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Through dark and dread Eternity

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Angst / P18 / MaleSlash
Agron Naevia Nasir
02.11.2012
02.11.2012
1
5.532
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Dieses Kapitel
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02.11.2012 5.532
 
Titel: Through dark and dread Eternity
Warnings: Angst, Slash, da es keine Spoiler für Season 4 gibt, kann man getrost die Warnung dafür aussparen, auch wenn sich die Story in diesem Bereich Zuhause fühlt
Spoiler: Spartacus War of the Damned
Inhalt: Verlust riecht nicht nach faulem Tod, sondern nach verbrannten Träumen.
Hauptcharakter(e)/Paar(e): Nasir/Agron, regular Cast
Disclaimer: Sie gehören mir nicht – alles Starz und Steven S. DeKnight!

~*~

Through dark and dread Eternity


So, we'll go no more a roving
So late into the night,
Though the heart be still as loving,
And the moon be still as bright.


Er weiß, indem Moment als er sich umdreht und das Lager neben sich verwaist vorfindet, das etwas nicht stimmt. Vielleicht ist es die Träge des Schlafes, die Unbarmherzigkeit des Morgens, doch sein Innerstes beginnt mit seinem erwachenden Geist zu summen. Unangenehm zu summen. Seine Bewegungen sind schwerfällig und stockend, seine Augen wandern immer wieder umher. Nasir glaubt, die eiskalte Anwesenheit der Götter zu spüren und dies erschüttert ihn.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass er ohne Agron an seiner Seite aufwacht. Seine Pflichten nehmen ihn manchmal schon vor Sonnenaufgang in Anspruch. Doch es ist die Art und Weise, wie er sich davon gestohlen hat. Nasir ist sich sicher, dass er nicht seine Lippen auf seiner Stirn gespürt hatte, oder die federleichte Berührung seiner Finger, als sie zum Abschied über seine Braue strichen. Er würde sich doch erinnern, selbst wenn der Schlaf ihn fest umschlossen hielt.

Nasirs Augen finden seine Rüstung, die in einem Bündel aus Leder und Riemen am Ende ihres Lagers liegt. Er weiß nicht weswegen, doch da ist der Hauch von Erleichterung sie zu sehen, denn dies bedeutet, dass sich Agron noch immer in der wachsenden Zeltstadt befindet. Noch immer in Sicherheit. Das seine Abwesenheit demnach nur eine weitere Unterredung mit ihrem furchtlosen Anführer bedeutet. Weitere Pläne. Weitere Gefahren, die noch nicht greifbar sind, noch in Entfernung liegen, deren kalten Atem er jedoch bereits spürt.

Es sollte ihn nicht so beunruhigen. Wirklich nicht. Schließlich ist ihr Leben nun geprägt von Gefahr und Flucht. Doch der unangenehme Schauer bleibt deswegen nicht aus. Und Nasir ist dankbar dafür. Furcht macht sie wachsam und sie benötigen ihre Wachsamkeit.

Der Morgen ist kühl gegen seine schlafwarme Haut, als er aus dem Zelt tritt und den blassen Rauchschwaden der Feuer zublickt. Seine Augen einen Moment über die Ansammlung von schmutzigen Planen, matschigen Wegen und trägen Silhouetten wandern lässt. Er hört das Schreien der Kühe und Ziegen, die nach Aufmerksamkeit fordern, dass Wiehern der wenigen Pferde, die verzehrten Stimmen der Wachen, die sich Befehle entgegenbrüllen.

Es ist ein friedlicher Morgen und doch kann Nasir seine Unruhe nicht abstreifen. Nimmt ihn tief gefangen, als er sich seinen Weg durch die Zelte bahnt, den Begrüßungen nur mit einem abwesenden Kopfnicken begegnet. Die eisige Hand schwindet nicht aus seinem Nacken.

Seine Unruhe wächst, als er endlich Agron erspäht, der unter dem Vorzelt von Spartacus’ eigenem Lager steht. Die Anspannung ist deutlich in seinen Zügen. Manifestiert sich in der dünnen, blutleeren Linie seiner Lippen. In den steinharten Muskeln, die unter seiner leichten Rüstung hervorblitzen. In seinen Augen, die mit einem gnadenlosen Funken über die Zelte wandern, bis sie Nasir entdecken.

Er ein aufkeuchen verdrängen muss, als da keine Freude auftaucht, keine Erleichterung. Agron nur den Kopf dreht, ihm seinen Blick entzieht, bevor er mit Crixus und Gannicus in Spartacus’ Zelt verschwindet.

Nasir erahnt, dass ein Sturm am aufziehen ist. Das es keine Gefühlskälte ist, die Agron von ihm wegtreibt. Sondern Sorge. Er nur nicht versteht, woher diese so schlagartig kommt, oder ob sie schon seit längerer Zeit in ihm gärt. Er sich bewusst darüber ist, dass sein Geliebter seine Empfindungen gut verstecken kann. Sie verschließt, bis sie hervorbrodeln wie ein zerstörerischer Vulkan. Es nie Agrons Talent gewesen ist, seine Befürchtungen auszusprechen und sie stattdessen eher durch Wut und Hass ersetzt. Nasir auch dies nun in seinem Gesicht gelesen hat und dies verstärkt nur den kalten Hauch auf seiner Haut.

