Irgendwo in Darfur verschollen

GeschichteRomanze / P12
19.10.2012
11.12.2012
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Irgendwo in Darfur verschollen

Geschockt loggte Luka sich aus seinem Account aus, ließ den Compter herunterfahren und schaltete ihn dann aus. Das konnte nicht wahr sein! Das durfte einfach nicht wahr sein! In diesem Augenblick fühlte er sich so, als hätte er Greg Pratt in den Tod geschickt. Er wusste zwar, dass dem nicht so war, aber dieses Gefühl nagte dennoch an ihm. Natürlich war es die richtige Entscheidung gewesen, Pratt an seiner Stelle in den Sudan zu schicken, denn Abby und er waren nun dabei eine Familie zu gründen und er wollte dies keinesfalls aufs Spiel setzen, in dem er sein Leben, so wie früher im Kongo riskierte. Doch nun fühlte Luka sich innerlich zerrissen. Carter hatte ihm geschrieben, dass Pratt seit gestern in der Wüste Darfur´s verschwunden und bisher nicht wieder aufgetaucht sei. Er wollte dort nach der Frau eines Flüchtlings suchen, welche vom Wasser holen nicht zurück gekehrt war. Luka schüttelte den Kopf, das war so typisch Pratt. Er schaffte es immer wieder sich in Schwierigkeiten zu bringen.

Der Arzt war so in Gedanken versunken, dass er leicht zusammenzuckte, als Abby ihn von hinten umarmte. "

Na , was gibt´s Neues von Pratt aus Darfur? Kommt er da gut zurecht?" Ihr Freund schüttelte den Kopf.

" Er ist erst seit ein paar Tagen dort und steckt schon wieder in Schwierigkeiten. Carter hat in seiner Mail geschrieben, dass Greg seit gestern in der Wüste verschwunden ist, um die Frau eines Flüchtlings zu suchen, die vom Wasser holen nicht zurückgekommen ist." Er raufte sich die Haare.

" Und sie können ihn bisher einfach nicht finden." Abby strich ihm liebevoll übers Haar.

" Sie werden ihn sicher finden und Pratt weiß sich auch immer selbst zu helfen." Luka ergriff ihre Hand und zog sie sacht mit zum Sofa, wo beide Platz nahmen und sie sich an ihn kuschelte.

" Ich habe ihn da hin geschickt! Es war natürlich die richtige Entscheidung, aber ich kann ihn da jetzt nicht hängen lassen. Wer weiß, was ihm da zugestoßen ist!"

" Was willst du damit sagen?", wollte Abby beunruhigt wissen.

" Ich muss nach Darfur und ihn daraus holen! Das bin ich seiner Familie und auch Olivia schuldig!", sagte Luka entschlossen.

" Nein!", widersprach Abby energisch. " Das kannst du nicht machen! Überlass das Carter und den anderen dort, bitte!" Luka schüttelte den Kopf.

" Das kann ich nicht! Aber ich werde auch nur ein paar Tage weg sein, das verspreche ich dir. Ich gehe keine unnötigen Risiken ein, werde Pratt nicht allein suchen und sollte es tatsächlich aussichtslos sein, was ich aber nicht hoffe, dann komme ich eben allein zurück."

" Aber...!", fing Abby an, doch er unterbrach sie sanft mit einem langen und innigen Kuss.

Als sie den Kuss nach einer Weile beendeten, seufzte Abby leise. " Das ist unfair!" Luka lächelte leicht.

" Hör mal, wenn es Neela wäre, im Sudan, dann würdest du dasselbe für sie tun, nicht wahr?" Da nickte seine Freundin.

" Ja, schon... aber ich hab Angst. Ich will nicht, dass dir was passiert, so wie beim letzten Mal im Kongo!"

„Ich werde vorsichtig sein, versprochen!", erwiderte Luka ernst. " Aber versteh bitte, dass ich ihn da nicht hängen lassen kann!" Sie verstand ihn, hatte aber trotzdem Angst.

" Ein paar Tage, nicht länger?", vergewisserte sie sich. Dabei kuschelte sie sich enger an ihn.

