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Endgültig

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P12 / MaleSlash
Jane Rizzoli Maura Isles
08.10.2012
08.10.2012
1
3.306
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Dieses Kapitel
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08.10.2012 3.306
 
Hallihallo:)

Na endlich, ich hab meinen ersten Rizzles OS fertig!^^

Worum es geht? Lest selbst^^
Ich hoffe, euch gefällts :)

Würde mich riesig über Reviews freuen, alles was ihr loswerden möchtet - bitte her damit!;)

liebe grüße
jibbs




Endgültig

Ein Abend, wie unzählige andere davor auch. Der Tag war stressig gewesen, und Jane war einfach nur froh, endlich entspannen zu können. Gemeinsam saßen sie bei Maura auf der Couch, Jane bei ihrem zweiten Bier und Maura mit einem Glas Pinot Noir. Nirgendwo fühlte sich Jane wohler als hier, bei Maura. Eigentlich spielte es gar keine Rolle, wo genau sie waren. Solange sie nur zusammen waren.

Allerdings hatte sich in letzter Zeit etwas geändert. Lange hatte Jane nicht verstanden, was genau es war. Und als es ihr schließlich klar geworden war, hätte sie es am liebsten sofort wieder vergessen. Doch es gab Dinge, die man einfach nicht ändern konnte. Eines dieser Dinge waren Gefühle. Lächerliche Gefühle, die alles kaputt machen würden, würde sie sie zulassen. Maura war ihre beste Freundin. Niemals würde sie riskieren sie zu verlieren. Niemals.

Und so saßen sie auf der Couch, und sahen sich eine von Mauras Lieblingsdokumentationen an. Es war schon spät, und Jane fielen beinahe die Augen zu. „Hey, na….“, sanft tätschelte Maura ihr Bein. „Wollen wir schlafen gehen?“ Die Berührung an ihrem Bein ließ Jane unwillkürlich zusammenzucken. So oft sie sich auch sagte, dass sie all das im Griff hatte – sie wusste genau, dass sie absolut gar nichts im Griff hatte und es nur eine Frage der Zeit war, bis alles aus ihr herausbrechen würde. Sie musste dringend etwas unternehmen. Nur was?

„Geht es dir gut?“, fragte Maura besorgt. Jane hatte nicht auf ihre Frage reagiert, und stattdessen geistesabwesend an ihr vorbeigestarrt. Sie wusste – irgendetwas beschäftigte die Dunkelhaarige. Wenn sie doch nur endlich mit ihr reden würde…

Jane spürte Mauras Blick auf sich, und ihr Herz begann augenblicklich schneller zu schlagen. Sie musste weg… weg von diesem Blick, und weg von der noch immer auf ihrem Bein ruhenden Hand. „Ich hol mir noch ein Bier.“

Sie holte eine weitere Flasche Bier aus dem Kühlschrank, die sie sogleich zur Hälfte leerte. So gern würde sie Maura sagen, was sie beschäftigte. Aber die Angst war einfach zu groß. Danach würde nichts mehr so sein wie zuvor, und sie befürchtete, damit einfach nicht klarzukommen. Es war weitaus weniger kompliziert, alles für sich zu behalten, und so zu tun, als wäre alles in bester Ordnung.

Plötzlich spürte sie eine Hand auf ihrer Schulter. „Maur, was…?!“ Maura nahm ihr die Flasche aus der Hand und stellte sich ihr in den Weg, sodass sie nicht schon wieder die Flucht ergreifen konnte. „Du wirst jetzt endlich mit mir reden. Ich lasse nicht zu, dass du immer wieder davon läufst. Du kannst mit mir über alles reden. Ich bin deine beste Freundin!“ Bei den Worten ‚beste Freundin‘ verkrampfte sich Janes Herz schmerzhaft. Genau da lag nämlich das Problem. Sie waren beste Freundinnen. Es gehörte sich nicht, dass man Herzklopfen bekam, sobald man seine beste Freundin sah. Genauso, wie es sich nicht gehörte, Schmetterlinge im Bauch zu haben. Oder seine beste Freundin ständig berühren zu wollen. Sie küssen zu wollen. ‚Stopp!‘, ermahnte sich Jane in Gedanken selbst. Das muss aufhören!