Seine Gedanken betrüben sich noch mehr, als er das karge Mahl entgegennimmt, dass ihn eine der Köchinnen mit einem scheuen Lächeln reicht. Sein Blick verharrt einen Moment, auf ihren großen, dunklen Augen, auf ihren schmalen Lippen, die eine tiefe Narbe zieren, die bis hinauf zu ihrer Wange reicht.

Er lässt seine Augen wandern. Erblickt weitere ehemaligen Sklaven, die Narben tragen. Sei es, wegen der Grausamkeit ihrer Herren, ihrer langen Gefangenschaft, oder aber langsam verheilende Zeichen ihres Freiheitskampfes. Sie alle tragen das gleiche Schicksal, die gleichen Symbole auf ihrer Haut. Einige jedoch schneiden tiefer als andere.

Nasir grübelt, während er sich einen Platz vor eines der Feuer sucht, was es gewesen ist, dass Agron sah, als seine Aufmerksamkeit über die Zeltstadt glitt. Ist es Stärke? Ist es Schwäche? Oder ist es sogar Ausweglosigkeit? Ist ihr Unglück bereits beschlossen, nur hatten ihre großen Anführer noch nicht den Mut, ihnen die Hoffnung zu nehmen?

Der zähe Getreidebrei zergeht geschmacklos auf seiner Zunge, füllt seinen Magen zum überquellen und fordert nur seine Übelkeit heraus. Er mit dem Gedanken spielt die Reste ins Feuer zu schütten, doch er sich besinnt und ihn stattdessen an einen Jungen weitergibt, der zitternd vor den Flammen sitzt und sich von schmerzenden Peitschenwunden erholt, die sein ehemaliger Herr ihm als letztes Geschenk mitgegeben hat, bevor er befreit werden konnte.

Essen ist noch immer ein zu kostbares Gut für sie, dass sie nicht verschwenden durften. Und auch wenn Nasir von Appetitlosigkeit geschlagen ist, heißt dies noch lange nicht, dass andere seinen Zustand teilen.

Jeder von ihnen muss seinen Anteil tun. Es geht in ihrer Welt nicht nur ums Kämpfen. Es geht ums Überleben und dies nicht nur auf dem Schlachtfeld. All diese Menschen zu ernähren, ist weitaus aufwendiger, und manchmal auch schwieriger, als sie in den Kampf zu führen. Spartacus weiß dies und da seine Fähigkeiten nicht in diese Richtung ausgeprägt sind, überlässt er diese Aufgabe jene die etwas davon verstehen. Und das sind meist die ehemaligen Haussklaven, die eher die Feinheiten eingebrannt bekamen, wie ein Haushalt zu führen war, bevor sie geradeaus pissen konnten.

Auch Nasir ist gefangen in diesen Pflichten. Selbst dann, wenn sie einen bitteren Beigeschmack tragen. Er sich nicht nur als wilder, furchtloser Krieger sieht. Er viel zu lange weich und schlaff gewesen ist, als diese Bezeichnung zu verdienen. Er aber auch nicht geglaubt hat, dass er je wieder in die gewohnte Aufgabe zurückfällt. Doch er tut, was er tun muss und auch kann, so wie alle anderen um ihn herum.

Er kann sich beschäftigt halten, bis die Sonne heiß auf seinen Rücken brennt und die Mittagszeit ankündigt. Eine träge Ruhe legt sich zu dieser Stunde über die Zeltstadt. Dämpft vielleicht nicht die Stimmen und das Rumoren, doch dies kann durch nichts verstummt werden, aber sie legt ein gemächliches Tuch über sie alle.

Nasir lächelt Neavia entgegen, als sie sich von ihm verabschiedet, um diese Zeit mit ihrem Crixus zu verbringen. Er gönnt ihr diese friedlichen Momente. Sie alle benötigen diese, um nicht ihren Verstand zu verlieren. Nicht ihr Herzblut.

Auch er zieht sich mit zwei Platten gefüllt mit frischem Brot, etwas Käse und kaltem Fleisch zu seinem Zelt zurück, in der Hoffnung, dass Agron bereits auf ihn warten würde. Ihr eigenes Ritual. Ihr Rückzug und Genuss der Zweisamkeit.

Doch ihr Lager ist einsam. Nasir schluckt die Enttäuschung und wartet mit dem Gesicht in die Sonne gedreht.

Die Tage sind finster und die ungestörten Augenblicke zu zweit waren immer zu wenige gewesen. Nun sind sie noch seltener. Manchmal ist es ihnen nicht einmal vergönnt einen Schatten des anderen zu sehen. Nur von der Hoffnung erfüllt zu sein, dass der andere der nötige Schlaf zurück treibt. Der Hauch von Geborgenheit, mit benebelten Sinnen, einzig gelenkt von Instinkt und Bedürfnis.

In solchen Momenten krabbelt die Frage in seinen Schädel, ob es wirklich das ist, was er sich wünscht? Ob er Verlust und Sehnsucht so sehr vorzieht? Ob Einsamkeit nicht einfacher wäre? Er verdrängt diese Überlegungen, denn die Freiheit, die er jetzt besitzt, bedeutet nicht nur, seine eigenen Entscheidungen fällen zu können, sondern auch zu lieben, wen er will. Sein Herz hat sich entschieden und auch wenn seine Liebe immer umschlossen ist von finsteren, bedrohlichen Wolken, will er es nicht anders. Kann er nicht anders.