" Auf keinen Fall länger", bestätigte Luka. Er legte seine rechte Hand an ihre Wange und küsste sie sanft. Und sie schmolz dahin, wie jedes Mal, wenn er sie küsste.

Schließlich lösten sie sich nach ein paar Minuten voneinander und Luka griff zum Telefon.

" Ich werde dann das nächste Flugzeug nehmen, das ich bekommen kann und ich muss Weaver Bescheid sagen, dass ich mir ein paar Tage frei nehme." Abby atmete tief durch.

" Ich hab dennoch Angst! Denn ich werde tagelang nichts von dir hören, da es dort keine Telefone gibt und Handys funktionieren da auch nicht." Da drückte Luka seine Freundin noch ein Mal an sich.

" Bitte mach dir nicht zu viele Sorgen. Es sind wirklich nur ein paar Tage und ich werde Pratt ja nicht allein suchen." Dabei strich er ihr zärtlich übers Haar. Abby nickte und schluckte schwer.

" Ich werde es versuchen. Die Arbeit in der Notaufnahme lenkt mich sicher ab."

" Das ist eine gute Idee", stimmte Luka ihr zu, nahm dann wieder das Telefon in die Hand und wählte die Nummer des Chicagoer Flughafen. Die Ärztin blieb noch einen Augenblick sitzen und sah ihren Freund an. Dann hielt sie es nicht mehr aus, verschwand die Treppen hinauf ins Schlafzimmer und schloss die Tür hinter sich. Dort sank sie mit dem Rücken an der Tür auf dem Boden und weinte. Sie verstand ihn wirklich, verstand, wieso er es tat und sie vertraute ihm. Sie wusste, er würde keine unnötigen Risiken eingehen. Dennoch hatte sie Angst, große Angst. Sie waren erst seit ein paar Monaten wieder zusammen, bekamen nun gemeinsam ein Kind und sie war so glücklich wie lange nicht. Diesmal sollte es für immer sein. Verdammt, warum brachte Pratt sich aber auch wieder und wieder in Schwierigkeiten?

Einen Moment später beruhigte Abby sich. Sie wollte stark sein, für Luka, denn er sollte sich nicht auch noch um sie sorgen, während er in Darfur auf der Suche nach Pratt war. Die Arbeit würde sie ablenken. Behutsam strich sich die Ärztin über ihren Bauch, der schon sehr rundlich war. Sie fand es immer noch verrückt, dass sie ein Kind bekam und gleichzeitig war es aber auch total schön, es von dem Mann zu bekommen, den sie mehr als alles andere auf der Welt liebte.
Schnell wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht und verließ das Schlafzimmer.

Luka hatte gerade alles wegen seinem Hinflug in den Sudan geregelt und von Weaver eine Woche Urlaub bekommen. Nun machte er sich auf den Weg nach oben zum Schlafzimmer, um dort seine Sachen zu packen. Er fühlte sich innerlich immer noch zerrissen. Auf dem Flur kam ihm Abby entgegen. Er sah sofort, dass sie geweint hatte und nahm sie fest in seine Arme. Beide schwiegen zunächst. Seid sie endlich wieder zusammen waren, waren sie nie länger als mal ein paar Stunden voneinander getrennt gewesen. Sie konnten einfach nicht ohne einander.
Abby kuschelte sich enger an ihn. Sie wollte nicht, dass er ging, konnte es aber auch nicht ändern. Und sie liebte ihn ebenso dafür, dass er seine Kollegen und Freunde niemals hängen ließ. Selbst für Sam und deren zwölfjährigen Sohn Alex war er noch da, als guter Freund, obwohl die Beziehung zwischen den beiden seid Monaten vorbei war.

Engumschlungen standen die beiden Verliebten im Flur vor dem Schlafzimmer.

" Ich muss langsam los, mein Flug geht in 3 Stunden", sagte Luka schließlich leise.

" Ja", antwortete Abby ebenso leise, dachte aber nicht daran ihn loszulassen. Sie fühlte sich so sicher und geborgen in seinen Armen.

