Bis dass das Leben uns scheidet...

von bakasi
GeschichteSuspense / P16
Clark Kent Lois Lane
14.10.2012
06.11.2012
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Italien, ein kleines Straßencafe in der Toscana, am späteren Morgen

Jonathan hatte nun zum siebten Mal nach seiner Tasse Kaffee gegriffen. Das wäre ja nicht ungewöhnlich gewesen, hätte er wenigstens einen Schluck davon getrunken. Stattdessen spielte er damit, schob sie von einer Seite auf die andere, um sie dann loszulassen und das Spiel wieder von vorne zu beginnen. Martha beobachtete ihn und lächelte innerlich, während sie an all die Male dachte, in denen Jonathan Clark ermahnt hatte, seine Mutter nicht unnötig zu ängstigen. Ihr Ehemann würde lieber nach Metropolis ziehen als zuzugeben, dass er wegen Clark beunruhigt war.

Gut, sie selbst war auch etwas nervös. Es war nun der vierte Tag, an dem sie nicht mit Clark sprechen konnten. Er ging nicht ans Telefon. Aber auf der anderen Seite wusste Martha, dass ihr Sohn oft damit beschäftigt war Superman zu sein. Da sie durch einen großen Ozean und sechs Stunden Zeitverschiebung getrennt waren, hatte es sie nicht weiter überrascht, dass sie ihn nicht erreicht hatten. Außerdem konnten sie ihm keine Nummer hinterlassen, die er zurückrufen konnte.

„Ich bin sicher, dass es ihm gut geht, Schatz“, sagte Martha und bedeckte seine ruhelose Hand mit ihrer.

„Ich weiß, Martha“, antwortete Jonathan. „Warum auch nicht? Er ist Superman. Ich meine, er ist unverletzlich und nichts kann ihm schaden…“

Das Wort Kryptonit blieb ungesagt, und doch war ihnen so als wäre der tödliche, grün glühende Stein auf einmal wie durch Zauberhand auf dem Tisch erschienen. Es war ein verrückter Gedanke und sie beide wussten, dass Clark nicht automatisch in Gefahr war, nur weil sie ihre zweite Hochzeitsreise im Ausland verbrachten. Aber die kurze Unterredung mit Lois hatte es nicht geschafft, ihre ohnehin schon angekratzten Nerven zu beruhigen.

„Er ist sicher damit beschäftigt Lois zu umgarnen. Wer weiß, vielleicht werden sie ihre Verlobung verkünden, wenn wir wieder nach Hause kommen.“ Martha grinste, auch wenn ihr nicht danach war. Sie konnte es nicht ändern, aber sie hatte Angst. Auf einmal sah der Tag nicht mehr so sonnig aus.

„Möchtest du ihn anrufen?“ fragte Jonathan.

„Es ist gerade Nacht in Metropolis, wenn Clark nicht gerade schläft, macht er seine Kontrollen. Nicht nötig ihn aufzuwecken“, sagte Martha und hob ihre Tasse, um ihre Nervosität in etwas Tee zu ertränken.

***

Metropolis, Suicide Slum, gegen halb zwei Uhr morgens

Clark blickte zu der Frau auf. Immer noch blinzelte er wegen des grellen Lichts. Sie war hübsch, soviel konnte er sagen. Er starrte sie an, sprachlos und unfähig zu atmen. Er brachte es nicht fertig etwas Zusammenhängendes zu sagen und so schwieg er. Ihr Gesicht faszinierte ihn, zog ihn an und ließ seine Knie weich werden. Das hieß, wenn sie nicht schon längst schwach gewesen wären. Sie hatte lange braune Haare und die faszinierendsten Augen, die er je gesehen hatte. Ihre Lippen sahen zart aus und er wünschte sich sehnlichst ihre Lippen mit den seinen zu berühren. Sie erwiderte seine Blicke zärtlich. Das Atmen schien ihm immer schwieriger zu werden. Sein Herzschlag beschleunigte sich und er drohte in der Tiefe ihrer braunen Augen zu ertrinken. War es nur Wunschdenken oder spürte sie die Magie dieses Augenblicks ebenfalls?

Clark konnte sich kaum davon abhalten den Abstand zwischen ihnen Beiden zu überbrücken, um sie zu küssen. Aber er wusste, es wäre nicht richtig. Für einen kurzen Augenblick glaubte er dasselbe Verlangen, das ihn verrückt zu machen drohte, in ihren Augen zu sehen. Still bat er sie seine Fantasie wahr werden zu lassen. Aber warum sollte sie ihn küssen? Er schalt sich dafür überhaupt davon zu träumen. Offensichtlich hatte er nicht nur sein Gedächtnis verloren sondern auch seinen Verstand. Dass sie ihm einen Namen gegeben hatte, kämpfte sich langsam durch den Nebel in seinem Kopf. Sie hatte ihn Clark genannt. Er war sich ziemlich sicher, dass sie ihn damit angesprochen hatte.

Die faszinierende Frau legte einen Arm um seine Schulter, um ihm aufzuhelfen. „Clark, wo bist du gewesen? Ich habe dich tagelang gesucht. Ich dachte, dass du mich verlassen hast. Ich dachte, du wärst weggelaufen.“ Sie studierte aufmerksam seinen Körper als er stand. „Du bist nicht weggelaufen, oder?“ sagte sie leise, so als wäre sie über diesen Umstand erstaunt.

