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-Freiwild-

Kurzbeschreibung
GeschichteÜbernatürlich, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Marco der Phoenix Monkey D. Ruffy Puma D. Ace / Gol D. Ace
15.11.2012
19.05.2013
20
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15.11.2012 1.844
 
Die Sonne war schon längst untergegangen als das riesige weiße Flugzeug endlich landete. Der Vollmond versteckte sich hinter einer kleinen Wolke während die Sterne um die Wette zu funkeln schienen.
Die Räder des Flugzeuges quietschten leise während sie über den Asphalt rollten. Das Flugzeug mit dem simplen Namen MF331 hatte einige Zwischenstopps einlegen müssen, doch nun war es endlich am Zielflughafen angekommen.
Während das Flugzeugpersonal alles für den Ausstieg vorbereitete, konnte man sehen wie die meisten Passagiere in die Dunkelheit blickten. Ihre Blicke waren sehnsüchtig aber auch ängstlich. Im Himmel hatten sie sich sicherer Gefühlt als hier auf dem Boden. Im Himmel wurden sie nicht aus heiterem Himmel angegriffen, so wie am Boden.
Im Flugzeug hätten sie die Ruhe und Entspannung haben können, die ihnen in den letzten 3 Monaten verwehrt geblieben war. Sie hätte alle schlafen können. Richtig sie hätte… aber viele konnten einfach nicht.
Das Elend, die Schreie, die Schussgeräusche - das alles verfolgte sie bis in ihre Träume.
Jedes Mal wenn sie ihre Augen schlossen, dann befanden sie sich wieder in ihrem Einsatzgebiet. In mitten des Chaos und des Todes. In mitten von Verzweiflung und Ungewissheit.
Doch nun waren sie endlich wieder zu Hause. Ganz weit weg von dem Schrecken, den sie erleben mussten.
Auch Livia war eine von den jungen Soldaten die wieder nach Hause zurückkehren konnten. Ihre sonst so klaren blauen Augen waren fast schon leblos. Sie starrte aus dem Fenster als könne sie die Dunkelheit durchdringen. Sie hatte schon so viel gesehen. Hatte gesehen wie ihre Kameraden zerfleischt wurden, wurde angebettelt doch auch sie konnte niemanden helfen. Was für eine Schande… Sie hatte ihre Lippen, die fast genauso blass wie ihr Gesicht waren, zusammen gepresst. Noch immer Zitterte ihr Körper vor seelischer und körperlicher Anstrengung. Ihre sonst so schön glänzenden schwarzen Haare hingen nur schlaff über ihre Schultern. Tiefe Augenringe zierten ihr leicht zerkratztes Gesicht. Sie war durch einige Gebüsche gerobbt und war von so manch hohem Baum gefallen um dem Feind zu entkommen. Doch am Ende, waren es zu viele Feinde.
Zunächst kamen sie immer nur nachts doch dann trauten sie sich irgendwann auch tagsüber an der Lager der Soldaten, die eigentlich nur so eine simple Expedition beschützen sollten. Vielleicht hätte Livia schon vorher stutzig werden sollen. Bevor sie sich freiwillig für diese Aufgabe meldete… Es war nur ein Forschungsteam aus 10 Personen, wieso brauchten die also eine Truppe von fast 100 Soldaten als Begleitschutz?
Und sie alle im Flugzeug wussten, früher oder später mussten sie wieder zurück, denn für den Moment hatten sie nur mit ein paar anderen Soldaten getauscht.
Aber jetzt zählte nur der Moment.

