Eine Flucht nach hinten

GeschichteRomanze / P18 Slash
Arthur Eames
11.10.2012
21.10.2012
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Eine Flucht nach hinten



Es war ein verregneter später Nachmittag an dem die Wolken tief und bedrohlich über der grauen Stadt hingen und es jeden nach Hause in eine gemütliche Wärme zog.
Arthur stand fluchend vor seinem Wagen und kramte verzweifelt in seinen Jackentaschen nach dem Schlüssel während er mit der anderen Hand seine Einkaufstüte umklammert hielt.
Es war alles Eames´ Schuld. Er hatte Arthur überredet seine Jacke und seinen Wagen zu nehmen anstatt in dem leichten Blazer mit einem Taxi zu fahren.
Jetzt stand Arthur da, kämpfte mit dem unmenschlichen Chaos in den vielen Taschen von Eames´ Parker und musste mit ansehen wie sich die biologisch astrein abbaubare Einkauftüte in seinen Händen klägliche auflöste.
Endlich fand er den Schlüssel, drückte auf den Knopf, riss die Tür auf und hechtete in den Wagen. Er warf die Tüte neben sich auf den Beifahrersitz und fischte dann fluchend zwei Äpfel aus dem Fußraum, die dabei herausgefallen waren.
Er strich sich sein klitschnasses Haar zurück, welches ihm in die Stirn gehangen hatte, und trocknete sich mit dem Jackenärmel ein wenig sein Gesicht ab.
Hinten im Auto lagen ein paar seiner Anzüge, die er vor dem Einkaufen noch bei der Wäscherei abgeholt hatte und ein Schal für Eames, den er unterwegs entdeckt und gleich für ihn gekauft hatte.
     
Eames kleines Appartement lag im dritten Stock eines mitten in der Stadt gelegenen Mietshauses. Arthur wusste, dass ihn dort gleich wohlige Wärme, denn Eames heizte immer zu viel, und eine prasselnd-heiße Dusche erwarten würde.
Nachdem er dann auch endlich seinen Schlüssel gefunden hatte, sperrte er die Tür auf und trat ein.
Sofort wusste er, dass irgendetwas anders war. In der Wohnung war es dunkel, lediglich der rötliche Schimmer von Eames´ Nachttischlampe fiel durch den kleinen Spalt aus dem Schlafzimmer. Es war grade erst 18:00 Uhr, keine Uhrzeit in der Eames schon jemals im Bett gelegen hatte.
Leise ging Arthur in die offene Küche, legte den Einkauf und seine Anzüge sowie den Schal für Eames auf die Arbeitsfläche und schlich dann zum Schlafzimmer.
Schon auf dem Weg wusste er was er sehen würde, aber er konnte es nicht begreifen. Er hörte Eames´ durchdringendes, tiefes Stöhnen, welches er auf Meilen erkennen würde, und dazu leise keuchende Geräusche, die er eindeutig einer Frau zuordnen musste.
Alles in ihm zog sich zusammen als er unbemerkt durch den winzigen Spalt lugte.
Sein Blick fiel auf Eames´ breiten Rücken an dem sich alles an Muskeln in Bewegung befand was da war und die schlanken, glatten Beine, die über seinen Schultern lagen, die Füße und die Zehen, die sich unkontrolliert zusammenzogen und streckten. Die Laute, die er hörte, jagten ihm heiße Schauer über den Rücken.
Arthur stolperte rückwärts, warf noch einen letzten Blick auf die in rotes Licht getauchte Scene und flüchtete dann aus der Wohnung, die ihm plötzlich beengend klein vorkam.
Er sprang in Eames´ Wagen und raste los. Erst als er von der Polizei angehalten wurde, kam sein Geist einigermaßen in das Hier und Jetzt zurück.
„Sie haben gerade drei rote Ampeln überfahren, mit 70km/h in der Innenstadt, bei Regen. Wen wollten Sie denn bitte umbringen, junger Mann, sich selbst?“, der Polizist schien gute Laune zu haben und anscheinend bemerkte er auch Arthurs offensichtlich miserable Verfassung.
„Führerschein und Fahrzeugpapiere hätte ich dann bitte.“, forderte er freundlich.
Arthur zog seinen Führerschein aus seinem Portemonnaie, der Regen perlte an dem Plastik ab. Dann holte er die Papiere aus dem Handschuhfach.
„In Ordnung. Ich belasse es ausnahmsweise bei einer Verwarnung, junger Mann, aber dafür versprechen Sie mir, auf der Stelle nach Hause zu fahren und sich zu erholen. Sie sehen nicht gut aus.“
Arthur nickte bloß und zog sich die Kapuze von Eames´ Parker tiefer ins Gesicht.