Sorge war ihr ins Gesicht geschrieben. Ihrem Ausdruck nach zu urteilen musste er schlimm aussehen. Kein Wunder, dass sie ihn nicht geküsst hatte, dachte er ironisch. Wütend auf sich selbst, zwang er sich in der Realität zu bleiben. Nun war nicht der richtige Zeitpunkt, um von Frauen zu träumen. Er versuchte sich daran zu erinnern, was sie ihn gefragt hatte, aber er war zu abgelenkt gewesen um richtig zuhören zu können. Aber egal was es gewesen war, eine Antwort würde sicher passen.

„Ich… ich weiß nicht“, antwortete er. Seine Stimme klang fremd in seinen Ohren. Hatte er sie jemals zuvor gehört? Er war sich nicht einmal sicher, ob es seine eigene war.

„Du weißt es nicht?“, fragte die Frau überrascht.

Sie betrachtete ihn und ihr Blick wanderte langsam über seinen Körper. Er fühlte sich verletzlich, fast nackt. Es war als würde sie durch ihn hindurch sehen, bis in sein Innerstes. Er überlegte, ob sie seine Gedanken lesen konnte. Stand ihr Mund offen, weil ihr die Leere in seinem Kopf bewusst wurde? Oder aufgrund seiner unangebrachten Gedanken? Clark entschied, dass er sich Dinge einbildete.

„Du bist verletzt!“, stellte sie erschrocken fest. „Clark, was ist mit dir passiert?“

Er starrte sie an, und sein Hirn wurde völlig leer. Oder war es immer noch leer? Er konnte es nicht mit Sicherheit sagen. Schmale Hände berührten seine Schultern, Brust und Bauch. Er zuckte zusammen, als sie über seine schmerzende Seite glitten. Er konnte einen Aufschrei nicht zurückhalten als sie sein Hemd hochzog, um besser sehen zu können. Sie schnappte nach Luft und eine Welle besorgte, gemurmelte Worte verließen ihre Lippen. Er verstand nichts davon. Alles was er sehen konnte, war eine wunderschön Frau, die ihn zu kennen schien, die sich um ihn kümmerte. Und plötzlich kamen die Erinnerungen an den Mann in der Gasse wieder hoch.

„… muss helfen“, sagte er heiser, er traute seiner eigenen Stimme nicht. „Jemand liegt..., blutend… Gasse dort drüben.“ Er zeigte in die ungefähre Richtung und war sich nicht sicher, ob er den Weg zurück finden würde. Aber er würde es versuchen, egal wie. „Komm mit…“ Er nahm die Hand der Frau, die ihn Clark genannt hatte, und zog sie in die Richtung aus der er gekommen war.

„Clark, warte!“, protestierte sie und hielt ihn mit einer Kraft zurück, die er von so einer zierlichen Frau nicht erwartet hatte. Oder war er so schwach? „Sag mir, was passiert ist!“ forderte sie. Obwohl ihre Stimme relativ sanft klang, sagte etwas in ihrer Haltung ihm, dass sie bis zum Äußersten angespannt war. Was auch immer sie so sehr beunruhigte, ihre Anspannung war nur leicht abgeflaut seitdem er ihr ins Auto gerannt war. Er spürte, dass sie nicht in der Stimmung war mit ihm zu diskutieren. Er hatte keine Ahnung warum, aber instinktiv wechselte er in den Abwehrmodus.

„Bitte…“ er machte eine Pause, wo er sonst ihren Namen gesagt hätte. Egal wie intensiv er in ihre Augen blickte, er konnte sich nicht an ihren Namen erinnern. „Hilf mir“, sagte er weiter. „In dieser Gasse dort ist ein Mann. Er wird sterben, wenn wir nichts unternehmen“, versuchte Clark ihr zu erklären und hoffte, dass er sie gerade mit Dackelaugen ansah. Es schien zu wirken, denn ihr Ausdruck wurde weicher. Für einen Moment schien sie in einem inneren Kampf gefangen zu sein, aber sie entspannte sich sichtlich.

„Zeig mir den Weg“, sagte sie und folgte ihm als er loslief.

Auf dem Weg zurück kam ihm nichts bekannt vor. Alle Häuser sahen alt und beschädigt aus, eines ähnelte dem anderen so sehr, dass er nicht fähig war zu sagen, wann er in eine der kleineren Straße abbiegen musste. Es gab Schilder mit Straßennamen, aber diese waren mit Schmutz bedeckt und es war unmöglich die Namen zu lesen. Es hätte ihm so oder so nicht geholfen. Er hatte keine Ahnung wie die Gasse hieß. Sein Orientierungssinn war unter Wellen und Wellen von Schwindelgefühl vergraben. Und je länger er lief, desto schlimmer wurde es. Er kämpfte mit der Übelkeit und fühlte sich ausgelaugt wie noch nie zuvor. Seine Seite tat höllisch weh und sein Kopf hämmerte immer noch. Er musste zugeben, dass es sinnlos war. Er schwankte auf seinen Füßen und sank gegen eine Wand, um nicht umzufallen. Er versuchte verzweifelt weiter zu gehen, aber er rang nach Atem.

