Still Crazy 'Bout Sascha

GeschichteHumor, Romanze / P16
Alec "Boss Burns" Völkel OC (Own Character) Sascha "Hoss Power" Vollmer
11.11.2012
17.04.2019
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Ich wusste nicht was ich tun sollte. Jade war nun schon seit zwei Stunden weg und ich hatte ruhelos ein paar Küchenschränke sortiert, das Waschbecken im Badezimmer geputzt und mich letztendlich mit einem Buch an den Küchentisch gesetzt, was aber nicht bedeutete, dass ich es auch wirklich las.
Ich konnte einfach keine Konzentration für die Buchstaben aufbringen, denn meine Gedanken schweiften immer mehr ab. Ich war nun völlig verwirrt in meinem verstrickten Liebesleben, das innerhalb von zwei Wochen völlig aus dem Ruder gelaufen war. Erst waren es nur die Beziehungsprobleme mit Sascha gewesen, die unvermeidlich auf mich zugekommen waren, dann kam die kurze Knutscherei mit Joshua, unverzüglich danach die Trennung von Sascha und nun Basti, der total anders war als jeder andere Mann, den ich kannte.
Aber auch wenn sich mein Liebesleben in der kurzen Zeit komplett gewandelt hatte, wie sehr hatte ich mich verändert? War ich noch die Jeanny von früher? Wohl kaum. Das naive, romantische Mädchen von nebenan, dass sich niemals vorstellen konnte einen One-Night-Stand zu haben oder ohne Skrupel mit ihrem Freund Schluss zu machen gab es nicht mehr. Ich war erwachsener geworden und Sascha, der anfangs stets die Zügel in der Hand hatte, durch sein Alter, seine Erfahrung und auch durch seinen Status als eine Art musikalisches Idol für mich, mit dem ich die Ehre hatte schlafen zu dürfen, war das Pferd mit einem Mal durchgegangen.
Damit hatte er nicht gerechnet und ich denke, so sehr wie er mich liebte, so sehr wollte er mich auch zurück.
Das Wort "liebte" konnte man aber auch durch den Begriff "besaß" ersetzen. Natürlich unterbewusst, so wie bei den meisten Paaren aber bedingungslose Liebe sah doch anders aus.
Joshua, der Fuckboy, war einfach nur grade da gewesen und hatte den Verlauf der Ereignisse angekurbelt, denn durch ihn habe ich mich von Sascha lösen können, aber auch mit Basti geschlafen.
Basti, war der ungelöste Fall, mit dem ich mich nun beschäftigte. Ich fragte mich, ob er gut für mich wäre, oder mich nur noch tiefer in die Dunkelheit bringen würde, bis nichts mehr von meinem alten Ich vorhanden war.
Ich hatte gedacht, dass meine Wandlung in dem Moment abgeschlossen war, als ich ihn dazu gebracht hatte mit mir zu schlafen. Ich hatte ihn seit ein paar Stunden gekannt und er war böse und kalt, aber auch interessant und klug. In dem Moment verstand ich das damals für seltsam gehaltene Mädchen, das statt Harry Potter oder Ron den schwarzhaarigen Slytherin Professor Snape oder Harrys Rivalen Draco Malfoy total heiß fand.
Basti sah keinem der beiden, bis auf die schwarzen Haare und grauen Augen zwar nicht wirklich ähnlich, aber er war zumindest nüchtern eher verschlossen und geheimnisvoll, sagte etwas völlig kaltes und niederträchtiges und war dann plötzlich so empathisch und klug, dass ich Gänsehaut bekam.
Gedankenverloren zupfte ich an dem pechschwarzem Lesezeichen aus weichem Stoff herum, dass zwischen den Blättern hervorlugte.
Nein, ich dachte mir insgeheim, dass die Verwandlung erst begonnen hatte. Ich hatte Blut geleckt und sehnte mich nach Gefahr und Spannung. Andererseits hatte ich Angst, dass dadurch alles den Bach heruntergehen und ein völliges Chaos entstehen könnte..
Dann entschied ich, dass es das Beste war, das Ganze erstmal ruhen zu lassen und sich auf wichtigere Dinge zu konzentrieren. Ende der Woche bekamen wir Semesterferien und hatten vor, endlich mal wieder nach Hause zu fahren. Jade und ich kamen beide aus einem winzigen Dorf, wo jeder jeden kannte und hatten unsere Familien zuletzt an Weihnachten gesehen. Da der Weg ziemlich weit war und wir es uns aus schulischen und offensichtlichen privaten Gründen nicht leisten konnten, für ein Wochenende nach Hause zu fahren, planten wir einen Roadtrip, bei dem ein Ziel "Zuhause" hieß.
