungs standen bereits an der Theke und redeten oder lieferten sich eine Partie am Kickertisch.
  „Du meinst Manuel, vermute ich! Na ich hab dir doch schon erzählt, dass er aus meinem Geschichtskurs ist und ans Planck geht!“ Suchend sah Mats sich um.
  Scheinbar war Manuel noch nicht da, was ihn doch ein wenig wunderte. Manuel war nicht der Typ, der irgendwo zu spät ankam, wenn es was zu feiern gab...
  „Jaja, das weiß ich, aber du hast doch nicht ernsthaft vor uns hier nen Nerd anzuschleppen, oder!?“
Verwirrt musterte Mats nun den schlaksigen Jungen neben sich: „Wer hat gesagt, dass Manu ein Nerd ist?“

  Teilnahmslos zuckte Kevin mit den Schultern, ging dann vor zur Bar und begrüßte die Jungs nacheinander mit Handschlag. Für ihn war dieses Gespräch so oder so nicht so wichtig, er kannte die Typen hier, verstand sich auch ganz gut mit ihnen –egal wie sehr man ihnen manchmal ihr Umfeld anmerkte- und hatte kein Interesse daran, irgendeinen komischen Typen namens Manuel kennenzulernen.
  Doch Mats lief ihm nach, begrüßte die Jungs jedoch nur halbherzig und versuchte dabei wieder zu Kevin aufzuschließen und sich zu erklären: „Nur weil jemand Geschichte als Abifach hat, heißt es ja nicht gleich, dass er ein Freak ist! Oder hältst du mich auch für einen!?“
  Kurz schüttelte Kevin den Kopf, schenkte ihm jedoch nicht wirklich viel Aufmerksamkeit, da er sich gerade bei der hübschen Kellnerin ein Bier bestellte und nach den ersten Keksen griff.
  Sein Blick folgte dem Mädchen, dass hinter der Theke stand und gerade ein Glas aus dem Schrank holte. Er lächelte ihr zu und wenn er sich nicht täuschte, entdeckte er einen sanften Rotschimmer auf ihren Wangen.
  Yvonne war die Tochter ihres Trainers und ein echt hübsches Ding. Schon ein paar Mal hatte Kevin versucht sie rumzukriegen, doch scheinbar war sie eine der härteren Sorte. Doch die Herausforderung nahm er gerne an. Also lehnte er sich nun über die Theke und flüsterte ihr etwas ins Ohr, was sie sofort rot werden ließ.
  Doch bevor er weiter in die Offensive hätte gehen können, zog Mats ihn am Arm von der Theke weg und zwang ihn sich zu ihm umzudrehen.

  „Ey sag mal, was soll das!? Ich bin nur wegen dir hier, dann kann ich wohl auch ein bisschen Spaß haben, oder!?“
  Mats verdrehte die Augen: „Meinetwegen kannst du nachher so viel Spaß haben wie du willst, aber ich will, dass du dich wenigstens bemühst freundlich zu Manuel zu sein. Er ist kein Nerd oder so, er ist sogar ganz normal, so wie du und ich. Er guckt gerne Fußball, spielt selbst im Verein und Geschichte belegt er wohl auch nur, weil er in den anderen Fächern dreimal mehr versagen würde, als er es jetzt tut!“
Mats lachte auf und zuckte mit den Schultern.
  „Ich glaub ihr werdet echt gut miteinander klarkommen, also gib ihm ne faire Chance, ja!? Danach kannst du Yvonne meinetwegen sonst wohin mitnehmen...“
  Kevin rang sich zu einem Nicken durch. Wenn Mats sagte, dass dieser Manuel auch Fußball spielte, konnte er ja zumindest nicht ganz so übel sein...
  „Und wann kommt der jetzt!? Muss er erst noch auf seine Freundin warten, oder was!?“
  Mats zuckte mit den Schultern, wunderte sich selbst mit jeder Minute mehr, wo Manuel so lange blieb: „Ich weiß auch nicht, vielleicht findet er den Platz ja nicht. Ne Freundin hat er nicht, naja also eigentlich hat er gar kein-“

