Little Bit(e) of Jasper

GeschichteÜbernatürlich / P18 Slash
14.11.2012
14.11.2012
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Dieses Kapitel
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Warnung:
Rating P18-Slash
Die Altersempfehlung macht Sinn!
Sex & Drugs & Rock'n'Roll = Slash & Blut & Tote


Die Handlung beginnt in Twilight bei dem Baseball-Spiel, zu dem Laurent, James & Victoria dazu stoßen.
Ich habe mir erlaubt, mich an den Filmfiguren zu orientieren.






Sehnsucht

Mit geschmeidigen Bewegungen kamen sie auf uns zu, ihre blanken Füßen schienen fast über den Erdboden zu schweben. Ein dunkelhäutiger Mann ging an der Spitze, sein Oberkörper war mit nichts mehr als einer offenen Lederjacke bekleidet. Die Blutleere ließ seine dunkle Haut wie silbrig schimmern. Faszinierend - es dauerte eine Weile, ehe ich den Blick wieder abwenden konnte, zumal ich eine seltsame Nervosität an ihm verspürte. Knapp hinter ihm ging ein kräftig gebauter Mann, nicht besonders groß, aber auffällig durch sein goldblondes Haar, das er zu einem Zopf gebunden hatte, sowie die großen, katzenhaften Augen und das verschlagene Lächeln. Und dann sie … die Frau … Unweigerlich musste ich schlucken. Sie trug einen weißen Wolfspelz um die Schultern, der Wildgeruch des Fells schwängerte die Luft. Herb und animalisch. Tief sog ich den Atem ein und entließ ihn flatternd wieder aus meinen Lungen, während ich sie ansah. Rotes Haar fiel ihr in zerzausten Locken bis auf die Hüfte hinab, auf ihren Lippen lag amüsierter Hochmut. Sie war zum Niederknien schön.

Aufdringlich prasselten die Gefühle der anderen auf mich ein. Besorgt waren sie alle, besonders Edward, der Bella hinter seinem Körper zu verstecken versuchte. Alice empfand Schuldgefühle, ich trat neben sie und versuchte, sie ein wenig zu beruhigen. Du kannst nicht immer alles sehen.  Mein Blick hing an den Lippen der Fremden.
Carlisle und Esme waren um lässige Souveränität bemüht, Emmett verbot sich selbst, die anderen Vampire anzuknurren. Rose strahlte eine gewisse Gleichgültigkeit aus, als wollte sie sagen „Ich habe doch gewusst, dass das schief geht.“ So, wie sie die fremde Frau musterte, lag ihre größte Befürchtung darin, jemand könnte die Rothaarige für schöner halten, als sie. Und, sorry Rose, das war sie wirklich.
Bella hatte Angst – das musste ich nicht spüren. Man roch das menschliche Adrenalin. Ich sah, wie die drei Fremden die Luft bei jedem Atemzug auf der Zunge zu schmecken schienen. Sie wussten längst Bescheid, auch wenn sie belanglos und mit übertriebener Unauffälligkeit Höflichkeiten mit Carlisle austauschten und ihre Namen nannten. Laurent, James und … Victoria.
„Victoria“, flüsterte ich lautlos, nur eine Bewegung meiner Lippen. Sie schien es wahrzunehmen, schenkte mir ein Lächeln und schlug die Augen nieder.
Augen von dunklem Rot, fast Zyklam. Voll von genüsslichsten Erinnerungen. Die Farbe ihrer Augen ließ mich heißes Blut in meinem Mund spüren.
Ich sog ein weiteres Mal die Luft ein und schmeckte nun selbst den süßen Duft von Bellas Körper; leckte mir über die Lippen und schluckte, weil das Gift in meinen Mund floss. Victorias Lächeln wurde wissend.

