unerklärlich

KurzgeschichteRomanze / P12 Slash
China Russland
24.11.2012
24.11.2012
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Sie kannten sich schon lange.

Sehr lange.

Aber gut, sie waren Länder, da war es selbstverständlich.

Sie waren alt, sie waren Freunde und sie hatten viel mehr Leid und Schmerz erfahren, als manch anderes Land.

Tatsache allerdings war, dass Yao nicht wusste, warum er nackt neben Ivan im Bett lag und das leichte Kraulen seines Rückens genoss.

"Alles ok bei dir?"
"Klar doch, warum sollte es nicht?"
Der Größere zuckte nur die Schultern und lächelte. Zum ersten Mal seit Jahrhunderten, wirkte es ehrlich. Beinahe schon liebevoll.

Tatsache aber war, dass Yao nicht wusste, warum er nachgegeben hatte.

Ein erneuter Kuss riss ihn aus seinen Gedanken. Er war sanft und erinnerte Yao eher an einen Windhauch als an einen Kuss. Darum lehnte er sich vor und vertiefte ihn, was ihm ein erneutes Schmunzeln seitens Ivan einbrachte.

Als sie sich von einander lösten, waren beide leicht atemlos. Denn aus dem harmlosen Kuss, war ein leidenschaftlicher geworden, der von dem Feuer zeugte, dem sie sich eigentlich vor knapp einer halben Stunde zur Genüge hingegeben haben. Nach wenigen Sekunden, drang eine hungrige Zunge in Yaos Mundhöhle ein. Erneut spürte er das Verlangen nach dem Russen. Das Verlangen, dem er nie hatte nachgeben wollen, es aber doch getan hat.

Doch er wusste nicht warum.

Es verging eine erneute halbe Stunde, bevor Ivan sich über ihm abstützte und schwer atmend versuchte sich zusammenzureißen um Yao mit seinem Gewicht nicht zu erdrücken. Doch ihm war es egal. Er war immer noch im Rausch. Genoss die Nachwirkungen seines Orgasmus und den heißen Samen des Russen in sich. Obwohl sein Hintern mittlerweile wie die Hölle brannte und er genau wusste dass er sich morgen des Laufens nicht mehr froh würde, gefiel es ihm. Ebenso wie das erneute, sanfte Kraulen seines Rückens.

Immer noch fragte er sich warum.

"Worüber denkst du nach?"
"Über das hier."
Mehr brauchte der Russe nicht. Umarmte ihn nur sanft von hinten und fing an sanfte, liebevolle Küsschen in Yaos Nacken zu verteilen. Ohne jeglichen Hintergedanken. Denn sie waren so hauchzart, sanft und leicht, wie ein Windhauch. Und zum ersten Mal seit Jahrzehnten, fühlte Yao sich wieder geliebt.

Doch er wusste nicht warum.

Vorsichtig schmiegte er sich an ihn.
"Was ist mit 'dem hier'?"
Die leise Stimme des Russen klang unsicher. Fast schon ängstlich. Wenn Yao es nicht besser gewusst hätte, hätte er sicherlich gesagt, dass der Russe Angst hatte ihn zu verlieren...
Oder?
Langsam drehte er sich in den Armen des deutlich Größeren um und schaute in die violetten Irden. Sah darin so viel Zärtlichkeit und Liebe, dass es einfach nicht zu dem Bild der brutalsten Nation der Welt passen wollte, welches immer wieder vor seinem inneren Auge erschien. Doch das, was ihn vollkommen aus der Bahn warf, warf die feine Spur von Angst, die sich in den Augen widerspiegelte.

Warum?

"Alles ok bei dir?"
"Ja. Ich mache mir nur Sorgen, dass du mir schon wieder einfach wegrennst."
"Das werde ich nicht."
Das fröhliche Lachen dass daraufhin den Raum erfüllte, ließ Yao erschaudern.
"Selbst wenn. Ich werde dich immer und immer wieder suchen und zurückholen."
Yao wusste dass der Russe es meinte wie er sagte. Und er wusste dass es ihm eigentlich hätte Angst machen sollen, aber das tat es seltsamerweise nicht. Ganz und gar nicht.
Im Gegenteil.
Er war froh drum.
Froh diesen Satz zu hören.

Doch warum freute er sich?

"Weißt du, ich wollte dich nämlich haben seit ich dich das erste Mal gesehen habe. Damals war ich noch viel zu klein und zu unerfahren um dich zu bekommen. Doch ich fing an an mir zu arbeiten."
Überrascht sah Yao ihn an. Sah in dieses sanfte Gesicht, mit den violette Augen und den schmalen, aber unglaublich sanften Lippen, die meist in einem kindischen Lächeln verzogen waren, das ihm vorkam wie eine Fratze.
"Du hast ausgesehen wie ein Engel. So wunderschön und doch so zierlich und unglaublich sanft. Schon damals habe ich mir gedacht dass ich dich beschützen müsste. Doch nun, bin ich nur noch mehr der Meinung."
Sanft strich der Russe über die große Narbe auf Yaos Rücken. Diese hässliche, lange Narbe, die ihn immer an den Verrat erinnerte, den er wohl nie vergessen würde. Den Verrat seines geliebten Bruders.  Es war schon fast eine Geste zur Verdeutlichung der Worte des Russen, die dieser in brüchigem English sagte, mit dem schweren russischen Akzent. Allerdings spürte Yao wie sein Körper sich bei dieser Berührung entspannte und war überrascht, dass er sich so einfach diesem Mann anvertraute.
Diesem Psychopaten.

Und er wusste nicht warum er das tat.

"Und du bist immer noch so wunderschön wie ein Engel."
Diesem Psychopaten, der so süße Dinge sagte, ihn sanft im Nacken kraulte und ihn festhielt. Diesem Psychopaten, der ihm solche Lust bereitet hatte und dessen Berührungen seine Haut nun zum Glühen brachten, obwohl man eigentlich meinen könnte dass sein alter Körper und die Tatsache dass er eigentlich zu erschöpft war, das Gegenteil bewirkten.
"So wunderschön, dass ich dich immer und immer wieder mein machen möchte."
Mit diesen Worten rollte Ivan sich über ihn und küsste ihn erneut hungrig.
"Wie kannst du so etwas nur so direkt und auch noch lächelnd sagen?!", langsam konnte der Braunhaarige die Röte auf seinen Wangen nicht mehr verdecken.
"Weil ich dich sehr gern hab."
Erneut folgte ein Kuss. Erneut spürte er diese Knistern und wusste, dass er morgen den ganzen Tag nicht mehr laufen können würde.
Aber es war gut so

Warum?

Das wusste er nicht.

Er wusste nur, dass es gut war wie es war.
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