Nasir hat schon lange erkannt, dass dies Leben bedeutet. Und er klammert sich an seines. Er fürchtet Verlust, so wie jeder andere Mensch auch, doch er fürchtet nicht den Tod. Er ist nicht dumm oder naiv genug, um nicht zu wissen, dass ihm dieser bevorsteht, mit dem Kampf, dem er sich angeschlossen hat. Aber dennoch zuckt er nicht vor dem Leben zurück. Nicht vor dem, was seine Entscheidungen mit sich bringen, was sie bedeuten. Er stürmt darauf zu und packt sie mit aller Kraft.

Es ist keine Überzeugung gewesen. Nicht von Anfang an. Es ist vielleicht Gespür. Doch er hat sich seine Freiheit erobert. Beinah genauso ungewollt wie Agron. Doch einschneidend.

Seine Gedanken verrauchen, als ein Schatten auf ihn fällt. Er gegen die Sonne anblinzelt, um die vertraute Form besser zu erkennen.

„Donar?“ Sein Erstaunen wird von dem dumpfen Schimmer in den Augen des großen Germanen geschluckt. Es ist nüchterne Duldung, die ihn den Kopf abwenden lässt. „Seine Pflichten halten ihn?“

„Er bittet um Verzeihung.“

„Es gibt nichts zu verzeihen. Speist du mit mir, mein Freund?“ Sein Lächeln ist begleitet von der dargebotenen Platte, die er einzig für Agron bereitgestellt hat.

Doch auch Donar ist ein dankbarer Abnehmer seiner Mühe. „Sehr gerne.“

Ihr gemeinsames Mahl ist geruhsam, einträchtig. Nasir empfand Donar schon immer als einen merkwürdigen Kontrast zu seinen Taten. Er ist genauso blutrünstig und kampfeslustig, wie all die anderen Germanen, doch besitzt er auch eine Ausgeglichenheit, die merkwürdig erscheint. Oder aber es ist nur ein seltsamer Anblick für ihn selbst.

Die Ruhe des Mittags hält nicht lange an. Seine eigenen Pflichten treiben ihn in den Wald, seinen Speer fest in der Hand während seine Kameraden um ihn herum durch das Unterholz schleichen. Nach Beute suchen, die die unzähligen Mägen mit Fleisch füllen soll.

Nasir ist nicht erpicht auf das Kämpfen. Er fühlt nicht das Feuer lodernd und verzehrend durch seine Adern rasen, wie es bei einigen anderen der Fall ist. Er sehnt sich nicht nach Schlachten. Doch in solchen Momenten, wenn sein Herz schneller schlägt, sein Blut heiß wird, dann spürt er eine andere Art Leben. Erkennt eine andere Bestimmung, die sich langsam auf seine Haut brennt.

Ihr Sein ist bestimmt vom Kämpfen. Sie alle tragen eine Wut und einen Hass in sich, der sie immer wieder dazu verleiten wird, zu den Waffen zu greifen. Gleichgültig wie, gleichgültig auf welche Art und Weise und für welches Ziel.

Unschuld ist ihnen schon lange entrissen worden und durch etwas ersetzt, dass ihn manchmal erschreckt. Denn er weiß, tief in seinem Schädel begraben und verschüttet, dass es nicht immer so war. Das da Reinheit existiert hat, Arglosigkeit. Und das sie dies nie wieder erhalten werden. Keiner von ihnen.

Als ihre Schritte sie wieder zurück zur Zeltstadt führen, ihre Beute dabei über Schultern und einfache Äste geschlungen, da wandern Nasirs Augen über seine Kameraden. Seine Gesellschaft besteht überwiegend aus den lauten, groben Germanen, die ihre Freude lauthals Luft machen, sich nicht um Zurückhaltung oder Unsichtbarkeit scheren. Sie ihn mit diesem Verhalten immer wieder von neuem an Agron erinnern. Oder dies einfach ein Charakterzug ihres Volkes ist. Denn Diskretion ist ihnen in keiner Lebenslage ein Begriff.

Nasir lächelt bei diesem Vergleich, denn wenn er ehrlich ist, ist es das, was er am meisten an ihnen bewundert. Ihre Leidenschaft. Ihr Temperament. Er ist nicht wie sie und dennoch ist er ihr Bruder. Das sind sie alle. Das müssen sie sein, um den nächsten Tag zu überleben.

Er will Lugos Gezeter ignorieren, als er sich damit beschäftigt hält, die Hasen von ihrem Fell zu befreien. Sein Dolch blitzt matt in der Sonne auf, die sich langsam wieder dem Boden zuneigt, ihre Herrschaft am einbüßen ist und diese der Nacht übergibt.

Sein Kiefer mahlt aufeinander, während seine Wut am aufflammen ist. Sich nicht mehr länger unterdrücken lässt, mit dem Grad der unbedachten Eindringlichkeit des bulligen Germanen. Stößt schärfer hervor, als es sein Gemüt zulassen sollte, denn er ist erschöpft, er ist ausgelaugt. Nicht nur wegen diesem Tag.

