Make your day more beautiful by living your dream

GeschichteDrama, Familie / P18
11.11.2012
04.04.2014
88
372589
4
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 
 
Haay, zu dieser Fanfiction. Es gibt eigentlich nicht viel vorher zu sagen, als viel Spaß beim Lesen :)

Kurze A/N: Die Liebe Jenny hat diese Geschichte gebetat und ich werde sie nun nach und nach updaten. So viel ich schaffe, selbst auch nochmal zu überfliegen und es eventuell nochmal hier und da zu überarbeiten.
Die überarbeiteten Kapitel werden in der Überschrift mit * markiert werden, sodass man gut verfolgen kann, wo ich beim updaten bin. Nun aber viel Spaß beim Lesen :)




Entscheidungen


Update: 17.März.2016


Bellas Sicht:

1.August.2007


Der erste Schrei erfüllt mich mit Stolz, Erleichterung und Erschöpfung. Dieser atemberaubende Augenblick, würde mir den Boden unter den Füßen wegziehen, wenn ich nicht in diesem Bett liegen würde. Leicht spüre ich das Gefühl von Scham, welches daraus rührt, dass ich breitbeinig vor der Ärztin liege, mein Geschlecht so offen vor ihr liegt, nur mein Baby dazwischen. Mein Dad, der die Nabelschnur durchschneidet, der dann auch so nahe dran ist, würde mir die Röte ins Gesicht schießen lassen, wenn ich nicht so erschöpft wäre. Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, wird mir mein feuchtes Mädchen auf die Brust gelegt, jeglicher Gedanken ist aus meinem Kopf gefegt. Selbst meine Eltern sind aus meinem Gedächtnis verbannt. Mein Mädchen ist blutverschmiert, hat ihre Augen zusammengekniffen, eine verzogene Nase und der markerschütternder Schrei aus dem kleinen, feinen, zierlichen Mund. Die kleinen Finger zu Fäusten geformt.

Die Schwester legt sanft eine dicke Decke über mein Mädchen und lächelt verträumt – aus Gründen, die ich nicht ganz nachvollziehen kann – vielleicht wünscht sie sich selbst ein Kind. Meine Finger streichen sanft mit den Spitzen über ihre feuchte Wange, so gerne würde ich ihr jetzt das Blut vom Körper wischen. Aber trotzdem möchte ich diesen Moment nicht zerstören und nehme das ganze Blut einfach so hin. Meine eigene Abneigung gegen Blut ist einfach so vergessen. Kaum berühre ich meinen Schatz sanft, beruhigt sie sich und scheint leicht einzuschlummern. Die Schwester und der Arzt verschwinden für einen Moment aus dem Raum und lassen mich mit meinem Baby und meinen Eltern alleine. Nur kurz wird mir bewusst, dass meine Eltern noch da sind, aber dann ist es schon wieder vergessen. Mein Baby lässt mich alles vergessen. Sie sagen nichts, weswegen ich ihnen auch unglaublich dankbar bin. Ich schaue sanft in das kleine, putzige Gesicht meiner wunderschönen Tochter und mein Herz schwillt vor Liebe und Wärme einfach nur an. Die Gefühle dringen in mein Gedächtnis, überschwemmen mich und lassen mich nicht mehr los. Meine Welt hört auf, sich um alles und jeden zu drehen, sondern sie dreht sich nun nur noch alleine um meine Tochter – Lily Esme Swan.

Ich scheine meine Welt von neuem kennenzulernen. Alles aus einem anderen Blickwinkel zu sehen, beruhigt mich irgendwie, sogleich es mich auch durcheinander bringt. Schon lange bin ich nicht mehr das Mädchen, welches einfach zur High School geht, gute Noten schreibt und gewissenhaft an den Hausaufgaben sitzt, sondern eine Mutter, die das Glück des Kindes an erster Stelle stellt, die ihrer Tochter ein Leben voller Glück und Frieden bieten will. Ich habe einem neuen Menschen ein Leben geschenkt. Neun Monate in mir getragen, dass es groß und stark wird und wenn ich in ihr Gesicht schaue, weiß ich, dass sie einmal besonders stark und gütig werden wird. Ihre Züge entspannen sich, so tiefer sie in den Schlaf sinkt, was mich immer mehr beruhigt. Die Schwangerschaft hätte später passieren sollen, aber hätte ich in mein Schicksal eingreifen sollen? Hätte ich sie abtreiben können? Hätte ich es gewollt? So sicher ich mir bin, diese Fragen nicht beantworten zu können, so sicher bin ich mir, dass ich meinem Baby ein Leben schenken will. Ich nehme mein Schicksal an, weiß, was auf mich zukommt, trotzdem stelle ich mich dieser Aufgabe, nehme mein Baby an, küsse es sanft und bin überglücklich. Ich werde sie für immer fest in meinen Armen halten und immer für sie da sein.

