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Megamind - Ein Direktor erinnert sich zurück

GeschichteAllgemein / P6 / Gen
Megamind Metro Man
20.10.2012
18.11.2012
3
4.646
1
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7 Reviews
Dieses Kapitel
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20.10.2012 1.638
 
Anmerkung: Da ich vor einigen Wochen einen riesen Flash durch den Film Megamind erfuhr, hatte ich schon längere Zeit auch ein paar Plots im Kopf. Doch leider hab ich meist nur wenig Zeit, um sie wirklich aufzuschreiben. Dieser hier lag mir aber besonders am Herzen, da es nicht einfach eine Liebesgeschichte über ihn mit Roxanne sein sollte (so wie viele meiner anderen Ideen), sondern sich mit seiner Kindheit beschäftigen soll. Allerdings aus der Sicht vom Direktor des Gefängnisses wo er aufwächst.
Ich versuchte damit ein paar unschlüssige Dinge, die sich aus dem Film ergaben, zu erklären und eine Lösung dafür zu finden, sie recht plausibel zu machen. Ich bringe dabei natürlich viel eigene Ansicht und Fantasie mit rein, die nicht den Meinungen anderer entsprechen muss.
Bitte beachtet das bei einem Review.

Viel Spaß beim Lesen.




Kapitel 1: Wie alles begann

Ich stand in meinem Büro am großen Fenster und beobachtete, wie immer mehr Autos zum Stadtzentrum fuhren. Ähnlich wie vor fast einem Jahr wollte Metro City ihren Helden feiern. Doch dieses Mal handelte es sich nicht um Metro Man, sondern um den ehemaligen Schurken Megamind. Der blaue Außerirdische von dem niemand, nicht einmal ich, gedacht hatte, er könnte sich so um 180° drehen und die Seiten wechseln.

Dabei hatte alles so harmlos angefangen. Und zwar mit zwei identischen Nachrichten zugleich, die besagten, dass ein unbekanntes Flugobjekt direkt im Innenhof des Gefängnisses, von dem ich schon damals Direktor war, abgestürzt war. Die eine hatte ich per Telefon erhalten und die andere teilte mir nur Sekunden später ein Wachmann mit. Natürlich ließ ich sofort das Gelände drum herum abriegeln und bewachen von meinen Leuten, so wie es mir befohlen worden war. So mussten wir nur etwa zwei Stunden auf ein Spezialteam warten, die das Ding bergen wollten und es genauer Untersuchen. Natürlich wurde bereits eine Durchsuchung durchgeführt, die ein wenig verzwickt war. Immerhin hatten wir keine Ahnung, nach was wir suchten, aber es schien sich aufgrund der Größe der Kapsel um sehr kleine Aliens zu handeln. Fürs Erste war allerdings weit und breit keine Spur von denen zu entdecken, so mussten wir unsere Bemühungen verdoppeln und stellten jede Gefängniszelle auf den Kopf.
Die Kapsel wurde währenddessen bereits zu Analyse abtransportiert und überall herrschte höchste Alarmbereitschaft. Ich weiß nicht, wie die Gefangenen es geschafft hatten, den kleinen Außerirdischen zwei Tage vor uns zu verstecken, oder ob ein Wärter gedacht hatte, es würde sich nur um eine Puppe handeln, aber schließlich hatten wir ihn ausfindig gemacht. Jede Vorsichtsmaßnahme ergreifend, musste ich den Kleinen mitsamt seinem Haustier, das er stets umklammert hielt, isolieren und wegsperren. Was uns allen ein wenig lächerlich vorkam angesichts der Tatsache, dass es sich bei unserem fremden Besucher um ein Baby handelte.