„Hier für dich, Kevin. Schön, dass du auch da bist!“
Yvonne trat von hinten an Kevin heran, reichte ihm sein Bier und Kevin bekam Mats’ Worte gar nicht mehr mit.  
 Stattdessen drehte er sich zu Yvonne um. Ein scheues Lächeln legte sich auf ihre Lippen und Kevin grinste, während sein Blick über die knappe Bluse glitt, die ihre üppigen Brüste noch größer wirken ließ als sonst.
  „Ich bin eigentlich nur wegen dir hier“, zwinkerte er ihr dann zu, legte ihr einen Arm um die Schultern und flüsterte ihr ins Ohr wie gut sie heute aussehe.
  Ein schüchternes Kichern entwich ihr, bevor sie sich aus Kevins Umarmung löste und sagte, sie müsse wieder hinter die Theke, bis ihr Vater wieder da sei.

 
Kurz folgte Kevins Blick ihr noch, bevor er sich umdrehte und sich umsah. Mats war verschwunden, vielleicht war er draußen eine rauchen, oder Manuel war mittlerweile eingetroffen und er stellte ihn den anderen Jungs vor. Denn so ohne weiteres konnte man die einzelnen Gesichter mittlerweile nicht mehr ausmachen. Das Licht war gedämpft und das Vereinsheim hatte sich mit Leuten gefüllt, die Kevin noch nie gesehen hatte. Wahrscheinlich Freunde und Freundinnen seiner Mitspieler, denn der Abend war nur für ihr Team und Bekannte bestimmt.
  Mit dem Bier in der Hand bahnte Kevin sich einen Weg durch die Leute, grüßte hier und da bekannte Gesichter und wollte schließlich durch die Tür nach draußen, um nach Mats zu sehen.
  Doch so weit kam er gar nicht, denn auf halbem Weg kam Mats ihm mit einem großgewachsenen blonden Typen entgegen und grinste über das ganze Gesicht.
  „Hey Kevin, das ist Manuel, Manuel, das ist Kevin!“, stellte er sie einander vor und Kevin wurde eine große Hand entgegengestreckt, die er nur zögerlich erfasste.
  Er war ehrlich, er hatte sich Manuel ganz anders vorgestellt. Nicht so groß und trainiert, sondern eher schmächtig und Kevin konnte nicht leugnen, dass er sich trotz seiner 1,87 doch eher klein vorkam, als er Manuel gegenüber stand.
  Sein Händedruck war kräftig und in ihm kam die Vermutung auf, dass er nur eine einzige Position beim Fußball einnehmen könnte.
  „Mhm, Torwart, was!?“, murmelte Kevin daher statt einer ausführlichen Begrüßung und erntete ein leichtes Lachen seines Gegenübers.
  „Ich hab dir ja gesagt, Kevin hat nen Auge dafür. Dem kannst du nix vormachen!“, warf Mats ein und grinste zwischen den beiden Jungs hin und her.

  Er war froh, dass Kevin nicht seine schlechteste Laune raushängen ließ, auch wenn er ihn durchaus schon mal freundlicher erlebt hatte.
  „Bei welchem Verein biste denn?“, warf Kevin nun jedoch hinterher und Mats verkrampfte sich schlagartig.
  Sein Blick huschte zu Manuel, der mittlerweile wieder die Hände in den Hosentaschen vergraben hatte und Kevin musterte.
  „Na auf jeden Fall nicht hier bei euch, wie man unschwer merken kann!“ Ein Grinsen, dann ein Schulterzucken und Kevins Laune verschlechterte sich merklich.
  War ja schön, wenn der Typ einen auf Möchtegern Komiker machen wollte, aber er hatte da nicht wirklich Lust drauf.
  „Tja, scheint so! Ich bin mal bei Yvonne!“, mit diesen Worten drehte Kevin ab und suchte sich den Weg zurück durch die Menge.