Ich werde die Abschlussprüfungen verpassen und somit das Schuljahr wiederholen müssen, aber für mein Baby würde ich alles tun. Selbst sterben würde ich, wenn ich mir sicher bin, dass es meinem Baby das Leben retten würde. Ich will ihr ein Leben bieten, denn ich liebe sie so sehr – meine Tochter.

1. September. 2008

Meine Mutter spielt mal wieder mit dem Gedanken, einfach zu verschwinden. Ich merke es daran, dass der Haushalt ein wenig auf der Strecke bleibt. Aber sie würde jetzt nicht einfach umziehen. Sie würde mich nicht einfach allein lassen. Besonders nicht, da ich endlich meinen Abschluss in der Hand halte und nun auf ein paar Antworten von ein paar Colleges warte.

„Bella“, kreischt meine Mum los und kommt zu mir in die Küche gestürmt. Sie war gerade einkaufen, worauf auch der Korb mit den Lebensmitteln in ihrer Hand hindeutet und der etwas große Brief den sie in der anderen Hand hält. Ich bin ein paar Monate, nachdem ich erfahren habe, dass ich schwanger bin zu meiner Mum nach Phoenix gezogen. Erst schien es, als würde ich Dad nicht davon überzeugen können, dass es das Beste für mich und das Baby war, wenn ich zu Mum ziehen würde. Dad war oftmals den ganzen Tag auf der Arbeit und auch wenn ich jetzt bei meiner Mum lebe, würde ich Dad nicht genauso stark lieben. Ich machte Dad verständlich, dass ich bei Mum zur Schule gehen könnte, während sie auf mein Baby aufpasst, was ihn dann auch davon überzeugte. So lebe ich seit gut anderthalb Jahren bei meiner Mum. Der Umzug selber war ziemlich anstrengend gewesen, weil es doch schon eine gute Entfernung zwischen Forks und Phoenix gewesen ist und ich zudem schon im siebten Monat war. Ich fand bisweilen die Schwangerschaft einfach nur schrecklich, was nicht minder an den Ausmaßen meines Bauches gelegen hat. Dazu haben mich Zweifel und Selbstmitleid fast selbst verschlungen, sowie in den Wahnsinn getrieben. All das löste sich in den ersten Minuten nach der anstrengenden Geburt in Luft auf. Die Welt schien sich um Lily zu drehen, weswegen ich sie gerne als mein Leben bezeichne und für sie habe ich gerne alles auf mich genommen.

„Oh, mein kleines Mädchen“, schluchzt mein Dad auf, als er mich fest in die Arme zieht, was sich als ziemlich umständlich erweist, da mein Bauch schon ziemlich groß ist, für den siebten Monat. Ich kann selbst meine Füße nicht mehr wirklich sehen.

„Dad. Ich bin doch nicht aus der Welt“, lache ich gezwungen an seinem Hemd und drücke ihn ein wenig einfühlsam an mich.

