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This is Halloween!

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Castiel Lysander
01.11.2012
01.11.2012
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3.138
 
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Seufzend saß ich auf dem Sofa von Elaines Eltern und durch die Fernsehsendungen. Es war Halloween, daher kamen nur Horrorfilme oder die abgeschwächte Zeichentrickversion davon für Kinder. „Elaine!“, schrie ich, „hast du’s bald?“ Man hörte im oberen Stock ein Poltern, einen kurzen Aufschrei und dann die Antwort: „Bin gleich fertig!“ Ich nickte – mir war bewusst, dass sie es nicht sah, aber ich bezweifelte, dass sie mir weiter zugehört hätte. Elaine war vollends damit beschäftigt, ihr Halloweenkostüm fertig zu stellen. Ich hatte mich schon zu hause verkleidet und geschminkt, deshalb saß ich jetzt hier und wartete auf meine Freundin. Mein Kostüm bestand aus einem Gothic-Kleid mit Korsett und einen Rock mit mehreren Lagen, sowie Armstulpen, Schnürstiefel, schwarze Fingernägel und hochtoupierte Haare. Auf der rechten Seite hatte ich mir eine schwarze Rose ins Haar geklipst, die ein Netz an der Seite hatte und mein Auge teilweise verdeckte. Mir gefiel mein Outfit, es hatte etwas von einer untoten Gothic-Braut.
Gerade lief auf dem Bildschirm Jacky die Mörderpuppe vorbei und ich schaltete den Fernseher aus. Ich mochte eigentlich keine Horrorfilme, genauso wenig, wie mir Elaines Plan geheuer war. Sie hatte eine Wette mit Castiel laufen, wenn wir es schafften, an Halloween in die alte Hawkard- Villa einzusteigen und ein Foto von uns zu machen, wollte er mit einem rosafarbenen Shirt in die Schule kommen. Eigentlich wäre das uns ja egal gewesen, aber er hatte Elaine so lange aufgezogen, dass sie ein Angsthase sei, sodass sie schließlich gekränkt in ihrem Stolz war und wir so hier landeten. Was die Kostüme dann sollten? Na ja, sie war der Meinung gewesen, dass es dann wenigstens das passende Flair haben sollte. Ich hatte dem zugestimmt, denn die einzige Sache, die mir hier wirklich gefiel, war, dass ich das Kleid hatte anziehen können. Wenn ich jetzt daran dachte, dass wir sogleich in eine heruntergekommene, alte und verlassene Villa gehen würde, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich hatte überhaupt kein gutes Gefühl dabei, aber ich hatte ihr versprochen mitzukommen – was für ein wahnwitziges Versprechen!
Gerade als mir Elaines Katze Finny um die Beine strich und ich ihr den Rücken kraulte, tapste Elaine die Treppe hinunter. Mit einem Grinsen stand sie vor mir. Ich blinzelte ein paar Mal, bis ich mir eine Meinung bilden konnte. „Willst du Castiel verführen?“, fragte ich sie grinsend. Sie streckte mir die Zunge raus. „Er soll wenigstens sehen, was er verpasst hat. Wenn er erst auf große Klappe macht und dann nicht mitkommt.“, meinte sie schulterzuckend. Elaine hatte wirklich in den Topf der weiblichen Verführung gegriffen. Buchstäblich. Das Vampiroutfit stand ihr super, auch wenn alles ziemlich knapp war. Sie trug einen Minirock, der nur knapp über den Po ging, dazu eine löcherige schwarze Strumpfhose und ein weißes Top mit Blutspritzern – wahrscheinlich Ketchup -, das auch ziemlich viel zeigte. Sie trug rote Kontaktlinsen und hatte sich die Augen schwarz geschminkt. Vom roten Lippenstift gar nicht zu schweigen. Ich rappelte mich auf, kraulte noch mal Finnys Rücken und salutierte vor Elaine. „Bereit zum Einsatz!“, grinste ich. Gerade als sie mir antworten wollte, klingelte ihr Handy. Sie warf einen Blick auf den Bildschirm, murmelte „Cas.“ Und drückte auf die Lautsprechtaste. Ich ging näher an sie heran, um zu lauschen. „Na, schon unterwegs?“, kam es prompt. Elaine verdrehte die Augen. „Noch nicht, aber wir wollten gerade los.“ Ein Lachen im Hintergrund, außerdem hörte man, wie der Fernseher lief. Typisch. „Du ziehst das wirklich durch, oder?“ „Na, und ob! Du wirst schon sehen.“, entgegnete sie mit eingeschnappter Stimme und legte auf. „Dem werd ich’s zeigen..“, sagte sie, wohl mehr zu sich, als zu mir. Ich zuckte mit den Schultern, Elaine konnte manchmal ganz schön stur sein. Unwillkürlich musste ich an Lys denken. Er hielt nicht viel davon, dass wir uns alleine in die Villa wagten, redete es mir aber auch nicht aus. Ich freute mich schon darauf, wenn ich nach unserer Aktion zu ihm konnte.
