Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Waldhüttenkuss

von Rinai
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
07.10.2012
07.10.2012
1
3.007
1
Alle Kapitel
5 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
 
07.10.2012 3.007
 
Hauptcharaktere: Nathaniel und Julie
Genre: Kurzgeschichte, leichte Romanze
Vorwort: Ich möchte jedem Leser danken, der sich meine kleine Geschichte hier durchliest. Inspiriert hat mich eine nette Person, die unbedingt eine Geschichte zu dem Onlinespiel Sweet Amoris haben wollte. Et voilà ~



Sweet Amoris Oneshot

Waldhüttenkuss


»Du … bist so ein engstirniges … Arbeitstier !«
»Und du bist viel zu verträumt !«

Rosalia drehte sich skeptisch um und runzelte die Stirn, Melody hingegen zupfte ihr an dem engen, grauen Oberteil herum um sie zum Weitergehen zu animieren. Die anderen Klassenmitglieder hatten schon einen erheblichen Vorsprung und sie befürchtete, dass sie den Anschluss verlieren würden.

»Warum streiten sich die beiden Turteltauben eigentlich ?«
»Das geht uns nichts an, Rosalia. Komm, wir gehen«, antwortete die Klassensprecherin sorgenvoll und ging widerwillig voraus.
»Hey ! Wir gehen weiter !«, rief Rosalia laut, bekam aber keine Antwort. Ein wenig beleidigt, strich sie sich die silbernen Haare von den Schultern und tapste zu ihren anderen Klassenkameraden. Sollten sich Julie und Nathaniel doch weiter anfauchen !

*


»Musstest du meiner Schwester unbedingt die Meinung sagen ?«
»Hä, natürlich musste ich das ! Es kann doch nicht sein, dass sie dauernd andere Leute diskriminiert, nur weil sie nicht den Barbie-Newsletter abonniert haben und alle so drauf sind, wie sie ! Außerdem finde ich es wirklich schwach von dir mich für meine Ehrlichkeit anzumachen !«

Nathaniel verdrehte genervt die Augen, legte eine Hand auf seine Stirn und runzelte sie wie gewohnt, wenn er mies gelaunt war. Irgendwann wandte er den Blick vollkommen von dem Mädchen ab und sah sich mit pochendem Herzen die ganzen Bäume des wilden Waldes an.

»Hast du nichts dazu zu sagen ?«
»Wir streiten uns gerade über so viele Sachen, da ist es ja kein Wunder, wenn ich die Nerven verliere«, meinte er.
Motivationslos ließ Julie die Schultern hängen und starrte unbeholfen auf den unebenen Waldboden herunter. Julie wollte nicht streiten, vor allem nicht mit ihm. Eigentlich hatten sich die beiden Freunde über normale Sachen unterhalten und blieben immer etwas hinter der großen Gruppe, die allesamt den überschwänglichen Reden der Lehrer Gehör schenkten. Aber Amber musste ja wieder Blödsinn machen und Julie musste ihr ja mal wieder ganz klar die Meinung sagen. Sie mochte dieses unfaire Verhalten einfach nicht und konnte sich auch nie zurückhalten, das war leider einer ihrer vielen Makel. Und trotzdem -

»Sei leise«, sagte Nathaniel bedrückt und sah sich hektisch um.
»Ich hab doch gar nichts gesagt !«
Er hob seine Hand, drückte sie auf ihre Lippen - was Julie deutlich erröten ließ - und horchte mit angestrengtem Gesicht in den Wald hinein.

»Du weißt nicht zufällig, wo unsere Klassenkameraden sind ?«, fragte er nach einiger Zeit, nachdem er keinen einzigen, menschlichen Laut hören konnte. Julie sah sich nun auch endlich um und musste mit jeder Sekunde deutlicher erkennen, dass sie durch das Streiten die Klasse verloren hatten. Beide sahen sich mit großen Augen an und waren … sprachlos.

»Wir folgen einfach dem Pfad, dann finden wir sie schon !«, meinte Julie nach vielen Minuten und versuchte die unangenehme Stille zu vertreiben. In ihrer Stimme schwang naive Hoffnung mit und ein wenig ängstlich musterte sie Nathaniel's Gesicht.
»Es … gibt keinen klaren Pfad. Und Fußspuren sehe ich merkwürdigerweise auch nicht.«

Abermals ließ Julie die Schultern hängen. Sie und Nathaniel beschlossen trotz Allem nicht untätig zu bleiben und marschierten tapfer los. Aber jegliche Klassenkameraden blieben verschollen. Die beiden Schüler - die nebenbei immer noch schlecht gelaunt wegen dem Streit waren - trafen auf ihrem Weg durch zwickende Sträucher, bösen Spinnennetzen, die sich in Julies Gesicht verfingen und tausenden von Bäumen nur auf kleine Waldbewohner. Nirgends konnten sie ein Anzeichen von Menschen finden. Julie ertappte sich dabei, wie schön es wäre, wenn sie wenigstens etwas Müll finden würden. Je nach Müllart hätten sie dann einfach auf einen Bekannten schließen können und wären ihrem Ziel einen Schritt näher gekommen. Aber hier war rein gar nichts.