„Es ist Phoenix. Möchtest du wirklich gehen?“, protestiert Dad energisch und ich schüttele lachend den Kopf. So oft haben wir in den letzten Wochen darüber gesprochen, immer wieder wurde es ausdiskutiert. Dad ist nicht der emotionale Typ, weswegen mich dieser kleine Ausbruch ziemlich erschüttert hat. Was aber auch nicht zu sehr verwunderlich ist, weil es um seine Tochter geht und da man bekanntlich fürsorglicher ist. Deswegen werde ich ihn auch so vermissen. Ich habe gerade mal ein Jahr bei meinem Dad gelebt und schon habe ich das Gefühl, ein Zuhause zu verlassen, was mich ein wenig mit Wehmut erfüllt. Nun aber ziehe ich zu meiner Mum zurück. Wie immer rede ich mir ein, dass es die richtige Entscheidung ist. Auch wenn Forks zu meinem Zuhause geworden ist, hält mich hier nichts mehr. Es hat es einmal, aber das wird nie wieder so sein – er ist weg. Er wird auch nicht wiederkommen.

„Wir müssen los“, sagt Mum schlecht gelaunt und ich schüttele nur lachend den Kopf. Sie ist extra nach Forks geflogen um mir zu helfen. Wir würden zurückfliegen, während der Fahrer den Umzugswagen von hier nach Phoenix fahren wird.

„Lass mir doch den Moment mit meiner Tochter“, grummelt Dad und ich muss wieder lauthals kichern.

„Deiner Tochter lacht dich schon aus“, sagt Mum wieder und Dad drückt mich fester an sich. Zehn Minuten später sind wir auf dem Weg zum Flughafen in Port Angeles.


„Was habe ich gemacht?“, frage ich meine Mum seufzend. Sie schüttelt grummelnd den Kopf. Ärgert sich über mein Desinteresse. Dann aber scheint sie sich wieder zu fassen und strahlt mich übers ganze Gesicht grinsend an.

„Ich habe etwas für dich“, grinst meine Mum nun gut gelaunt und wirft mir den Umschlag auf den Tisch. Groß prangert der Stempel der Harvard University auf dem Umschlag. Der Umschlag ist auch viel zu groß für eine Absage, aber wieso sollten sie mich denn annehmen? Mir – eine unscheinbare junge Mutter – eine Zusage an der berühmten Universität geben? Dann sehe ich, dass der Umschlag schon geöffnet ist. Mir geht ein Licht auf und schaue fassungslos zu meiner Mum herauf.

„Du hast meine Post geöffnet?“, fauche ich sie an und Mum schaut einen Moment entschuldigend drein, aber wirkt nicht schuldbewusst genug, dass sie sich Schuldgefühle macht.

„Ich wollte es wissen, damit du mir keine Lügen auftischen kannst und ich konnte mich nicht mehr zurückhalten“, sagt sie schulterzuckend.

„Ich kann nicht an die Harvard gehen“, stelle ich fest und nehme den Umschlag vorsichtig in die Hand. Ich drehe ihn ein wenig unsicher in der Hand und bin mit den Gedanken am Spielen, ihn einfach wegzuschmeißen.

„Wieso bitteschön nicht?“, fragt Mum mich stirnrunzelnd.

„Weil ich Lily habe“, sage ich geradeheraus und Mum beginnt schallend zu lachen. Sie weiß eindeutig mehr, als ich.

„Das ist doch nicht dein ernst. Schau dir doch erst mal die Zusage an, bevor du mit diesem Argument kommst“, presst meine Mum hervor, bevor sie in Gelächter ausbricht. Mit zittrigen Fingern ziehe ich die Unterlagen aus dem Umschlag.

Sehr geehrte Ms. Swan,

wir haben mit Freuden ihre Bewerbung an unserer Harvard Medical School in Empfang genommen und laden sie herzlich dazu ein, am 01. Oktober.2008 an den Vorlesungen im ersten Semester teilzunehmen.

Auf sie wartet ein Vollstipendium und für die Kinderbetreuung ist auch gesorgt. Im Anhang finden sie Familien, die junge Mütter aufnehmen, sowie ein Mutter-Kind-Heim, welches eng mit unserer Universität zusammenarbeitet …


…Vollstipendium? Kinderbetreuung? Wie soll ich denn glauben, dass sie solch einen Aufwand für mich veranstalten. Natürlich – mein Abschlusszeugnis ist klasse. Nur Einsen, aber das hatte ich allein meiner Mum zu verdanken. Sie hat mir oft Lily bis spät in den Abend abgenommen, wodurch ich lange lernen konnte. Anschließend habe ich mir Zeit genommen und meine Tochter ins Bett gebracht. Daneben habe ich einen Sessel stehen gehabt, sodass ich sie lange beobachten konnte. Ich muss sie einfach sehr lange beobachten, da ich ziemlich viel von dem Tag meiner Tochter verpasst habe.

