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نقية من القلب - Reinen Herzens

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Balian von Ibelin Saladin Tiberias
21.10.2012
25.12.2012
4
5.850
 
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Dieses Kapitel
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21.10.2012 1.249
 
Das erste Kapitel...quasi die Einführung...viel Spaß ;-)

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I. Buch - Kapitel 1-- Frankreich

Es begab sich zu einer Zeit, in der der Glaube alles beherrschte, dass ein Ritter nach hause zurückkehrte, um seinen verlorenen Sohn zu finden.

Die kalte Wintersonne hob sich nur schwach vom Himmel ab, als aus der Ferne Glockengeläut an seine Ohren drang. Er richtete seinen Blick vorraus, konnte durch das Schneegestöber hindurch jedoch nicht erkennen, ob seine Heimatstadt schon nahe war oder ob nur der Wind, den Ruf der Kirche aus weiter Ferne an seine Ohren trug.
Sie waren seit Wochen unterwegs. Die Pferde geschwächt, der Körper ermüdet und die Gemüter betrübt. Hier und da schnappten sie Gerüchte über einen jungen Schmied auf, dessen Frau augenscheinlich den Freitod gewählt haben sollte, jedoch lagen ihre Beweggründe im Dunkeln. Die einen vermuteten, ihr Gemahl sei handgreiflich ihr gegenüber geworden und wieder andere sagten, sie habe keinerlei Grund gehabt.
Ihm war es gleich!
Er war auf der Suche. So wie er vor vielen ungezählten Jahren ebenfalls auf der Suche war. Doch nun hatte sich sein Ziel geändert. Damals suchte er Vergebung...nun suchte er seinen Sohn.
Den Sohn, von dem er erst nach Jahrzehnten der Unwissenheit erfuhr. Seinen einzigen Erben.
Sie hatten wage Hinweise erhalten, wo er leben solle, doch ob sie sich als wahrhaftig erweisen würden wussten sie nicht. Ebensowenig wussten sie, ob der Junge noch am leben war. Vielleicht fanden sie nur ein Grab, weil er womöglich von dem schwarzen Tod dahingerafft worden war oder gar ermordet.
Er dachte nicht darüber nach! Er wollte es nicht!

Der Winter war dieses Jahr härter als jeder andere zuvor. Der Boden war so hart wie Stein. Unmöglich zu bearbeiten um Korn zu sähen. Das Vieh litt Hunger, ebenso wie ihre Herren. Die Armen und Bettler starben zu hunderten. Selbst die Kirche war bereits überfüllt, mit frierenden Menschen.
Im Kerker des Herzogs erfroren die Gefangenen. Zwar hatte er einige freigelassen, doch jene die verblieben, blieb nur der Kältetod.
Nur einer erwehrte sich der Kälte. Nur einer verweigerte sich dem Tod.
Tief in Gedanken versunken hockte er in der hintersten Ecke seiner Zelle. Seine Augen starr auf die Wand gerichtet, ignorierte er sogar den Wächter, der ihn von Zeit zu Zeit ansprach und ihm Essen gab.
Er wirkte fast wie eine Statue. Nur das Blinzeln seine Augenlider verriet, dass er noch unter den Lebenden weilte.
Die Wärme, die er brauchte, nahm er aus seinem Herzen. Erinnerungen!
An vergangene Tage. An Liebe. Geborgenheit. Seine Frau.
Ihr Lächeln erwärmte sein Herz, obwohl er es nie wieder sehen würde. Und doch, spürte er, dass er seit langer Zeit nicht mehr ehrlich ihr gegenüber gewesen war.
Diesen Gedanken verbannte er jedoch in einen dunklen Teil seiner Erinnerungen. Daran wollte er jetzt nicht denken. Es würde ihr Andenken nur beschmutzen.

,,Warum biste überhaupt hier drinne?'',hörte er den Wächter fragen. Schweigen war seine Antwort. Nur leicht schüttelte er den Kopf. Es schien zu reichen.
Warum? Ja, warum? Er wusste es selbst nicht. Eines morgens kamen sie und holten ihn. Sperrten ihn hier ein. Sagten nicht weshalb. Folgten Befehlen. Im Grunde war es gleich, wo er war. Ob in der Schmiede oder hier. Überall würde er über sie nachdenken. Egal wo.
Ein rasseln lies ihn für einen Augenblick aus seinen Gedanken auffahren. Die Zellentür war geöffnet worden. Etwas wurde auf ihn gelegt. Es wurde warm. Er blickte auf. Der Wächter. Jener nickte nur und verlies die Zelle. Schloss ab.
Seine Augen richteten sich auf seine Beine. Eine Decke. Langsam lies er seine Hände unter die Decke fahren. Sie waren kalt wie Eis. Wärme.
Er lies seinen Kopf wieder nach hinten sinken und gab sich seinen Erinnerungen hin. Erneut.

