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Alles, was bleibt

von Yamamoto
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P16 / Gen
Commander Shepard Jeff "Joker" Moreau Tali'Zorah vas Normandy
04.11.2012
12.04.2013
6
10.993
 
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04.11.2012 1.480
 
„Ich habe bereits ein Zuhause....Komm zurück, bitte...“  In dem Lärm, den Schreien und Explosionen, diesem heillosen Durcheinander auf den letzten Metern, die die Galaxie von ihrer Freiheit, dem Ende unglaublichen Leides trennten, gingen jene zaghaften Worte beinahe unter. In ihnen lag keine Trauer, keine Wut oder gar blinder Zorn. Sie klangen nicht wie die inständige Bitte, die sie wohl darstellen sollten, mehr, als ob jemand eine unendlich tragische, aber einfach nicht zu ändernde ultimative Wahrheit hinnehmen müsse. In den Worten lag nichts und doch so viel. Gefühle überlagerten sich, die Pein und das schreckliche, Mark erschütternde Surren der gigantischen Maschine, wie sie wieder einen Strahl puren Schmerzes vom Himmel herab fahren ließ, sie verschlangen in diesem Moment einfach jede Regung, die über ein leichtes Zittern und dieses schwache, überhörte Wimmern hinter der undurchsichtigen Glasfront hinausging.

Der Schritt nach Drinnen, dieser kleine, lieblos gemachte Satz ins Innere der Shuttlebucht, weg von jenem merkwürdigen Strahl, weg von den grausig leuchtenden Lichtern des Vorboten, weg von dem, der wieder auf das Lichterspiel von blau und rot vor dem dunklen, wolkenverhangenen Himmel Londons zu rennen wollte, musste, er schmerzte Tali so unheimlich. Nicht in den Beinen, die sie nur mit Mühe und Not unter dem Mako hatten weg springen lassen. Es ging weg vom Schlachtfeld, die sich schließende Luke dämpfte den Krach und die Schreie.
Aber der Schmerz, das Leid, sie blieben. Sie stachen so unheimlich, wie ein glühendes Messer, in die Brust gerammt von jemandem, von dem man es nie erwartet hätte. Langsam dreht sich der in Stoff und Schmutz und Blut gehüllte Kopf noch einmal in Richtung des Strahls. Der Stahl der Luke versperrte noch nicht ganz den Blick nach draußen, den Blick in die Augen des Vorboten, aber vor allen Dingen den Blick in ein anderes, ein menschliches, ein trotz all der Zerstörung standhaft gebliebenes Augenpaar.
Eine ausladende Handbewegung jenes Mannes, zudem sie gehörten, und ein barsch in die Luft hinaus gebrüllter Befehl, dann wandte er sich ab, und der Spalt, von dem aus man auf ihn blicken konnte, wurde zu klein, um noch zu beobachten wie er wieder im Zickzack auf das Gebilde zu rannte, in Richtung des Strahls. Wie Shepard aussah, als Wolle er dem Vorboten höchstpersönlich ein neues Atemloch verpassen.

Soll es das jetzt etwa gewesen sein? War er das, der letzte Abschied? Dieser Moment, um den sie beide gewusst hatten? Der Tali mit Angst und ihren Commander mit jenem unaufhaltsamen Willen zu siegen erfüllt hatte? Jener Augenblick, der diesem wundervollen Gefühl, dass sie vor gar nicht allzu langer Zeit auf Rannoch hatte, einen so bitteren Beigeschmack gab. „Ich liebe dich“. Schon damals lag in diesen Worten dieser Unterton. Dieser Klang, den man heraushören konnte und der diesen einzigartigen, seicht dahin schwebenden Worten ein schweres, dramatisches „immer, egal was hier noch passiert“ beifügte.
Verschwommen, als spiegle sich eine alte Aufzeichnung auf dem eigentlich zu matten Stahl der geschlossenen Rampe, konnte sie sich selbst dabei beobachten, wie die grazile Gestalt einer Quarianerin an der Klippe saß, gedankenverloren einen kleinen braunen Stein in der Hand drehte und in den Sonnenuntergang hinaus blickte. Ihr verhüllter Kopf ruhte an der Schulter jenes Mannes, der gerade erst seinen dritten Reaper in die Hölle geschickt hatte, und jetzt so gelassen, so in sich ruhend neben ihr saß, als wäre nichts gewesen. Als hätte er nicht eben einem ganzen Volk seine Heimat zurückgegeben....zum Preis eines anderen....
„Also, was hältst du davon, wenn wir hier ein Sprungbrett hinsetzen, das wär' doch mal ein Erlebnis, was?“ Kam es von Shepard. Er konnte es immer ganz gut überspielen, aber Tali spürte die Zweifel aus dieser Frage förmlich hinausquellen. Er hatte seinen Freund, Legion, dessen ganzes Volk nach deren langer Odyssee auf der Suche nach Intelligenz ihres Lebens beraubt, und das machte ihm wohl nur zurecht zu schaffen. Kaum merklich drehte Tali in diesem Moment ihren Kopf, blickte nach oben, zu Shepard, wie er sich Zwang, auf den toten Reaper und nicht auf die Überreste des Geth zu blicken.
„Ist schon gut, du hast das richtige getan...oder zumindest nicht das falsche. Verstehst du? Es ist einfach nicht möglich, jeden zu retten...Du hast allein in der letzten Zeit zwei Völkern eine Zukunft gegeben. Verdammt, auf Tuchanka werden sie dir wohl einen Nationalfeiertag widmen....“
Shepard schwieg, und Tali blieb nichts anderes übrig, als ebenfalls kurz inne zu halten, sich noch einmal bewusst zu machen, wie Legion da lag, mit dem Loch in seiner Brust, der angeschweißten Panzerplatte. Dass er wirklich tot war, und vor allen Dingen, dass er wirklich gelebt hatte, um überhaupt sterben zu können. Vorsichtig griff eine dreifingrige Hand nach Shepards, wie sie da auf seinem Oberschenkel lag, und zog so den Blick des Commanders auf sich.
„...und wo immer Legion und seinesgleichen jetzt sind, wir sollten dafür Sorgen, das sie nicht allzu lang allein bleiben müssen. Füllen wir das Jenseits noch mit ein paar Reapern mehr. Und....wenn wir fertig sind, dann will ich dich als erstes von hier oben eine Arschbombe machen sehen“.
Geschafft. Der Mann an ihrer Seite konnte sich tatsächlich dazu durchringen, ein kurzes Lachen herauszupressen. Sachte boxte er ihr gegen die Schulter, und sie verbrachten noch einige Zeit damit, den Moment auszukosten und über belanglose Dinge zu scherzen...

Bis etwas grob an ihrem Arm zerrte. Tali wollte aufschrecken, hatte schon das Gefühl, Legion wollte die beiden darum bitten, die Reaper woanders hinzuschicken als an den Ort, wo er und die Geth ihre ewige Ruhe verbringen wollten, doch dann verschwamm das rötliche Glitzern von Rannochs untergehender Sonne, die in das Abendlicht getauchte Landschaft, die gepanzerte Schulter, an die sie sich jederzeit hatte lehnen können. Stattdessen war da nur noch der graue Stahl, das flackernde Licht einer an die Wand angebrachten Lampe und Garrus, wie er versuchte, die Quarianerin zum gehen zu bewegen. Die hatte gar nicht mitbekommen, wie sehr sie sich sträubte, wie energisch sie versuchte sich dem Griff ihres Kameraden zu entwinden, wie verzweifelt sie aus dem Schiff raus wollte, zurück auf die verbrannte Erde, zurück zum Schmerz, zum Leid zum Tod. Zurück zu Shepard. Damit sie es gemeinsam mit ihm ertragen, dem gemeinsam mit ihm ein ende setzen, wenn nötig in seiner Umarmung sterben konnte.
Ein kurzer Moment der Erkenntnis überkam sie, in dem ihr das alles auffiel, und in dem sie merkte, wie schwer der Turianer es hatte, sie in seinem Griff zu behalten. Ihr ganzer linker Oberarm war mit Blut beschmiert. Nicht das Blut jener, die da draußen kämpften. Es war ihr eigenes. Jetzt drang auch langsam der tatsächliche, der physische Schmerz durch jenen Schild der Taubheit, der dieser symbolische Schlag von Shepard in ihr stets verborgenes Gesicht aufgebaut hatte. 'Gut' dachte sie trotzig.
'Soll mein Blut diese Welt durchziehen. Dann werde ich immer hier sein, in Shepards Heimat. Er schickt mich weg, damit er allein sterben kann, aber so werde ich bleiben...' Erschrocken über ihre eigenen Gedanken verlor sie ihre Anspannung, gab den Kampf gegen Garrus auf und blinzelte ungläubig der Stahlwand ihr gegenüber entgegen. War es nun jener bisher verdrängte, aber so unabwendbare Gedanke über Shepards Tod, der jetzt in ihren Geist stach wie die Reißzähne eines Varren? Oder war es der unerwartete Schmerz, der durch ihren Arm zuckte, als Vakarian es schaffte, die Quarianerin weg von der Luke zu zerren?
So oder so, irgend etwas brachte dieses zerbrechliche Gleichgewicht der Gefühle, die sich gegenseitig aufhoben und brachen das ungläubige Schweigen, in das sich Tali bis jetzt gehüllt hatte. Gegen Garrus, der sie zum Aufzug schleifte wehrte sie sich nicht mehr körperlich, dafür war sie mittlerweile einfach zu schwach, der Schmerz in ihren Beinen zu stark. Aber schmerzlich erinnerte sie sich an diese eine Bitte, die sie an Shepard gerichtet hatte. Der Gedanke daran trübte so viele andere Dinge, die ihr durch den Kopf schossen.
Immer wieder unterbrochen von herzzerreißendem Schluchzen schrie eine Stimme, getränkt von Emotionen, die sich so leicht nicht mit Worten beschreiben lassen, durch den Raum und forderte – von wem auch immer – nur diese eine Sache: „Ich will mehr Zeit! Ich will mehr Zeit, bitte!“ Am Fahrstuhl angekommen blieb Garrus, der bisher dadurch abgelenkt war, Tali irgendwie in Richtung Krankenstation zu befördern, nun nichts anderen übrig, als inne zu halten und sich selbst seine Gedanken zu machen.
Das Wimmern der völlig aufgelösten Tali, die der Turianer mittlerweile aktiv abstützen musste, damit sie nicht zusammensackte, hörte nicht auf, bat weiter um den Aufschub des letzlich doch unaufhaltsamen. „Er wird es schaffen. Er schickt diese Schweine zur Hölle, Tali. Und dann kommt er dich holen! Hoffe einfach!“ versuchte er, die Quarianerin in ihrem Griff irgendwie zu beruhigen, zu verhindern, dass sie noch ganz kollabierte. Aber ja, Hoffnung war das einzige, was den beiden, was allen jetzt noch blieb. Im stillen seufzte Garrus.
'Shepard, eins noch, wenn ich dich an dieser Bar treffe, bevor du deinen Job erledigt hast, dann gibt es Ärger, aber richtig..'
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