„Seine Freundin? Na die tut mir aber leid!“, lachte Manuel leise und erntete einen Schlag gegen den Oberarm von Mats.
  „Hey, er ist nicht immer so mies drauf. Ich hab ihn aber zwanzig Minuten in der Kälte warten lassen, ich glaub das fand er nicht ganz so gut!“
   „Jaja, schon klar, deswegen regst du dich auch jedes Mal über seine schlechte Laune auf, wenn wir wieder Geschichte haben, ne!? Komm, lass uns nen Bier bestellen und dann schauen wir mal, was der Abend hier so zu bieten hat!“, zwinkerte Manuel ihm jedoch nur zu und verschwand zwischen den Leuten, bevor Mats ihn ein zweites Mal am Oberarm erwischen konnte.
  An der Theke angekommen stand dort auch Kevin, der gerade mächtig mit der Kellnerin flirtete, die wie ein scheues Reh zu ihm aufsah und wohl bald einer Tomate Konkurrenz machen würde.

  „Also doch nicht seine Freundin, mhm!?“ Manuel deutete auf Kevin, während Mats sich neben ihn gesellte und den Kopf schüttelte.
  „Er versucht es schon, seitdem ich dabei bin und das ist schon viel zu lange!“ Jetzt konnte auch Mats sich ein Lachen nicht verkneifen und Manuel rettete Yvonne, indem er sie zu sich rief und zwei Bier bestellte.

  „Tja, ich weiß schon, warum die Weiber mich kalt lassen! Die wissen ja doch nicht, was sie wollen, mal hü mal hott! Da hätte ich echt keine Lust drauf!“
  Manuel nahm den ersten Schluck aus seinem Glas und Mats zuckte mit den Schultern.
„Naja, wenn du die Richtige hast, dann sieht das auch anders aus!“
  Das Glänzen in seinen Augen entging Manuel nicht und kumpelhaft stieß er Mats in die Seite.
„Jaja, ich weiß eh, dass du hoffnungslos verloren bist, sobald Catherine in deiner Nähe ist! Wie wäre es, wenn du sie einfach mal ansprichst, statt mir armen Typen immer die Ohren voll zu jammern!? Ich kann ja nicht mal mitreden!“
  Mats spürte wie seine Ohren rot wurden und rasch schüttelte er den Kopf: „Ne, lass mal. Sie steht nicht so auf Typen, die sich im Schlamm rumwälzen!“

  Innerlich schüttelte Manuel den Kopf. Warum machte Mats es sich so schwer? Er war sich ziemlich sicher, dass Catherine nicht abgeneigt sein würde, wenn Mats auf sie zuginge, aber Mats hatte trotz seines unbestritten guten Aussehens nicht den Schneid sie anzusprechen...
  So musste es dann wohl sein, wenn man verliebt war... So komplizierte Dinge ersparte Manuel sich lieber gleich, in dem er es gar nicht erst soweit kommen ließ. Wenn er einen Typen scharf fand, dann konnte er ihn sowieso haben, aber mehr als ein oder zwei Nächte waren nicht drin. Das ersparte jegliche Probleme.
  Wenn Mats ihm nicht vom ersten Tag an so ein guter Kumpel gewesen wäre, dann hätte er sich ihm damals gar nicht anvertraut. Aber Mats hatte es einfach akzeptiert, obwohl sie so unterschiedliche Ansichten hatten...



Der Abend verging schneller als es Kevin lieb war. Irgendwann war ihr Trainer Marcell wieder aufgetaucht und hatte Yvonne an der Theke abgelöst, aber viel weiter hatte Kevin das auch nicht gebracht.
  Yvonne zierte sich, bei jeder ganz „zufälligen“ Berührung von Kevin wand sie sich aus der Situation und irgendwann hatte Kevin frustriert aufgegeben.
Er hatte keine Lust seine Zeit zu verschwenden. Wenn Yvonne nicht wollte, dann hatte sie Pech gehabt, vielleicht ein anderes Mal.
  Jetzt auf jeden Fall war der Glühwein viel interessanter und Manuel und Mats, die sich irgendwann wieder zu ihm gesellt hatten, waren auch schon nicht mehr ganz nüchtern, was den Abend scheinbar doch noch ganz lustig werden lassen sollte.