Während Laurent weiter mit Carlisle sprach, Edward ein finsteres Gesicht zog (und Bella damit nur noch mehr Angst machte) und Alice so versunken in ihren verworrenen Zukunftsvisionen war, dass sie nicht mehr mitbekam, was unmittelbar vor ihrer Nase geschah, konnte ich nur starren. Ich starrte die Fremden an. In erster Linie Victoria und James, deren wilde Schönheit mir den Atem rauben wollte. Mit welch lässiger Anmut sie meiner Familie gegenüberstanden – sich der Gefahr durchaus bewusst, denn Vampire waren selten friedlich, wenn sie ein Jagdrevier für sich beanspruchten. Und wir waren deutlich in der Überzahl.
Und doch schienen sie unbeeindruckt, vollends von sich überzeugt. Diese Gefühle waren wie Balsam für mich und mir wurde zum ersten Mal wirklich klar, wie sehr ich unter dem permanenten Gejammer in meiner Familie litt. All diese Sorgen, mit denen sie mich – ohne es zu wollen – belasteten. Ich bin ein gefährliches Monster und nicht gut genug für Bella! – Ich kann die Zukunft nicht klar sehen, ich versage! – Ich bin nicht schön genug! – Die Bärensaison geht zu Ende, meine Welt geht unter! - Wir sind so böse Geschöpfe, wir müssen und selber bis in alle Ewigkeit geißeln!
Ach, ich war es so müde!

Und diese Vampire mir gegenüber versprühten nichts als Freiheit. Wilde Freiheit und Freude an ihrem Dasein, unbekümmerte Lust an allem was sie taten. Sinnlich waren sie. Wild und gefährlich – wie wir es sein sollten.
Raubtiere! – Während jene, die um mich herum standen und palaverten mich nur mehr an zahnlose Zirkuslöwen erinnerten. Für einen kurzen Moment beschämte mein eigenes Dasein mich beinahe. Ein vegetarischer Vampir, dem man die Fänge gezogen hatte. Ein Leben voll Entbehrungen, nur um unter Menschen sein zu können. Und wozu das alles?
Wie sehr sie mich langweilten, diese Menschen. Verlogenes Pack, welches sich so hochmütig als „Krone der Schöpfung“ bezeichnet und in Wahrheit nicht mehr ist als ein Parasitenschwarm, der die Erde nach und nach abgrast und nichts als ausgebeuteten Sand  zurücklässt, begraben von einer dicken Schicht aus Müll.
Sie hatten es gar nicht verdient, dass wir sie verschonten und uns dazu herabließen, unsere Reißzähne in das Fell von Tieren zu schlagen, die uns noch viel weniger getan hatten, als die Menschen.

Wie verlockend war die Vorstellung, statt stinkendem, zähem Fell wieder die duftende Kehle eines Menschen unter meinen Lippen zu spüren.
Ein Schauder der Erregung lief durch meinen Körper, ehe ich mich mühsam wieder zusammenriss.
Ich durfte mich nicht gehen lassen. Doch in mir war eine solche Sehnsucht erwacht, wie ich sie lange nicht mehr verspürt hatte.

Doch ich musste Vorsicht bewahren. Edward war aufmerksam, aber im Moment konzentrierte er sich ganz auf Laurent, der für ihn die größte Bedrohung darzustellen schien, da er der Anführer war. Auch Alice schien ganz auf diesen Mann konzentriert zu sein. Blitzschnell deutete ich den Fremden auf Edward und berührte dann rasch meine Schläfe, hoffte, sie würden die Warnung begreifen. James verengte kurz die Augen und zuckte mit den Mundwinkeln – er hatte verstanden. Ich konnte förmlich sehen, wie er seine Gedanken auf Bella fokussierte – ein Ablenkungsmanöver. Edwards Kehle entwich ein Knurren. Nahezu gleichzeitig wies die schöne Rothaarige mir mit den Augen auf einen Punkt in den Bergen.
Hatte sie mein stilles Flehen erkannt? Sollte dies … eine Einladung darstellen?
„Wir sehen uns“, schienen ihre Lippen in meine Richtung zu flüstern, dabei war kein Wort zu hören. Doch ihr Lächeln sagte mehr als alles andere. Ich spürte ihre Vorfreude. Vorfreude auf mich. Und ich erwiderte diese Freude bis sie mich vollständig erfüllt hatte.
Ja, ich werde zu euch kommen.