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[Amour Sucré] Der Block

von LittleChi
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteSchmerz/Trost, Liebesgeschichte / P12 / Gen
08.11.2012
08.11.2012
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713
 
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Stutzig blieb ich vor etwas Kleinem stehen, das nicht so ganz ins Gesamtbild passte, es war ein kleiner Block. Nach längerem betrachten des Blocks in konzentrierter Stille, fiel mir ein, das er Lysander gehörte. Obwohl der Boden nass war, hatte es dem Block nichts angehabt. Nur die Kappe des Stifts war abgefallen, ich musste nicht lange suchen bis sie gefunden hatte. Lysander saß wie immer gedankenverloren rum und sah in den Himmel. Seine Augen waren glasig, das braune und das blaue Auge sahen mehr so aus, als wären sie aus Glas und nicht aus Fleisch und Blut. Sein Mund war leicht geöffnet und seine Haut wirkte matt, wie Porzellan in der Sonne. Er sah aus wie eine perfekte Porzellanpuppe. Seine Kleidung die von der viktorianischen Mode inspiriert war, ließ ihn so wirken, als käme er aus einer ganz anderen Zeit.

Vorsichtig berührte ich seine Schulter, er lächelte er als er mich sah, aber kaum hatte er den Block in meinen Händen entdeckt, verschwand der ruhige Blick aus seinem Gesicht und er wurde wütend, das stand ihm gar nicht. “Was machst du mit meinem Block? Hast du reingekuckt? Ich hab doch gesagt ich hasse diese Neugier! Du musst nicht alles wissen! Auch wenn…” Er schrie mich weiter an, ich stand da, wie versteinert. Ich hörte nichts mehr, die Zeit blieb stehen. Für den Moment in dem etwas zerbrach. Er ließ mir nicht mal den Hauch einer Chance mich zu erklären. “Hör auf mich anzuschreien! Denkst du wirklich so schlecht von mir?! Meinst du echt ich gebe nen Fick drauf was andere wollen? Ja! Ja! Ich wollte in den Block kucken! Aber ich habs verdammt noch mal nicht gemacht weil…” Was hatte ich da grade gesagt? Lysander sah mich an. Fassungslos. Enttäusch, von wem?

Unser Geschrei muss das Interesse unserer Mitschüler geweckt haben, denn die ersten kamen näher um zu sehen und zu hören was los war. Meine Wangen wurden heiß und ich spürte wie die Tränen langsam in meinen Augen hoch krochen. Castiel ging zu Lysander und sagte irgendwas zu ihm. Vor lauter Abgestumpftheit hatte ich keinen Plan davon, was er sagte. Meine Bewegungen waren eher mechanisch, als ich davon lief. Weg von den anderen, weg von den verwunderten Blicken, weg von meinem Herz…

Mein Verstand meldete sich erst wieder als ich die kalten Wände des Gewächshauses der Garten AG berührte. Heiße Tränen rannen meine Wangen hinab, mein Kopf knallte gegen das kalte Metal. Es tat nicht weh, es berührte mich nicht. Der stechende, pochende Schmerz in meiner Brust ließ alles andere winzig und viel zu weit weg wirken, als das es mich berühren könnte. “Ryo?”, ich fuhr zusammen. Warum er…? Ich hatte gehofft, das Viola oder Nathaniel mich finden würden. Aber nein… Es musste ausgerechnet Lysander sein. “Was willst du?”, fuhr ich ihn an. Sein Blick war so traurig und verletzt, das ich ihn nicht mehr ansehen konnte. Auf einmal war das Gras sehr interessant. “Hast du geweint?”, seine warmen Hände legten sich um meine Wangen, er drehte meinen Kopf vorsichtig in seinen Richtung.

“…ich würde lügen wenn ich nein sagen würde…”, ich wollte ihn nicht ansehen, es tat doch immer noch weh. Mein Körper spannte an, meine Fingernägel bohrten sich in meine Hände. Er strich vorsichtig über meine Wangen, “Es tut mir Leid.” WAS? Hatte ich da wirklich richtig gehört? “Castiel hat mir gesagt, das du nicht in den Block geschaut hast.” Wow… Castiel hasste mich doch sonst immer wie die Pest. Ich musste lächeln, aber nicht nur deswegen. “Ist schon okay…”, mein Körper wurde endlich wieder beweglich. “Nein… ich hätte nicht so reagieren dürfen.” Aber da gab es eine Sache die mich jetzt doch interessierte, “Warum… willst du nicht das jemand da rein sieht?” Er wurde rot, “Naja… ich schreibe eben Lieder… mit sehr persönlichen Texten, ich will nicht das sie jemand liest…” Das war jetzt noch seltsamer. “Aber du singst doch in einer Band, oder? Warum willst du nicht, dass sie jemand liest?”

Plötzlich lächelte er, legte eine Hand auf meine Hüfte und zog mich enger sich. Meine Wangen fingen an zu glühen und mir wurde schwindelig. Sein Gesicht kam meinem immer näher, die Entschlossenheit in seinen Augen machte mir Angst. Unsere Lippen waren kurz davor sich zu berühren als er lächelte und sagte, “Weil sie von dir handeln.”
 
 
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