Wir schnappten uns unsere Jacken und verließen dann das Haus.
Auf dem Weg zu dem alten Feldweg begegneten uns ein paar Kinder, die sich verkleidet hatten und mit Tüten voller Süßigkeiten herumrannten. Irgendwie ja niedlich. Früher hatte ich das auch gemacht, es war eine schöne Zeit gewesen. Nach einiger Zeit waren wir schon am Stadtrand, ein unebener und unbeleuchteter Weg führte zu der Villa. Ich folgte Elaine den Pfad entlang. Zum Glück hatte ich doch noch flache Schuhe angezogen, das wäre sonst eine ganz schön große Herausforderung geworden. Es war recht frisch draußen, da es schon lange dunkel war und ich zog meinen Cardigan enger um mich. Hoffentlich ging das ganze schnell vorüber. Mit zwei Taschenlampen leuchteten wir uns den Weg, Elaine voraus, ich hinterher. Schon von weitem erkannte ich die alte Villa. Sie ragte zwischen all dem Flachland wie ein bedrohlicher Riese hervor. Kein schöner Anblick, wirklich nicht. Sie stand schon über zehn Jahre leer, der letzte Besitzer war gestorben ohne sie weiter zu vererben und solange sie niemand kaufte, verkam sie langsam aber deutlich.
Mittlerweile hatten wir den schwarzen, stählernen Zaun erreicht, der das Grundstück begrenzte. Die Villa war wirklich ein typisches Spukhaus. Alte Gitter, Fensterläden, von denen die Farbe abblätterte, dunkle Mauern, staubige Vorhänge und davor ein Baum, dem es an Blättern mangelte. Nicht gerade berauschend. „So, da wären wir.“, murmelte Elaine, als wir vor dem großen Tor standen. Die Gitterstäbe waren schon halb verrostet, das Schloss war schon alt. Meine Freundin konnte es ohne Probleme aufbrechen. Es knackte, und mit einem Quietschen öffnete sich das Tor. Ich schluckte schwer und eine Gänsehaut überzog meine Arme. „Ein bisschen arg unheimlich ist das schon..“, flüsterte ich. „Ach, komm. Das wird schon.“, meinte Elaine aufmunternd und betrat schon das Grundstück. Ich folgte ihr mit etwas Abstand. Wir liefen vorsichtig die Veranda hinauf und ich hatte auf einmal Angst, dass das morsche Holz einbrechen könnte. Zum Glück tat es das nicht, es knarrte nur. Die Tür schien antik zu sein, das graue Holz hatte schon einige Risse, das kleine runde Glasfenster war verschmutzt und zerkratzt. Elaine drehte am Türknauf und sie öffnete sich. Einfach so. „Wir sind wohl nicht die ersten, die auf die Idee gekommen sind, hier einzusteigen..