„Nein, Lugo, wir werden sie nicht schlachten.“

Die Stirn des Germanen wandelt sich in verwunderte Falten. Nasir ist nicht erstaunt, dass er seine Absicht nicht versteht. „Aber sie gutes Fleisch.“

Überdrüssig seufzend von Nasir, „Wegen Fleisch waren wir jagen.“

„Mickrige Hasen kein Fleisch. Männer brauchen richtiges Fleisch. Du wissen, Nasir. Hasen nicht reichen.“

Er ist erstaunt über seine Geduld. Er sollte diese vielleicht nicht einmal besitzen. Nicht dann, wenn er daran erinnert wird, wie oft er diese Unterhaltung schon mit Lugo geführt hat und nie zu einem einverständlichen Ergebnis gekommen ist. Vielleicht legt er deswegen so wenig Herzblut in seine Antwort, „Gannicus hat mit seinem Trupp einen Eber und mehrere Rehe erlegt. Genügt dies deinen Ansprüchen?“

Lugo schnaubt. Nicht wütend, nicht aggressiv. Vielleicht missmutig. Doch Nasir schert sich wenig um seine Heftigkeit. „Dennoch, Kuh und Ziege gutes Fleisch.“

„Die wir noch benötigen werden und deswegen nicht angerührt werden.“

Sein Blick ist eindeutig, bringt den massigen Krieger zum schweigen und seinen Rückzug antreten, während Nasir das Fell vorsichtig abzieht, damit es zum Gerber gebracht werden kann. Sie hatten gelernt ihre Ressourcen zu nutzen.

Nasir danach seine Frustration an den Hasen auslässt. Die Klinge heftiger ins Fleisch rammt, als es vielleicht nötig ist, doch es in diesem Augenblick als angebracht erscheint und es sich gut anfühlt, seine Finger in blutige Gedärme zu vergraben, anstatt sie um eine Kehle zu legen und langsam zu zudrücken.

Der Tag nagt an ihm und das Brodeln in seinem Inneren ist nur ein weiterer Beweis dafür. Seine Geduld ist dünnhäutig und Lugo hat sie mit seiner Tirade nur noch mehr herausgefordert. Er weiß, dass ihn dies nicht so anstacheln sollte, doch er kann sich auch nicht daraus befreien.

Es ist Neavia die ihn in diesem Zustand findet. Ihr Lächeln ist pure Milde, als sie wortlos seinen Bewegungen zublickt. Den Schimmer in seinen Augen wahrnimmt und einfach nur darauf wartet, dass der Groll über seine Zunge rollt.

Sie muss nicht lange warten.

„Ich schwöre bei den Göttern, wenn ich Lugo noch einmal erklären muss, weswegen wir die Kühe und Ziegen nicht schlachten werden, dann schlag ich ihm den Schädel ein.“

Neavias Mundwinkel heben sich amüsiert. „Lass Donar den Grund erläutern. Oder Saxa.“

„Ich befürchte, dass Saxa oder auch Donar das Vorhaben ebenfalls nicht ergründen. Ein Wunder, dass die Germanen in ihrer Heimat mit dieser Einstellung überhaupt überlebten.“

„Sie taten es, dank der Kriegsbeute.“ Neavias Stimme klingt unberührt. Kalt sogar.

Nasir hat schon lange bemerkt, dass der sanfte Hauch verschwunden ist, an diese Stelle etwas getreten ist, dass ihn immer wieder von neuem erstarren lässt. Neavia ist eine Kriegerin. Nicht mit Leib und ihrem geschundenen Herzen, nicht so, wie ihr geliebter Crixus, doch mit Leidenschaft.

Vielleicht muss sie es sein. Vielleicht bekämpft sie so ihre Schatten und merzt ihre Dämonen aus. Er weiß es nicht. Es ist auch nicht sein Platz dies zu hinterfragen. Er sieht Leben in ihr und dies genügt, um ihre Veränderung zu akzeptieren. Um sie sogar zu begrüßen.

„Agron hat nach dir gesucht.“ Ihre Worte sind begleitet von einem mitfühlenden Seufzer, von dem Schimmer einer vergangenen Frau, die sich nicht mehr oft zeigt. Die Nasir auch nie gekannt hat.

Der Dolch ist schwer in seiner Hand, als er innehält. Die Klinge zwischen seinen Finger wiegen lässt. Die Sonne lässt das Blut nur stumpf aufblitzen. „Heute ist wieder einer dieser Tage.“

„Dieser hektischen?“

„Uns war nicht einmal vergönnt, dass Mittagsmahl gemeinsam einzunehmen. War er wütend?“ Seine Erschöpfung wird geschluckt von Besorgnis. Er erinnert sich noch immer an Agrons Blick und dieser ist es, der eine Befürchtung weckt, die er nicht aussprechen kann. Oder auch nur will.

Doch Neavias Kopfschütteln vernichtet seine stumme Annahme. „Nein, eher enttäuscht.“

Er kann sie fragen, ob sie die Anspannung spürt, die über der Zeltstadt liegt. Ob Agrons Augen noch immer kalte Distanz trugen. Ob Crixus erfüllt ist von Wut. Doch er lässt es, denn dies ist seine eisige Hand, die noch immer um seinen Nacken liegt. Zudrückt. Ihn unstet und schwindlig macht. Ihn dazu zwingt, sich immer wieder umzublicken, als würde er brennende Augen in seinem Rücken spüren.

Der Atem der Götter ist nicht immer Segen und er hat gelernt, ihre Anwesenheit zu fürchten.