„Es geht mir gut, Maur, ehrlich. Ich… glaube ich fahr jetzt Heim und schlaf mich einfach mal aus.“ Sie wollte gehen, doch Maura hielt sie am Arm fest. „Nein. Erst redest du. Wenn du dann immer noch gehen willst, kannst du das gern tun.“ Eigentlich wusste sie, dass es zu nichts führte, wenn man Jane zu etwas zu drängen versuchte. Doch sie wusste einfach nicht weiter. Sie sah, dass ihre beste Freundin litt, und konnte nichts tun.

„Maura, das…“ „Was? Was, Jane? Rede doch endlich mit mir. Was ist los?“ Sie rechnete mit allem, doch das, was schließlich geschah, gehörte ganz sicher nicht zu ihren Erwartungen. Jane presste ihre Lippen auf Mauras, legte eine Hand in ihren Nacken, umschlang mit dem anderen Arm ihre Taille. Sie versuchte, all ihre Gefühle in diesen einen Kuss zu legen, wohl wissend, dass das wohlmöglich ihre einzige Chance war, Maura zu zeigen, wie viel sie ihr bedeutete.

Im ersten Moment war Maura zu geschockt, um irgendeine Reaktion zu zeigen; als sie sich jedoch aus ihrer Schockstarre lösen konnte, drückte sie Jane sanft und doch bestimmt von sich. „Jane, was soll das?!“ Das konnte unmöglich gerade passiert sein…

„Ich liebe dich. Ich liebe dich über alles, Maura. Ich weiß…. Ich weiß, dass …. Mein Gott, ich weiß selbst nicht wie das passieren konnte, und ich weiß nicht was ich machen oder wie ich damit umgehen soll. Ich weiß nur, dass…. Dass es nicht einfach so weiter gehen kann.“

Sie sah Maura an, hoffte irgendetwas in ihrem Gesicht erkennen zu können, dass sie beruhigen würde. Doch sie konnte ihren Gesichtsausdruck einfach nicht deuten. Schon immer hatte Jane in ihrem Gesicht lesen können. Warum musste sie ausgerechnet jetzt versagen?

„Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll… Aber ich kann… ich kann nicht einfach mit dir zusammen auf der Couch sitzen, oder in einem Bett schlafen. Ich kann das nicht mehr. Ich liebe dich, und ich will dich. Ich will küssen, dich berühren. Ich kann nicht mehr länger so tun, als wärst du nur meine beste Freundin. Du bist mehr. So viel mehr.“ Sie spürte, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten. Sie durfte jetzt nicht weinen. Auf keinen Fall durfte sie jetzt anfangen zu weinen.

Noch immer sprach Maura kein Wort. In ihrem Kopf wirbelten unzählige Gedanken umher. Und obwohl sie sonst immer die perfekte Antwort parat hatte, obwohl sie immer wusste was zu sagen war, konnte sie in diesem Moment nichts tun, außer dazustehen und Jane anzuschauen.

„Maur…. Maura, bitte. Sag was. Irgendwas. Bitte.“ Janes Stimme zitterte. Das war’s. Sie hatte es endgültig vermasselt.

Als sie noch immer keine Antwort bekam, schob sie Maura beiseite und ging in Richtung Tür. Sie musste hier raus.

„Jane, warte!“ Unmöglich konnten sie einfach so auseinander gehen. Nach dem, was gesagt und geschehen war, mussten sie reden. Sie mussten das klären!

Als Jane ihren Namen hörte, machte ihr Herz einen Hüpfer. War vielleicht doch noch nicht alles verloren? Ein winziger Hoffnungsschimmer erschien an ihrem dunklen Horizont.
Doch Mauras Worte ließen nicht nur den Hoffnungsschimmer verschwinden, nein. Sie verdunkelten den ohnehin schon düsteren Horizont noch mehr und brachen Janes Herz entzwei. „Du… ich… Du bist meine beste Freundin. Du bist mir wichtig, sehr sogar. Noch nie hatte ich eine so gute Freundin wie dich. Ich will dich nicht verlieren. Hörst du? Ich will dich auf keinen Fall verlieren, Jane. Aber das… das geht einfach nicht. Das… Ich… ich kann das nicht. Ich kann nicht so tun, als würde ich das gleiche für dich empfinden, wie du für mich. Auch wenn ich es mir wünschen würde. Für dich. Ich will, dass du glücklich bist. Mehr als alles andere will ich, dass du glücklich bist. Aber ich… ich kann das nicht. Ich liebe dich nicht, nicht so. Es tut mir leid.“