Ich schaue mir die nächsten Unterlagen an. Meine Mum ignoriere ich gekonnt, während ich die Seiten durchblättere. Erst sind da mehrere Blätter, die sich mit dem Stipendium beschäftigen und dann für das Programm für junge Mütter. Das würde mir erlauben, mit meiner Tochter zusammen in Harvard zu studieren. Aber kann ich das einfach so machen? Kann ich einfach nach Cambridge ziehen, meine Mum auch noch verlassen und vielleicht zu einer Familie dort ziehen? Kann ich Lily das zumuten, sich mit neuen Menschen anzufreunden, bei denen sie bleibt, während ich zur Uni gehe? Was wird aus Mum? Bevor ich mich diesen Fragen stelle, blättere ich weiter durch die Unterlagen. Ich finde weitere Informationen über das Studium selbst, wann es beginnt, wie ich den Stundenplan erstellen muss und so weiter. Eine Liste was ich noch brauche liegt auch bei. Zum Schluss finde ich noch die Familien, die mich aufnehmen würden, sowie die Institution.

„Aber…“, beginne ich stockend, aber Mum unterbricht mich, bevor ich irgendein gutes Argument vorbringen kann.

„Es gibt daran nichts auszusetzen. Es ist deine Chance, Bells“, sagt sie energisch und ich schaue sie geschockt an.

„Und Lily?“, frage ich nun schluchzend. Ich will einfach nichts falsch machen. Ich bin noch nicht bereit, alleine für Lily zu sorgen. Ich weiß, ich kann das. Lily ist unglaublich liebevoll und einfach zu handhaben.

„Ihr wird es gut gehen, Bells. Du bist doch bei ihr. Du bist eine gute Mutter“, antwortet meine Mum und zieht mich in ihre warmen Arme. Ich vergrabe mein Gesicht in ihrer Umarmung und genieße einen Moment, die Berührung meiner Mutter.

„Ich liebe sie mehr als mein Leben. Für sie würde ich meinen Traum aufgeben. Ich kann auch hier in Phoenix auf die Uni gehen“, schluchze ich wieder und meine herzensgute Mutter streicht mir über den Rücken.

„Das wissen wir. Das Programm ist wirklich gut. Du kannst entweder in ein Mutter-Kind-Heim gehen, wo sie dich unterstützen oder es gibt Familien, die gerne junge Mütter aufnehmen und auf das Kind aufpassen, während du in der Uni bist“, sagt Mum beruhigend.

„Was ist mit euch?“, frage ich leise. Bevor Mum antworten kann, schreit mein kleines Mädchen auf. Ich löse mich sofort aus der Umarmung und folge meinen Verpflichtungen als Mutter sofort, wische mir über die Augen und mache mich auf dem Weg in das kleine Zimmer. Meine Mum hat es sich nicht nehmen lassen und den Raum in ein helles Pink gestrichen. Das Bett steht in einer Ecke, daneben der Wickeltisch und ein Schrank. Die andere Ecke ist mit einem kleinen Tisch zugestellt und solche süßen kleinen Stühle.

Nun sitzt meine kleine Tochter in ihrem Bettchen und schaut mich mit tränenverschmierten Gesicht an und streckt ihre kleinen Hände in meine Richtung. Ihr braunes und feines Haar steht ihr vom Kopf ab und die grünen Augen leuchten mich verträumt an.

„M..y“, wimmert sie los und sofort bin ich bei ihr. Ich hebe sie heraus und drücke sie an mich. Mein kleines Baby, auch wenn sie schon so groß wirkt. Ihre Beine um meinen Bauch und ihre Finger auf meiner Schulter liegend. So wunderschön mein kleines Baby ist. Ihr schönes Haar, so fein und doch so toll. Ihre grünen Augen sind so einmalig und doch so bekannt. Ich könnte sie den ganzen Tag beobachten und niemals genug bekommen.