„Geh, Nasir. Finde deinen Mann.“

Neavias Rücksicht besänftigt sein Herz, doch sein Pflichtgefühl ist ausgeprägter, als seine eigenen Wünsche. Noch immer. Der Griff um den Dolch, wird fester, als seine Augen das bizarre Bündel aus Fleisch und Blut finden. „Nein, Neavia, auch dir soll die Zeit mit deinem Mann vergönnt sein.“

„Deine Fürsorge ehrt dich, doch im Gegensatz zu dir, hatte ich ein ausgiebiges Mahl mit Crixus, dass die Sehnsucht etwas lindern konnte. Du hattest dies nicht und Agron ebenfalls nicht. Geh, Nasir.“

Neavias Nachdruck ist etwas, dass ihn noch immer beeindruckt. Er erkennt die Selbstlosigkeit und die Liebe hinter ihrer Absicht. Beides wärmt sein Innerstes. Entlockt ihm ein Lächeln, das wahrlich Gefühl ausdrückt. Das erste an diesem Tag und diese Erkenntnis beißt sich bitter in seine Kehle.

„Hab vielen Dank.“

Ihre Antwort besteht nur aus sanfter Freude. Sein Herz ist nicht leichter oder sorgenfreier, als er sich von ihr entfernt. Doch seine Schritte leichter. Er ist nicht sicher, ob er Aufklärungen erhalten wird. Die unangenehme Erstarrung endlich abschütteln kann. Doch vielleicht ist dies auch zweitrangig, solange er Agron noch mit wachem Geist sehen kann.

Er findet ihn vor ihrem kleinen, schmalen Zelt, dass sich Agron zuvor geweigert hat zu betreten, da er beschwor, dass es nach Römer und Pisse stank. Nasir wiederum hatte seine eigene Methode, um seinen Gladiator, von den Vorzügen eines Zeltes zu überzeugen. Agrons Beschwerden verrauchten danach wortlos.

So wie sein Schmunzeln jetzt.

In Agrons Zügen fehlt die unberührte Arroganz. Die Leichtigkeit, die zu sehr gepaart ist mit erzwungener Gleichgültigkeit. Die jede seiner Gesten bestimmt, sein Reden und sein manchmal lebloses Grinsen.

Seine Miene ist nun dominiert von Abwesenheit, von gefährlicher Melancholie, die neu und so unpassend auf seinem Gesicht erscheint, die ihn jünger macht, als seine Jahre wirklich sind. Die er sonst erfolgreich verstecken kann. Vor jedem. Selbst vor ihm.

Nasir redet sich ein, dass es an der trügerischen Einsamkeit und seinem Alleinsein liegt. Daran, dass er sich unbeobachtet und unbeachtet fühlt. Nur weiß er es besser. Hat er es bereits gewusst, als der Schlaf ihn verlassen hat und ihr Lager einsam war.

Er sich vielleicht sogar vor Agrons Gefühlschaos fürchten soll, da er nicht sagen kann, was da wirklich am wirbeln ist. Doch er es nicht kann. Er ihm nicht seine Finsternis lassen kann, wenn er noch Hoffnung hat, dass er diese vielleicht lichten oder sogar ausmerzen kann.

Es forsche Entschlossenheit ist, die ihn auf ihn zu treibt. Ihn zwar seinen Abstand halten lässt, aber nicht die Innigkeit verbirgt. „Der Tag war finster, doch rechtfertigt er nicht solch bitterbösen Ausdruck auf deinem Gesicht.“

Agrons Schnauben von dem Knacken des niedrigen Feuers geschluckt wird. Er es dennoch hört und es ihn dazu bringt, sich neben ihn zu setzen. Seinen Blick auf ihn fokussiert, während Agron die Flammen anstarrt. „Was betrübt dich?“

„Ich habe dich vermisst.“ Da ist die Maske eines Lächelns auf seinen Zügen. Einer Lüge, die Nasirs Herz verkrampft.

Er spitzt die Lippen und lehnt sich vor. Fängt Agrons Blick ein, der vehement an ihm vorbei gehen will. „Die Vorstellung schmeichelt mir, dass ich der Schuldige bin für dein dunkles Gemüt, doch weiß ich es besser. Was ist es, Agron?“

Sein Schweigen ist beängstigender als jede Tirade. Als jede Schimpfflut, die über seine Lippen kommen kann. Die tiefer schneidet, als Worte und bedeutender ist, als Erklärungen. Die ihm beweist, dass er sich nicht die kalte Dunkelheit eingebildet hat. Das seine Unruhe nicht grundlos existiert. Er vielleicht überrascht sein sollte, dass er seine Aufgewühltheit Agron zu verdanken hat. Selbst dann, wenn sie nicht einmal einen flüchtigen Augenblick geteilt hatten. Er es aber nicht ist, sondern diese nur genauso nachdrücklich ausmerzen will, wie Agrons finstere Gedanken.

Agron spricht nur zögernd aus, was seine Seele stumm schreien lässt, „Ich habe an jene gedacht, die wir verloren haben. So viele. So viele, die unnütz fallen mussten.“

Der Schmerz in Nasirs Kehle ist unerwartet. Kämpft sich unvermittelt hoch und lässt ihn würgen. Sieht all die Gesichter vor sich, die gefallen sind, ohne sie retten zu können. Weiß nur zu genau, dass sein Schmerz nichts in dem Vergleich zu Agrons ist. Denn er hat mehr verloren als nur Freunde, als Waffenbrüder.