Endlich hörte er Kindergeschrei und die lauten Rufe der Eltern. Sie waren angekommen. Endlich.
Tief sog er die Luft in seine Lungen. Blies sie aus. Eine Wolke. Kurz schloss er die Augen. Dachte nach. War es die richtige Entscheidung gewesen? Was, wenn sein Sohn ihn garnicht kennenlernen wollte? Den Mann der sein Vater war und den er nie gekannt hatte. Er sah zu seinem Freund. Jener nickte nur. Lächelte. Er erwiderte dies. Sie war richtig!
Er durfte nicht zweifeln!
Die Stadt kam in Sichtweite. Sie war kleiner als früher. An der Kreuzung vor ihr, immer noch jenes Steinkreuz, welches sein Vater hatte errichten lassen.
Etwas ging dort vor sich. Doch was? Er konnte es nicht erkennen. Es noch zu weit entfernt.

Seit nun mehr 60 Jahren stand an der Kreuzung vor der Stadt ein steinernes Kreuz. Errichtet vom früheren Herzog. Für Pilger. Hier war eine Kirche und ein Kloster. Hier konnten sie ruhen.
An dieser Kreuzung sollte es geschehen. Hier sollte er das elende Weib seines nutzlosen Bruders beerdigen. Weshalb? Sie war eine Selbstmörderin. Sie hatte kein christliches Grab verdient. Und dann auch noch an einer Krezung! Blasphemie!!
Er beobachtete die Totengräber. Nur langsam kamen sie vorwärts, denn der Boden war schlichtweg zu hart. Seit Stunden arbeiteten sie schon. Wechselten sich stetig ab. Die Anstrengung und die Kälte forderten ihren Tribut.
Der Wind war eisig. Schnell.
Sie war in ein Leinentuch gehüllt. Der Wind fegte es hinfort. Nun war sie sichtbar. Ihre geschlossenen Augen. Sie wirkte friedlich. Keine Anzeichen der Trauer, die sie durchlitten hatte. Widersinnig. Endloser Schlaf, so nannte der Bischof den Tod. Irgendwie hatte er ja Recht.
Er drückte einen Apfel auseinander. Doch als er den Wurm sah, warf er ihn fort.
Sollten die Würmer ihn ruhig haben.
Er ging zu ihr. Kniete sich nieder. Warf seinen Wams scheinbar als Schutz um sich und ihren Leib. Doch er hatte anderes vor.
Er suchte dieses kleine Kreuz. Selbstgeschmiedet. Von seinem Bruder. Unfug.
Sie brauchte es nicht mehr. Wozu auch? Um in der Hölle zu beten? Lächerlich. Er entriss es ihr. Verbarg es in seinem Ärmel.
Einer der Totengräber sagte etwas. Er hörte nicht wirklich zu. Gebot ihm zu schweigen und weiter zu graben.
Da! Das Wiehern von Pferden. Er blickte sich um und sah eine Schar Reiter vor sich den Weg entlang kommen. Sie trugen Banner. Ritter. Kreuzritter.
Einer der Reiter löste sich von der Gruppe und kam auf ihn zu.
,,Macht bitte den Weg frei!'', sprach er. Augenblicklich wies er die beiden Gräber an den Karren von dem Weg runter zu ziehen.
Scheinbar aus allen Ecken der Welt war diese Gruppe zusammengewürfelt. Ein Deutscher, drei Franzosen, ein Engländer, einige die er nicht zuordnen konnte. Und dann dieser Hüne. Offensichtlich aus keinem Land Europas. Die Haut schwarz wie die Nacht. Ebenso die Augen. Ein starkes, markantes Gesicht. Woher kam er wohl? Ein Sarazene? Etwas in dieser Richtung. Dann ein Lord. Schnell verneigte er sich. Wurde jedoch ignoriert. Dieser verdammte...! Sie ritten Richtung Festung. Auf geradem Weg. Der erste Reiter kam zurück. Warf ihm ein Geldstück zu. ,,Das ist von meinem Herren für ein Begräbnis und eine Messe...für ihre Seele!'' Er entfernte sich wieder und schloss mit der Gruppe auf.
Die Totengräber wollten sie herablassen. ,,Wartet!'' Sie hielten inne. ,,Habt ihr es vergessen?'',,Sie war das Weib eures Bruders!'' ,,Sie war eine Selbstmörderin...Köpft sie!'' Er wandte sich ab rief jedoch noch einmal ,,Und bringt die Axt zurück!'' Dann lief er zur Festung.
Die Totengräber sahen sich an. Zweifelten. Doch wussten sie, was sie erwartete, wenn sie der Anordnung nicht folgten. Einer nahm die Axt. Schwang sie. Es war getan!


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Ich hoffe dieses Kapitel hat euch schon mal gefallen!
Ich werde mich bemühen, so schnell es geht weiter zu schreiben...;-)

LG, satanas
 
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