  Um elf verabschiedete sich Mats dann jedoch und rief sich ein Taxi, weil er am nächsten Morgen fit zur Mannschaftssitzung erscheinen wollte.
  Kevin ließ ihn aber alleine ziehen. Er konnte auch später noch ein Taxi nehmen, oder den Nachtexpress, das war doch egal. Momentan zählte es nur, dass der Glühwein langsam aber sicher den Frust aus seinen Gedanken verbannte.
  Yvonne war aber auch eine Zicke, erst machte sie ihn scharf und dann ließ sie ihn stehen.
  Na gut es war nicht ganz so gewesen, richtig gesehen wurde Kevin ja schon scharf sobald er nur an sie dachte, aber das war zweitrangig.





Das Vereinsheim leerte sich langsam und Manuel saß ihm noch immer gegenüber.
  „Wo musst’n du hin? Soll’n wa uns nen Taxi teilen?“, rief Kevin irgendwann über die laute Musik hinweg und Manuel zuckte mit den Schultern.
  „Meinetwegen, wenn du es noch bis dahin schaffst!“, ein zwinkerndes Grinsen. Eigentlich könnte er ihm auch einfach anbieten bei ihm zu pennen, schließlich waren es von hier bis zu ihm nur knappe zehn Minuten Fußweg, aber die Gefahr dass...
  „Naja, so schlimm ist es ja nun auch nicht! Aber meinetwegen können wir auch gerne zu Fuß laufen, ich hab’s nicht so weit“, Kevin grinste, schob dann das leere Glas von sich und erhob sich langsam.
  Kurz suchte er nach seinem Gleichgewicht, so ganz nüchtern war er halt doch nicht mehr, doch schnell hatte er sich wieder gefangen und ging kurz zu ein paar Jungs rüber. Er verabschiedete sich und warf dann einen Blick zu Manuel.

„Kommst du!?“
Schnell nickte Manuel, verfluchte seine Augen dafür, dass sie gerade wirklich auf Kevins Hintern gelandet waren, und erhob sich.
 
Als sie den kleinen dunklen Weg am Sportplatz entlang gingen, klapperte Kevin merklich laut mit den Zähnen und erntete einen verwirrten Blick von Manuel.
  „So kalt ist es gar nicht“, murmelte er dann und ging weiter, während er gar nicht bemerkte, dass Kevin einfach stehen geblieben war.
  „Das schneit bestimmt gleich, so kalt isses!“
Kevin klang so überzeugt, dass Manuel sich ein leises Lachen nicht verkneifen konnte, woraufhin Kevin ihn jedoch in die Seite stieß und sie beide zum Wanken brachte.
  „Wir haben Dezember, da sollte es doch kalt sein, oder!?“
Manuel lächelte Kevin kurz an, was dieser jedoch nur mit einem irritierten Blick erwiderte und dann neben ihm herstolperte.

  „Nich so schnell, oder bist du mein Trainer!?“
Jetzt seufzte Manuel, war Kevin immer so anstrengend oder lag das nur an seinem Alkoholpegel? Oder an Manuels? Vielleicht war Kevin gar nicht anstrengend und ihm kam es bloß so vor...
 Auf jeden Fall wäre es besser ein vernünftiges Gespräch zu führen, vielleicht lenkte sie das beide von dem leichten Gefühl der Trunkenheit ab.

„Wo wohnst du denn? Weil wenn wir jetzt ne halbe Stunde laufen müssen, dann kannst du lieber bei mir pennen, sonst erfrierst du noch!“, rang Manuel sich durch zu fragen und Kevin blickte ihn überrascht an.
  „Halbe Stunde? Sag mal, wo lebst du denn!? Ich hab doch gesagt, es ist ganz nah! Apolloweg“, dann lachte Kevin leise auf und schüttelte den Kopf.
   „Du bist ein komischer Vogel, Manuel! Keine Ahnung, wo Mats dich ausgegraben hat, aber du scheinst echt okay zu sein!“
  „Wow, danke für das Kompliment“, nun auch ein leises Lachen von Manuel, bevor er den Kragen seiner Jacke hochschlug und die Hände in den Hosentaschen vergrub.
  Es war wirklich überraschend schnell kalt geworden.