Ihm wurde ein Teil seines Herzens entrissen. Und dies ist grausamer als jedes Leid, dass er zum Vergleich hat.

Vielleicht kann er deswegen den Unglauben nicht drin behalten, „Unnütz? Ihr Tod ist schmerzvoll, doch gewiss nicht unnütz. Wenn du sie so schmälerst, dann ergibt dieser Kampf keinen Sinn mehr, denn sie starben für das woran sie glaubten; für die Freiheit, die uns zusteht.“

Bitterkeit steht niemand von ihnen. Spartacus ist derjenige mit der umfassenden Erfahrung in Schuld und Geißelung. Agron versucht nicht, sein Talent zu erreichen. Es ist nur ein Splitter dessen, was über sein Gesicht kriecht. „Eine Freiheit, die nichts weiter, als ihren Tod versprach.“

„Freiheit bedeutet nicht nur Glückseligkeit. Uns stand diese nicht zu, wir sind nicht wie jene, die sie als selbstverständliches Attribut ansehen können. Wir mussten sie uns greifen und um sie zu erhalten, benötigt es ein Schwert.“

Nasir hat lange gebraucht, um diese Wahrheit anzuerkennen, um sie selbst zu leben. Agron fiel dies leichter. Nur glaubt er nun, dass es nur eine Lüge war. Ein Schauspiel. Das er eine Rolle verkörpert hat, wie jene damals auf dem Sand der Arena. Nasir hofft, dass nur Verzweiflung und Lähmung aus ihm spricht. Das er weder seinen Glauben an ihren Kampf verloren hat, noch seinen Willen.

„Es ängstigt mich, dass es immer so sein wird. Ein weiterer Kampf. Ein Schlachtfeld, getränkt mit Blut. Niemals Frieden.“ Agron greift nach seiner Hand, als wäre sie das einzige, was ihn noch in dieser Welt hält. Was ihm Kraft verleiht und aufrechte Wirklichkeit. „Ich bin es leid, Nasir. Ich bin müde.“

Er will nicht den Schrecken an die Oberfläche lassen. Will Agron keinen Teil seines Grauens zeigen, der da heiß durch seine Adern rollt. Doch sein Verstand ist träge, erfüllt von Entsetzen, so dass er diesen nicht verheimlichen kann. „Ich hätte nie erwartet, diese Worte je aus deinem Mund zu hören.“

Agrons Schmunzeln beinhaltet zu viel Bitterkeit. „Ich schrecke nicht vor einem Kampf zurück. Ich werde immer treu an Spartacus Seite stehen, wenn er in den Kampf zieht, doch… doch ist das wirklich alles, was uns erwarten soll? Krieg? Mord? Flucht? All dies für den Rest unserer Tage? Verdienen wir tatsächlich so wenig?“

„Wir würden als freie Männer sterben, Agron. Das ist mehr, als wir vorher hatten.“ Sein Einwand ist schwach, dies erkennt Nasir, noch bevor die Worte über seine Zunge rollen.

Und Agron fällt es nicht schwer, diesen niederzureißen, „Aber ich will als freier Mann leben, nicht nur den Tod kosten.“

Es ist Agrons einschneidende Kraftlosigkeit, die ihn schlucken lässt. Die sein Gesicht mit Schatten überzieht und ihn langsam seine Furcht begreifen lässt. Der Tod ist für ihn stets gegenwärtig. Das ist er für jeden von ihnen. Agron hatte ihn jedoch als Kameraden, als alten Freund, gesehen, doch nun wandelt sich seine Gegenwart in greifbare Bedrohung und diese ist es, die ihn taumeln und zweifeln lässt.

Nasir fürchtet sich vor dieser Erkenntnis. Will ihn nicht so sehen, weil er zu genau weiß, dass es diese ist, die Männer in die Knie drückt, sie zum aufgeben zwingt. Er nicht sagen kann, ob ihre Welt bereits am untergehen ist, oder ob ihnen noch ein paar vergebliche Tage gewährt werden, bis da ihr aller Ende sein wird. Es wohl auch keine Bedeutung hat, wenn er diese Gewissheit in Agron sehen kann. Er nicht an ihre Vernichtung denken will, wenn er sich noch immer zur Hoffnung aufraffen kann. Aufgeben nicht mehr in seinem Blut liegt und stumme Akzeptanz nicht mehr so leicht zu bewältigen ist. Nasir dies von Agron gelernt hat, nur gerade selbst an seine Grenzen stößt und er zu genau weiß, warum sie existieren.

Er nicht gelenkt ist von Furcht. Dies nicht zu etwas zählt, dass Agron je empfunden hat. Doch da die Klarheit von Verlust ist und diese ist unerträglich für den Germanen. Treibt ihn in den Abgrund und entreißt ihm seinen Verstand.

Nasir weiß dies. Er kennt die Taten, die langsam zu Erinnerungen verblassen. Traut ihm keine ungezügelte, blinde Rachsucht zu, doch Blutrünstigkeit. Denn er ist sich diesem Feuer bewusst, dass ungezähmt unter seiner Schale lodert, nur darauf wartet, hervorbrechen zu können. Es bedeutet seinen Sturz.

Und es wird momentan nur seinetwegen gezügelt. Nasir weiß seine Geltung. Nur wollte er sie nie und nun kann er sie nicht von sich schieben.

