The {rebirth} will rise

von obit
GeschichteDrama, Romanze / P18 Slash
17.10.2012
15.06.2013
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Kapitel 1

Felicitas Dain

Sie stieß einen Kampfschrei aus und schmetterte den Fluch gegen die nächste Steinpuppe, die im Raum stand. Sie erbebte und ein kleiner Riss entstand. Immer und immer wieder schlug sie heftig mit den Flüchen auf den Stein ein, bis sie schwer atmend vor einem Häuflein Staub stand und zu ihrer Trainingspartnerin sah, die anerkennend nickte. Grace hatte sich heute freiwillig bereiterklärt, mit ihr nach dem Treffen der Gemeinschaft noch weiter zu trainieren und Felicitas war überglücklich darüber. Erneut merkte sie, wie sehr sie die Gemeinschaft voran brachte.
Es war eine Gruppe aus jugendlichen Hogwartsschülern ab der dritten Klasse, die schon seit einigen Generationen existierte. Sie alle hatten ein Ziel und zwar das Erlernen der schwarzmagischen Flüche. Felicitas war inzwischen in ihrem fünften Jahr dabei und hatte die Leitung übernommen. So war es nicht unüblich, dass sie manche Zauber, die sie in der Stunde bereits hatten, noch einmal intensiver übte. Sie wollte jedoch nicht alleine abends in den Räumen im Kerker unterwegs sein, weil sie sich dabei immer unwohl fühlte. Vielleicht lag es daran, dass man hier die schwarze Magie, die regelmäßig angewandt wurde, fast greifen konnte.
Doch das war nicht der Grund, warum sie heute mit Grace trainierte, denn es war noch lange nicht dunkel. Das Abendessen würde in einer halben Stunde stattfinden, sodass sie auch nur noch aufräumen würden, um dann zum Essen zu gehen. Nein, Grace hatte gefragt, ob Felicitas ihr noch einmal eine kleine Zusatzstunde geben könnte. Und da Felicitas keiner schönen Frau wiederstehen konnte, hatte sie sich darauf eingelassen – besonders weil es sich hier um Grace O’Connor, die Mustervorlage des Schönheitsideals von Felicitas, handelte.
Die roten Haare der Anderen konnte sie den ganzen Tag ansehen und würde nie genug gesehen haben und in den grünen Augen würde sie so gerne tief versinken, bis sie dieser Welt entrückt wäre. Sie würde so gerne den zierlichen Körper in den Arm nehmen und vor den Gefahren der Welt beschützen und ihr beim Schlafen zusehen. Doch sie waren nur Freunde und Grace würde niemals das tun, was gegen die Regeln verstoßen würde, die die reinblütige Gesellschaft ihren Mitgliedern vorgab. Besonders unter dem Druck ihrer Eltern hatte sie immer schon gelitten, das merkte Felicitas manchmal, wenn sie still und heimlich beobachtete, wie Grace traurig einen Brief las, oder ihn wütend ins Feuer warf. Letzteres war jedoch eine Ausnahme, denn die Slytherin war einer der Menschen, die lieber im Hintergrund blieben, die nie gelernt hatten, etwas anderes zu sein, als Dekoration. Und vor allem diese Tatsache brach Felicitas das Herz.
Während sie darüber sinnierte, was sie an der Slytherin so anziehend fand, ließen sie die Staubhaufen verschwinden, die sich angesammelt hatten und reparierten die Schäden in Wand und Boden. Und schneller als gedacht waren sie fertig. Felicitas ging hinüber zur Tür und öffnete sie. Vom Trainingsraum führte sie in den angrenzenden Versammlungssaal, der gleichzeitig auch Bibliothek war.
Grace ging lächelnd an ihr vorbei, was Felicitas Herz höher schlagen ließ. „Treffen wir uns dann beim Abendessen, ich muss noch kurz was erledigen“, sagte sie jedoch schnell und Felicitas Herz legte eine Tieflandung hin. Sie nickte nur tonlos und Grace verschwand durch die Tür, die auf den Gang führte. Was immer sie vorhatte, es schien wichtig zu sein. Felicitas schlug die Tür des Trainingsraums hinter sich zu.
