Mittelerde war nicht groß genug (1. Teil)

von Arawell
GeschichteHumor, Romanze / P12
Aragorn Arwen Elladan Elrohir Erestor Glorfindel
26.11.2012
13.12.2012
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Er war wirklich groß. Ich tippte auf fast zwei Meter, vielleicht ein paar Zentimeter mehr. Er hatte langes, blondes Haar, es war seidig und leuchtete beinahe. Sein Körper sah, trotz der Jacke die er trug, muskulös aus. Ein wirklich hübsches Kerlchen stand da vor mir. Er musterte mich lange eingehend und etwas verlegen schloss ich den Knopf meiner Hose.

,,v… vielen Dank“ stotterte ich ihm entgegen. ,,ich weiß nicht was passiert wäre, wenn Sie nicht gekommen wären.“
,,Er hätte Euch gegen Euren Willen genommen.“ Antwortet er mir trocken. ‚was zum…?‘ schossen meine Gedanken. Sowas trockenes und ehrliches hatte ich mein Leben noch nicht erfahren. Ich starrte ihn verdutzt an. Sein Blick war kühl und ruhig. Jetzt erst fiel mir etwas an ihm auf. Er war komisch gekleidet. Eine schwarze Wildlederhose, mit ebenso schwarzen Stiefeln. Er trug ein weißes Hemd, welches durch den Schlitz seines geöffneten Mantels schien. Im Prinzip ist dies ja keine so ungewöhnliche Kleidung. Aber alles war auf Mittelalter getrimmt. ‚oh, ein Mittelaltermarkt also‘ dachte ich bei dem Anblick. Ich wusste nicht was für ein Markt in der Innenstadt war aber aufgrund seiner Kleidung musste es mit Mittelalter zu tun haben.

,,wir sollten hier nicht verweilen.“ Ertönte es plötzlich hinter ihm. Erst da sah ich, dass drei weitere Personen bei ihm waren. Ein ebenso großer Mann mit schulterlangem, dunklem Haar. An seiner Seite stand eine Frau. Sie war, dafür dass sie eine Frau war, wirklich hoch gewachsen. Sie war beinahe so groß wie er. Ihre dunklen Haare fielen ihr bis zur Hüfte und glänzten genauso unnatürlich schön wie die des Blonden. Sie krallte sich geradezu ängstlich an den anderen. Wieder schaute ich zu dem Blonden, als er einen Blick über seine linke Schulter warf ,,du hast Recht, das sollten wir nicht.“ Weggetreten folgte ich seinem Blick. Dort stand noch ein Mann. Er hatte langes schwarzes Haar und seine Augen schienen irgendwie böse zu funkeln. Ich fuhr zusammen.

,,nun denn“ sprach der Blonde wieder zu mir, was mich erneut zusammenzucken ließ ,,lebet lang.“ Er drehte sich um und ging zu seinen Freunden. ‚was zum Kuckuck? Lebet lang?‘
,,Aragorn“ winselte die Frau ,,wo sollen wir denn hin?“ Ihre Stimme war flehend. ‚Aragorn?‘ Oh Gott, hatte ich es hier mit Herr der Ringe a la Hardcore zu tun?
,,En… Entschuldigt?“ fing ich wieder an wahllos vor mich hin zu stottern ,,wenn ihr mir sagt in welchem Hotel ihr seid, kann ich euch den Weg erklären.“

Der Blonde drehte sich wieder zu mir um. Sein Blick ruhte fragend auf mir ,,Hotel? Was ist ein Hotel?“ Verwirrt kniff ich ein Auge zusammen. ,,na da, wo ihr nächtigt.“ ,,wir nächtigen hier.“ Mit einer ausladenden Geste deutete er auf den Park. Verdutzt schaute ich ihn an ,,hier? Woher kommt ihr?“ ,,Mittelerde“ entfuhr es ihm trocken. ,,Mittelerde.“ Wiederholte ich ihn spottend ,,is klar. Wo ist Legolas geblieben?“ Belustigt schüttelte ich den Kopf und machte mich auf meinen Weg nach Hause einzuschlagen.
,,Ihr kennt Prinz Legolas?“ eine erneute Stimme durchbrach die nächtliche Stille.
,,natürlich, wer nicht? So wie Gandalf, Elrond, Gimli und ah…“ ich zeigte mit meinen Finger auf den Mann ganz links ,,… Aragorn. Und du?“ ich musterte die Frau ,,willst du Arwen darstellen?“ verdutzt schreckte sie auf und schaute mich eindringlich an. ,,wer wollt ihr sein?“ ich nickte fast schon fordernd in die Richtung des Blonden und des anderen dunkel haarigen.