Sein Gesicht hüllt sich in Schatten, die sofort Agrons Reue wecken, „Verzeih, Nasir. Ich wollte dich nicht in meine Finsternis ziehen.“

„Shh… still! Wenn du deine Finsternis nicht einmal mehr mit mir teilen kannst, dann befürchte ich, dass du bereits verloren bist und dies werde ich nicht zulassen.“ Presst seine Lippen gegen Agrons schmutzbedeckte Finger und fährt inständig fort, „Ich sehne den Tod nicht herbei, Agron. Das Leben ist zu süß mit dir an meiner Seite, doch… wenn die Götter entscheiden, dass dies unser Weg ist, dann können wir nichts anderes tun, als diesen zu bestreiten.“

„Spartacus sagte einmal, dass wir immer die Wahl haben. Vielleicht sollten wir unsere eigene treffen.“

Nasir hinterfragt schockiert, „Gehen? Du würdest gehen?“

„Nein.“ Nachdrücklicher ernst, der zu ausgezehrt wirkt. „Aber ich will leben; mit dir, so lange es mir die Götter erlauben.“

Der Knoten in seiner Kehle sitzt fest, degradiert seine Entgegnung zu einem rauen Keuchen, „In diesem Moment leben wir, Agron.“

„Vielleicht ist dies alles was wir haben.“

Agrons Hand legt sich in Nasirs Nacken. Der Griff wird fester, nachdrücklicher. Versprechend. Nasir die Bedeutung vergisst, als Agron ihn in das Innere ihres Zeltes führt und dort seine Bedenken dank seiner Zunge und Finger fortwischt. Sie in Bedeutungslosigkeit verwandelt. Sie in den Schatten drängt.

Doch sie nicht ausrottet. Sie nur schlummern, bereit, sich wieder in den Vordergrund zu drängen. Später. Nicht jetzt, wenn da Agrons Begierde ist, die Nasirs Verstand schmelzen lässt.

» ‡ «

For the sword outwears its sheath,
And the soul wears out the breast,
And the heart must pause to breathe,
And love itself have rest.


„Du glaubst, wir sind verloren.“

Es ist die Träge nach ihrer Lust, die seine Stimme zu etwas degradiert, dass sogar fremd in seinen eigenen Ohren klingt. Zumindest kann es Nasir darauf schieben. Will keine andere Bedeutung zulassen, weil dieser Tag bereits schon zu viel Finsternis in sich trägt und er ihr Zusammensein nicht weiter betrüben will.

Er weiß dennoch, dass dieser Wunsch vergebens ist, mit der Stille, die Agron ausstrahlt. Er kennt ihn. Jedes versteckte Gefühl. Jedes Zucken seiner Muskeln. Jeder verborgene Gedanke, der sich durch Taten an die Oberfläche kämpft. Sein Handeln spricht manchmal lauter, als es Worte vollbringen können. Es sind diese Wahrheiten, die ihn verfolgen und die er am liebsten vernichten will.

Die Gewissheit bringt seine Finger auf Agrons Haut nun zum zucken. Lässt seine Nägel über sein Fleisch gleiten, um die Wärme zu spüren, den Schlag seines Herzens, der trügerisch erscheint, mit der Reglosigkeit seines Geliebten.

„Ich glaube, ich fürchte den Tod.“ Agrons Gesicht ist abgewandt. Seine Stimme zu weit fort. Sein Blick liegt in der leeren Dunkelheit ihres Zeltes. Und das macht Nasir noch immer Angst.

„Du hast bisher nie etwas gefürchtet; den Tod schon gar nicht. Ich sehe dich kämpfen. Ich sehe die Blutlust in deinen Augen. Die schiere Freude, einem verdammten Römer das Leben zu entreißen. Aber ich sehe nie Furcht.“

Agron schließt die Augen. Zu erschöpft. Zu ausgelaugt. Zu jung für sein eigenes Wohl. „Ich fürchte zu viel… Dies raubt mir wohl den Verstand.“ Sein Geist kämpft sich zurück in Nasirs Gegenwart, so wie seine Finger, die eine träge Reise über seine nach Leidenschaft und Schweiß riechende Haut antreten. „Es ist nicht mein Tod, der mich lähmt, sondern…“

„Meiner. Das ich gehe und dich zurücklassen werde.“

Die Gewissheit ist nichts Neues. Nur sie laut auszusprechen ist vernichtend. Zumindest für Nasir. Agron hat sich an sie bereits zu sehr gewöhnt.

„Ja.“

„Irgendwann greift der Tod nach jedem von uns.“

Agron rechtfertigt dieses Wissen zu leidenschaftslos, „Jedoch wir fordern ihn heraus. Rom verkörpert für uns den Arm des Todes. Ich will diesen nicht um deiner Kehle sehen.“

Er will nicht seine Worte als Kränkung ansehen. Will nicht glauben, dass Agron sein Talent im Kampf missachtet. Dies greift tiefer. Tiefer, als Nasir wahrhaben will. Als er hören will.