Das Flugzeug blieb schließlich stehen und die Passagiere drängten sich langsam zum Ausgang. Sie verließen das Gate und holten sich ihre Taschen ab. Den ganzen Weg über blieben sie in einer Gruppe. Wie die letzten 3 Monate auch. Sie waren niemals alleine gewesen, nicht einmal auf dem Klo waren sie alleine gewesen. Sie wollten es einfach nicht darauf ankommen lassen und das war ja auch irgendwo verständlich. Die umstehenden Menschen musterten die jungen Soldaten mit neugierigen und verwirrten Blicken. Sie alle trugen schlammgrüne Berghosen, schwarze Pullover mit dem jeweiligen Abzeichen und schlammgrünen Westen darüber. Ihre Füße steckten in schwarzen Kampfstiefeln. Man konnte auch deutlich die Holster erkennen die an den Gürteln befestigt waren. In ihnen waren geladene Pistolen befestigt.
Livia sah aus den Augenwinkeln zu den anderen aus ihrer Gruppe. Die meisten hatten eine Hand an, dass Holster gelegt, als wären sie darauf gefasst jeden Moment die Waffe zu ziehen. Als würden sie hier am Flughafen plötzlich angefallen werden.
Sie konnte es verstehen, auch sie hatte Angst aber die Gefahr, dass sie hier jemanden erschoss, war dann doch etwas zu hoch.
Livia selber hatte die letzten 3 Monate kaum geschlafen. Sie hatte am Tag höchstens 3 Stunden gedöst und ansonsten hatte sie sich mit schlechtem Kaffee, Cola und anderem koffeinhaltigen Getränken vollgepumpt. Sie hatte kein Bedürfnis verspürt nachts zu sterben. Wie so viele ihrer Kameraden. Selbst wenn es still war hörte sie die Schreie und das Gebrüll. Wenn sie nun daran dachte stellten sich sämtliche Nackenhärchen bei ihr auf. Es war einfach nur unheimlich gewesen.
Aber auch sie hatte es erwischt gehabt allerdings hatte sie vermutlich mehr Glück gehabt als Verstand.
Ihr linker Arm schmerzte noch immer trotz viel zu hoch dosierter Schmerzmittel. Sie hatte einen fetten Verband um die Wunde und doch konnte man sehen wie sich der Stoff schon wieder langsam rot färbte.
Livia war im Moment aber einfach nur froh, dass ihr Vorgesetzter sie nach Hause schickte. Noch länger hätte sie nicht da bleiben können. Ein oder zwei Tage hätte sie vielleicht noch überlebt aber nicht mehr. Spätestens nach einer Woche hätte sie entweder ihr Leben oder ihren Verstand verloren.