Einsam ging sie den Gang entlang. Als sie durch den Vorhang an Schutzzaubern ging, glühte ihr Amulett ein wenig auf. So ein Amulett besaß jeder, der in der Gemeinschaft war, er schützte den Träger vor den Flüchen, die dazu da waren, um Neugierige und Andere fern zu halten. Sie ließ jedoch schnell diese kleine, eigene Welt hinter sich, um dem Geruch des Essens hinauf zu folgen.
Als sie die letzten Stufen hinaufstieg, blendete sie das Sonnenlicht, das durch eines der hohen Fenster direkt auf den Treppenaufgang schien. Felicitas blinzelte und hielt sich die Hand vor die Augen. Sie ließ diese sinken, als sie aus dem warmen Strahl herausgegangen war. Ein paar Schritte ging sie vor, dann stand sie in der Eingangshalle. Am anderen Ende meinte sie plötzlich jemanden zu erblicken, mit dem sie noch eine Rechnung offen hatte. Bedächtig setzte sie ihren Weg weiter fort, bekam nach einer kurzen Zeit jedoch Gewissheit. Und nach ein paar weiteren Momenten hatte sie ungefähr einen Plan erstellt.
Cheza Soul hieß das Mädchen, gegen das sie so viel Wut empfand. Wenn Felicitas Dain etwas hasste, dann war es wohl Verrat. Oder wenn jemand glaubte, sie würde nicht an dem Posten der Schülersprecherin hängen und diesen lieber für waghalsige Aktionen aufs Spiel setzen. Und die Ravenclaw, die von ihr anvisiert wurde, hatte sogar gegen beide Regeln verstoßen.
Sie stand nichtsahnend dort herum und redete mit einer ihrer Freundinnen aus Gryffindor, Felicitas meinte, dass sie Miyuki hieß und ein Halbblut war, war sich aber nicht sicher. Die Slytherin straffte ihre Schultern, richtete sich auf und ging auf die Beiden zu. Cheza fuhr herum, als sie merkte, dass sich die Schritte auf sie zubewegten und erblickte kurz darauf die blondhaarige Felicitas, deren eisblaue Augen sie wohl gerade aufspießen wollten. Sie nahm ein kleines Zucken um die Mundwinkel der Anderen wahr und zog selber ihren zu einem kalten Lächeln.
„Cheza Soul, dass ich dich hier treffe. Wollen wir nicht eine kleine Unterhaltung führen? Wie wäre es zum Beispiel mit einer Erklärung. Und damit meine ich eine vernünftige… Oder hast du Angst, dass ich dich mitten auf dem Flur, zwischen Schülern und Lehrern, in eine verlogene, kleine Ratte verwandele? Denn, obwohl du es durchaus verdient hättest, muss ich sagen, dass ich meine Freiheit genieße. Und meine Macht“, sie trat einen Schritt auf die, wie angewachsene Cheza zu, „und diese Macht gibt mir diese Freiheit, die du nicht hast, mein liebes Halbblut.“ Das letzte Wort spuckte Felicitas ihr fast ins Gesicht. Cheza stand jedoch trotzig dort, wie ein kleines Kind, das sich keiner Schuld bewusst war.
„Ich weiß überhaupt nicht, was ich dir getan habe…“, antwortete ihre Gegenüber mit einer solchen Überzeugung, dass Felicitas glaubte, dass sie wirklich so dachte. Die Gryffindor Miyuki war nicht mehr zu sehen. Sie schien klüger zu sein als die Ravenclaw.
„Du hast mir etwas vorgespielt, Halbblut“, knurrte Felicitas, ein Laut, den man eigentlich nicht von ihr erwartet hätte, „und dabei nicht bedacht, dass ich als Schulsprecherin meine kleinen Vögelchen überall habe und was sie neuerdings über dich zwitschern ist nichts Gutes. Ich würde sagen, dass-“
„Lass sie in Ruhe!“, erklang es wütend hinter ihr. Auf dem Absatz drehte sich Felicitas ein wenig herum und sah, dass Miyuki mit Verstärkung wiedergekommen war. Immerhin kannte sie die andere Gryffindor, es war Stella Diem. Auch wenn es nicht unbedingt eine erfreuliche Bekanntschaft war.
