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... Don't you cry ...

KurzgeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P12
Germanien Österreich Preussen
19.10.2012
19.10.2012
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Nach und nach bin ich zu diesem Punkt gekommen
Ich selbst habe mir meinen eigenen Weg gesucht
Ich verlor dich so früh die Tage vergingen so schnell
Du weißt nicht wie ich jeden Tag betete


„Wie  er ist …“ der kleine Junge mit den weißen Haaren sah seine Gegenüber misstrauisch an. Wie sollte er das nun bitte verstehen? Er war doch nicht einmal viel älter als 6 Jahre.
Ruhig suchten seine roten Iriden nach einer Erklärung, nach einem Sinn hinter diesen Worten doch es blieb aus … Niemand konnte ihm erklären wohin der Mann verschwunden war der sich so sehr als Vater aller Germanischen Nationen hochgelobt hatte. Wo war er nun, als einer der Jüngsten ihn brauchte, doch niemand antwortete auf die Stummen Fragen die nur die beiden dunkelroten Augen stellten.

In die Knie gezwungen, verstoßen blieb dieser kleine Junge alleine in dieser Welt bestehen. Niemals hatte er gelernt sich geschickt auszudrücken, zu zeigen wer er nun doch wirklich war. Wie er wirklich war. Er baute sich eine Mauer, eine Mauer aus Stolz eine Mauer aus Abscheu und der Abneigung die er in seinem Leben erfahren musste. Warum verließ ihn sein Vater schon so früh? Wo er doch nichteinmal genau wusste was er als Land zu tun hatte. Was hatte er zu tun? Niemand konnte es ihm sagen also tat er was er für richtig hielt. Fand seinen eigenen Weg.

Abends, wo die Sonne schon längst unter gegangen war, die sonst so bunte und strahlende Welt in einen tiefen Schwarzton tauchte und alles trostlos darstellte. Dann fühlte er sich nur noch vereinsamter aber die Hoffnung blieb. Sie blieb jeden Tag, jeden Tag saß der keine weißblonde Junge an dem Fenster, den Blick in die Sterne. Oder auf die Wolken gerichtet, denn Sterne leuchteten ja bekanntlich nicht immer. Auch das hatte er alleine herausgefunden.
„Ich glaube an die Sonne … auch wenn sie nicht scheint
Ich glaube an die Liebe … auch wenn ich sie nicht fühle
Ich glaube an Gott … auch wenn er schweigt.
Oh bitte bring mir meinen Vater zurück.“

Ein Lied zum Erinnern
Ein Lied zum Vergessen
Du wirst niemals wissen wie sehr ich es versucht habe
Dich stolz zu machen und deinen Namen zu ehren
Aber du hast mir nie Lebe Wohl gesagt

Noch nie hatte er eine solche Melodie vernehmen dürfen, noch nie hatte er so was ähnliches wie eine gewisse Akzeptanz verspüren dürfen. Natürlich, auch nun war dieses Gefühl noch vorhanden. Er dürfte nicht hier sein, er gehörte nicht hierher aber das war dem weißblonden Jungen mit den tiefroten Augen völlig egal. Er musste kommen und ihn spielen hören, auch wenn es nur einige Minuten waren. Diese einzelnen und hunderten an Sekunden denen er dem schwarzhaarigen Mann mit der Brille, vor seinem Klavier widmen konnte, ehe er davon lief.
Aus der Sehnsucht und Hoffnung erloschen langsam die Lichter die sie erhielten. Der Junge gab sich immer mehr mühe, er tat das was er auch getan hatte. Er zog in die Kriege und versuchte größer zu werden, dennoch. Manchmal saß er abends im Bett, schloss die Augen und faltete die kleinen zarten Kinderhände. „Vater. Ich hoffe du bist stolz.“

Aus der Hoffnung, der Sehnsucht, dem Wunsch und bestreben nach Anerkennung wurden andere Dinge. Der Junge blieb nicht klein, aber er blieb unwissend und lief blind durch die Welt hindurch, hinterließ nichts anderes als den Krieg. Aber so hatte er es sich selbst beigebracht … vom wem hätte er es den schon lernen sollen?


