Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Der Kuss des Kobolds

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Harry Osborn Peter Parker / Spiderman
26.11.2012
04.06.2013
11
21.952
3
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
26.11.2012 838
 
Fortsetzung des One-Shot »Eine letzte Schlacht«.

TITELBILD

~

EINS

»Sind Sie nicht die Frau aus der Zeitung?«
Ich setzte den Vodka Martini auf den matten Tresen und sah zu dem Mann rechts von mir. Er zeigte deutliche Brandspuren. Also, der Tresen, nicht der Mann. Ich glaubte, die zeigten den Leuten hier hin und wieder eine Feuershow. Ob die wohl eine Genehmigung dafür hatten? Whatever.
Ich widmete meine Aufmerksamkeit dem Typen, der mich so dämlich von der Seite angequatscht hatte. Oh, der ungepflegte Barbesucher hatte sogar eine heutige Ausgabe des »Daily Bugle« dabei, die er mir nun prompt unter die Nase hielt.
»Na klar, Sie sind es ganz sicher«, sagte die ungebetene Gesellschaft just und besaß sogar die Frechheit mit einem krummen Finger auf mich zu zeigen. Wie ich es hasste, wenn das jemand tat. Und wenn dieser Finger dazu noch krumm war, war es gleich ganz aus. Nein, Zeitungsboy und ich würden wohl keine Freunde mehr werden. Zudem wehte noch eine starke Alkoholfahne zu mir herüber, als er weiter sprach. »Die Taxifahrerin, die von der Spinne gerettet wurde.«
Super. Er war nicht nur aufdringlich, sondern verdrehte auch noch komplett die Tatsachen. Spiderman hatte mit meiner Rettung relativ wenig zu tun gehabt. Aber ich war zu müde und selbst viel zu betrunken, um mich heute Nacht mit so etwas abzugeben.
»Kannst du subtrahieren?«, fragte ich und fischte nach dem Zahnstocher mit der Olive in meinem Drink. Mein Gegenüber schien erfreut, dass er von mir endlich eine Regung erhielt und nickte leicht. »Dann zieh ab.«
Ich zog die Olive mit den Zähnen von dem Holzpiecker und kramte in meiner Umhängetasche nach ein paar Geldscheinen, während Zeitungsboy enttäuscht von dannen zog und sein Glück bei einer Blondine in der Ecke des Lokals versuchte. Ich weiß, mein Benehmen war nicht die feine englische Art. Aber erstens, war ich keine Engländerin und zweitens, hatte ich echt krasse vierundzwanzig Stunden hinter mir.
Dass mein Taxi dabei aus einer Höhe von mehreren hundert Metern gefallen und auf die praktische Größe einer Geldbörse gefaltet worden war, war nur das kleinste Übel.
Oh Gott, das Taxi! Billy würde mich umbringen. Okay, das war vielleicht zu hart ausgedrückt. Aber er würde es definitiv anstreben, mich einen Kopf kürzer zu machen. Er hatte bereits mehrmals versucht mich anzurufen, aber ich hatte ihn immer weggedrückt. Ich war noch nicht bereit für seinen Wutanfall und würde einfach sagen, dass ich mein Mobiltelefon bei dem Sturz aus dem siebzigsten Stock verloren hatte. Ja, die Ausrede würde er verstehen.
Endlich bekam ich einen Schein zu fassen, dessen Wert ausreichte und klemmte ihn unter das leere Glas auf dem Tresen.
»Tom, ich bin dann weg«, rief ich dem Inhaber des Schuppens zu, der nicht einmal von seinem Zapfhahn aufblickte.
»Bis demnächst«, drang trotzdem seine volltönende Stimme zu mir herüber und ich hob kurz die Hand, obwohl er es nicht sehen konnte.
Tom war ein Schrank von einem Kerl. Sein Schädel war kahl rasiert und er hatte überall Tattoos, aber seine ritterliche Ader war so breit wie eine vierspurige Autobahn. Er war ein guter Typ. Vielleicht konnte ich hier anfangen, wenn Billy mich hochkant aus seinem Unternehmen warf. Ich wollte schon immer mal einen auf Coyote Ugly machen.
Ich rutschte von dem abgesessenen Barhocker, schulterte meine Tasche vorsichtig auf die Seite, die nicht geprellt war und schob mich durch die Menschenmenge des beliebten Lokals.
Die Nacht war kalt, als ich ins Freie trat. Ich vermisste meine Lederjacke, die letzte Nacht irgendwann verschütt gegangen sein musste. Es musste zwischen »Oh mein Gott, passiert das gerade wirklich?« und »Hilfe, ich werde sterben!« passiert sein. Aber ich konnte mich nicht genau daran erinnern. Ich war viel zu sehr damit beschäftigt am Leben zu bleiben.
Es war bereits weit nach Mitternacht, als ich ziellos durch die noch immer belebten Straßen New Yorks irrte. Straßenlärm übertönte das Lachen, welches eigentlich von der Kneipe gegenüber zu mir herüber getragen werden sollte. Spazierende Pärchen kamen mir entgegen, irgendwo bellte ein Hund und ein paar Blocks weiter ertönten Sirenen. Eine ganz normale Nacht. Diese Stadt schlief quasi nie.
Ehe ich mich versah, fand ich mich im Central Park wieder und ließ mich, von plötzlicher Übelkeit übermannt, auf eine der zahlreichen Parkbänke fallen. Zu viel Vodka Martini war echt nicht gut. Ich wollte vergessen, musste mir aber dringend eine andere Methode überlegen.
Mein Telefon vibrierte in meiner Gesäßtasche. Als ich es heraus zog, fiel mir eine Visitenkarte in den Schoß. Merkwürdig. Ich stopfte die Karte in meine Handtasche und schaute zeitgleich auf das Display meines Telefons. Die gute Nachricht war, dass es sich bei dem Anrufer nicht um Billy handelte. Die Nummer war mir unbekannt. Wer um Himmels Willen rief zu einer so unchristlichen Zeit fremde Leute an?
Ich war neugierig, klappte das Handy auf und schob es an meinem Haar vorbei an mein Ohr. Meine Ohrringe klapperten dabei leise gegen die Plastikschale des Mobilfunkgeräts.
»Hier Morgan Freeman«, sagte ich aus einer Laune heraus und staunte nicht schlecht, als ich daraufhin tatsächlich noch eine Antwort erhielt.

~ Ende des 1. Kapitels ~
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast