Dein Lächeln

GeschichteRomanze, Schmerz/Trost / P12 Slash
Primera Division
04.11.2012
04.11.2012
1
2484
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Dein Lächeln






Autorin: Vive La Nuit

Titel: Dein Lächeln

Disclaimer: Diese Geschichte handelt von wahren Personen, die ich weder persönlich kenne, noch bei denen ich mir herausnehmen will zu wissen, wie sie denken oder handeln würden. Es liegt nicht in meiner Absicht, Persönlichkeitsrechte zu verletzen oder jemanden zu verleumden. Die Handlung ist frei erfunden und entspringt meiner Fantasie. Ich verdiene kein Geld mit dieser Geschichte, es sind weder Copyright- noch Trademarkverletzungen beabsichtigt.

Pairing: Iker Casillas/Sergio Ramos

Rating: P12 – Slash

Inhalt: Dass es manchmal schwer sein kann, Zweifel nicht an sich heranzulassen, weiß Iker Casillas seit ein paar Wochen ziemlich gut. Aber oft braucht es nur eine Kleinigkeit, um vieles besser zu machen.


~*~

Der Oneshot ist mal wieder einem Inneren Drang entsprungen, den ich nach dem Dortmund-Spiel endlich in Worte fassen konnte. Denn es ging/geht mir furchtbar auf die Nerven, dass so viele plötzlich auf Iker herumhacken und vor allem, auf welche Art sie es tun.


Außerdem geht ein riesiges Danke an Madridista, die so nett war, sich diesen kleinen Text vorab durchzulesen und mir zu sagen, ob ich vollkommenen Blödsinn verzapft habe, oder nicht. Ich danke dir!!  

Und nun viel Spaß :-)


~*~


Ich sitze immer noch auf der Bank, den Kopf gegen den Spind hinter mir gelehnt, als du wieder aus der Dusche kommst. Dein Blick streift mich, ich gebe vor, es nicht zu merken, doch dein Stirnrunzeln entgeht mir trotzdem nicht.

Aber du sagst nichts.

Es ist beinah gespenstisch ruhig in der Umkleidekabine. Das war es, als wir nach dem Abpfiff wieder hier unten waren, das war es, als Mourinho nicht viel, aber dafür deutliches zu diesem Spiel gesagt hat und das ist es auch jetzt noch, als die Meisten von uns schon auf dem Weg nach draußen sind, zum Bus, der uns zum Flughafen bringen wird.

Nur Ángel steht noch mit Raphaël und Michael zusammen in einer Ecke, ihr Murmeln ist das Einzige, das die Stille durchbricht.

Müde beuge ich mich schließlich nach vorne und ziehe die Schuhe aus, streife mir danach die Stutzen von den Beinen. Meine Finger fühlen sich genauso klamm an, wie der Rest meines Körpers. Mir ist kalt, obwohl die Heizung an ist und der warme Wasserdampf der Duschen ungehindert durch die offene Tür in die Kabine strömt.

Ángel geht an mir vorbei, streicht mir flüchtig durch die Haare und lächelt mich schief an, als ich kurz aufsehe, dann geht er nach draußen, gefolgt von Raphaël und Michael.

Wir sind alleine. Doch du sagst noch immer nichts.

Ich stehe auf und wende dir den Rücken zu, ziehe das Trikot und das Shirt, das ich darunter trage, über den Kopf und lasse beides auf die Bank fallen.

„Wir haben heute alle zusammen verloren.“

Deine Stimme durchbricht fast unnatürlich laut die Stille um uns herum, sodass ich unwillkürlich zusammen zucke. Und ich zucke ein weiteres Mal, als ich plötzlich deine Fingerspitzen auf meiner Haut fühle. Ich habe dich nicht näher kommen hören.

„Es ist nicht deine Schuld“, raunst du, deine Nase streift über meinen Hals, die zarte Berührung lässt mich erschauern.

Trotzdem verspanne ich mich, als du vorsichtig die Arme um mich schließt und mich sanft näher an dich ziehst. Du weißt, dass ich in Momenten wie jetzt lieber alleine bin. Dass ich mich in meinen Grübeleien verkriechen und alles mit mir selbst ausmachen will. Du weißt das alles – und du ignorierst es regelmäßig.

Vielleicht, weil du auch weißt, dass ich nachgebe. Jedes Mal. Weil es zu verlockend ist, sich in der Wärme zu verkriechen, die du ausstrahlst.

„Hörst du?“, fragst du leise, während du deine Hände vor meinem Bauch miteinander verschränkst und deine Lippen beinah unmerklich über die Stelle hinter meinem Ohr streicheln. „Du bist nicht schuld daran, dass wir verloren haben.“

Bin ich nicht?

Der Gedanke ist schneller da, als ich ihn aufhalten kann. Wie so oft in den letzten Wochen.

Ja. Ich weiß, dass ich nicht schuld bin. Mein Kopf weiß es. Aber alles andere nicht.

Ich zucke nur die Schultern, gebe keine Antwort. Habe keine Antwort, keine, die dich zufrieden stellen würde. Deswegen gebe ich dir auch nur widerwillig nach, als du mich entschieden zu dir herum drehst.

Du schaust mich unverwandt an, deine eine Hand legt sich auf meinen Rücken, knapp oberhalb des Hosenbunds, sorgt dafür, dass ich dir nahe bleibe. Die andere streichelt über meine Wange in meinen Nacken und bleibt dort liegen. Der Ausdruck in deinen Augen schwankt irgendwo zwischen liebevollem Ernst und unwilligem Ärger.

Vorhin warst du noch so wütend. Du hast deinen Spind zugeschlagen, deine Schuhe von den Füßen getreten und dein Trikot in die nächste Ecke geschmissen. Du hast sogar Mesut angefahren, als der es gewagt hat, dich anzusprechen.