Manuel konnte nicht leugnen, dass es doch fast schon wieder ganz nett war auf dem Nachhauseweg bei diesem kalten Wetter eine Begleitung zu haben.
  Immer wieder nuschelte Kevin sich irgendwelche Dinge in seinen nicht vorhandenen Bart und als sie vor seinem Haus zum stehen gekommen waren, und er den Schlüsselbund aus seiner Jackentasche kramte, fragte er: „Sag jetzt mal ehrlich, wo spielst du denn!? Bist du gut? Wir können nämlich noch nen guten Torwart gebrauchen, unser ist ne ziemliche Lusche!“
  Er suchte nach dem richtigen Schlüssel und friemelte ihn im Schein der Außenbeleuchtung ins Schloss.
„Ja doch, ich glaube ich bin ganz gut! Kann ich mir ja mal überlegen, ob ich es in Betracht ziehe, von TUS zu euch zu wechseln!“
  Manuel wusste ganz genau, dass sie wohl die größten Rivalen im Kampf um den Aufstieg in die Landesliga waren, aber seinen Verein weiter leugnen konnte er so oder so nicht und er war sich jetzt, wo Kevin und er an diesem Abend schon ein bisschen Zeit miteinander verbracht hatten, eigentlich sicher, dass er nicht so krass reagieren würde, wie Mats es prophezeit hatte.

  Und vielleicht lag es am Alkohol, oder einfach daran, dass Mats seinen Kumpel falsch eingeschätzt hatte, Kevin schien sich wirklich zurück zu halten.
  Er musterte ihn ein paar Sekunden irritiert, bevor er ein fieses Grinsen auflegte und sagte: „Ach ne, das war ja irgendwie klar, wenn Mats jemanden anschleppt, dann ist er vom Feind! Na dann überleg dir mal ganz fix zu uns zu kommen, sonst darf ich leider nie wieder mit dir reden, nicht dass du uns noch ausspionierst!“
  Kevin und Manuel begannen beinah gleichzeitig zu lachen und innerlich atmete Manuel auf. Er fand Kevin echt in Ordnung, da war er schon ganz zufrieden, dass er es sich nicht mit ihm verscherzt hatte.

Manuel musterte ihn noch einige Sekunden skeptisch, bevor er das Lächeln bemerkte, das sich auf seine Züge geschlichen hatte.
„Na los, rein mit dir, ich will nicht Schuld sein, wenn du krank wirst und Mats in den Ohren liegst, wie schlecht es dir geht“, mit diesen Worten schob Manuel Kevin wieder zur Haustür, von der Kevin für ihr kurzes Gespräch abgelassen hatte.
  Der Schlüssel steckte noch im Schloss.

  Manuel wollte sich schon umdrehen und verschwinden, als Kevin sich noch einmal an ihn wandte: „Naja, so übel scheinst du ja nicht zu sein, vielleicht sieht man sich mal wieder!“
  Kurz zwinkerte er ihm zu, was Manuel mit einem Grinsen erwiderte und dann verschwand er im Haus.


  Kopfschüttelnd wandte Manuel sich ab und lief die letzten drei Straßen, die ihn von zuhause trennten.
  Es war ein lustiger Abend gewesen, keine Frage, aber so richtig einschätzen konnte er Kevin noch nicht...

...

Pochende Schmerzen hinter seiner Stirn weckten ihn, als die Sonnenstrahlen ins Zimmer fielen und mit einem Murren drehte er sich um und vergrub sich unter der Bettdecke.
  Wie spät war es denn? Zaghaft warf Kevin einen Blick auf seine Uhr und sprang beinahe entsetzt aus dem Bett.
  In einer halben Stunde begann ihre Mannschaftssitzung!