Aber wir hatten nun einmal unsere Befehle. Niemand dürfte zu ihm, bis ein weiteres Speziallistenteam am nächsten Tag erscheinen wollte. Sie wollten noch einige Vorkehrungen treffen hieß es. Allerdings stellte sich schnell das erste Problem an der Sache: Nahrung.
Wir konnten einem hilflosen Säugling kein Essenstablett in die Zelle stellen und erwarten, dass er alleine aß. Jemand musste ihn füttern. Dafür, dass wir es nur mit einem Baby zu tun hatten, traute sich dann doch kaum wer. Schließlich erlaubte ich einem der Gefangenen, der sich bereits diese zwei Tage um das Kind gekümmert hatte, den Zugang. Zwar nur für kurz, damit er es versorgen konnte und unter meiner persönlichen Überwachung, aber es zeigte, dass es unbedenklich war, den Kleinen zu Füttern. Da unterschied er sich kein bisschen von normalen Babys.
Er schien vollkommen harmlos zu sein und selbst sein gefährlich aussehendes Tier in der Glaskugel, schien vorerst keine Bedrohung zu sein. Unser kleiner blauer Besucher brabbelte auch schon munter in einer fremden Sprache vor sich hin, hatte erste Zähnchen und sehr große grüne Augen, die jedes Herz erweichten.
Selbst diese sogenannten, hartgesottenen Spezialisten konnten sich seinem Charme nicht erwehren, genauso wenig wie unserer fiesesten Insassen. Auch ich hatte in den wenigen Stunden den Kleinen lieb gewonnen, besonders da meine Frau und ich selbst keine Kinder haben konnten. Umso besorgter war ich allerdings, als sie ihn mitnahmen, um ihn zu untersuchen. Ich stellte mir die schrecklichen Dinge vor, die sie dem Kleinen antun konnten. Die Tests und ärztlichen Untersuchungen, die niemals an einem Menschen durchgeführt werden würden.

Ich dachte schon, ihn nie wieder zu sehen, als er über einen Monat später wieder zu uns zurück kam. Man setzte mich über die Ergebnisse in Kenntnis, von denen ich nur die Hälfte verstand. Doch ich hatte nun einmal darauf sehr energisch bestanden, zu wissen, was sie mit ihm angestellt hatten. So vieles und schreckliches schien es fürs erste nicht zu sein. Ein Kinderarzt hatte ihn untersucht und festgestellt, dass er für unsere Verhältnisse gesund schien. Auch dass sich sein Körperaufbau kaum von unserem unterschied, wenn man mal von der blauen Hautfarbe und dem riesigen Kopf absah. Sein Alter wurde auf ein halbes bis ganzes Jahr geschätzt aufgrund der Zähne. Denn was seine Sprach betraf, mochten sie nicht nach menschlichen Maßstäben gehen. Der Außerirdische verfügte offenbar über eine enorme Lerngabe, schon jetzt nach einem Monat hatte er bereits unsere Sprache übernommen und verwendete sie häufiger, als seine eigene. Zwar machte er hin und wieder noch gerne Fehler in der Aussprache, die man versuchte, ihm abzugewöhnen, aber nichts desto trotz eine bemerkenswerte Leistung.
Der Fisch, Piranha, wie auch immer man dieses Ding bezeichnen mochte, hatte man ebenso untersucht. Aber bis auf eine merkwürdige Antenne, die scheinbar an ihm festgewachsen war, war daran kaum etwas spannendes zu entdecken. Um zu sehen, wie sich beide entwickelten, wollte man ihnen die Chance geben, aufzuwachsen, bevor man tiefer bohrte. Oder man wollte nicht allzu viel öffentliche Empörung riskieren. Denn während der arme Tropf zu uns ins Gefängnis zurück kam, um unter Bewachung zu bleiben, hatte die Presse auch Wind von einem zweiten Außerirdischem Kind bekommen. Offenbar war dieser bei einer sehr reichen Familie gelandet, die ihn sofort adoptieren wollten. Ihr Geld und Einfluss erlaubte es ihnen schließlich, ohne solche Untersuchungen auszukommen und den Jungen zu behalten. Dieser war zwar nicht blau, allerdings schien er über Superkräfte und die Fähigkeit zu Fliegen zu verfügen. Die Zeitungen spielten es natürlich hoch als der Anfang einer Invasion, aber das fand ich schon damals unsinnig. Niemand würde einen Säugling und ein Kleinkind vor schicken.