„Clark“, rief die Frau entsetzt und war sofort bei ihm. Er fühlte ihre Hand auf seiner Stirn und schloss seine Augen während die Welt sich um ihn drehte. Kalter Schweiß bedeckte seine Haut und er zitterte in der kühlen Luft

„Muss helfen“, flüsterte er, genervt von seiner eigenen Schwäche und sein Gewissen forderte ihn auf weiterzumachen, und zu retten wer auch immer in dieser Gasse war. „Muss helfen“, wiederholte er und stöhnte frustriert. Er bemerkte kaum, dass die Frau ihm aufmunternd auf die Schulter klopfte und anfing in ihrer Handtasche zu wühlen.

„… Henderson? Ja, hier spricht Lois… Ich habe Clark gefunden…. Ja…. Ich weiß nicht… er ist verletzt, aber es scheint nicht allzu schlimm zu sein. Er sagt, dass eine verletzte Person in einer Gasse im Suicide Slum liegt. Aber er ist nicht in der Verfassung mir den Weg zu zeigen. Ich gehe mit ihm nun zurück zu meinem Auto und bringe ihn ins Krankenhaus“, sagte die Frau, die offensichtlich Lois hieß, in ihr Handy. Sie beendete hastig ihr Gespräch und griff nach ihm gerade als seine Beine drohten unter ihm nachzugeben.

„Clark, kannst du mich hören?“ fragte sie besorgt und wartete bis er sein Schwindelgefühl weggeblinzelt hatte und ihren Blick traf. „ Lass uns zurück zum Wagen gehen. Ich habe jemanden angerufen, der dem Mann in der Gasse helfen wird. Nun bist du derjenige, der Hilfe braucht. Komm schon, großer Mann, wir bringen dich in ein Krankenhaus“, meinte sie fürsorglich.

Clark war sich sicher, dass sie das schon einmal gesagt hatte, aber er hatte die Bedeutung dieser Worte offenbar nicht begriffen. Nun, da sie sie wiederholt hatte, fing sein Herz plötzlich an wie wild zu rasen. Sein Atem wurde flach und sein Magen schien sich zu verknoten. Er fühlte Übelkeit aufkommen. Sein Körper begann zu zittern und es konnte nicht mehr lange dauern bis er ohnmächtig werden würde. Eine erneute Welle des Schwindels überkam ihn, anders als die, die er zuvor gespürt hatte.

„Nein“, flüsterte er und kämpfte gegen den Zwang sich zu übergeben an. „Nein, nein, kein Krankenhaus.“

Seine eigenen Worte überraschten ihn mehr als er sagen konnte. Er hatte keine Ahnung warum das pure Worte Krankenhaus so eine Panik in ihm hervorrief. Es war ja nicht so als wären da schlechte Erinnerungen, die hochkamen als Lois das Krankenhaus erwähnte. Keine Schläuche, keine Spritzen, kein Skalpell oder ähnliches was seine Angst erklären würde. Um die Wahrheit zu sagen, sein Kopf war komplett leer. Außer den Zitteranfällen, die seinen Körper schüttelten gab es nichts Greifbares, was seine Angst erklärt hätte. Aber dieses Gefühl war überzeugend genug, um ihm das Herz in die Hose rutschen zu lassen.

„Mir geht’s gut“, verteidigte er sich und schaffte es mit einiger Mühe seine Stimme lauter klingen zu lassen als ein heiseres Flüstern.

„Clark, du bist verrückt“, sagte Lois mit ihrer Keine-Dummheiten-Stimme, die sicher ausgereicht hätte, jeden anderen ohne weitere Fragen gehorchen zu lassen. Es half aber nicht den angstgeplagten Clark umzustimmen.

Er tat ihre Worte achselzuckend ab. „Es ist nichts, Lois, wirklich.“ Der Gedanke an den verletzten Fremden drängte ihn immer noch mit Macht dazu, zurück zu der Gasse zu gehen. Er wusste längst, dass er sie nicht finden würde, aber das half ihm wenig. Tatsächlich würde er nicht einmal mehr die Kraft besitzen sich dagegen zu wehren von Lois ins Krankenhaus gebracht zu werden, wenn er weiter versuchen würde, den armen Kerl zu finden. Seine Müdigkeit führte einen unnachgiebigen Kampf mit seinem Wunsch zu helfen bis sein schmerzender Körper schließlich gewann. „Bring mich nur nach Hause, bitte“, murmelte Clark geschlagen.

Für einen kurzen Moment dachte Clark, dass er sich verraten hätte. Vielleicht wusste diese Frau nicht wo sein Zuhause war, wenn er überhaupt eines hatte. Er durfte sie nichts über seine gegenwärtige Situation wissen lassen. Wenn sie dachte, dass er sich am Kopf verletzt hatte, würde sie ihn gegen jeden Protest ins Krankenhaus schleppen. Das konnte er nicht riskieren, nicht wenn er plante diesen Tag ohne Herzinfarkt zu überleben. Um ihrer Sturheit etwas entgegenzusetzen, versuchte er ihr einen strengen Blick zuzuwerfen, oder zumindest das, was er dafür hielt. Niemand brauchte ihm erst sagen, dass die Frau wusste was sie wollte. Und er war sich sicher, dass sie es normalerweise auch bekam.

Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte er bei dem Versuch seinen Willen durchzusetzen wahrscheinlich verloren. Aber Angst war ein starker Verbündeter, jedenfalls in diesem Fall. Andererseits lähmte sie ihn und er wünschte sich, dass die Frau namens Lois ihn bei der Hand nehmen würde. Er würde ihr überall hin folgen, solange es nicht das Krankenhaus war.

Lois’ Augenbrauen waren gerunzelt als sie ihn ansah und er war sich darüber im Klaren, dass sie sich nicht wohl damit fühlte ihn nach Hause zu bringen. Er konnte ihr praktisch dabei zusehen, wie sie mit sich rang. Das war seltsam, denn er hatte sie doch gerade zum ersten Mal getroffen, sozusagen. Sie suchte verzweifelt nach einem Weg um ihn dazu zu bewegen ins Krankenhaus zu gehen, aber da war noch etwas anderes. Sie schien froh zu sein ihn zurück zu haben. Oder bildete er sich das ein? Wahrscheinlich tat er das; er kannte sie noch nicht mal.

‚Laß sie mich nur nach Hause bringen’, betete er still, sein Schicksal erwartend.

* * *

Lois wusste nicht, was sie denken sollte. Sie war gefangen in einem Sturm von Emotionen und sie konnte es nicht begreifen, was geschehen war. Clark war verletzt, was sie traurig machte und wütend auf die Person, die ihm das angetan hatte. Sie hatte vier Tage damit verbracht nicht zu wissen, ob sie wütend auf ihn war oder nicht. Sie war sich diesbezüglich immer noch nicht sicher. Er sah aus als hätte er eine harte Zeit gehabt, was aber nicht bedeutete, dass er komplett unschuldig war. Aber hier stand er nun, zitterte wie Espenlaub und bat sie ihn nach Hause zu bringen. Sie hatte ihn nicht vergrault. Er wollte mit ihr zusammen sein und er hatte sie um Hilfe gebeten.

Ihr Gewissen protestierte, als sie sich freute zu sehen, dass es Clark nicht gut ging. Es war nicht so, dass sie wollte, dass er litt. Sie würde ihn lieber lächeln sehen und nicht so verwirrt wie er jetzt zu sein schien. Aber solange er nicht verschwunden war, wusste sie, dass sie mit allem anderen leicht fertig werden konnte. Wenigstens dachte sie das. Aber Lois konnte seine Angst fühlen – er strahlte sie aus, so stark, dass sie förmlich auf sie überging.

Er sah nicht so aus, als wäre er allzu schwer verletzt. Lois beobachtete ihn genauer und versuchte herauszufinden, ob er irgendwelche Schmerzen vor ihr verbarg. Alles was sie sah, war ein verängstigter Mann. Sie konnte ihn nicht hier lassen und sie würde ihn nicht ins Krankenhaus bringen, nicht, wenn er das so offensichtlich nicht wollte. Sie hatte mehr als genug Fehler mit ihm gemacht. Es würde ihm nicht schaden, wenn sie ihn zurück in sein Apartment brachte. Nach einer Tasse Tee und einer netten heißen Dusche könnte sie ihn immer noch zu einem Arzt bringen.

„Komm schon, Clark. Lass uns zurück zum Auto gehen“, sagte sie und gab ihm einen sanften Stups in die richtige Richtung.

„Wirst du mich nach Hause bringen?“ fragte er und der beunruhigte Ton in seiner Stimme war Mitleid erregend. Selbst wenn sie ihn immer noch ins Krankenhaus hätte bringen wollen, hätte sie es nicht gekonnt. Was auch immer Clark widerfahren war, es musste ein Alptraum gewesen sein. Er brauchte einen Freund und das war nichts, was er in einer Notaufnahme bekam.

„Ja“, antwortete sie beruhigend und drückte leicht seine Hand.

Sie gingen schweigend zurück zum Auto. Lois bemerkte, dass er wiederholt nach hinten über seine Schulter blickte. Sein Ausdruck hatte etwas schier Verzweifeltes an sich und Lois erkannte, dass er darunter litt nicht zurück zu dem Mann in der Gasse zu kommen, von dem er ihr erzählt hatte. Wie war es möglich, dass sie nie gesehen hatte wie nett und fürsorglich dieser Mann war? Warum hatte sie ihn naiv genannt, wenn er doch nur ein gutes Herz hatte?