“, murmelte ich. Wir betraten die düstere Villa und uns empfing gleich eine Welle von Staub. Ich musst husten. Neugierig musterte ich die Eingangshalle, Elaine war ebenso fasziniert. „Das muss früher bestimmt total romantisch gewesen sein...“, meinte sie mit leuchtenden Augen. Die Villa würde wirklich wunderschön aussehen, wenn sie jetzt nicht so unheimlich und heruntergekommen wäre. Der Teppichboden war dreckig und ausgebleicht, die Vorhänge an den Fenstern waren staubig und verblasst. Die Freitreppe, die in das obere Stockwerk führte, war alt und schien nicht sehr stabil zu sein. Ein großer Kronleuchter hang an der Decke und ich hatte auf einmal Angst, er würde hinunterfallen. Ich trat ein paar Schritte vor und warf einen Blick in das Zimmer links von uns. Es war wohl das ehemalige Esszimmer gewesen, es standen mehrere mit weißen Tüchern verhängte Möbel herum, die grob die Umrisse von einem Tisch und mehreren Stühlen erahnen konnten. Das fahle Mondlicht schien in den Raum und ließ ihn schon fast magisch wirken. Auf einmal hörte ich einen Schlag, der aus ebendiesen Zimmer kam. Elaine und ich warfen uns einen Blick zu. „Was... was war das?“, fragte sie vorsichtig. „Ich weiß nicht..“, entgegnete ich verunsichert. Ich schaute noch einmal zu dem Raum hinüber. Das Geräusch war definitiv aus dem Zimmer gekommen. Elaine trat einen Schritt vor, aber ziemlich unsicher. Die Atmosphäre hier war wirklich gespenstisch. „Komm, wir schauen nach.“, meinte sie, aber wenig überzeugend. Ich nickte nur, dann folgte ich ihr langsam. Ich zuckte zusammen, als der Schlag ein zweites Mal ertönte. Schwer schluckte ich und ging weiter. An Türrahmen blieb ich hinter meiner Freundin stehen und wir suchten den Raum mit unseren Blicken ab. Jedoch entdeckte wir nichts Verdächtiges. Bis Elaines Augen an der rechten Wandseiten hängen blieben. Sie stöhnte auf und ging zielsicher durch den Raum. „Wir sind vielleicht Angsthasen!“, rief sie und lief zu dem Fenster hinüber, das geöffnet war und immer wieder vom Wind gegen den Rahmen geschlagen wurde. Sie schloss es fest und drehte sich wieder um. Ich rieb mir die Stirn, ich war wirklich sehr schreckhaft, das sollte ich mir dringend abgewöhnen. „Komm, wir gehen da jetzt hoch und bringen das zu Ende. Außerdem will ich wissen, wie es da dann ausschaut.“
Manchmal gefiel mir Elaines Neugier ganz und gar nicht.