" Ich muss auch noch ein paar Sachen packen", sprach ihr Freund weiter, obwohl er sie genauso wenig loslassen wollte, denn er fühlte sich bei ihr ebenso sicher und geborgen. Doch er dürfte seinen Flug nicht verpassen und löste sich behutsam von ihr.

" Musst du nicht bald arbeiten?", fragte er. Abby nickte und gab ihm einen sanften Kuss auf den Mund.

" Ich ziehe mich um, während du packst."

Eine halbe Stunde später waren die zwei fertig und Luka brachte Abby noch zum County. Beide verabschiedeten sich mit einem langen und innigen Kuss voneinander, dann machte Luka sich auf den Weg zum Flughafen. Sie vermisste ihn schon, als er ins Auto stieg und losfuhr. Ihm erging es nicht anders. Er warf einen Blick in den Rückspiegel und als er sah, wie sie traurig und allein am Straßenrand stand, wäre er am liebsten umgedreht. Wäre zurückgefahren, hätte sie in seine Arme geschlossen und nie wieder losgelassen. Aber leider war das jetzt nicht möglich, Pratt brauchte seine Hilfe.

Nachdem Luka´s Auto nicht mehr zu sehen war, atmete Abby ein Mal tief durch und betrat schließlich die Notaufnahme. Im Umkleideraum zog sie sich rasch ihren Ärztekittel über und machte sich dann an die Arbeit. Und diese lenkte sie wirklich ab, dennoch war sie nicht gerade bester Laune, was den anderen natürlich bald auffiel. Aber sie zeigten Verständnis. Und auch sie machten sich Sorgen und hofften, dass Luka Pratt bald fand und die beiden unversehrt zurückkehrten.

Nach einem anstrengenden zwölf Stunden Flug, mit einer Zwischenlandung, landete der Flieger in Darfur, auf einem relativ kleinen Flughafen. Carter holte Luka mit einem Jeep ab und fuhr dann mit ihm Richtung Flüchtlingscamp.

" Schön, dich mal wieder zu sehen", fand Carter. " Ich wünschte nur, die Umstände wären besser." Luka nickte.

" Da stimme ich dir zu. Aber wieso ist Pratt alleine los, um die Frau zu suchen?" Carter zuckte mit den Schultern.

" Ich habe keine Ahnung. Wir haben alles versucht, um ihn davon abzuhalten, aber dann ist er heimlich losgezogen, denn vor 3 Tagen , morgens, war er plötzlich weg." Sein Freund schüttelte den Kopf.

„Das ist typisch Pratt! Ich hoffe, dass wir ihn bald finden, lebend!“

" Das hoffe ich auch!", pflichtete Carter ihm bei. " Wie geht´s eigentlich Abby?"

" Gut", erzählte Luka. " Wir sind wieder zusammen und bekommen ein Kind."

" Echt? Das ist ja großartig!", freute Carter sich ehrlich. " Endlich habt ihr eure zweite Chance genutzt! Ich wusste immer, dass sie dich liebt, sie hat nie damit aufgehört, auch nicht als du, erst mit Gillian was laufen hattest und dann ´ne Beziehung mit Sam hattest." Luka nickte nur leicht.

" Diesmal soll es für immer sein!"

" Ihr schafft das, ganz sicher!", stimmte Carter ihm zu. In diesem Augenblick, kamen sie im Flüchtlingscamp an. Luka stellte seinen großen Rucksack im Ärztezelt ab. Dann machten Carter und er sich für die Suche nach Pratt fertig. Sie nahmen mehrere Flaschen Wasser und etwas zu Essen mit, stiegen wieder in den Jeep, welcher zuvor noch vollgetankt worden war und los ging´s.

Die Schicht war zu endlich zu Ende und Abby fuhr müde mit der Hochbahn nach Hause. Dort machte sie sich bettfertig und legte sich schlafen. Zumindest versuchte sie es. Allerdings fühlte sie sich allein ohne Luka, also rutschte sie auf seine Seite vom Bett, kuschelte sich in sein Kopfkissen und schlief nach einer Weile tief und fest.
 
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