„Henderson wird ihm Hilfe besorgen“, versuchte Lois ihn zu überzeugen und klopfte auf seinen Arm als er das Tempo verringerte. Clark drehte sich abermals um, so als wollte er immer noch zurück. „Der Rettungsdienst wird ihn sicher finden, Clark. Sorg dich nicht soviel um ihn. Du hast alles getan, was du konntest. Er wird in guten Händen sein.“

Clark erwiderte ihren Blick. Sein Ausdruck sah verzweifelt aus wie ein stiller Schrei nach Hilfe. Lois wollte ihn umarmen und ihn trösten. Clark war irgendwie nicht er selbst, wenigstens nicht die optimistisch immer lächelnde Version, die sie inzwischen so lieb gewonnen hatte. Und doch war es er. Genauso wie sie ihn so oft gesehen hatte, immer auf der Suche nach Menschen, denen er helfen konnte. Sogar wenn er genug eigene Probleme hatte, kümmerte er sich immer noch um andere. Das war ein weiterer Grund warum sie sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen konnte. Lois erinnerte sich daran, was er getan hatte, um sie vor Lex Luthor zu retten, auch wenn sie damals alles andere als dankbar für seine Mühen gewesen war.

Sie musste ihn nur ansehen, um zu wissen wie sehr sie diesen Mann liebte. Er humpelte und hielt sich seine Seite. Sein Gesicht wirkte merkwürdig verkrampft, als würde er vor Schmerz die Zähne zusammenbeißen. Trotz allem wollte er zurück um jemand anderem zu helfen. Sie hatte ihn so sehr vermisst. Hatte sie ernsthaft geglaubt, dass er weggelaufen wäre, weil er ihre Gefühle nicht erwiderte? Sie hatte falsch gelegen, so unglaublich falsch. Ein Knoten bildete sich in ihrer Kehle, der ihr förmlich den Atem zu nehmen schien, als sie bloß darüber nachdachte, wie ein Leben ohne Clark Kent aussehen würde. Es war als hätte sie eine zweite Chance bekommen.

Impulsiv drehte Lois sich um. Verunsichert ging Clark einen Schritt zurück. „Ich hab dich so sehr vermisst, Clark. Ich dachte, du hättest mich verlassen“, flüsterte sie atemlos.

Langsam ging sie einen Schritt näher auf ihn zu, umarmte ihn und lehnte ihren Kopf an seine breite Schulter. Es fühlte sich so gut an in seinen Armen zu sein, viel besser als in der Erinnerung. Sie könnte mit ihm dort für immer stehen. Lois blickte auf und sah das leichte unsichere Lächeln auf seinen Lippen. Ein wenig unbeholfen fuhr er mit der Hand durch ihr Haar, ließ eine Strähne durch seine Finger gleiten, bis er ihre Wange berührte. Seine Hand glitt ihre Wange hinunter über ihren Hals, wanderte über ihre Schultern, ihren Rücken, bis sie schließlich an ihrer Taille zur Ruhe kam. Das war alle Ermutigung die Lois benötigte. Ihr Herz pochte gegen ihre Brust und schien vor Glück zerspringen zu wollen.

*Er ist wieder da, er ist wieder da*, flüsterte es mit jedem Schlag.

Lois ging auf die Zehenspitzen und berührte seine wundervollen Lippen mit ihren.

* * *

‚Spiel mit’, dachte Clark ‚sp…’

Er konnte noch nie zuvor so geküsst worden sein. Daran müsste er sich sicher erinnern. Nie im Leben könnte er diese Lippen vergessen. Clark fühlte sich wie im Himmel. Vergessen war die Angst und die Unsicherheit der letzten Minuten. Es fühlte sich einfach richtig an, als wäre diese Frau für ihn gemacht. Plötzlich schien es nicht mehr von Bedeutung zu sein, dass alles was er von sich wusste mit einer dunklen Gasse begann. Er brauchte keinen anderen Erinnerungen, als diese eine. Sie duftete wie eine Rose an einem warmen Sommertag. Er konnte sie direkt vor sich sehen, die Blüten von Tau bedeckt. Die ersten Sonnenstrahlen, brachen sich darin und funkelten in tausend verschiedenen Farben. Lois zu küssen, war wie nach Hause zu kommen und gleichzeitig doch das aufregendste Abenteuer, das er sich vorstellen konnte.

Sie zog sich zurück, viel zu schnell. „Ich bringe dich nun nach Hause“, sagte sie und wurde rot. Ein bezauberndes Lächeln umspielte ihre Lippen.

Clark hätte gerne die drei magischen Worte gesagt. Ich liebe dich. Aber er wusste nicht, ob das eine gute Idee war. Sie hatte sie auch nicht gesagt. Er konnte sich nicht erklären, warum eine Frau einen Mann so küssen sollte, wenn sie nicht in ihn verliebt war. Aber in diesem Moment hatte er keine Vorstellung davon, welche Konsequenzen diese einfachen Worte haben würden. Solange er nicht wusste, was für ein Mann er war, dürfte er nichts sagen, was er vielleicht später bedauern würde. Er war sich beinahe sicher, dass er es nicht bereuen würde. Er hatte sich von dieser Frau vom ersten Moment an angezogen gefühlt. Er glaubte, dass er sich in sie verliebt hatte, Hals über Kopf. Es kam ihm zu früh vor, hatte er sie doch eben erst getroffen. Und trotzdem war es so als würde er sie schon sein ganzes Leben lang kennen.

Er überlegte welche Art von Beziehung sie hatten. Sie hatte ihn richtig geküsst, also musste da etwas sein. Freundschaft? War sie seine feste Freundin? Könnte sie seine Frau sein? Sein Herz raste bei dieser Vorstellung. Wie wunderbar wäre es mit dieser Frau verheiratet zu sein? Er starrte auf seine Hände. Dort war kein Ring. Clark seufzte still vor sich hin. Sie war nicht seine Frau. Wie schade.

Er folgte ihr zurück zum Auto. Sein Kopf tat immer noch weh, genauso wie seine Seite. Für eine kurze Zeit war der Schmerz vergessen gewesen, so als hätte sie ihn einfach weggeküsst. Aber nun merkte er wie müde er war. Er hatte keine Ahnung welchen Weg er gehen sollte. Sorgsam achtete er darauf, ihr nicht von der Seite zu weichen. Clark war erleichtert darüber, dass sie es aufgegeben hatte ihn ins Krankenhaus bringen zu wollen. Er war sich nicht mehr so sicher, ob er die Kraft dazu hätte sich gegen sie zu wehren. Vor allem deshalb nicht, weil die Erinnerung an ihren Kuss immer noch in seinem Kopf herumspukte. Clark hatte das Gefühl, dass sie ihn zu so ziemlich allem überreden konnte, wenn sie ihn so küsste. Wusste sie welche Macht sie über ihn besaß, wie sehr er ihr eigentlich ausgeliefert war? Es war beinahe beängstigend.

Ein Teil von ihm schwebte immer noch auf Wolke Sieben, doch dieses angenehme Gefühl vermischte sich immer wieder mit den grausamen Bildern des blutenden Mannes in der Gasse. Er wollte ihm so gerne helfen. Aber er musste akzeptieren, dass er das nicht konnte und das brachte ihn fast um den Verstand. Die Erleichterung, die er bei der Begegnung mit Lois empfunden hatte, war in dem Moment verschwunden, in dem er merkte, dass er den Rückweg in die Gasse nicht finden würde. Seine eigene Schwäche so vor Augen geführt zu bekommen war beinahe das Schlimmste. Aber warum glaubte er, dass er stärker hätte sein müssen? Warum konnte er sich nicht damit abfinden, dass er versagt hatte?

Er konnte gar nicht sagen, wie frustrierend es war, nichts über sich selbst zu wissen. Aber er traute sich nicht die Frau neben sich zu bitten ihm mehr zu erzählen. Immer noch hatte er Angst, dass sie ihn ins nächste Krankenhaus bringen würde, wenn er zugab, dass er sein Gedächtnis verloren hatte. Er verfluchte sich selbst für seine dumme Feigheit. Es wäre so einfach zu erfahren, was er so verzweifelt wissen wollte. Und wie konnte er erwarten sie einfach so weiter täuschen zu können? Sie musste doch merken, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Wahrscheinlich kannte sie ihn besser als er sich selbst.

Sie erreichten das Auto, bevor seine Müdigkeit wieder die Oberhand gewinnen konnte. Clark war nicht sicher, ob er erleichtert sein sollte. Einerseits war er froh sich eine Weile hinsetzen zu können und die Augen zu schließen. Andererseits bekümmerte es ihn, dass er nicht wusste, ob jemand den verletzten Mann finden würde und ihm helfen konnte. Lois öffnete die Tür und wartete bis er eingestiegen war. Einen Moment später saß sie auf dem Fahrersitz und startete den Wagen. Das Brummen des Motors ließ die Entscheidung endgültig werden. Sie würden diese Gegend verlassen. Clark lehnte sich gegen die Kopfstütze und schloss die Augen.

Ihm wurde bewusst, dass er keine Ahnung hatte, wie es nun weitergehen sollte. Er versuchte so zu tun, als ob er alles über sein Leben wusste. Das konnte doch eigentlich nur in die Katastrophe führen. Er wollte Lois nicht anlügen, aber hatte er eine Wahl? Es war unfair. Sie hatte ihm bedingungslos geholfen und er dankte es ihr, indem... Aber es ging nicht nur darum. Er verabscheute Lügen im Allgemeinen, allein die Vorstellung machte ihn ganz krank. Und dennoch tat er genau das einer Frau an, die doch offensichtlich so wichtig für ihn war. Er konnte nur hoffen, dass Lois nicht allzu neugierig war und nicht zu viele Fragen stellte. Aber er wollte nicht darauf wetten, dass er dieses Glück hatte.

„Es tut mir so leid, Clark“ sagte Lois und klang dabei so traurig, dass Clark sich noch schuldiger fühlte. Sie bogen auf eine belebte Straße ab, die offenbar zu einem besseren Teil der Stadt gehörte. Clark hatte noch immer keine Idee in welcher Stadt er sich befand. Er wusste nur, dass es irgendwo in den USA sein musste. Lois hatte ebenfalls einen amerikanischen Akzent. Okay, verglichen damit wie die Nacht für ihn begonnen hatte, hatte er also etwas dazugelernt.

„Was tut dir Leid?“ fragte er unsicher. Er nahm an, dass es sich um eine sichere Frage handelte.