„Habe ich irgendetwas aufgewühlt, sodass wieder Ruhe einkehren muss?“, fragte die Schulsprecherin mit einem gespielten Stirnrunzeln. Die temperamentvolle Stella stammte aus Spanien – und das Temperament dieser Kultur konnte leicht zu Fehlern führen. „Muss ich für euch das Gleiche wiederholen, was ich eben zu Miss Soul meinte, oder kamt ihr erst gar nicht auf die Idee, dass ich euch auch noch in Ratten verwandele?“, Felicitas lachte bei den letzten Worten auf und mit einem ironischen Lächeln sah sie zu den Gryffindors hinab.
„Du wolltest mir drohen“, hörte Felicitas die Ravenclaw hinter sich sagen.
„Vielleicht wollte ich das… vielleicht auch nicht…“, gab die Schulsprecherin vage über ihre Schulter zurück.
„Sicher hast du ihr gedroht!“, behaupteten Stella und Miyuki im Chor und Felicitas konnte genervt aufschreien.
„Und jetzt wollen sie zu dritt gegen die böse, böse Felicitas vorgehen, weil sie es alleine nicht schaffen? Nun, bei einer Blutsverräterin hätte ich etwas anderes auch gar nicht erst erwartet“, abfällig sah sie Stella an, deren Augen sich bei dem Wort ‚Blutsverräterin‘ verengten. In der Tat war es erstaunlich, wie eine Reinblütige Hexe aus einem recht strengen Haus, so offen und freundlich mit Muggelstämmigen umging. Da zeigte sich mal wieder, was inkonsequente Erziehung anrichten konnte.
„Vielleicht bin ich in deinen Augen eine unwürdige Blutsverräterin, aber immerhin noch besser, als sich als Reinblüter mit...Mädchen einzulassen, oder?“, trotzig streckte Stella ihr Kinn hervor und Felicitas wäre jetzt sehr gerne die Hand ausgerutscht. Wie konnte diese… diese… es wagen, SIE und ihre Treue zur reinblütigen Kultur infrage zu stellen? Die Schulsprecherin merkte, wie sie empört nach Luft schnappte, um die richtige Antwort zu finden. Cheza hinter ihr kicherte und das brachte Felicitas Wut zum überkochen.
„15 Punkte Abzug, wegen Beleidigung der Obrigkeit und Intoleranz gegenüber anderen Mitschülern“, sagte sie kalt, „das gilt für Gryffindor und Ravenclaw.“ Das Kichern hinter ihr erstarb und eine Stille legte sich über die vier anwesenden. Felicitas merkte, wie sie bebte und versuchte sich mühsam zurückzuhalten. Der Abzug hatte ihr Genugtuung getan. Sie wollte sich gerade zum Gehen abwenden, als eine fünfte Stimme hinzukam.
„Die gleiche Punktzahl Abzug für Slytherin, wegen ungerechtfertigter Machtausübung“, sagte eine Mädchenstimme mit japanischem Akzent. Felicitas blickte zur Seite und sah, dass Yuri Lee, eine Schülerin zwei Jahrgangsstufen unter ihr, aufgetaucht war. Ihr Grün-Silbernes Vertrauensschülerabzeichen blinkte im Licht der Sonne. Es schien sie verhöhnen zu wollen.
Wuttränen wollten ihr in die Augen steigen, aber Felicitas hielt sie mühsam zurück. Sie funkelte Yuri wütend an. „Ihr werdet noch sehen, was ihr davon habt“, mit diesem Satz rauschte sie aus der Eingangshalle, dahin zurück, wo sie hergekommen war. Sie übersah Grace, die ihr etwas zurufen wollte und eilte, so schnell sie konnte, die Treppe hinunter. Inzwischen hatte sich ein dünner Film an Tränen über ihre Augen gelegt und sie wollte einfach nur weg, davon.
Dann prallte sie gegen jemanden und wäre fast mit ihm die Treppe hinuntergestürzt.
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