Ungläubig schüttelte Jane den Kopf. Das konnte nicht wahr sein. Warum hatte sie Maura gesagt, was sie empfindet? Warum hatte sie nur diesen Schritt gemacht? Warum hat sie nicht irgendeine Geschichte erfunden, wie immer. Wieso hatte sie dieses riesengroße Geständnis gemacht? Irgendwo, tief in ihrem Herzen, hatte sie gehofft, Maura könnte vielleicht auch so empfinden. Sie hatte gehofft, sie hätten eine Chance. Ohne Maura machte ihr Leben keinen Sinn. Tränen flossen über ihr Gesicht, sie zitterte am ganzen Körper. Ihr Verstand setzte vollkommen aus und ihr Körper verselbstständigte sich.

Sie überbrückte den kurzen Abstand zwischen sich und Maura und küsste sie. Küsste sie voll Leidenschaft, voll Liebe, während sie sie ganz fest hielt. Maura wurde von der Dunkelhaarigen an die Wand gedrückt, spürte ihre Hände, die brennende Spuren auf ihrem Körper zu hinterlassen schienen, spürte die Tränen, die über Janes Gesicht liefen, spürte Janes Zunge, die in ihre Mundhöhle drang. Der Kuss war so von Verzweiflung geprägt, dass es Maura das Herz brach. Und doch konnte das hier nicht sein. Sie konnte Jane nicht zurückküssen, sie konnte ihr keine Hoffnungen machen.

Maura versuchte, Jane von sich zu drücken, doch diese klammerte sich nur noch fester an sie, vertiefte den Kuss. „Ich liebe dich“, stöhnte sie zwischen zwei Küssen. „Ich will dich, Maura. Lass mich nicht allein.“ Sie vergrub ihre Hände in den blonden Locken, presste ihren Körper an Mauras. Noch immer flossen die Tränen unaufhaltsam über ihr Gesicht, und ihr Herz pochte schmerzhaft in ihrer Brust. Janes Verstand weigerte sich zu begreifen, dass das, was sie da machte, falsch war, dass sie ihrer Freundin weh tat. Doch sie konnte nicht aufhören. Sie wollte Maura nicht verlieren. Sie wollte nicht einsehen, dass es vorbei war, dass sie aufhören musste. Mit einer Hand fuhr sie über Mauras Oberkörper, dann ihre Taille entlang, bis ihre Hand auf Mauras Hintern liegen blieb, und sie näher an sich drückte.

„Jane, bitte. Hör auf. Lass mich, hör auf…“ Erst der Klang von Mauras verängstigter Stimme ließ Jane endlich zurückweichen. Sie sah, wie Maura sich noch immer gegen die Wand drückte, um den Abstand zwischen ihnen möglichst groß zu halten. Sie sah, wie Maura am ganzen Körper zitterte. Und sie sah die Angst in Mauras Augen. Maura hatte Angst vor ihr, verdammt! Was hatte sie nur angerichtet…? Auf der Stelle drehte sich Jane um und verschwand ohne ein Wort aus dem Haus.

Völlig am Ende und ohne auch nur den Hauch einer Vorstellung wie es weiter gehen sollte sank Maura zu Boden. Sie zog die Knie an ihre Brust und stützte ihr Kinn auf ihnen ab. „Oh Jane, es tut mir so leid…“, flüsterte sie. Und meinte es auch so. Sie wollte nur, dass ihre beste Freundin glücklich war. Dass ausgerechnet sie selbst die Chance auf ihr Glück zerstört hatte, brach ihr das Herz. Dass sie einen kurzen Moment tatsächlich Angst gehabt hatte vor Jane, verdrängte sie aus ihrem Bewusstsein. Sie wusste, Jane würde ihr niemals weh tun. Und dass nun ausgerechnet sie diejenige war, die Jane weh tat, ließ sie sich einfach nur furchtbar fühlen.