„Dass ich dir nicht vertraut habe. Ich dachte, du hättest mich verlassen. Ich hätte es besser wissen müssen. Was ist passiert, was hast du in Suicide Slum gemacht? Wer hat dich verletzt? Ich kann mir nicht vorstellen, warum dir irgendjemand etwas antun sollte. Ich meine, Lex Luthor ist immer noch im Gefängnis und soweit ich weiß gibt es niemand anderen, der einen Grund hätte dich anzugreifen. Außer vielleicht Superman … aber das kann eigentlich nicht sein. Ich kenne ihn, das würde er nicht… du bist sein Freund und …“ Ihre Stimme verstummte. Verzweiflung stand Lois ins Gesicht geschrieben, so als hätte sie Angst.

Es war unnötig zu sagen, dass er nicht wusste worüber sie eigentlich gerade sprach. Keiner der beiden Namen, die sie gerade erwähnt hatte, kam ihm irgendwie bekannt vor. Er konnte nicht verstehen warum jemand sich selbst Superman nennen konnte. Aber er war nicht so dumm sie danach zu fragen. Vor allem nachdem sie erwähnt hatte, dass er mit jenem mysteriösen Mann befreundet war. Und selbst wenn er da etwas falsch verstanden haben sollte, so war doch ziemlich offensichtlich, dass jeder andere Bescheid gewusst hätte. Jemand der Superman hieß, konnte nicht besonders schüchtern sein. Es war anzunehmen, dass dieser Mann sehr bekannt war. Clark hatte keine Vorstellung davon, wer dieser Superman sein sollte. Sein Name klang so, als stamme er aus einem Comic. Aber das ergab keinen Sinn, also musste Superman jemand anderes sein. Warum sollte dieser Superman sich für jemanden wie ihn interessieren? Oder sogar sein Freund sein, wenn Lois die Wahrheit gesagt hatte.

„Ich habe keine Ahnung wie ich im Suicide Slum gelandet bin“, sagte Clark und hoffte, dass dieser Funke Wahrheit genügen würde, um sie für den Moment zufrieden zu stellen. Er war nicht in der Stimmung zu diskutieren, ob sie ihm vertrauen konnte oder nicht. Besonders da er selbst nicht wusste, ob sie das konnte. Vielleicht hatte er wirklich versucht sie zu verlassen. Woher sollte er das wissen? Clark dachte an den Kuss. Wenn er wirklich in der Lage war eine Frau wie sie zu verlassen, dann hatte er mit Sicherheit nicht mehr alle Tassen im Schrank.

Lois warf ihm einen besorgten Blick zu, schaute dann aber schnell wieder auf die Straße. Der Verkehr wurde mit jeder Meile, die sie von der schrecklichen Gasse trennte, dichter. Lois schwieg für eine Weile und Clark nutzte die Gelegenheit sich seine Umgebung anzuschauen. Er untersuchte jeden neuen Häuserblock, an dem sie vorbeifuhren, in der Hoffnung irgendetwas zu erkennen. Aber alle Straßen ähnelten sich vollkommen und es gab nichts was ihm bekannt vorkam. Vielleicht lag es daran, dass es draußen dunkel war. Aber so langsam verlor er die Hoffnung auf eine schnelle Lösung seines Problems.

‚Du wirst nicht so einfach aufgeben’, ermahnte er sich selbst und versuchte sich einzureden, dass seine Erinnerungen zukommen würden, sobald er dort ankam, wo er wohnte.

„Clark, sag mir bitte…“ begann Lois und wurde dann wieder still. Sie fuhren langsamer und schon bald parkten sie am Straßenrand. „Wir sind da“, stellte sie beinahe überrascht fest. Für Clark war es eine mehr als willkommene Abwechslung. Lois würde nun für einige Zeit abgelenkt sein. Das bedeutete, dass sie ihm keine Fragen stellen konnte, zu denen er eigentlich die Antwort kennen sollte. Er befand sich auf gefährlichem Terrain und das gefiel ihm gar nicht. Vielleicht konnte er Lois dazu überreden, dass sie ihn bis zum nächsten Tag alleine ließ, indem er ihr sagte, dass er schlafen müsste. Obwohl, wenn er ehrlich war, war das gar kein Vorwand. Er hatte Schwierigkeiten die Augen offen zu halten.

Clark stieg aus dem Wagen, sicherlich langsamer als sonst. Die Schmerzen in seiner Seiten waren nicht geringer geworden, doch wenigstens seinem Kopf ging es besser, wenn auch immer noch nicht gut. Er überlegte, wie er Lois dazu bringen sollte als erste zu seinem Apartment zu gehen. Sie würde sicher bemerken, dass er den Weg nicht kannte. Er versuchte nicht zu verdächtig zu erscheinen und bewegte sich verlegen zu der Tür hin, die der Eingang des Apartmenthauses sein mochte. Zu seiner großen Erleichterung folgte ihm Lois und schon bald lief sie voraus und stieg die Treppen viel schneller hoch als er. Die Treppe erschien ihm irgendwie endlos. Clark fragte sich, warum er sich ausgerechnet für die oberste Wohnung eines Gebäudes entschieden hatte, das keinen Aufzug besaß. Offensichtlich hatte nie zuvor darüber nachgedacht, was passieren würde, wenn er jemals verletzt sein sollte.