„Hast du gut geschlafen?“, frage ich meinen Liebling und es scheint, als würde sie nicken. Ich weiß, dass es vielleicht noch ein bisschen zu früh ist, aber so scheint es mir. Ich wische ihr mit einer Hand übers Gesicht und die Tränen verschwinden von ihren Wangen. Dadurch wirkt sie noch viel hübscher, auch wenn die Tränen ihr etwas Wunderschönes gibt.

„Mo…“, sagt sie wieder und ich lächele einfach. Sie versucht zu sprechen, aber es fällt ihr sehr schwer. Aber mein kleiner Schatz hat auch noch Zeit damit. Währenddessen gehe ich zurück in die Küche, wo Mum auf mich wartet.

„So, mal schauen, was wir dir zu Essen machen“, sage ich glücklich, vergessen was in der Vergangenheit passiert ist. Ich suche in den Schränken nach den Milchstütchen. Sie liebt diese und so bekommt sie gerne mal welche.

„Gehst du jetzt nach Harvard?“, fragt mich meine Mum, als ich Lily das erste Milchstütchen in die Hand gedrückt habe. Gierig beißt sie davon ab und ihre Augen strahlen glücklich und zufrieden.

„Bleibt mir was anderes übrig?“, grummele ich und Lily schaut mich über ihr Essen hinweg neugierig an.

„Nein“, grinst meine Mum und damit ist es beschlossene Sache. Ich würde mit meiner Tochter nach Cambridge ziehen.

Edwards Sicht:

Nur noch wenige Tage, bis das Semester dem Ende zugeht und ich wieder trostlose Wochen alleine verbringe. Ob ich zu meinen Eltern und Geschwistern fliege, hängt davon ab, dass ich noch auf einen entscheidenden Brief von der Harvard University warte. Jeder Tag ist eine Qual und ich fühle mich immer unwohler  Yale habe ich damals gewählt, weil ich einfach den Anblick meiner Familie nicht länger, als ein paar Tage aushalten konnte und es auch heute noch nicht kann. Trotzdem will ich Yale gegen die Harvard austauschen, um wieder bei meiner Familie zu sein. Auch wenn sie mir wieder jeden Tag vorwerfen werden, dass ich SIE verlassen habe und es mein größter Fehler überhaupt war. Auch wenn sie mich jedes Mal wütend, enttäuscht und traurig anschauen werden, wenn ich zu ihnen gehe. Trotzdem tausche ich die Ruhe, die an der Yale herrscht, aber nur weil ich alleine und völlig abgeschottet von den anderen Studenten lebe, gegen eine andere ausgezeichnete Eliteuniversität. Ich wechsele nicht aus dem Grund, dass die Yale nicht die Gute für mich wäre, sondern weil sie nicht die Richtige für mich ist. Die Richtige ist da, wo meine Familie ist. Ich habe die Hoffnung, dass ich dort bei den anderen wieder auflebe, meine Vergangenheit endlich vergessen und einen neuen Anfang starten kann. Dass ich mich wieder wohler fühlen kann, als ich es Momentan tue. Ich habe den Antrag dafür gestellt und warte nun auf Antwort, um zu meinen liebenden Eltern, meiner aufgedrehten und vorwitzigen Schwester und meinem kindlichen Bruder zurückzukehren. Immer wieder frage ich mich, weswegen ich wegziehen konnte. Die Liebe. Die Liebe zu meiner großen Liebe, die sie als mein Schicksal angesehen haben, die ich aufgegeben habe, weil ich nicht ehrlich genug sein konnte. Ich bin weggezogen, weil ich die Vorwürfe nicht mehr ausgehalten habe.

Endlich bin ich zuhause. Nicht mehr lange würde ich es mein Zuhause sein, aber heute ist es noch so. Ich lasse den Schlüssel, als ich die Tür aufgeschlossen habe und eingetreten bin, neben der Tür in die kleine Schale auf dem Schuhschrank fallen, streife mir die Schuhe ab und wandere durch den länglichen Flur ins Wohnzimmer. In der Tür bleibe ich stehen, während ich die Briefe in meiner Hand beschaue. Rechnung, Brief meiner Mum und ein Brief mit einem offiziellen Stempel der Harvard University. Schnell landen die anderen Briefe auf dem Fernsehschrank direkt neben der Tür und ich reiße den Umschlag auf.