Da wir nun aber schon mal hier waren, widersprach ich ihr nicht und folgte ihr brav wieder in die Eingangshalle. Wir gingen die Treppe hinauf, die beträchtlich knarrte und kleine Staubwolken aufwarf. Ich nahm mir fest vor, nicht wieder wegen einer Kleinigkeit mich zu erschrecken. Die Gänge, die von dem kleinen Foyer nach der Treppe ausgingen, sahen nicht viel anders aus als die Halle selber. Alt und heruntergekommen. An der Wand, die sich zwischen zwei Fluren befand, hang ein altes Gemälde, eingerahmt von roten Vorhängen. Vorsichtig trat ich näher und betrachtete es. Es war schon ziemlich verstaubt, man konnte nicht wirklich erkennen, was sich darauf befand. Es musste wohl einen Mann und eine Frau in traditionellen, alten Kleidern darstellen. Ich wollte es berühren, um es etwas sauberer zu machen, strich aber aus Versehen mit meinen Ärmel am Vorhang entlang. Ein Kreischen erklang und etwas Schwarzes flog mir entgegen und ich schrie auf. Die kleine Fledermaus flog davon. „Oha..“, murmelte Elaine, „Das Haus muss wirklich alt sein.“ Ich ging wieder zurück zu ihr. So schnell würde ich jetzt nichts mehr anfassen. „Am Besten, wir gehen in so einen Gang... oder in ein Schlafzimmer, mit altem Himmelbett! Das wäre genial.“, überlegte Elaine vor sich hin. Ich warf ihr einen leidenden Blick zu. „Hauptsache, wir sind hier wieder schnell raus.“, meinte ich. Sie zuckte mit den Schultern. „Ist wohl besser so.“ Dann deutete sie auf einen Gang. „Schauen wir mal dorthin.“ Kaum, dass sie das gesagt hatte, entdeckte ich einen Schatten, der schnell an der Tür am Ende des Flures vorbei lief. „Was..“, flüsterte ich und Elaine stockte der Atem. „Das ist jemand!“, flüsterte sie mir zu. „Vielleicht will uns da jemand einen Streich spielen..“, entgegnete ich leise und ging Richtung der Stelle, an der wir gerade diese Bewegung gesehen hatten. Elaine nahm mein Handgelenk. „Georgie, vielleicht sollten wir das lieber lassen? Was, wenn da ein Wahnsinniger rumläuft oder glatt noch einer, der kleine Mädchen vergewaltigt?“ Ich schluckte und meine Gedanken glitten kurz zu Chris. Nein, der saß im Gefängnis, der konnte unmöglich hier sein. Instinktiv griff ich nach dem Taschenmesser, das in meiner Jackentasche war. „Dann werden wir uns eben wehren..“, meinte ich, es klang mutiger, als ich eigentlich war. Sie ließ mich wieder los. „Gut.“ Langsam liefen wir dem Ende des Flures entgegen, nach ein paar Sekunden entdeckte ich einen kleinen Beistelltisch mit einer Vase darauf, der knapp neben den Türrahmen stand. Ich machte einen weiteren Schritt und genau in diesen Moment fiel die Vase hinunter. Es war allerdings zu dunkel, ich konnte kaum etwas erkennen. Ganz im Gegensatz zu dem Zerbrechen der Vase, das nahm ich mehr als nur gut war. Sie zerbarst in tausend Teile, die Scherben flogen herum und bildeten einen Haufen um die groben Überreste der Vase. Ich schrie kurz auf und biss mir aber auf die Lippen. Ich wollte mich umdrehen, um nach Elaine zu schauen, bis mir auf einmal auffiel, dass ich gar keinen Atem mehr hinter mir hörte. Ich erstarrte und schaffte es kaum, mich umzudrehen. Aus den Augenwinkeln untersuchte ich den Gang, aber meine Hoffnung wurde grausam zerstört. Es war keine Elaine mehr da. Ein Zittern überkam mich. „Elaine?“, fragte ich vorsichtig. Keine Antwort. „Scheiße...“, murmelte ich. Das war mehr als nur nicht gut. „Elaine?