Jane irrte derweil durch die dunklen Straßen von Boston. Zu spät hatte sie bemerkt, dass sie weder ihre Jacke, noch ihre Autoschlüssel mitgenommen hatte. Wobei Autofahren in ihrem Zustand vermutlich sowieso keine gute Idee gewesen wäre. Sie hatte keine Ahnung, wo sie hinsollte. Alles schien seinen Sinn verloren zu haben, exakt in dem Moment in dem Maura gesagt hatte, dass sie sie nicht liebt. Jane bezweifelte, dass sie jemals darüber hinwegkommen würde.

Sie wusste nicht wie, aber plötzlich stand sie vorm Dirty Robber. Ihre Füße haben sie wohl ganz automatisch zu ihrem liebsten Zufluchtsort geführt.

Sie betrat die Kneipe und nahm an der Bar Platz. „Einen Wodka, bitte. Einen doppelten.“ Murray warf ihr einen skeptischen Blick zu, gab ihr jedoch das gewünschte Getränk.
Dem ersten Wodka folgten noch so einige Weitere, während Jane verzweifelt versuchte das Geschehene zu verdrängen. Wie hatte sie nur so dumm sein können? Hatte sie ernsthaft geglaubt, sie hätte eine Chance? Ein Mal, ein einziges Mal, entschied sie sich ihre Gefühle zu offenbaren, statt alles in sich hineinzufressen. Das hatte sie nun davon. Sie hatte die beste Freundin, die sie jemals hatte, verloren.

„Noch einen, Murr…“ Der Barkeeper sah sie mitleidig an. „Nein, Jane.“ Sie wollte aufstehen, sich zu ihrer vollen Größe aufrichten, um ihrer Wut Ausdruck zu verleihen, und noch einen Schnaps zu bekommen, schwankte aber zu sehr und setzte sich wieder. „Du hast für heute eindeutig genug getrunken. Komm, ich ruf dir ein Taxi.“ Erneut richtete Jane sich auf, hielt sich aber dieses Mal am Tresen fest, sodass sie nicht umfiel. Ihr vernebelter Verstand funktionierte gerade noch gut genug, um ihr zu sagen, dass sie tatsächlich genug hatte. „Danke, ich… komm…..klar.“ Das Sprechen fiel ihr schwer. Kein Wunder. Lange hatte sie nicht mehr so viel getrunken. Und doch weigerte sie sich, Murray’s Angebot anzunehmen. Sie ging schwankend aus der Kneipe, nach draußen in die Kälte. Und obwohl sie wusste, dass sie so mit Sicherheit mehr Schaden anrichten als Nutzen bringen würde, machte sie sich auf den Weg zu Maura. Sie wusste nicht, was sie tun würde, wenn sie dort war. Sie wusste es einfach nicht. Aber nachdem sie einfach gegangen war, in einer solch komplizierten Situation, musste sie unbedingt zurück. Das konnte nicht zwischen ihnen stehen bleiben. „Verdammte Scheiße!“, wütend kickte sie einen auf der Straße liegenden Stein von sich. Alles war so unglaublich verkorkst. Jane hatte alles kaputt gemacht. Kaputt. Einfach alles. „Scheißgefühle!“, schrie sie. Weinend sank Jane am Straßenrand zusammen. Sank in sich zusammen, und blieb auf der Straße liegen.

Nachdem Jane ihr Haus verlassen hatte, war Maura noch eine ganze Weile auf dem Boden sitzen geblieben, weil sie einfach nicht die Kraft hatte aufbringen können, aufzustehen. Außerdem hatte ihr Hirn sich geweigert, die nötigen Befehle an ihre Beine zu schicken. Als sie sich schließlich erhoben hatte, führte sie ihr erster Weg geradewegs zum Kühlschrank; im Tiefkühlfach hatte sie eine Flasche Wodka versteckt – warum wusste sie auch nicht genau, doch jetzt war sie froh darüber. Sie trank einen Schnaps, um ihre Nerven zu beruhigen. Wieder runter zu kommen. Der Abend hatte völlig normal angefangen. Wie hatte in so kurzer Zeit nur so viel Mist passieren können?