Sehr geehrter Mr. Edward Cullen,

wir freuen uns sehr, dass sie sich zu einem Wechsel an unsere Harvard Medical School entschieden haben. Mit großer Freude haben wir es zur Kenntnis genommen und würden uns freuen, wenn sie sich am 1.Oktober.2008 an unserer School einfinden. Dort würden sie mit dem 3. Semester fortfahren.



Ich habe es geschafft, meine Leistungen reichen, dass ich einfach so wechseln kann. Auch das Stipendium könnte ich mitnehmen, auch wenn ich es nicht bräuchte. Meine Eltern hätten immerhin genug Geld dafür, auch mich durch die Uni zu bringen, aber was für eine Erleichterung es ist, wenn man nicht die Hilfe seiner Eltern braucht um an einer Eliteuniversität studieren zu können. Die ganze Erleichterung strömt durch mich hindurch und ich seufze erleichtert auf. Dann plötzlich löst sich die Anspannung der letzten Wochen und Monate von alleine und ich breche zusammen. Ich sacke auf die Knie, die Tränen steigen mir in die Augen und ich lasse mich für einen Moment völlig gehen. Ich gleite zur Seite, schlinge die Arme um die Beine und schluchze einfach weiter, während alles auf mich einbricht und mich unter allem begraben will. Der Brief liegt nur ein paar Zentimeter von mir entfernt. Ich beiße die Zähne zusammen, um den Schrei zu unterdrücken. Der ganze Schmerz der letzten zwei Jahre nimmt wieder Besitz von mir. Die Erleichterung des Wechsels, der Verlust meiner großen Liebe und noch so einiges mehr sind für diesen schmerzvollen Zusammenbruch verantwortlich. Es tut einfach unglaublich weh und ich kann es nicht richtig beschreiben. Der Schmerz, als ich Bella verlassen habe, ist stumpf geworden, ist aber nie völlig verschwunden. Mein Herz ist aus Eis geworden, damit ich damit umgehen kann, dass ich fortgehen konnte, aber jetzt brennt der Schmerz dieses Eis weg und ich werde in ein tiefes Loch der Verzweiflung, des Schmerzes und des Verlustes geworfen. Nichts kommt dagegen an und es schmerzt so stark. Ich wollte das Richtige für Bella. Ich wollte ihr ein glückliches Leben ohne mich schenken. Aber habe mich damit in einen Abgrund geworfen. Der erneute Schmerz drückt auf meiner Brust, während mein Herz versucht zu schlagen. Es schmerzt und es fühlt sich an, als würde er zerbrechen. Es zerbricht, während ich versuche es zusammenzuhalten. Ich komme nicht mehr dagegen an und lasse es einfach geschehen.

Das Klingeln meines Handys holt mich nach einer ganzen Weile aus dem Griff des Schmerzes, auch wenn ich nicht dran gehe. Ich richte mich schmerzerfüllt auf und taste nach dem Umschlag meiner Familie. Mir bleibt nur ein paar Sekunden, bis der Anrufer mich erneut anruft. Ich öffne den Umschlag sachte, als würde ich ihn zerbrechen. Es fällt ein einzelnes Blütenblatt einer Rose heraus und ich muss lächeln, während ich mit dem Duft der Rosen benebelt werde. Dann falte ich den Brief auseinander und werde in die Welt meiner Mum gezogen. Es erdet mich, während ich dämlich lächele.


Hallo mein geliebter Sohn,

wir alle vermissen dich. Das muss ich dir aber nicht sagen, denn das weißt du. Deswegen enttäuscht es mich zunehmend, dass du nicht diese Gefühle zu teilen scheinst. Keine Meldung, wie es dir geht, keine Meldung dass du dich entscheidest, nach Cambridge zu ziehen. Einfach nichts. Ja, ich weiß von deinen Plänen zu uns zu ziehen und ja es verletzt mich, dass ich es durch deine Schwester erfahren muss. Trotzdem liebe ich dich und werde es akzeptieren.