„Agron… Ich kämpfe, weil dies mein Wille ist. Ich entscheide frei nachdem, was mein Herz von mir verlangt. Ich kann nicht zurückbleiben und wie ein ängstliches Weib auf deine Rückkehr warten. Und ich hoffe, dass du dies auch nicht von mir erwartest.“

Das lahme Lächeln auf seinen Lippen wirkt deplaciert. „Nein, dein Feuer entfacht mein Innerstes. Es ist nur… der Verlust, der unerträglich in meiner Brust pocht.“

„Noch hast du mich nicht verloren. Sind wir es beide noch nicht. Also, bitte, wende deine Gedanken ab, von solch dunklen Überlegungen.“

Seine Finger streichen durch sein Haar. Beschwichtigende Geste, die nichts mit Verführung zu tun hat, sondern einfach nur das Bedürfnis nach versichernden Kontakt. „Spürst du die Wärme meiner Haut, Agron?“ Dieser schließt die Augen, als er sein Gewicht auf ihn verlagert. In seiner vollen Länge auf ihn zum ruhen kommt. „Spürst du mein Herz?“

Hauchende Frage, die von Agron nur mit einem keuchenden Kopfnicken belohnt wird, bevor Nasir sich ausstreckt, seine Lippen auf Agrons landen. Er lasziv in die warme Süße seines Mundes eintaucht. Agron sich ergibt und ihn gewähren lässt, sich in seine Macht fallen lässt, ohne den Hauch von Gegenwehr oder unterdrückter Dominanz. Nasir ihn kostet, seine Finger in seiner Mähne und seine Hüften die in sinnlichen Kreisen gegen ihn pressen.

„Es schlägt. Es schlägt jede Stunde des Tages für dich.“ Seine Worte werden gedämpft von dem pochenden Puls an Agrons Kehle, von seinen Lippen, die sich so fest gegen seine warme Haut pressen, als wollte er ihre Bedeutung direkt in sein Blut wispern. „Meine Liebe gehört einzig dir.“

Es ist eine Tatsache, die nicht ausgesprochen werden muss. Die auch nicht häufig über ihre Lippen kommt, weil sie es nicht muss. Weil ihre Bedeutung dadurch nicht klarer oder glaubwürdiger wird. Weil es nur manchmal etwas ist, was sie beide hören müssen.

Und Agron hungert in diesem Moment nach ihrer Offenbarung.

Seine Erwiderung ist einfach. Besteht aus einem versengenden Kuss und Nasir nimmt ihn als das, was er nur Ansatzweise verspricht. Er beinhaltet keine einfache Wahrheit oder ungetrübte Klarheit, doch die Antwort ist deutlich. Keiner von ihnen will mehr reden. Will die dunklen Wolken mehr aufbauschen, als sie bereits über ihren Köpfen schweben. Sie können die Dunkelheit nicht gänzlich zurückkämpfen, können sie niemals ganz ausrotten. Doch sie können sie lichten. Für wenige Augenblicke. Und das ist alles, was sie brauchen.

Nasirs Mund öffnet sich, so wie seine Sinne von ihm hervorgekitzelt werden. Er konzentriert sich nur noch auf die Einzelheiten, die Agron aus machen, die er mit ihm in Verbindung bringt. All die unverwechselbaren Kleinigkeiten, die ihm noch immer wie ein Wunder erscheinen und ihn härter unter seinen Händen werden lassen. Sein maskuliner Geruch, der sein Blut heißer glühen lässt, als es selbst Wut und Hass vermögen können. Der jede seiner Berührungen unterstreicht und ihn nur noch tiefer in seinen Bann zieht. Er sich gedankenlos immer wieder von neuem in seine gnädigen Hände übergibt, keinen Kampf um Kontrolle oder Verantwortung ausficht, sondern beides an Agron überreicht und sich gut damit fühlt. Weil dieser ihm genauso viel raubt, wie er auch gibt. Sie ihre Waagschale immer wieder von neuem ausgleichen und Nasir sich bewusst ist, dass er die gleiche Macht ausübt, wie sie Agron über ihn hat.

Seine Augen sind geschlossen, während Agrons Zähne seine Unterlippe festhalten, ihm ein tiefes Grollen entlocken, das erstickt wird von seiner Zunge, die geschickt Nasirs einfängt. Agrons Hand findet seinen Schwanz und er schnappt nach Luft, bevor er bodenlos fällt und die Absicht davon schiebt, jemals wieder aufzutauchen.

Nasir kann damit leben, wenn es bedeutet, die Dunkelheit von Agron fernzuhalten. Er gerne sein Schild ist und zu genau weiß, dass er sich keine Gedanken um seinen Rücken machen muss, da dieser von Agron geschützt wird.

Sie nicht immer eine Einheit sind. Es auch nicht sein müssen. Sie auch nicht immer die gleiche Meinung vertreten werden. Es niemals können, weil da einfach zu viel Finsternis in Agron existiert und Nasir sich an das Licht klammert. Er nicht anders kann, weil er sonst den Verstand verliert.

Doch sie beide sich im Zwielicht treffen und dieses zu ihrem Reich machen. Zu ihrer Heimat in der kein Schrecken existiert. In der kein Tod regiert und es auch bedeutungslos ist, weil er an diesem Ort Hoffnung in Agrons Augen erkennen kann und die Schwärze verschwindet.

Diese Gewissheit den Kampf immer wieder lohnt und Nasir ihn aus vollstem Herzen antritt.


Though the night was made for loving,
And the day returns too soon,
Yet we'll go no more a roving
By the light of the moon.

So, We'll Go No More  A Roving ~ Lord Byron
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