,,Woher kennt ihr uns, Frau?“ wollte nun Aragorn für Arme wissen. Verdutzt schaute ich ihn an. Ein komisches Gefühl durchfuhr meinen Körper. Sie erweckten irgendwie nicht den Eindruck, als würden sie spielen.
,,wisst ihr was Ladys?“ ich lächelte sie an ,,jetzt gehen wir erst einmal zu mir. Dann gibt’s nen Käffchen und dann sprechen wir noch einmal über diese Mittelerde-Geschichte.“ Mutigen Schrittes ging ich in die Richtung, in der mein Haus lag. Doch hinter mir hörte ich keine Schritte. Zur Kontrolle drehte ich mich um und tatsächlich, sie standen noch immer dort, wie angewurzelt. ,,na los doch.“ Wieder winkte ich einladen und dieses Mal folgten sie. Wirklich hören konnte ich nur die Schritte von einer Person doch hörte ich mehrere Stimmen hinter mir leise Sprechen, sodass ich wusste, dass alle vier mir artig folgten.

Es waren einige Meter bis zu meinem Haus. Meine Füße taten weh. ‚Scheiß Schuhe‘ fluchte ich innerlich. Vor meiner Haustür kramte ich erst einmal einige Sekunden in meiner Jackentasche herum, bis ich meinen Schlüsselbund fand. Steckte den Schlüssel ins Schloss und öffnete die Tür. Mit einer einladenden Geste deutete ich meinem Besuch einzutreten. Unglaublich, der Blonde musste sogar den Kopf leicht zur Seite neigen um sich nicht am Türrahmen zu stoßen. Als sie alle in meinem Haus standen schloss ich die Tür und beobachtete vier verwundert drein blickende Menschen.

,,Willkommen in meinem bescheidenen Heim.“ Strahlte ich sie an ,,möchtet ihr was trinken? Ich hab Cola, Kaffee, Sprudelt, Eistee, Wasser, Saft, Bier, Schnappo?“ beim letzten Wort wippte ich sogar mit meinen Augenbrauen. Aus vier Mündern, gleichzeitig, antwortete es ,,Wasser“ ‚okay, also Wasser‘ dachte ich und machte mich direkt auf den Weg in die Küche. Beim durchqueren meines Wohnzimmers schmiss ich meinen Schlüssel auf eine Kommode was einen der Männer zum zischen brachte.

Mein Haus war mit einem offenen Wohnraum ausgestattet. Betrat man es, schaute man direkt auf eine Balkonfront mit einem Wintergarten dahinter. Vor der Verglasung fanden Couch, Fernseher und Tischchen Platz. An der rechten Wand stand ein Bücherregal und ein Kamin. Neben dem Kamin war die Tür zum Badezimmer, daneben war die Tür zu einem kleinen Gästezimmer. Die Tür und die Ecke zur nächsten Wand trennten nur einige Schritte, wo meine Garderobe Platz gefunden hatte. Neben der Garderobe, in der Wand, in der auch die Haustür war, befand sich die Tür zu meinem Schlafzimmer. Die Küche befand sich im linken Teil des Wohnraumes. Sie war offen und in einem U aufgebaut. Bei ihrer offenen Seite waren ein Tisch und vier Stühle. Mein Haus war nicht besonders groß aber für mich reichte es. Schließlich sind Eigenheime in London schon sowas wie Luxus.

,,na setzt euch doch halt hin.“ Sagte ich zu meinen Gästen und deutete ihnen sich zu setzen. Eher zaghaft bewegten sie sich auf die Stühle zu. Die Frau klammerte sich gerade zu panisch an ihren Begleiter. Ich stellte fünf Gläser auf den Tisch und eine Flasche Wasser. Nachdem sie sich dazu entschlossen hatten sich zu setzen, musterten sie die Flasche. Seufzend griff ich nach ihr, öffnete sie und füllte jedes Glas zur Hälfte auf. Der Blonde war es, der zuerst nach einem Glas griff und davon, zaghaft, einen Schluck nippte. ‚was für Spacken‘ dachte ich leicht genervt. Doch kaum hatte er sich dazu entschlossen einen größeren Schluck zu trinken, nahmen auch die anderen endlich ein Glas und tranken.

,,so. Wo kommt ihr nun her?“ zuckersüß lächelte ich sie an.
,,Mittelerde, das sagten wir doch bereits.“ Antwortete Hilfs-Aragorn genervt.
,,ja aber…“ setzte ich an. Es nervte mich, dass sie nicht mit der Sprache rausrückten.
,,Ihr glaubt uns nicht.“ Sagte nun der schwarzhaarige trocken.
,,nun ja. Wie soll ich so etwas glauben? Mittelerde ist eine Erfindung Tolkiens. Ein Buch. Mehr nicht.“ Meine Stimme klang verzweifelt.
,,hört zu, Frau.“ Ich unterbrach den Blonden ,,Claire, mein Name ist Claire.“ Er sah mich verdutzt an ,,hört zu, Claire. Wir wissen nicht was geschehen ist. Und wir wissen nicht, wo wir sind. Aber wir sind hier.“
Ein ganz cleveres Kerlchen schien mir da gegenüber zu sitzen.
,,was geschah, bevor ihr hier gelandet seid?“ fragte ich in die Runde. Der Schwarzhaarige ergriff wieder das Wort
,,wir waren bei Aragorn im Beratungsraum um die weitere Vorgehensweise zu besprechen. Aragorn stand vor der Karte von Mittelerde als…“ er schien angestrengt nach zu denken.
,,als Arwen sagte, dass sie sich wünschte verschwinden zu können.“ Beendete Aragorn den Satz.
,,Ihr seid doch die Tochter von Elrond, nicht wahr?“ richtete ich nun das Wort an Arwen, was sie nur mit einem Nicken beantwortete.  ,,na, dann ist es doch ganz einfach. Wünsch dir einfach wieder zurück in Mittelerde zu sein.“ Triumphierend grinste ich sie an.
,,glaubt ihr das haben wir noch nicht versucht?“ fauchte mich der Blonde an. ,,wir müssen einen anderen Weg zurück finden.“
Ich atmete schwer ein und aus, als mein Blick auf die Uhr fiel. ‚ah verdammt‘ es war schon zwei Uhr in der Nacht.