Livia war völlig in ihren Gedanken versunken. Sie verkrallte sich regelrecht in ihrer Tasche. Ihr Körper spannte sich an, als sie plötzlich an der Schulter berührt wurde. Sie drehte sich schnell um. In ihren Augen spiegelte sich nackte Panik wieder. Es dauerte ein paar Sekunden bis sie den Gegenüber erkannte. „Papa,“ fragte sie verwirrt und kurz darauf schlang sie ihre Arme um seinen warmen Körper.
Diese Körpernähe tat verdammt gut. Es fühlte sich an als würde eine kleine Last von ihren Schultern genommen werden. Ihr Vater schlang ebenso ihre Arme um ihren Körper. Er roch nach frischem After Shave und sie kannte diesen Geruch nur zu gut schließlich hatte sie ihm dieses geschenkt bevor sie zu diesen Horror-Trip aufbrach.
Seine braunen Haare standen in sämtliche Himmelsrichtungen und seine blauen Augen funkelten vor Glückseligkeit. Er war sichtlich froh seine Tochter wieder in die Arme schließen zu können. Er strich ihr beruhigend über den Rücken als er merkte, dass Livia noch immer am ganzen Körper zitterte.
„Was machst du hier? Und wo ist Mama,“ fragte sie leise nach. Ihr Vater schmunzelte leicht.
„Dein Vorgesetzter hat bestimmt hundert Mal versucht uns zu erreichen, aber Mama und ich waren in der Oper als wir den Anruf bekommen haben, hatten wir noch genau 15 Minuten um dich abzuholen,“ fing er an zu erklären. Dabei lächelte er ununterbrochen. „Ich habe deine Mum zuhause abgesetzt und bin sofort hier her gefahren. Ich schätze mal sie ruft gerade deine Freunde an und teilt ihnen mit, dass du wieder da bist,“ ergänzte er. Livia hob ihren Kopf und sah ihn leicht geschockt an.
„Aber… es ist doch viel zu spät. Ihr könnt sie doch nicht einfach aus den Betten holen… Ich mein… Morgen müssen sie wieder auf Arbeit oder in die Schule…oder,“ murmelte sie leicht verwirrt. Ihre Stimme klang so fremd in ihren Ohren. So leblos, als hätte man ihr in diesen 3 Monaten sämtliche Gefühle entzogen. Ihre Stimme zitterte einfach nur, klang stumpf und irgendwie krächzend.
„Du hast recht. Morgen ist Schule und das weiß deine Mum auch. Ich denke kaum, dass sie alle zu uns gerannt kommen. Aber du musst verstehen, dass wir uns verpflichtet fühlen, sie alle anzurufen. Die letzten 3 Monate sind sie jeden verdammten Tag vorbei gekommen und haben gefragt wie es dir ginge. Ob wir vielleicht Neuigkeiten hätten, weil du dich ja nie bei ihnen gemeldet hast,“ erklärte ihr Vater. Er nahm ihr die Tasche ab und legte einen Arm um ihre Schulter.
„Hm… Mein Handy ist in nach 5 Tagen kaputt gegangen. Außerdem waren wir in einem verdammten Funkloch. Es ist ein Wunder, dass unser Vorgesetzter uns dort wegbekommen hat und euch informieren konnte,“ sprach Livia und blickte auf den Boden. Sie bemerkte nicht, dass auch die anderen der Gruppe sich zerstreuten. Manche wurden abgeholt und andere liefen zu den Taxis und ließen sich nach Hause kutschieren. Nur eine kleine Gruppe von Männern lief selbstständig nach Hause.
Sanft schob ihr Vater sie Richtung Flughafenausgang. „Ich glaube hätte ich angerufen, dann hättet ihr euch nur noch mehr Sorgen gemacht,“ murmelte sie leise.
„Ach quatsch. Mach dir keinen Kopf. Wir haben deine Freunde doch gerne bei uns, dann ist wenigstens mal etwas los. Und ich muss schon sagen Marco ist ganz schön hartnäckig. Vor allem mit seinem Fragen, deine Mutter und ich waren sehr oft überfordert,“ gestand ihr Vater und entriegelte das Auto. Livia schmunzelte. Ja, so war ihr bester Freund. Auch sie wusste auf manche Fragen, die er stellte keine Antwort.
Eine angenehme kälte begrüßte sie, als sie sich ins Auto setzte. Ihr Vater schaltete sofort die Klimaanlage ein und fuhr dann los. Die ganze Fahrt über sprach Livia keinen Ton. Sie blickte aus dem Fenster. Die bunten Lichter schossen nur so an ihrem Fenster vorbei und hielten ihre Augen regelrecht gefangen. Sie hatte ihr Zeitgefühl verloren aber sie wusste, dass es nur eine Frage der Zeit war bis sie sich wieder an den Alltag gewöhnt hatte. Obwohl sie die ersten Wochen nun erst einmal Urlaub haben würde. Genug Zeit um sich zu erholen.
Irgendwann parkte ihr Vater in der Einfahrt des Familienhauses. In der Stube und in der Küche brannte Licht. Sie konnte die Umrisse ihrer Mutter erkennen die gestikulierend in der Stube stand.
„Sie wird sich freuen dich wieder bei sich zu haben,“ meinte ihr Vater. Er holte ihre Tasche aus dem Kofferraum und ging vorne weg zur Haustür.
Livia folgte ihm in einem kleinen Abstand. Doch noch vor den drei Treppen zur Tür blieb sie stehen. Sie drehte sich um und musterte aufmerksam ihre Umgebung. „Kommst du,“ fragte ihr Vater. Livia atmete noch einmal tief ein bevor sie sich Kopfschüttelnd abwand und ihrem Vater ins Haus folgte.
Ihr schlug wohlige Wärme entgegen, die sie leise Seufzen ließ.
Sie hörte wie die Stimmen im Wohnzimmer verstummten. Es waren also mehr als nur ihre Mutter anwesend. Livia seufzte erneut und zog ihre Schuhe aus bevor sie in den Raum ging. Sofort stand ihre Mama vor ihr und umarmte sie. Sie schloss dabei ihre Augen.
Die schwarzen Haare ihrer Mutter kitzelte sie etwas und sie konnte sich denken, dass kleine Tränen in den braunen Augen ihrer Mutter glitzerten. Ihre Mama war ja schon immer ziemlich nah am Wasser gebaut.
„Jean, ich glaube er möchte unsere Livia auch in den Arm nehmen,“ meinte ihr Vater zu seiner Frau.
„Aber Josh…,“ murmelte ihre Mutter, ließ ihre Tochter allerdings los.
Livia sah zu dem Blonden auf dem Sofa. Er starrte auf den Boden. Ob er sich jetzt gerade wieder an den Streit erinnerte, den sie beide noch am Bahnhof hatten bevor sie losgefahren war um zum Treffpunkt zu gelangen?
Ein schwaches Lächeln erschien auf ihren Lippen. Das war so ein sinnloser Streit gewesen. Sie machte einen Schritt auf ihn zu und setzte sich schließlich neben ihn.
„Hey,“ murmelte sie und sah aus den Augenwinkeln zu ihm. Sie sah wie er zusammen zuckte. „Wie geht’s dir,“ fügte sie hinzu. Ein erschrockener Laut entfuhr ihrer Kehle als er sich plötzlich aufrichtete und sie in seine Umarmung zog. Er vergrub sein Gesicht in ihren Haaren.
„Ich hab dich vermisst,“ nuschelte er gegen ihren Kopf. Sie lächelte und langsam legte sie ihre Arme um ihn und drückte auch ihn gegen ihren Körper.

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Ich hoffe euch gefällt die neue FF =)
Wenn ihr etwas zu bemängeln habt, dann sagt bitte bescheid =P

LG =)
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