Zwar war ich alles in allem froh, dass es unserem kleinen blauen Freund gut ging, aber mir war genauso klar wie eigentlich jedem anderen auch, dass das Gefängnis kein Ort für ein Kind war. Ich versuchte also in den nächsten Wochen mich mit einigen Behörden kurz zu schließen, immerhin war es jetzt publik und ich musste nicht befürchten ein Staatsgeheimnis auszuplaudern. Aber das Jugendamt fühlte sich wohl nicht zuständig für nicht irdische Kinder. Ihre Begründung war schlicht und einfach. Ein solches Baby könnte man in keine normale Krippe geben oder in ein Waisenheim. Die Kosten für einen Einzelfall wie ihn wären zu enorm. Punkt. Das selbe bekam ich bei jeder dieser Einrichtungen zu hören. Er könnte gefährlich sein und deswegen wollten sie ihn nicht.
In meiner Verzweiflung dem Jungen zu helfen, versuchte ich ihn sogar an das Ehepaar Scott zu vermitteln, da diese offenbar keine Bedenken wegen einem Alien hatten. Doch sie lehnten ab. Ein Sohn sei ihnen genug und sie wollten ihm die volle Aufmerksamkeit schenken, so hatte es mir Mrs Scott zumindest versichert. Da standen wir also. Zu mir konnte ich ihn nicht nehmen, da meine Frau genauso Angst hatte und auch keiner meiner Mitarbeiter war bereit dazu, sich ständig überwachen zu lassen wegen dem Kleinen. Es war wirklich nicht einfach. Doch schließlich musste ich mich damit abfinden, dass wir ihn eine ganze Weile bei uns behalten würden.
So saß er in meinem viel zu großen Besucherstuhl auf der anderen Seite des Schreibtisches und ich beobachtete ihn ein paar Minuten. Seine großen Augen sahen sich alles ganz genau an und seine Händchen ruhten auf der Glaskugel mit dem Fisch darin. Hatte er etwas interessantes in meinem Büro entdeckt, lachte er kurz, auch über den Wachmann, der neben ihm stand. Mir wurde das Herz bei diesem Anblick sogar richtig schwer. Auf unbestimmte Zeit eingesperrt, allein in einer Zelle. Ohne Eltern oder Personen, die ihm ein Ersatz wären, wegen etwas wofür er nichts konnte. Ich seufzte und beschloss, es ihm so angenehm wie möglich zu machen.

Doch auch hierbei hatte ich zu kämpfen. Die Stadt bezahlte nicht freiwillig ein paar Spielsachen und eine Vertrauensperson, die ihn jeden Tag besuchen käme, kam schon gleich gar nicht in Frage. Schlussendlich konnte ich meinen Vorschlag auf höchster Ebene durchbringen, dass sich ausgewählte Gefangene um den Jungen kümmern dürften. Mir war nämlich aufgefallen, wie Ben, der Insasse, der ihn fütterte, im Umgang mit ihm soziale Kompetenzen entwickelte. Er sorgte sich um das Kind, fragte nach seinem Wohlbefinden und ob es etwas neues gäbe bezüglich meiner Bemühungen. Es war also naheliegend, dass wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen könnten. Ich erkannte das Potenzial einer Art Therapie für unsere Straftäter und zugleich wäre er nicht mehr so allein. In der ersten Woche beobachtete ich noch sehr häufig, wie der Umgang war und stellte zufrieden fest, dass ausnahmslos alle, die wir ausgewählt hatten, sich gut um ihn kümmerten. Sie gaben ihm zu Essen, redeten mit ihm, brachten ihm Dinge bei anhand eines Bilderbuches und spielten mit ihm.
Dabei ging mir immer wieder nur eine Frage durch den Kopf: Warum schickte jemand sein eigenes Kind so weit fort? Ein Unfall oder ein Notfall? Ob seine Eltern ihn wohl vermissten gerade? Ich erfuhr erst einige Jahre später, dass sein Heimatplanet von einem schwarzen Loch eingesaugt worden war. Doch zu diesem Zeitpunkt fand ich keine zufriedenstellende Erklärung. Auch machte ich mir jetzt Gedanken darum, wie wir ihn nennen sollten. Immer nur zu sagen, das Kind, der Außerirdische oder der Junge, konnten wir auf Dauer nicht. Nur welchem Namen sollte man ihm geben?
Schwierige Entscheidung...
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