Der Schmerz, der sich durch seinen Kopf zog, ließ ihn kurz zurück aufs Bett fallen, doch dann erhob er sich langsamer und es schien tatsächlich gut zu gehen.
  Nur mühsam schaffte er es unter die Dusche und genoss das kühle Wasser, als es langsam seine Sinne weckte.
  Träge durchforstete er seine Erinnerungen an den letzten Abend, erinnerte sich daran, dass Yvonne ihn wieder einmal hatte auflaufen lassen und dann hatten Mats und Manuel  sich zu ihm und dem Glühwein gesellt.
  Und irgendwann waren Manuel und er quatschend und lachend gemeinsam nach hause gelaufen, aber so richtig... Naja, irgendetwas war komisch gewesen...
  Irgendetwas an Manuel war anders als an seinen Kumpels. Und das lag wohl kaum an der Tatsache, dass er beim falschen Verein spielte. Nein, ihm war das schon den ganzen Abend über aufgefallen. Mats hatte doch noch erzählt, dass Manuel keine Freundin hatte, aber er hatte nicht eines der Mädels versucht für sich zu gewinnen.
  Das war doch komisch...



Als Kevin mit ein paar Minuten Verspätung zur Sitzung eintraf, entschuldigte er sich mit den Worten „das Wetter“ und ließ sich dann neben Mats auf die Bank plumpsen.
  „Na, hattet ihr beide gestern Abend noch Spaß?“, flüsterte Mats Kevin zu, sobald er seine Kopfschmerzen einigermaßen vergessen und sich auf die Ansprache seines Trainers konzentriert hatte.
  Und auch als er Mats antwortete, hing sein Blick weiter vorne bei Marcell, während er wie nebenbei zurückflüsterte: „Ach ja, war noch ganz lustig! Aber warum haste mir denn nicht gesagt, wo er spielt!? Haste gedacht dann red’ ich gar nicht erst mit ihm!?“
  Nun glitt Kevins Blick doch ganz kurz zu Mats hinüber, doch der zuckte bloß mit den Schultern und grinste dann schief: „Ertappt!“

„Du denkst wirklich immer nur das Schlechteste von mir!“, Kevin lachte leise auf und Mats setzte ein gespielt entschuldigenden Blick auf.
  „Naja, du warst ja nicht grad so gut drauf, nachdem ich dich erst halb hab erfrieren lassen, Manuel dann nicht deinem Bild eines Planck-Schülers entsprach und Yvonne dich wieder mal hat abblitzen lassen! Warum tust du dir das eigentlich jedes Mal wieder mit ihr an!?“, zum Ende seiner Worte war Mats besonders leise geworden, schließlich musste Marcell nicht mitbekommen, dass sie über seine Tochter sprachen.
  „Keine Ahnung, ehrlich, ihre Titten sind ja ganz geil, aber dafür so’n Aufwand geht mir auch schon auf den Keks. Eine Chance hat sie noch, wenn sie die nicht nutzt um „das hier“ zu bekommen, dann hat sie Pech gehabt!“
  Mats beobachtete belustigt, wie Kevins Hände kurz herumfuchtelten, was wohl symbolisieren sollte, dass Kevin seinen Körper meinte.
 
„Mats, Kevin wenn ihr so etwas wichtiges zu besprechen habt, dann teilt es doch mit uns oder verschiebt es auf nachher!“, ertönte Marcells Stimme und ertappt wandten die beiden ihren Blick zurück zu ihrem Trainer.
  Teilen wollten sie ihren Gesprächsinhalt bestimmt nicht, vor allem nicht mit Marcell!

Nach der Sitzung wussten alle, dass das Training vorerst in der Soccerhalle in der Nachbarschaft stattfinden würde.
  Genervt hatten sie alle aufgestöhnt, denn die Luft da drin war immer stickig und der Platz auch eher begrenzt...
  Aber bei den Temperaturen war das Verletzungsrisiko einfach zu hoch, daher mussten sie sich fügen und würden gleich am nächsten Montag dort zum Training auflaufen müssen.

„Kevin, noch Lust auf ne Runde Fifa und dann mal gucken, was die Bundesliga dieses Wochenende so hergibt?“, fragte Mats, als sie gemeinsam zum Parkplatz gingen.
  Ein kurzes knappes Nicken von Kevin.
„Was dagegen, wenn ich Manu auch einlade!?“
  „Nö, passt schon!“
Kevin zuckte mit den Schultern und Mats konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Kevin merkte es nicht, doch er freute sich wirklich, dass er und Manu scheinbar gut miteinander auskamen.


tbc...
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