Die 25. Hungerspiele - Auserwählt [MMFF]

von Xuce
MitmachgeschichteAbenteuer, Drama / P16 Slash
01.12.2012
24.05.2015
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01.12.2012 1.541
 
So, es geht los! Den Startschuss gibt die gute Jadie :). Viel Spaß beim Lesen!

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Ernte Distrikt 1: Jade Gator

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Jades POV

„Hey, Jadie!“, ruft Lars mir von der Tribüne hinunter. Er ist der einzige, der mir beim Training zugucken darf, alle anderen schickt mein Vater hinaus. Wenigstens in diesem Punkt lässt er mir meinen Willen. In allen anderen Punkten nicht.
„Du bist die Beste, ich weiß, du schaffst das!“
Ermutigt durch Lars’ Anfeuerungsrufe stelle ich mich in Kampfposition. Mein Vater steht auf der anderen Seite der Halle, in der gleichen Position wie ich. Ich ziehe mein Messer, atme tief durch und stürme im gleichen Moment wie mein Vater los. Als wir uns erreichen, stürzen wir uns sofort aufeinander. Durch die dicken Schutzanzüge, die wir tragen, dringt kein Messerstich hindurch, außerdem sind die Klingem abgestumpft. Aber es ist ja auch bloß ein Training.
Schließlich ertönt ein langer, durchdringender Piepton und wir lassen keuchend voneinander ab. Mein Vater rappelt sich auf, setzt die Schutzmaske ab und geht hinüber zu einem Monitor, der in die Wand eingelassen ist.
„Wie war ich?“, will ich wissen.
„Hm“, macht mein Vater. „Na ja. Du hast mich getötet, aber es hat zu lange gedauert. Und ich habe dich so weit verletzt, dass du bald verbluten wirst. Es hat dir nichts gebracht, mich zu besiegen, denn wenn du jetzt kein anständiges Sponsorengeschenk bekommst, was ich bezweifle, weil niemand auf so jemanden wie dich setzen wird, dann bist du in spätestens eine Stunde tot.“
Mein Vater spricht immer in der Gegenwart, wenn er meine Trainingsergebnisse auswertet, das kann für Außenstehende vielleicht seltsam klingen, aber ich habe mich inzwischen dran gewöhnt.
Ich habe mir jetzt ebenfalls die Maske abgenommen und beginne, mich aus meinem Schutzanzug zu schälen, was gar nicht so einfach ist. Ich streiche mir die schweißnassen Haare aus der Stirn. Normalerweise sind sie hellbraun, aber jetzt sehen sie durch den Schweiß ganz grau aus.
„Wir sind noch nicht fertig!“, widerspricht mein Vater, doch diesmal mache ich ihm einen Strich durch die Rechnung. Denkt der etwa, er kann mich herumschubsen und über mich bestimmen, als wäre ich seine Sklavin? Okay, normalerweise kann er das schon, aber nicht jetzt.
„Nein“, sage ich bestimmt, „ich werde jetzt nicht weitertrainieren. Die Ernte beginnt in einer Dreiviertelstunde, und ich habe noch nicht geduscht und muss mich noch umziehen.“
Mit diesen Worten nehme ich den Schutzanzug vom Boden und hänge ihn an die Wand.
„Na gut“, stimmt mein Vater nach kurzem Zögern zu. „Aber nur, wenn du dich an unsere Abmachung hältst.“
Zuerst begreife ich nicht, was er meint, aber dann erinnere ich mich. Meine Augen weiten sich erschrocken. „Du meinst doch nicht etwa...!“
„Doch“, bestätigt er meine schlimmsten Befürchtungen, „du wirst dich freiwillig melden. Du bist sechzehn, du hast genau das richtige Alter. Und du wirst gewinnen. Sonst bringe ich dich eigenhändig um!“
Haha. Als ob ich dann nicht schon mausetot wäre! Das kann er nicht bringen! Das glaube ich nicht! Er zwingt mich schon zum Trainieren, wieso muss er mich dann auch noch dazu zwingen?
„Und... Und was, wenn ich mich weigere?“ Ich bemühe mich um eine feste Stimme, aber es hilft herzlich wenig. Ich habe einfach totalen Schiss vor meinem Vater, und das weiß er auch.
„Tja, da lass ich mir noch was einfallen.“ Mein Vater grinst boshaft und fährt sich durchs Haar. Dieser Arsch! Wie kann so ein Fiesling mein Vater sein? Da muss irgendwas schiefgelaufen sein.
Aber ich weiß, dass ich es tun werde.
Ich werde mich für die 25. Hungerspiele freiwillig melden.

„Meine Güte, wie siehst du denn aus?“, begrüßt mich Aileen, als ich zu Hause ankomme. „Hast du geheult?“
Nach kurzem Zögern berichte ich ihr von dem, zu dem mein Vater mich zwingt.
Sie tickt völlig aus.
„WAS?!“, kreischt sie und rauft sich die roten Haare, die so nur noch mehr vom Kopf abstehen als sonst. „Aber das kann er nicht machen! Er ist doch dein Vater! Du bist doch seine Tochter!“
„Ich weiß, aber es ist nunmal so“, unterbreche ich den Redeschwall, der aus ihrem Mund kommt. „Hilfst du mir jetzt, ein Outfit zu finden?“
„Klar“, sagt sie sofort. „Schließlich musst du viele Sponsoren anziehen!“

Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns endlich. Und ich bin froh mit der Auswahl. Mein diesjähriger Erntedress besteht aus einem schwarzen Kleid, das im Nacken von zwei breiten Satinbändern gehalten wird. Knapp unter der Brust verlaufen über Kreuz zwei dünne goldene Bänder, und zwischen den Trägern blitzt etwas creméfarbener Stoff heraus. Das Kleid geht mir ungefähr bis zu den Knien. Meine grünen Augen betone ich mit schwarzem Kajal und damit meine langen Beine gut zur Geltung kommen, ziehe ich sogar schwarze High Heels an, wobei ich sonst eher Chucks bevorzuge.
Als das Signal zur Ernte ertönt, lege ich mir noch schnell eine Kette mit einem Vogelanhänger um den Hals, dann verlasse ich gemeinsam mit Aileen das Haus.
Wir sind zwei der ersten, die auf dem großen Platz ankommen. Ich halte Ausschau nach Lars, doch er scheint noch nicht da zu sein. Ich habe ihm nicht gesagt, was ich vorhabe. Er würde alles tun, um mich daran zu hindern. Aber ich muss es tun.
Zusammen mit Aileen steuere ich den Bereich der sechzehnjährigen Mädchen an. Mein linkes Auge zuckt wie verrückt, wie immer, wenn ich nervös bin.
Da entdecke ich Lars. Er darf leider nicht mehr zu mir, aber ich sehe ihn lächeln. Er hebt beide Hände auf Kopfhöhe und zeigt mir seine Daumen, die er ganz fest zusammendrückt. Wie süß.
Fast hätte ich gelächelt.
Unsere Betreuerin Shalin betritt die Bühne. Sie sieht aus wie ein pinkfarbener Knallbonbon. Sehr hübsch. Wer die Ironie an dieser Stelle überhört hat, soll sie sich bitte dazu denken.
Nachdem der Film über die Dunklen Tage gezeigt wurde, geht Shalin direkt zur Loskugel der Mädchen, in der dieses Jahr nur ein Zettel liegt. Der Zettel derjenigen, die von den Bürgern unseres Distriktes ausgewählt wurde. Derjenigen, der ich das Leben retten werde.
Shalin macht nie viel Federlesen um die Auswahl, so wie es in den anderen Distrikten üblich ist. Fast sieht es so aus, als würde sie das alles schrecklich langweilen.
Ohne auch nur ein Wort zu sagen, zieht sie den Zettel heraus.
Mit emotionsloser Stimme liest sie den Namen vor, der darauf steht. „Jade Gator!“

Ich muss mich nicht freiwillig melden. Ich wurde ausgewählt. Ob das meinem Vater genügt?
Alles, was mich beschäftigt, während ich die Stufen zur Bühne hinaufgehe, ist dieses große WARUM. Warum wurde ich ausgewählt? Ich war immer nett zu den Leuten, habe mir keine Feinde gemacht, warum wurde ich also ausgewählt?
Ich kann es einfach nicht begreifen.
Zum Glück ist es nicht Lars. Das wäre noch schlimmer.
Die Minuten, in denen ich auf der Bühne stehe, verbringe ich wie in Trance. Ich nehme alles wie durch einen Schleier aus Watte wahr und bekomme so gut wie gar nichts mit.
Erst, als die Friedenswächter mich in eine kleine Kammer mit einem großen roten Ledersofa darin bringen und Lars mich in den Arm nimmt, kehre ich wieder in die Realität zurück.
Ich muss mich sehr darum bemühen, nicht zu heulen. Mein Vater ist nicht zum Abschied gekommen, das war ja klar. Aber meine Mutter, Lars, Aileen und mein kleiner Bruder Robin sind gekommen.
„Ich liebe doch, vergiss das nicht. Denk immer daran. Und gewinn. Für mich. Bitte“, flüstert Lars mir ins Ohr und ich nicke und schlucke. Und nicke und schlucke. Aber der riesige Kloß, der in meinem Hals steckt, will einfach nicht weggehen.
„Ich liebe dich auch“, flüstere ich erstickt.
„Jadie?“, fragt Robin ängstlich. „Du gewinnst doch, oder? Mama und ich brauchen dich doch!“
„Versprochen“, sage ich zu ihm. Er ist tatsächlich beruhigt. Er ist halt erst elf und versteht viel zu wenig von der Welt. Ich werde nicht gewinnen, das weiß ich. Ich bin zwar gut, aber nicht gut genug. Obwohl ich aus Distrikt 1 komme, bin ich keine Karriero. Und Karrieros haben halt immer die besten Chancen.
Aileen und meine Mutter weinen beide, und ich versuche, sie zu trösten, obwohl eigentlich ich es bin, die getröstet werden sollte.
Viel zu schnell ist die Zeit, die uns gegeben ist, um uns zu verabschieden, um und meine Familie muss gehen. Schnell drückt Lars mir eine Kette in die Hand und gibt mir einen Kuss auf die Lippen. Ich versuche, ihn zu genießen. Es ist vermutlich unser letzter.
Er dauert so lange, dass die Friedenswächter Lars schließlich von mir wegziehen müssen, aber ich finde, sie können uns keinen Vorwurf machen. Warum soll man nicht seinen letzten Kuss genießen?
Erst, als meine Familie draußen ist, sehe ich mir die Kette genauer an. Ihr Anhänger besteht aus einem kleinen, silbernen Herzen, in das der Buchstabe L eingraviert ist. Tränen steigen mir in die Augen, doch ich blinzle sie schnell weg. Mein Lars.
Ich werde zum Bahnhof begleitet, wo bereits der Zug ins Kapitol steht. Ich schaue aus dem Fenster und erblicke ein letztes Mal meine Heimat, Distrikt 1, bevor der Zug sich in Bewegung setzt und ich meinem Verderben entgegenfahre.

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Review? ♥

@Feuerstern97: Ich hoffe, du fandest Jades POV gekungen ;). Ist es in Ordnung, dass ich Aileen rote Haare gegeben hast? In deinem Stecki hast du ja nichts weiter über sie geschrieben :D

Lg
Xuce
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