Brennende Pasteten

KurzgeschichteAllgemein / P12
20.11.2012
20.11.2012
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Es war dunkel in den Straßen von London, als eine geduckte Gestallt dem Weg zur Fleet Street folgte. Hätte man die Laternen an den Straßenrändern gelöscht, wäre sie verschwunden. Verschluckt von der Dunkelheit.
Flink huschte sie um die nächste Ecke und verharrte. Geduckt hinter einer Hausmauer stand sie da und schaute zu dem alten Haus, welches auf der anderen Straßenseite stand.
Das Haus, grau, der Farbe abgeblättert, kannte ganz London seit den Geschehnissen vor 14 Jahren.
Seit je her bewohnte es keiner mehr. Angst vor Geistern. Angst vor den Ermordeten und dem Mörder. Angst vor der barbarischen Bäckerin.
Wenn man an diesem Haus vorbei musste, nahm man die andere Straßenseite.
Die umliegenden Häuser waren ebenfalls leer. Keiner wollte hier wohnen. Keiner.
Wie ein Schatten löste sich die Gestalt von der Mauer und lief schnellen Schrittes über die Straße.
Kurz hielt sie inne, bevor sie an die Klinke griff und die Tür mit einem leisen Knarren öffnete. Als die alte Tür ins Schloss fiel, ertönte ein leises Klingeln einer kleinen Glocke, die einst Kundschaft ankündigte.
Der Mond fiel durch eines der großen Fenster und malte die Umrisse der Fenster auf den staubigen Boden, doch reichte sein Licht nicht, um den Raum zu erhellen.  Es roch vermodert und stumpf. Eine kleine Schabe bahnte sich den Weg durch den Staub und verschwand unter der unbenutzten Theke.
Es war so still, das es einem Schauer über den Rücken jagte. Fast war es so, als könne man das Schreien der Toten und den anschließenden Geruch der Zubereitung wahrnehmen.
Doch das störte die Gestalt nicht. Ein kleiner Windstoss ließ ihr den schwarzen Umhang um die Beine wehen.
Leise schritt sie auf eine der Bänke an den Fenstern zu und streifte ihr Kapuze und schließlich den ganzen Umhang ab und legte ihn auf die Bank.
Auf einen der Tische stand eine alte Kerze, die wenige Minuten später entzündet wurde.
Wenig erhellte sie den Raum, doch reichte es für die Gestalt aus.
Eine junge Frau, höchstens 35, mit zarten Lippen, großen braunen Augen, das Gesicht umspielt von dichtem, rot-braunem, lockigem Haar. Die Haut war so bleich, dass man sie für Schneewittchen halten konnte.
Ihr Kleid war braun und einfach geschnitten. Leicht schliff es auf dem Boden und malte einen braunen Pfad in das Grau des Staubes.
Leise und als ob sie dieses Haus kennen würde, arbeitete sie sich vor in die kleine Stube.
Längst waren auch die Möbel von einer dicken Staubschicht überzogen.
Vorsichtig entzündete die Frau weitere Kerzen, die in dem Raum verteilt standen. Die Kerze in ihrer Hand stellte sie auf den kleinen, braunen Tisch, auf dem ein verwelkter Blumenstrauß in seiner Vase stand.
Sie selbst setzte sich vorsichtig auf die Kante des einen Sessels. Trotz der Kerzen schien der Raum dunkel und erdrückend. Kein Ort um jeden Abend darin zu sitzen.
Doch die Frau verweilte einige Minuten, bevor sie begann in einer Schublade nach etwas zu suchen.
Schnell war es gefunden, eine Kette mit einem kleinen, ovalen Anhänger,  und diese verschwand in dem Rock ihres Kleides.
Die Kerzen gelöscht, bis auf die eine in der Hand, folgte sie dem Flur zurück in den einstigen Gastraum, doch verweilte dort nicht, sondern lief auf den Hof, dann die Treppen hinauf, die außen am Haus nach oben führten.
Der Raum, den sie fand als sie die Tür aufsperrte, war ebenso erdrückend wie das Wohnzimmer unten. Alte Tapete hing in Fetzen von den Wänden, das große Dachfenster war von außen mit Taubendreck beschmutzt, so dass man nichts mehr sehen konnte.
Ein zersplitterter Spiegel in einer Ecke spiegelte das Licht der einzelnen Kerze und warf es auf den Boden vor einem alten Stuhl. Auf ihm und dem Boden davor erkannte man große und kleine braune Flecken, alle schon lange eingetrocknet.  
Die Frau störte sich nicht an den stillen Zeugen der Verbrechen, die hier einst stattfanden. Beherzt griff sie nach einer kleinen Schatulle auf einer Kommode, klappte sie auf, fuhr mit den Fingern über den Inhalt und schloss sie leise wieder, bevor auch diese in ihrem Rock verschwand.
Mit zarten Fingern strich sie über das Leder des alten Stuhles, eh sie sich wieder der Tür zuwandte und den schaurigen Raum verließ.
Noch einmal kehrte sie in den Gastraum zurück.
Als wüsste sie nicht, was sie jetzt tun sollte, ließ sie sich auf einer der Bänke nieder und nahm den kleinen Ofen hinter der Theke ins Auge.
Stumm starte sie ihn an, doch dann stand sie auf, lief hinter die Theke und öffnete den Ofen.
Vorsichtig leuchtete sie mit der Kerze hinein und entdeckte sechs alte, vertrocknete Pasteten.
Vorsichtig nahm sie sie sich und legte sie auf die Arbeitsfläche.
Noch einmal schaute sie sich in dem Raum um, senkte die Kerze in ihrer Hand zu einer der  Pasteten und brachte so das kohlenartige Gebäck zum brennen.
Und wieder konnte man denken, die Schreie der Ermordeten zu hören und den ekelhaften Gestank riechen zu können, vermischt mit dem Lied einer Frau und eines Mannes.
Einige Sekunden betrachte sie das kleine Feuer und ließ dann ab.
Langsam schritt sie zu ihrem Mantel, nahm diesen und zog ihn sich wieder über, streifte die Kapuze über ihre wilden Haare und verließ den Laden.
Die kleine Glocke klingelte ein letztes Mal.
Durch die dreckigen Fenster war die Flamme kaum zu sehen und die Frau verschwand genauso geduckt wieder in einer Seitengasse Londons, wie sie gekommen war, ohne das am nächsten Morgen einer wusste, warum der alte Pastetenladen mit der grauenhaften Vergangenheit auf einmal in Flammen aufgegangen war.
Doch die meisten begrüßten dies sicherlich, so dass man nicht nach dem Brandstifter suchte.
Die Frau, die zwei Menschen endlich eine Art Grab schenken wollte.  
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Hoffe dieser kleine OS hat euch gefallen^^ beim Geschichte lernen entstanden^^
Ihr könnt ja mal raten, wer es war, auch wenn ich glaube, es ist ziemlich eindeutig^^
Danke an pikatschu fürs betalesen!!! <3 ;D
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