Vor dem Ringkrieg

von Gundolf
GeschichteFantasy / P12
Aragorn Arwen Legolas
30.11.2012
03.01.2014
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Einleitung


Es ist schon bemerkenswert, was sich in dieser Welt so alles finden lässt. Vor einiger Zeit – es muss so etwa 2003 gewesen sein – fand eine wissenschaftliche Expedition auf der zu Indonesien gehörenden Insel Flores im Pazifik die Knochen von sehr klein geratenen Menschen; gerade mal einen Meter groß waren sie.

Als man das erste dieser Skelette fand, nahm man zunächst an, es sei ein Kind gewesen, stellte dann aber fest, dass die Zähne abgenutzt waren und die Schädelplatten fertig zusammengewachsen waren – also musste es eine erwachsene Person gewesen sein. Eine Erklärung, es sei eine krankhafte Mutation gewesen, konnte von Gehirnspezialisten ausgeschlossen werden. Ergänzt wurde dieses Ergebnis dadurch, dass noch weitere Skelette dieser Art gefunden wurden.

Es handelte sich nach den seinerzeitigen Ermittlungen der Wissenschaftler um eine gesunde Mutation des homo erectus als Folge der Anpassung an den Nahrungsmangel auf Flores. Erklärt wird das mit einem nahezu gleichzeitigen Eintreffen von Vorfahren asiatischer Elefanten auf der Insel, die ebenfalls um rund die Hälfte ihrer normalen Dimensionen schrumpften, um auf Flores überleben zu können.

Weil es gerade in die Zeit der Veröffentlichung der Trilogie „Der Herr der Ringe“ fiel, kamen die Wissenschaftler auf die Idee, diese kleinwüchsigen Menschen Hobbits zu nennen.

Nach den Dimensionen der einzelnen Gehirnregionen hat sich auch ergeben, dass die Hobbits sehr intelligent gewesen sein müssen, denn diese Wesen verfügten über ein sehr großes Vorderhirn, das für Planung, Zielverfolgung und Intelligenz erforderlich ist – und zwar in einem prozentualen Ausmaß, der dem modernen Menschen entspricht.

Sie starben nach einem Vulkanausbruch vor rund achtzehntausend Jahren aus. Oberhalb dieser Ascheschicht gibt es keine weiteren Hinweise auf Hobbits – auch wenn einige Dorfälteste noch Legenden zu berichten wussten, die auf eine fortgesetzte Existenz des „Kleinen Volkes“ bis vor „wenigen“ Generationen hinwiesen.

Es war wohl doch kein völliger Zufall, dass die Verfilmung der Trilogie Der Herr der Ringe in Neuseeland erfolgte, das gerade mal gute sechstausend Kilometer von Flores entfernt ist.



Die Grabungen gingen natürlich weiter und die Erkenntnisse wurden auch mehr. Zwei der beteiligten Wissenschaftler sind zufällig gute Freunde von mir. Babs und Ulli Drechsler haben da etwas ausgebuddelt, das hat mir glatt die Schuhe ausgezogen. In einer noch deutlich tiefer liegenden Schicht konnten sie nämlich Gräber entdecken. In einem davon lag das Skelett eines männlichen Hobbits, der in einem Umhang bestattet worden war, den sie gut zu kennen glaubten: Grau, aber im Licht und besonders in bräunlicher oder grüner Umgebung mit Eigenschaften, die man eher einem Chamäleon zuschreiben würde. Die Fasern konnten noch nicht genau bestimmt werden. Hinter vorgehaltener Hand spricht man von Hithlain, jenem elbischen Gewebe, aus dem die edlen Spitzohren laut Meister Tolkien Seile, aber auch Kleidungsgewebe herstellen. Zum Beispiel sollen aus diesem Material die Mäntel der Gefährten gewesen sein, die sie in Lothlórien von den Elben geschenkt bekamen.

Die noch größere Überraschung war, dass dieser Mantel mit einer silbernen Fibel verschlossen war. Einer blattförmigen Fibel, die verdammt viel Ähnlichkeit mit den Gewandschließen der Gefährten aus der „Ringtrilogie“ hatte … Zu allem Überfluss ließ sich bei dem Skelett auch noch eine Fußbehaarung nachweisen, die weit von dem entfernt ist, was bei Wesen der Gattung homo undsoweiter jemals festgestellt wurde. Die an der Forschung beteiligten Anthropologen, so meine Freunde, sprechen schon vom homo hobbitus

Der Hammer war allerdings, dass diesem … nun ja … Hobbit … ein in Leder gebundenes Buch ins Grab mitgegeben worden war. Erstaunlich, dass das organische Material sowohl des Einbandes als auch des Pergamentes, aus dem die Seiten bestehen, die Jahrtausende überstanden hat. Die Schriftzeichen – Ihr mögt es glauben oder nicht – haben verdammt viel Ähnlichkeit mit feanorischen Schriftzeichen. Ihr wisst schon … diese sagenhafte Ringinschrift …

Meine Freunde sind in allen möglichen Sprachen bewandert. Ulli beherrscht Sindarin praktisch fließend – soweit das in der von Meister Tolkien erfundenen und nicht vollständigen Sprache denn möglich ist. Er hat auch eine so vertrackte Ähnlichkeit mit dem dunkelhaarigen und braunäugigen realen Original eines gewissen blonden Elbenkriegers, dass er unter seinen Kollegen bei Forschungen in der Karibik schon mal als Captain William Turner durchgeht (er heißt mit zweitem Namen auch noch Wilhelm, für einen 1977 in Deutschland geborenen Mann mindestens ebenso unglaublich wie die Ähnlichkeit mit Orlando Bloom überhaupt). Im Grabungsteam auf Flores nennt man ihn jedenfalls seit einiger Zeit Legolas …

Ulli hat sich daran gemacht, die Zeichen zu entziffern, was sich als nicht so einfach erwiesen hat. Deshalb dauert die Entzifferung auch recht lang. Es ist schier unglaublich, aber das, was sich zwischen diesen Buchdeckeln findet, wäre tatsächlich als eine auf Sindarin geschriebene Chronik lesbar, wenn man unterstellt, dass die Schriftzeichen in der Tat die feanorischen Buchstaben sind, wie Tolkien sie in seinem Meisterwerk Der Herr der Ringe präsentiert hat. Sie sind nicht einfach zu lesen, denn es sind eher Konsonantenzeichen als Buchstaben mit eigenen Lautwerten, wie der Meister selbst schreibt. Glaubt mir: Niemand war weniger davon überzeugt, dass diese Zeichen das sind, was sie zu sein scheinen, als meine Freunde, die studierte Archäologen sind. Es wäre zu einfach, diese Kultur als Hobbits zu akzeptieren, sagen sie immer wieder – aber eine bessere Erklärung haben sie letztlich auch nicht.

Insofern scheint sich eine Sensation anzubahnen, denn was Ulrich schon an Texten entziffert und übersetzt hat, weist auf einen hobbitischen Schreiber namens Maggaraf am Hofe König Elessars hin … Ulli meint, das bedeute so viel wie „Kampfwolf“ oder „kämpfender Wolf“. In eine sehr alte Version unserer Sprache weiterübersetzt könnte daraus der heute eher seltene Name Gundolf werden, unter dem ihr mich hier kennt. Und da hat’s mir dann die Sprache verschlagen. Das kann ich einfach nicht glauben … Will mein lieber Freund mich etwa doch veräppeln? Zuzutrauen ist es dem Spaßvogel durchaus …



Lest selbst, was meine Freunde da gefunden haben … Im Interesse der Wissenschaft gebe ich es mit seiner Erlaubnis weiter:
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