Einerseits freue ich mich, dass du dich entschließen willst, zu uns zu kommen, aber ich kann auch deine plötzliche Entscheidung nicht ganz nachvollziehen. Gibt es irgendeinen Grund, den du uns vielleicht sagen möchtest? Ich würde es gerne nachvollziehen, du brauchst aber nichts sagen, weil ich dich liebe. Ich würde nie eine Entscheidung zu Zweifel ziehen, aber du brauchst nicht denken, ich hinterfrage nichts.

Vielleicht hilft dir dieser Brief, um uns endlich aufzuklären …


Weiter kann ich nicht lesen, weil mein Handy wieder losgeht. Während ich nach meinem Handy greife ich, frage ich mich, was Bella gerade macht? Aber dann denke ich wieder, dass ich mich gar nicht fragen darf, was sie macht, weil ich sie verlassen habe. Ich bin schuld, dass wir ein Leben ohne den jeweils anderen verbringen müssen. Würden wir jetzt noch zusammen sein, wenn ich nicht so dumm gewesen wäre?

„Cullen“, grummele ich in den Hörer, mit den Gedanken bin ich aber ganz woanders.

„Deine kleine nervige Schwester möchte endlich wissen, ob du nun zu uns ziehen willst, oder ob wir uns eine andere Wohnung suchen müssen“, lacht meine kleine zierliche Schwester Alice.

„Mhmmm…“, murmele ich und unterdrücke das kleine Lachen, welches sich meine Kehle nach oben sucht. Trotz allen Gefühlen, die sich in meinem Inneren aufbauen, bin ich dennoch bereit zu lachen, wenn es wirklich guttut.

„Was denn jetzt?“, drängt Alice mich und ich muss lauthals loslachen. Es scheint einfach kein Ende finden zu wollen und japse mehrmals bis ich eine klare Antwort geben kann.

„Meine kleine liebes Schwesterchen“, kichere ich, als ich mich beruhigt habe.

„Jetzt sag endlich“, presst sie nun wütend hervor.

„Ich bin ab dem 1.Oktober Student an der Harvard University“, sage ich feierlich und da höre ich es schon am anderen Ende lauthals kreischen.

„Dann sind wir endlich wieder alle zusammen“, kreischt sie lauthals und ich muss einfach schmunzeln.

Bellas Sicht:

Ich liege in meinem Zimmer auf dem Bett und habe ein dickes Buch auf meinem Schoß liegen. Lily schläft wieder friedlich in ihrem Bett und ich habe das Babyphone neben mir liegen. Ich versuche mich auf die Zeilen zu konzentrieren, aber meine Gedanken schweifen immer wieder zu dem heutigen Nachmittag zurück. Mum hat mich noch lange allein unterhalten, während ich mit Lily auf dem Boden in ihrem Zimmer saß und mit den Bauklötzen gespielt habe. In den Unterlagen für die Universität haben sich auch Vorschläge für Familien befunden und ich sollte mir dort eine Familie aussuchen und dort anrufen. Wenn sie mich aufnehmen wollen, würde es sich dann einrichten lassen. Ich schlage mein Buch zusammen, da ich mich gar nicht darauf konzentrieren kann und greife nach den Unterlagen. Ich schaue mir die unterschiedlichen Familien an und muss einfach schmunzeln.

Die erste Familie ist eine fünfköpfige Familie, wobei die Kinder ausgewachsen sind. Sie leben aber noch zuhause, da sie ebenfalls auf die Uni gehen. Die Familie scheint auf den ersten Blick nett zu sein, aber dort würde ich keine Ruhe finden und ich wüsste nicht, ob es Lily dort gefallen würde. Sie ist bei fremden Menschen noch sehr zurückhaltend und wenn dann auf einmal fünf Personen vor ihr stehen, wäre sie ziemlich schnell überfordert. Dieses Verhalten kann man auch daran zurückführen, dass sie gerade ihren ersten Geburtstag hinter sich hat und ihre Bezugspersonen halt meine Mum und ich sind. Natürlich hatte sie auch schon Kontakt zu anderen, aber es ist nicht dasselbe, denn dort würden wir bei ihnen leben und sie würden auf Lily aufpassen. Deswegen lege ich den Zettel beiseite und betrachte den nächsten Vorschlag.