Selbst mit einem Glas Wodka in der Hand, musste sie daran denken, was Jane wohl gerade tat. Maura kannte Jane gut. Besser als sonst jemand. Deswegen wurde ihr augenblicklich klar, dass Jane bestimmt im Dirty Robber war. Und trank. Sie wusste auch, dass Jane verdammt stolz war. Sie würde versuchen, von dort aus nach Hause zu fahren! Sofort stellte Maura ihr Glas ab, um nachzusehen, ob Jane ihre Autoschlüssel mitgenommen hatte. „Puh, Gott sei Dank.“ Na immerhin war Jane zu Fuß unterwegs. Obwohl das in ihrem Zustand ebenso wenig ungefährlich war. Auf der Stelle machte Maura sich auf den Weg, in der Hoffnung, ihre Freundin wohlauf in der Kneipe vorzufinden.

Für Fußgänger gab es einen kürzeren Weg zum Robber, trotzdem nahm Maura den Weg, den man auch mit dem Auto fahren würde. Obwohl sie nicht der Typ Mensch war, der auf sein Bauchgefühl vertraute, glaubte sie in diesem Moment, dass Jane nicht die Abkürzung genommen hatte – ihr Verstand würde sie den gewohnten Wen entlang geführt haben, aus dem einfachen Grund, dass er in ihrem Zustand zu mehr mit Sicherheit nicht fähig war. Und auch, wenn sie inständig hoffte, Jane wäre im Robber, wollte sie sicher sein, dass sie nicht doch unterwegs irgendwo zusammengebrochen oder ihr sonst etwas geschehen war.

„Um Gottes Willen, Jane??!“, kreischte Maura, als sie eine zusammengekauerte Gestalt am Straßenrand entdeckte. Sie rannte sofort zu der am Boden liegenden Person, und erkannte, dass es sich tatsächlich um Jane handelte. Die Dunkelhaarige war so in ihrer eigenen Welt versunken gewesen, dass sie Mauras Schrei gar nicht gehört hatte. Sie schreckte erst aus ihren Gedanken, als Maura ihren scheinbar leblosen Körper geschüttelt hatte.

Entsetzt sah Jane die Blonde an. „Gott sei Dank, ich dachte du wärst….“ Maura traute sich gar nicht, den Satz zu beenden. Sie dachte wirklich, sie hätte Jane endgültig verloren. Aber sie lebte. Alles konnte wieder gut werden. So zumindest dachte Maura. Optimistisch…

Als Janes Verstand endlich das Bild vor ihr verarbeitet, und sie begriffen hatte, dass das Maura war, die da vor ihr kniete, trat sofort ein Ausdruck von unendlicher Schuld in ihre Augen. Sie dachte daran, wie bedrohlich sie auf Maura gewirkt haben muss, als sie sie an die Wand gedrückt hatte, daran, wie sie sie mit ihrem Kuss überfallen hatte. Daran, wie sie die beste Freundschaft, die sie beide jemals hatten, zerstört hatte. Und doch war Maura hier, strich ihr durchs Haar, sah sie mit diesem liebevollen Blick an, den sie doch eigentlich gar nicht verdient hatte.

„Maura, warum… was… was machst du hier?“ Ihre Stimme war so leise, dass Maura Mühe hatte sie zu verstehen. Jane konnte ihr nicht einmal in die Augen sehen. „Ich hab mir furchtbare Sorgen gemacht. Ich wollte nach dir sehen, dachte du bist bestimmt in den Dirty Robber. Aber scheinbar hast du es gar nicht bis dahin geschafft…“ Sanft strich sie ihr über den Rücken, beachtete nicht, wie Jane sich unter ihren Berührungen versteifte; alles würde wieder gut werden – das sagte sie sich immer und immer wieder.

„Ich war schon im Robber. Ich…. War auf dem Weg…. Auf dem Weg zu dir… Aber das war vermutlich eine blöde Idee. Ich hätte nach Hause gehen sollen.“ Sie fixierte mit ihrem Blick die Straße, die Bäume, den tiefschwarzen Himmel; alles, nur nicht Maura anschauen.