“, fragte ich noch einmal, diesmal etwas lauter. Aber statt einer Antwort hörte ich nur eine Tür knallen. Ich zuckte zusammen und blickte nach links. Ein paar Meter hinter mir befand sich eine Tür, sie stand offen. Ich hätte schwören können, dass sie das vorher noch nicht gewesen war. Schnell drehte ich mich um und lief dorthin, die Angst war für einen Augenblick vergessen. Nur die Angst um Elaine trieb mich gerade an. Ich blickte in den Raum, aber er war bis auf ein paar verdeckten Möbelstücken leer. Nur die Tür, die gegenüber mir war, stand sperrangelweit offen. Wo war sie bloß hin? Sie würde doch nicht freiwillig hier alleine rumrennen. Und dass sie mir einen Schrecken einjagen wollte, bezweifelte ich ebenfalls. Dafür hatte sie zu viel Angst gehabt. Dieser Ort war auch zum Fürchten. Leise näherte ich mich der anderen Tür. Rechts von ihr war ein riesiges Bücherregal mit vielen verstaubten Büchern. Davor befand sich ein monströses Spinnennetz, an dem sich gerade eine große, fette Spinne verausgabte. Ichschauderte und wandte den Blick ab. Spinnen waren wirklich nicht meine Lieblingstiere. Links stand eine Standuhr, aus dunklen, alten Holz. Irgendetwas war anders an ihr, als die anderen Möbel hier. Nur kam ich nicht darauf, was es war. Bis zu dem Moment, in dem die Uhr das erste Mal schlug. Ich zuckte zusammen und biss mir auf die Lippen, sodass ich Blut schmeckte. Warum war ich nur so schreckhaft? Das Schlagen der Uhr ging mir durch Mark und Bein und ich verließ schnell das Zimmer. Die Standuhr sollte eigentlich nicht mehr funktionieren, da Haus stand schon seit Jahren leer. Außer, es war jemand hier gewesen. Nämlich genau dann, wo Elaine und ich hier waren. Und jetzt war meine Freundin weg. Der Weg, den meine Gedanken gerade einschlugen, gefiel mir ganz und gar nicht. Ich stolperte aus dem Raum hinaus und landete wieder in einem weiteren Flur. Da hörte ich ein Poltern, ein paar Meter weiter links von mir. Es war aus einem Zimmer hinter einer weiteren Tür gekommen. Warum gab es hier auch so viele Türen?! Ich ging auf sie zu, blieb aber auf halbem Weg wie angewurzelt stehen. Etwas lief unter dem unteren Spalt der Tür hindurch. Und es war rot. Blutrot. Ich spürte förmlich, wie alle Farbe aus meinem Gesicht wich und mein Herz für einen Moment still zu stehen schien. Das war der Moment, in dem ich los kreischte, mich umdrehte und wegrannte. Blindlinks rannte ich den Gang hinunter, gelangte an eine weitere Tür, riss diese auf und schmiss sie krachend hinter mir zu. Ich lehnte mich an das morsche Holz und atmete tief ein und aus. Immer wieder ging ich mein Mantra durch, dass ich mir das alles nur einbildete. Ich öffnete die Augen und erblickte ein Schlafzimmer. Gut, es war ziemlich verkommen, die Schleier des Himmelbettes wiesen tausende Löcher auf, der Boden war verbleicht und die Tapete an manchen Stellen schimmelig. Aber es wirkte irgendwie beruhigend auf mich. Zumindest, bis ich ein Leuchten am Schreibtisch, der am Fenster stand, entdeckte. Es befand sich eine Vase darauf, in ihr waren wunderschöne, rote Blumen. Solche hatte ich noch nie gesehen, nicht einmal ansatzweise in der Art. Aber das merkwüdigste an ihnen war, dass sie ein seltsames Licht ausstrahlten. So, als ob sie von innen beleuchtet würden. Ich ging einen Schritt auf sie zu, blieb dann aber stehen. Wie merkwürdig…