,,Gut. Wir verfahren jetzt folgendermaßen. Wir werden jetzt zu Bett gehen. Dann habe ich morgen noch bis zum Nachmittag Zeit über diese Geschichte nachzudenken.“ Ich erhob mich und ging zur Couch. Zwei konnten im Gästezimmer schlafen. Glücklicher weise hatte ich eine Wohnlandschaft, sprich eine Couch in L-Form, in meinem Wohnzimmer stehen. Ich drapierte Kissen und Wolldecken auf der Couch, sodass zwei Schlafplätze entstanden und verließ den Wohnraum dann Richtung Gästezimmer. Es dauerte einige Minuten bis ich ihn wieder betrat. Noch immer saßen sie am Tisch und musterten die Küche.

,,also…“ ich räusperte mich ,,hier hinter mir ist das Badezimmer. Schaut’s euch mal eben an, es gibt da auch einiges, was ich euch erklären muss.“ Wie auf Kommando standen die vier auf und kamen zu mir ins Badezimmer. Ich erklärte ihnen Wasserhahn, Klo und Dusche. Danach bugsierte ich Aragorn und Arwen ins Gästezimmer. ,,ihr seid doch ein Paar, oder?“
,,wenn ihr damit fragen wollt, ob Arwen meine Gemahlin ist, dann ja.“ Sagte Aragorn.
,,sehr gut. Also, da ist euer Schlafplatz.“ Ich deutete auf das 140 mal 200 Bett welches direkt unter dem Fenster des kleinen Raumes stand.
,,das Zimmer ist nicht besonders groß aber zum übernachten sollte es genügen.“ Ein wenig peinlich berührt deutete ich auf die Wände. Es war wirklich recht klein und der König Gondors war wahrscheinlich größere Räume gewohnt. Ich griff in den kleinen Kleiderschrank im Raum und fischte ein T-Shirt und drei Boxershorts heraus. Die Shorts waren Überbleibsel von meinem Ex-Freund. Ich hatte ihn damals bei einer Nacht und Nebel Aktion rausgeschmissen. Bescheißen konnte ich mich alleine.

,,Kleidung für die Nacht.“ Sagte ich und reichte Arwen das T-Shirt und Aragorn die Shorts. Mit einem aufmunternden Lächeln wünschte ich ihnen eine angenehme Nacht und verließ das Zimmer mit einem leisen Schließen der Tür. Ich schaute mich im Wohnzimmer um, von den anderen beiden war keine Spur.

,,das ist Zauberei.“ Hörte ich jemanden aus meinem Wintergarten. Eiligen Schrittes betrat ich ihn und fand zwei verwundert drein blickende Männer vor. Sie starrten unentwegt auf den Boden. Ich musste lachen. Mein Wintergarten bestand vollends aus Glas, das heißt auch der Boden war aus Sicherheitsglas, ich mochte es.

,,das ist keine Zauberei, das ist Glas.“ Schmunzelte ich die beide an. Verwirrt schauten sie mich an, als ich ihnen die beiden Shorts hinhielt.
,,Kleidung für dich Nacht.“ Beantwortete ich ihre ungestellte Frage.
,,wie heißt ihr?“ ich hatte sie bis dahin gar nicht gefragt, wer sie sind.
Der Blonde setzte an ,,ich bin Glorfindel o Gondolin und das ist Erestor, hoher Berater von Imladris.“
,,aaaaaah.“ Antwortete ich und verließ wieder den Wintergarten. ‚Glorfindel, Glorfindel, Glorfindel. Wo habe ich den Namen gelesen?‘ scharf dachte ich nach. Ich griff meinen Laptop, rief den Männern noch ,,Gute Nacht“ zu und schloss mich in meinem Schlafzimmer ein. Sofort klappte ich meinen Laptop auf und suchte online nach ,,Glorfindel“. ‚ah, der Balrogtöter, Herr der Goldenen Blume in Gondolin und nun Heerführer in Bruchtal.‘ Ich las mir alles durch, was das Netz zu bieten hatte, bis ich mich gegen drei Uhr schlafen legte.
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