Diese Familie – die aus drei Personen besteht – kann ich schnell wieder beiseitelegen, da sie viel zu weit von der Universität entfernt wohnen. Ich schaue mir noch mehrere Vorschläge an, bis ich auf ein etwas älteres Ehepaar stoße, welches Kinderlos geblieben ist und sehr nahe an der Universität wohnt. Sie nehmen immer eine junge Studentin auf, die ein kleines Kind bekommen hat und sind sehr kinderfreundlich. Sie wohnen in einem großen Haus, wo die Studentin zwei Zimmer bekommen kann. Ich würde Morgen mit meiner Mum nochmal darüber reden, aber ich bin mir schon jetzt sicher, dass das Ehepaar Smith die Leute sein werden, bei denen ich wohnen will. Das angefügte Bild leuchtet mir erneut entgegen und ich muss lächeln. Die Frau, welches schon grau meliertes Haar hat, welches sie im Nacken zusammengesteckt hat, lächelt freundlich und ihre Augen wirken einladend. Der Mann daneben scheint vielleicht zwei Jahre älter zu sein, aber er strahlt eine Ruhe aus, sodass ich mich über das Bild hinaus, sofort wohl fühle. Dieses irrationale Gefühl kann ich nicht beschreiben, aber sie scheinen für mich ein Ehepaar zu sein, welche sich gut um meine Tochter kümmern können.

Renées Sicht:

Am nächsten Morgen kommt Bella noch ein wenig verschlafen, aber strahlend aus ihrem Zimmer. Sie fährt sich durchs Haar und grinst mich an. Sie hat ein Blatt Papier in der Hand, welches sie vor mir auf den Tisch legt. Ich stelle die Kaffeetasse ab und schaue auf die Unterlagen. Das Bild eines Ehepaares leuchtet mir als erstes entgegen. Sie haben bestimmt das Alter eines Rentners schon erreicht, aber sie strahlen solch eine Vitalität und Ruhe aus, dass sie auf mich sehr sympathisch wirken.

„Sie scheinen sehr gut zu sein“, stellt Bella lächelnd fest und holt sich eine Tasse und füllt sich dampfenden Kaffee ein. Damit setzt sie sich zu mir an den Tisch und wartet auf eine Reaktion von mir.

„Sie erscheinen mir sehr sympathisch zu sein“, sage ich daraufhin lächelnd und Bellas Lächeln wird nur noch größer.

„Das dachte ich auch und Lily wird sich wohl fühlen“, sagt Bella glücklich.

„Du musst da anrufen, und dich bei ihnen informieren, ob sie noch frei sind, oder?“, frage ich sie und sie wirft einen Blick auf die Uhr über der Tür. Für einen Anruf nach Cambridge ist es noch ein wenig zu früh, aber ich könnte wetten, Bella wird in spätestens einer Stunde dort anrufen.

Eine Stunde später…

„Guten Morgen. Mein Name ist Isabella Swan und ich habe mich an der Harvard University beworben und habe gestern meine Zusage erhalten“, beginnt Bella ein wenig ängstlich, aber sie scheint genau zu wissen, was sie möchte.

„Danke. Ich freue mich auch darüber“, grinst Bella zurück und hört wieder gespannt zu.

„Dazu wollte ich jetzt kommen. Ich bin junge Mutter und damit in dem Pro…“, beginnt Bella lächelnd und wird unterbrochen.

„Ich danke ihnen, dass sie mir eine Chance geben, ohne mich vorher gesehen zu haben“, sagt Bella aufgeregt und mir fällt ein Stein vom Herzen.

„Okay, dann bin ich in zwei Wochen da“, lächelt Bella nun glücklich. Sie sucht in einer Schublade nach Stift und Papier. Danach kritzelt sie schnell darauf etwas herum und verabschiedet sich lächelnd.

„Und?“, frage ich aufgeregt.

„In zwei Wochen sind Lily und ich Bürger in Cambridge“, grinst diese und schlingt ihre Arme um mich.