Jetzt ist von dieser Wut nichts mehr übrig.

„Warum lässt du dich von denen so verrückt machen?“, willst du wissen, nickst in Richtung meines Handys, das oben auf meiner Tasche liegt.

Ich weiß, wen du meinst. Ich habe zwar noch keine Kommentare zum Spiel gelesen, weder die der Presse auf den einschlägigen Portalen, noch die der Fans auf Facebook oder in verschiedenen Foren, aber das muss ich auch nicht. Ich weiß auch so, was viele von ihnen sagen werden.

„Weil sie Recht haben“, entgegne ich schlicht, entlocke dir damit ein abfälliges Schnauben.

„Iker, das ist Blödsinn.“

Kopfschüttelnd mache mich von dir los. „Ist es nicht.“

Ich weiß nicht, wie oft wir diese Diskussion in den letzten Wochen hatten. Wie oft du versuchst hast, gegen meine Zweifel anzureden. Oft genug. Zu oft.

„Es gab Zeiten, da hätte ich diese Tore nicht zugelassen.“

Es ist nicht so, dass ich so lebensmüde bin, all den Schwachsinn an mich ran zu lassen, den die Presse gerne schreibt oder den manche Fans teilweise von sich geben. Aber ich bin auch selbstkritisch genug, um zu wissen, dass ich Fehler mache. Fehler, die mir nicht passieren dürfen. Die mir früher nicht passiert sind.

Dieses Mal schüttelst du den Kopf, unwillig und verärgert, kommst wieder einen Schritt auf mich zu, greifst nach meinem Handgelenk und hältst mich fest, als ich mich abwenden will.

„Mag sein, dass du den Ball beim zweiten Tor weiter weg hättest schlagen können“, beginnst du, aber ich sehe dir an, dass du selbst dieses Zugeständnis nur machst, damit mein Widerspruch nicht zu heftig ausfällt. „Fakt ist aber auch, dass die Flanke erst gar nicht vor unserem Tor landen sollte! Und dass dieser verdammte Dortmunder nie so völlig frei zum Schuss kommen darf! Wenn du es so willst, ist es genauso meine Schuld!“

Für einen Moment halte ich deinem Blick stand, dann wende ich ihn doch ab. Mag sein, dass du Recht hast. Nein, du hast Recht. Aber das habe ich eben auch.

„Es ist egal, woran es lag“, entgegne ich leise. Natürlich war es auch ein Abwehr-Fehler, das weiß ich selbst. Aber darum geht es nicht. „Bisher konntet ihr euch immer auf mich verlassen, selbst wenn ihr Fehler gemacht habt.“

Ich schaue wieder auf, sehe, wie du die Stirn runzelst. Du verstehst nicht, worauf ich hinaus will.

„Jetzt könnt ihr das nicht mehr.“

Einen Augenblick lang starrst du mich nach diesem Satz an, völlig fassungslos, doch dann kann ich dabei zusehen, wie deine Wut zurückkehrt. Deine Augen verdunkeln sich, schlagen beinah Funken, dein ganzer Körper spannt sich an. „Hör auf, so eine Scheiße von dir zu geben!“, fauchst du. „Hätten wir dich nicht, dann hätten wir nicht 2:1, sondern 3:1 oder 4:1 verloren!“

Ich weiß, du kannst es nicht leiden, wenn ich so bin. Wenn ich so ehrgeizig, perfektionistisch und selbstkritisch bin, dass alles andere keine Rolle mehr spielt. Aber ich kann nicht anders. Momentan habe ich einfach das Gefühl, dass ich mir keine andere Einstellung mehr leisten darf.

Du reißt mich aus meinen Gedanken, indem du mich wieder an dich ziehst. So eng, dass ich deine warme Haut an meiner spüren kann, dass es schwer wird, sich auf etwas anderes zu konzentrieren, als deine Nähe. Du lehnst deine Stirn an meine, deine Fingerspitzen streicheln sanft über die nackte Haut meines Rückens, lassen mich erneut erschauern, und als ich dich wieder anschaue, ist die Wärme in deine Augen zurückgekehrt. Deine Wut ist so schnell verraucht, wie sie aufgelodert ist.

Es sind dein Temperament, deine Lebendigkeit, auf die ich nie mehr verzichten wollte, ganz egal, was man mir dafür bietet. Die mich chancenlos gelassen haben, als du vor sieben Jahren wie ein Wirbelsturm über mein Leben und über mich gekommen bist. Chancenlos, etwas gegen die Gefühle zu tun, die alles auf den Kopf gestellt haben.

Noch immer hält dein Blick meinen fest, er ist so intensiv, dass es unmöglich ist, mich von ihm zu lösen. Langsam legst du eine Hand wieder auf meine Wange, schüttelst den Kopf.

Ich weiß, dass ich mich auf dich verlassen kann“, erklärst du, deine Stimme mindestens ebenso eindringlich, wie der Ausdruck in deinen Augen.

Dann holst du mich noch ein Stück näher zu dir. Und auf einmal lächelst du. Dieses Lächeln, das dein ganzes Gesicht strahlen lässt, das seit ich dich kenne dafür sorgt, dass alles in mir warm wird. Auf das ich noch viel weniger verzichten will, als auf dein Temperament. Auf das ich nicht mehr verzichten kann.

„Ich werde mich immer auf dich verlassen, ganz egal, was alle anderen sagen“, fügst du noch hinzu, stupst deine Nasenspitze verspielt gegen meine. Lächelst noch immer.

Und es ist nicht alles gut. Noch lange nicht.

Aber es ist um Welten besser, als vorher.  

































Review schreiben