Jetzt wo du gegangen bist
Vergießen sich Schatten der Vergangenheit
Du und all die Erinnerungen werden bleiben


Lächelnd nahm der junge erwachsene die mehr als dünnen Seiten des kleinen Buches zwischen die Finger. Das Blatt auf dem er es niedergeschrieben hatte war beinahe weich und so dünn wie ein einzelnes Haar seinerseits.
Schöne Zeilen die er da niedergeschrieben hatte.
' Ich glaube er war voller Stolz erfüllt als ich ihm von meinen neusten Errungenschaften gegen Ungarn erzählte … ich fand heraus das Ungarn in Wirklichkeit gar kein Junge ist. Vater meinte ich sollte das nächste mal genauer hinsehen bevor ich voreilige Schlüsse ziehe. Er meinte ich stürme immer nur nach vorne ohne darüber nachzudenken was ich tu. Bavaria meinte daraufhin das ich nicht einmal denken könne. … Aber dennoch glaube ich eine Spur stolz in Vaters Augen gesehen zu haben. '
Heute wusste er das sein Vater mit Sicherheit nicht Stolz gewesen war. Worauf hätte er auch Stolz sein sollen? Aber darum ging es nicht. Es waren die Erinnerungen an das lächelnde Gesicht seines Vater, weshalb er diesen Tagebucheintrag öfters las als die anderen.

Weinst du nicht
Oder leidest an mir
Ich werde auf dich warten
Weinst du nicht
Engel vergehen niemals
Ich werde über dich wachen


Diese Frage quälte ihn nach wie vor. Der 16-jährige Junge Mann lief wie schon sooft durch die Straßen seines Landes, lies sich den kühlen Wind um die Nase wehen und genoss das aufkommende Gefühl der Freiheit, die ihm jedoch niemals gegönnt werden würde.
Er hatte noch keine einzige Träne für den Mann der ihn die ersten Jahre seines Lebens begleitet hatte vergossen. Warum denn auch?
Er war ja nicht gestorben oder zu Staub zerfallen … er war einfach weg und er würde sicherlich irgendwann wieder kommen.
Er redete es sich nun auch schon nach 10 Jahren des Wartens ein, aber langsam verlor er auch den Glauben daran, doch wenn er es weiter zu sich selbst sagte, konnte er sich vielleicht noch ein wenig länger selbst betrügen.


Jetzt bin ich ein Mann und ich fühle dich noch immer
Könnte es sein das du immer da warst
Eine Zeit aufzugeben
Eine Zeit zu vergeben
Mit Trost gab ich dir dieses Lied

Kein Mensch bleibt ewig Jung, auch der kleine Junge mit den weißblonden Haaren wurde erwachsen. Er stieg heraus aus seiner Einsamkeit und kehrte dem tiefen schwarzem Lock in seiner Brust den Rücken und lief der Zukunft entgegen. Doch auch diese hielt dem nun so starken Mann keine schöne Zeit entgegen. Manche Menschen wurden nur geboren um als vorzeigeobjekt zu leben. Vielleicht war er eines dieser Objekte welches jeder einmal zu Boden schlagen durfte und zusehen darf wie es sich mit Mühe wieder aufbaute um es dann wieder von vorne beginnen zu lassen.

Ich kann dich heute Nacht sehen
Im bleichen Winterlicht
Noch einmal Vater und Sohn
Der Bund des Blutes wird nie enden


Doch auch irgendwann stirbt dieses Objekt an den Verletzungen die tiefer gehen als es das Auge zu sehen mag. Irgendwann fiehl auch der Mann der sich seine Stärke und seinen Stolz aus der Einsamkeit erkämpft hatte. … doch trauerte jemand um ihn? Er bekam es nicht mit. Zu schnell ging es. Doch … vielleicht konnte er nur so dieser Einsamkeit entfliehen und nun bei seinem Vater sein.
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