Ich holte mein kleines saphirblaues Notizbuch mit den goldenen Muscheln auf dem Einband aus der Schultasche, die neben der Küchenzeile lehnte, hervor und las mir meine bereits für die Reise geschriebenen Notizen durch. Donnerstag wollten wir die nötigen Vorräte einkaufen und das Auto packen, um uns Freitag gleich nach der letzten Vorlesung auf den Weg zu machen. Mimi wurde Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen, fuhr aber nicht bei uns mit, da mein kleines Auto inklusive Babysachen zu voll werden würde.
Die beiden fuhren mit Andre, Mimis älterem Bruder, am Samstag nach Hause und wir trafen uns dann natürlich auf dem Dorffest was dann anstand.
Ich grinste leicht in mich hinein bei dem Gedanken an Dorffeste. Die hatte ich tatsächlich vermisst in Berlin, denn du findest hier nirgendwo ein Zelt mit Schlagern und 90er Hits, nem Haufen Leute die du alle kennst und ner Menge Alkohol.
Da die moderne Drogenkultur, von wegen "mal was einwerfen" noch nicht auf dem Land angekommen und das skandalöseste was du tun konntest, in ner alten Scheune hinterm Partyzelt einen Joint zu rauchen war, konnten Dorfkinder, die mit 14 durch die Konfirmation zum Alkohol geführt wurden, viel mehr ab als Stadtkinder, die schon nach 4 Mischen angetrunken, wenn nicht sogar voll waren.
Also, nicht falsch verstehen, man ist irgendwann betrunken, klar.. aber dann geht man eben kurz hinter nen Busch kotzen und trinkt weiter. Ich will nichts beschönigen, es ist wie Irland und Südamerika, die einen den Alkohol und die anderen die Drogen. Keines von beiden ist besser als das andere, du kannst von beiden Substanzen tot im Graben liegen oder auf eine befahrene Straße laufen.
Das eine ist nur Gesellschaftlich angesehen..
Auf Dorffesten kommt jeder zusammen, da es keine anderen Unterhaltungsprogramme gibt.
Meistens kommt jeder aus allen möglichen Dörfern drum herum und die meisten kennt man.
Man trinkt und feiert zusammen, der eine mehr und der andere weniger. Es passieren Dinge, wie auf jeder feucht fröhlichen Party. Daraus entsteht dann die Tage danach ein Gerede bei dem Gossip Girl Drehbuchautoren feuchte Träume bekommen würden. Ein echter Spaß also!
Bist du Thema des Tages, ist das aber nicht weiter Schlimm, denn der Horizont der Meisten ist zu gering um aus dem Getratsche irgendwelche Intrigen zu spinnen und andere zu ihrem Vorteil zu manipulieren.
Andere interessiert es auch einfach gar nicht, wie zum Beispiel uns, grade weil es so uninteressant ist, wenn aus dem Funken kein Feuer entsteht.

Ich wurde von Jade aus den Gedanken gerissen, die die Wohnungstür ins Schloss fallen ließ und mit lauten Schritten über den kleinen Flur in die Küche kam. Erwartungsvoll sah ich in ihr Gesicht um vielleicht schon vorher sehen zu können, ob das Gespräch mit Alec gut oder schlecht verlaufen war. Sie sah sehr müde und genervt aus, aber das tat sie öfters, also konnte es auch an ihrem wahrscheinlich vorhandenem Kater liegen. "Hey.. und wie wars?", fragte ich vorsichtig, während sie sich an dem Eistee im Kühlschrank bediente.
"Wir machen eine Pause und denken darüber nach was wir wollen.."
Verwirrt über die schnelle Antwort, die ich ihr nichtmal aus der Nase ziehen musste, räusperte ich mich etwas und fummelte an dem Einband, des Bestsellers herum, der immer noch auf dem blassbraunem Tisch vor mir lag. "Oh.. und ist das gut? Ich denke du hast erwartet, dass ihr weitermacht, oder?"
"Eigentlich war es sogar meine Idee. Wir haben darüber geredet, dass jeder von uns Fehler gemacht hat und wir die Beziehung schon völlig beschissen gestartet haben.. Also machen wir über die Semesterferien eine Pause um uns über unsere wahren Gefühle klar zu werden und falls wir merken, dass wir es nochmal von vorne versuchen wollen, treffen wir uns am 01. Oktober in seiner Küche und treiben es auf dem Küchentisch."
Ahja, guter Plan...
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