Als er oben ankam, war er außer Atem. Lois wartete schon ungeduldig vor der Tür auf ihn. Clark hatte den Eindruck, dass sie schon hinein hatte gehen wollen, sich aber nicht getraut hatte. Er durchsuchte seine Kleidung nach einem Schlüssel, aber seine Taschen, oder das was davon noch übrig war, waren leer. Er zuckte hilflos mit den Schultern und murmelte leise vor sich hin. Es waren keine Worte, die dazu gedacht waren, verstanden zu werden. Clark hoffte nur, dass sie nicht nachfragen würde. Lois verdrehte die Augen und für einen Moment glaubte er, sie würde ihn ausschimpfen, weil er die Schlüssel verloren hatte.

„Also wirklich, Clark“, rief sie aus und schüttelte ungläubig den Kopf. „Sag jetzt ja nicht, dass du dumm genug bist einen Ersatzschlüssel unter einem Blumentopf zu verstecken und es dann zu vergessen. Wann wirst du lernen, dass du in Metropolis bist und nicht mehr in Smallville?“ Sie schnaubte verächtlich und griff nach dem Schlüssel. „Lass uns reingehen. Aber du solltest wirklich vorsichtiger mit deinem Apartment sein“, belehrte sie ihn.

„Wenn ich das wäre, könnten wir jetzt wohl kaum hineinkommen“, neckte er sie, überrascht, dass er einen Streit mit ihr riskierte.

Er grinste vorsichtig als sie ein übertriebenes Stöhnen von sich gab und ihn danach anlächelte. Es war so als hätte jemand ein Licht in der Dunkelheit angeschaltet. Sie küsste nicht nur wie eine Göttin, sie hatte auch noch ein unglaubliches, verzauberndes Lächeln. Wenn er bei ihr bliebe, bräuchte er wahrscheinlich sein ganze Leben lang, um wieder zu Verstand zu kommen. Warum fühlte er eine so starke Anziehung zu einer Frau, die er kaum kannte? Lois zog ungeduldig an seinem Ärmel und er folgte ihr gehorsam. Er hätte nicht sagen können warum. Die Erklärung, dass es sich einfach richtig anfühlte, schien ihm mehr als schwach. Aber es war nun einmal Tatsache, dass er auf einmal nicht mehr so nervös war. Vielleicht waren die Dinge einfacher als er dachte. Mit Lois schien man gut zu Recht zu kommen.

***

Metropolis, Suicide Slum, eine halbe Stunde später

Inspektor Henderson fluchte verhalten, als er seinen Wagen neben einem Streifenwagen parkte. Er hatte keine Ahnung, was ihn geritten hatte Lois Lane anzubieten, dass sie ihn jederzeit telefonisch erreichen konnte. Er kannte sie und hätte wissen müssen, dass sie ihn mitten in der Nacht anrufen würde. Und nun hatte sie ihn auf eine wilde Suche nach einer verletzten Person im Suicide Slum geschickt. Es war wie eine Nadel im Heuhaufen zu suchen.

„Hallo Inspektor“ grüßte ihn einer der jungen Polizisten. Er erwiderte den Gruß mit einem kurzen Nicken. „So, wo starten wir die Suche nach dem ominösen verletzten Mann?“ fragte der junge Kollege.

Henderson zuckte mit den Schultern. „Miss Lane hat mir gesagt, dass sie Kent hier gefunden hat. Das ist alles, was wir haben, fürchte ich. Vielleicht sollten wir Superman um Hilfe bitten, mh? Aber wir wissen ja nicht wo er steckt, oder? Egal, lassen sie uns das Beste aus dieser schlimmen Situation machen. Wenn Clark Kent eine verletzte Person gesehen hat, war eine dort und wir werden Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sie oder ihn zu finden. Es könnte nur etwas länger dauern.“ Er seufzte theatralisch.

Henderson äußerte sich nicht zu dem Gesichtsausdruck seines jungen Kollegen, der offensichtlich nicht davon überzeugt war, dass sie überhaupt erfolgreich sein könnten. Wenn er ehrlich war, dachte Henderson ganz ähnlich. Suicide Slum trug den Namen nicht umsonst. Es war reiner Selbstmord dort nach jemanden zu suchen, der nicht gefunden werden wollte. Und eine verletzte Person hatte aus nahe liegenden Gründen einige Schwierigkeiten bei ihrer eigenen Suche mitzuhelfen.

„Lasst es uns hinter uns bringen, damit ich noch ein paar Stunden Schlaf bekommen kann“ sagte Henderson und dachte an all die Arbeit, die auf seinem Schreibtisch auf ihn wartete. Wenigstens einer dieser Fälle wäre erledigt, sobald er Kent gehörig die Meinung gesagt hatte. Es gehörte sich einfach nicht, seine Partnerin vor Sorge halb wahnsinnig werden zu lassen.

Der Polizist nickte. Er schaltete die Taschenlampe an und versicherte sich, dass seine Waffe noch immer da war, geladen und bereit gezogen zu werden. Dann gingen sie die ersten Schritte in die Dunkelheit des Suicide Slums. Die anderen Polizisten taten dasselbe und folgten dem Ersten. Schon bald gingen sie in verschiedene Richtungen, verteilten sich über das Areal, um jemanden zu finden, der vermutlich Hilfe brauchte.