„Nein, Jane. Das war keine blöde Idee, ganz im Gegenteil! Wir müssen unbedingt reden. Jane, wir dürfen unsere Freundschaft nicht aufgeben. Du bist mir zu wichtig, um alles einfach hinzuschmeißen. Bitte, Jane.“ Ihre Stimme klang nahezu flehend. Sie merkte, wie Jane dicht machte. Und sie ahnte, dass sie Jane verlieren würde, wenn sie nicht kämpfte.

„Hinschmeißen?! Einfach hinschmeißen nennst du das??! Mein Gott, Maura! Denkst du, das alles ist einfach für mich? Denkst du, es war leicht für mich, die ganze Zeit über meine Gefühle zu verdrängen? Denkst du, es war leicht dir zu sagen, was ich für dich empfinde? Oder denkst du vielleicht, dass es leicht war, danach einfach so wegzulaufen??! Es war nicht leicht. Nichts ist leicht! Es ist schwer, scheiße schwer! Ich weiß, dass ich alles kaputt gemacht hab, dass ich’s vermasselt hab, okay?! Ich weiß, wie beschissen ich bin, und wie beschissen meinetwegen alles ist, Gott verdammt noch mal!“ Ihre Stimme war immer lauter geworden. Wütend wischte sich Jane mit dem Ärmel über die Wange, um die Tränen daran zu hindern, schon wieder über ihr Gesicht zu fließen. Sie bebte förmlich vor Wut. Sie hasste sich. Im Moment hasste sie sich einfach, und sie konnte nichts dagegen tun.

„Maura, ich…. Es tut mir leid, ehrlich. Ich war ein Idiot. Ich hab dir wehgetan, ich hab mich furchtbar benommen. Es tut mir so unendlich leid. Und ich… ich kann das nicht mehr. Es geht nicht. Ich würde nichts lieber tun, als für immer so weiter zu machen, wie früher. Abends bei dir auf der Couch liegen, Filme gucken. Mit dir in einem Bett schlafen. Endlos lange Gespräche führen. Mit dir lachen, mit dir weinen. Alles mit dir machen. Aber es geht nicht mehr. Ich kann nicht so tun, als würde ich das, was ich fühle, nicht fühlen. Ich liebe dich. Und ich werde dich immer lieben, ob ich will oder nicht. Es… es ist besser, wenn wir…. Wenn…“. Jane suchte noch nach den richtigen Worten, da wurde sie von Maura unterbrochen. „Jane, nicht! Bitte! Wir kriegen das hin, okay, wir schaffen das!“ Auch ihr flossen mittlerweile Tränen über die Wangen. Sie wollte ihre beste Freundin nicht verlieren.

Doch Janes Entscheidung war endgültig. Sie wusste nicht, ob es vielleicht irgendwann möglich sein würde, wieder normal mit Maura umzugehen, wieder einfach nur bei Maura auf der Couch zu liegen und ihren Erklärungen über alles Mögliche zu lauschen und einfach nur ihre Anwesenheit zu genießen. Sie wusste nur, dass es im Moment nicht ging. Und sie konnte weder sich die Qualen, die Mauras Gegenwart in ihr auslöste, antun, noch wollte sie Maura zumuten, sich ständig mit jeder Berührung und jeder Bemerkung bei ihr im Zaum halten und kontrollieren zu müssen. Sie brauchten Abstand. Es ging nicht anders.

„Es tut mir leid, Maur.“ Mit diesen Worten erhob sich Jane endlich vom Asphalt und machte sich auf den Weg nach Hause. Sie schaffte es nicht einmal, Maura ein letztes Mal anzusehen. Der Schmerz war einfach zu groß. Maura kniete noch immer auf der Straße, weinte. Sah der Dunkelhaarigen nach, und vermisste sie jetzt schon.

Alles war in Trümmern. Beide Frauen spürten den stechenden Schmerz in ihren Herzen. Beide wussten sie, dass sie ohne einander nicht konnten. Und doch hatte Jane ihre Entscheidung getroffen. Für sich, und für Maura.

Jane ging. Einen Schritt nach dem Anderen, immer weiter fort von der Liebe ihres Lebens.
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