Auf einmal strich eine sanfte Brise an mir vorbei. Das Fenster war nur angelehnt. Da nahm ich eine sanfte, leise Stimme wahr, kaum mehr als ein Flüstern. „Ich habe schon immer Blumen geliebt…“ Die Worte strichen um mich herum und ich erstarrte sofort. Woher kam die Stimme? Ich blickte mich panisch um, aber es war niemand hier. Und wenn ich geglaubt hatte, das mit dem Blut wäre schon zu viel für mich gewesen, dann hatte ich mich geirrt. Ich schrie los und lief so schnell ich konnte aus dem Zimmer. Die Tür fiel hinter mir krachend ins Schloss. Ich drehte mich um und rannte direkt in jemanden hinein. Mein Kopf knallte gegen eine Brust, ich brauchte einen Moment, um zu realisieren, dass ich gerade gegen jemanden gelaufen war. Da kam mir der Gedanke, dass es ein Psychophat sein könnte, der auch schon Elaine hatte. Ich schrie und schlug mit den Fäusten gegen den Mann, der mich eisern festhielt. Irgendwann drang eine Stimme in mein Unterbewusstsein. „Georgiana! Beruhige dich doch.“, sagte die Stimme. Langsam ließ ich meine Hände sinken. Die Stimme kannte ich. Und zwar zu gut. Ich blickte auf und entdeckte ein paar verschiedenfarbige Augen. „Lys? Aber was… was machst du hier?“, fragte ich verwirrt. Wo war da der Zusammenhang? Mein Blick glitt hinter ihm, wo sich ein grinsender Castiel und eine Elaine, die ganz schön neben der Spur zu sein schien. Langsam dämmerte mir, was hier eigentlich los war. „Ihr seid doch solche Idioten!“, rief ich und schlug ihm mit der Faust nochmals gegen die Brust, auch wenn ich wusste, dass ich da nicht viel ausrichten konnte. Ich kämpfte mich aus seinen Armen und funkelte ihn böse an. „Du weißt doch, dass ich total schreckhaft bin!“, warf ich ihm vor. Er blickte mich entschuldigend an. „Das war nicht meine Idee. Tut mir leid, ich wusste nicht, dass es dich so treffen würde.“, entschuldigte er sich und blickte etwas schuldbewusst zu Boden. Ich stand ein paar Minuten so da und blickte ihn böse an, bis ich nachgab. „Versprich, dass du das nie wieder machst.“, flüsterte ich und warf mich dann in seine Arme. „Versprochen.“, murmelte Lysander und küsste mich auf’s Haar. Castiels Lachen überhörte ich nicht. „Du kriegst auch noch was zu hören!“, rief ich ihm zu. „Keine Sorge“, erwiderte er nur, „dafür wird schon jemand anders sorgen.“ Bei den letzten Worten warf er Elaine einen bedeutungsschwangeren Blick zu. Die warf ihm nur einen schelmischen Blick zu.
Gemeinsam verließen wir die Villa, dabei hielt ich Lysanders Hand. Die beiden Jungs klärten uns über ihre Streiche auf. Zugegebenermaßen, ich war schon etwas sauer, aber eine Frau konnte sich rächen. Und zwar gut. Sie hatten das Fenster im unteren Stockwerk einfach geöffnet, das mit dem Schatten und der herunterfallenden Vase war auch ziemlich einfach zu erklären. Danach hatte sich Castiel kurzerhand Elaine von hinten geschnappt und sie von mir weggeschleppt. Das Blut war auch kein Blut gewesen, sondern einfache rote Farbe. Im Endeffekt konnten wir sogar darüber lachen. „Aber wie habt ihr das dann mit den Blumen gemacht?“, fragte ich grinsend mitten hinein, als sie sich gerade über ihre Aktion unterhielten. „Welche Blumen?“, fragte Castiel verdutzt. Elaine und Lysander blickten mich ebenfalls fragend an. Ein Schauer überkam mich. „Aber…“ Ich verstummte dann. „Ach, egal.“, meinte ich dann und lehnte meinen Kopf an Lysanders Schulter. Die anderen beiden unterhielten sich daraufhin weiter. Lys aber schaute mich weiterhin besorgt n. „Sicher?“ Ich nickte.. „Das habe ich mir bestimmt nur eingebildet. Ich war dann wahrscheinlich schon so unter Schock, dass ich mir etwas zusammen fantasiert habe.“ Er nickte, wohl nicht ganz zufrieden, aber er schien  meine Antwort zu akzeptieren. Gemeinsam gingen wir dann zu Castiel nach Hause, wo wir den Abend noch mit lustigen Filmen und Popcorn verbrachten. Nur noch ein kleiner Teil in mir war sich sicher, dass das, was ich gesehen hatte, real war.
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