Arthur checkte ein in das nächstbeste Fünf-Sterne-Hotel, dass er fand und ließ sich, nachdem er das Zimmermädchen weggeschickt hatte, nass wie er war auf das teure Bett fallen.
Erst als er sich auf die Seite legte um sich fest zusammenzurollen fiel ihm auf, dass Tränen über sein kaltes Gesicht liefen. Er scherte sich nicht darum, sondern ärgerte sich nur umso mehr über sich selbst. Seit wann hatte er nicht mehr geweint? Ewig nicht. Und jetzt…
Er schluchzte unwillkürlich auf und vergrub sich vollkommen in den dicken Decken.
Keine drei Monate. Sie waren keine drei Monate zusammen und schon hielt es Eames nicht mehr ohne eine Frau aus. Oder war sie wohlmöglich eine Affäre, hinterging er Arthur schon länger? In seinem Kopf sah Arthur eine betörend schöne Dame, eingehüllt in weißes Fell, mit endlos langem wallende Haar und Augen so strahlend wie Smaragde. Daneben stand er als einfacher Mann Anfang Dreißig, der nichts Besonderes zu bieten hatte.
Arthur konnte kaum einen festen Gedanken fassen, alles drehte sich in ihm und Übelkeit stieg in ihm auf. Soviel bedeutete er Eames also: nichts. Wohlmöglich war er für ihn nichts anderes, als es Tausende vor ihm waren: ein netter Zeitvertreib, eine heiße Liebschaft, der Spaß nach der Arbeit.
Wieso hatte er sich auch eingebildet, dieser sprunghafte Mann würde plötzlich wegen ihm sein  lockeres Leben aufgeben? Wieso hatte er sich eingebildet, Eames würde etwas für ihn empfinden, was über Lust hinausging?
Selbst bei diesen selbstzerstörerischen Gedanken musste Arthur alles noch ins Schlimmere dichten: war Eames wohlmöglich überhaupt nicht an Männern interessiert und hatte eher wiederwillig mit Arthur geschlafen um sich selbst auszuprobieren?
In Arthur stieg Verzweiflung auf, aber schnell verwandelte sie sich in Wut, Scham und tiefe Enttäuschung.
Er rappelte sich auf, riss sich den Parker vom Körper, wobei er den Reißverschluss zerstörte, und schleuderte das nasse Kleidungsstück erbost durch die halbe Suite.
Er vergrub sein wutheißes Gesicht in den Händen ehe er aufstand und zum Fenster ging. Er starrte auf die Stadt hinab ohne sie wirklich wahrzunehmen. Alles was er sah waren bunte, verworrene Lichterlinien auf einem tiefen dunklen Grund.
Er richtete seine Kleidung, strich sich sein Haar ordentlich zurück und fasste einen Entschluss: Keine weitere Träne würde er für diesen Verräter vergeuden.
In diesem Moment erhielt er eine SMS. Er zog sein Handy auf seiner Hosentasche.
„Darling, wo bleibst du denn? Wenn du mein Auto zu Schrott gefahren hast werde ich dir nachher den Arsch versohlen! Mach, dass du nach Hause kommst <3“
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