Die Wasserflaschen waren um zwanzig Uhr leer und wurden zurück in Julies Tasche gelegt. Sie hatte sich während des Tages die Knie an einem Stein aufgeschlagen und fluchte währenddessen leise. Nathaniel war still, fluchte aber ebenso, wenn auch nur in seinen Gedanken. Beide Schüler waren so ausgezehrt, dass sie um zwanzig Uhr dreißig einfach nur im Wald saßen und sich schon dachten, dass sie die Nacht einfach hier verbringen würden. Das Blätterdach des hiesigen Waldes ließ alles dunkler erscheinen, als es in Wirklichkeit war und es … regnete. Julie runzelte zuerst die Stirn und sah ungläubig nach oben. Sofort traf ein neuer Regentropfen ihr Auge und sie stand widerwillig auf. Von Sekunde zu Sekunde wurde der Regen heftiger, trotz der Blätter, die eigentlich als Schutz dienen sollten. Nathaniel ergriff ihre Hand, zog sie hinter sich her und beide versuchten im Laufen eine sichere Stelle zu finden.

»Da ist eine Lichtung !«, rief Julie hellauf begeistert.
»Ja, ganz super«, bemerkte Nathaniel nur Stirn runzelnd.

Sie zog nun den murrenden Schülersprecher hinter sich her, ignorierte das Ziehen in ihren wunden Knien und schon bald sah Nathaniel, warum Julie so begeistert war. In der Mitte der Lichtung stand eine Holzhütte und auch wenn dieses Häuschen nicht sehr einladend aussah, es würde sie wenigstens vor dem Regen schützen können und sie hätten einen Platz zum Schlafen.

Als die Beiden die spärlich eingerichtete Hütte betraten, tropften sie den ganzen Holzboden nass. Julie fuhr sich mit beiden Händen durch das Gesicht um das Regenwasser zu entfernen und wischte sich gleich ein paar nervige Haarsträhnen zurück. Nathaniel hingegen inspizierte den Raum, sah alles forschend an und setzte sich dann auf dem Boden, der gefährliche Geräusche machte.

»Sieht wohl so aus, als ob wir hier die Nacht verbringen würden«, murmelte er und bog seinen Rücken durch.
Julie nickte nur und setzte sich ebenfalls auf dem Boden. Alleine mit Nathaniel eine ganze Nacht erleben. Davon hatte sie oft fantasiert, nur unter anderen Umständen. Sie vermied es ihn anzusehen. Alleine schon wegen dem Streit heute Mittag. Dazu kam dann auch noch die Tatsache, dass sie mit nassen Haaren wirklich scheußlich aussah und sie ihm dieses Bild ersparen wollte.

*


»Es regnet immer noch«, bemerkte ihr blondhaariger Begleiter um zweiundzwanzig Uhr gelangweilt und riss Julie somit aus ihrer tiefen Gedankenwelt. Sie drehte ihr Gesicht zu seiner Seite und strich sich ein paar lange, braune Strähnen aus dem Gesicht. Nathaniel schüttelte seinen Kopf um die lästigen Tropfen zu vertreiben. Julie hingegen sah ihn einfach bewundernd an – obwohl er, genau wie sie, klatschnass war, sah er immer noch gut aus. Mehr als das. Ihre Wangen wurden heiß wie Feuer und färbten sich augenblicklich tief rosa, beschämt sah sie auf den Boden der kleinen Waldhütte. Es gab keine Tür mehr in dieser Hütte, also strömte die kalte Regenluft ungehemmt in den Raum und ließ beide Schüler frieren. In diesem Moment war die kühle Brise aber ganz angenehm für das Mädchen.

»Julie ? Ist alles in Ordnung ?«
Julie hob wieder den Blick und nickte eifrig. Er sollte ja nicht merken, wie liebeskrank sie wegen seiner bloßen Anwesenheit war.

»Bist du sicher ? Du scheinst … Fieber zu haben.«
»Hm, nein, es ist alles gut. Mir ist nur ein bisschen … kalt«, log sie.

Nathaniel runzelte kurz die Stirn und sah sich danach gründlich in der Hütte um, seufzte irgendwann und Julie fragte sich, wonach er wohl suchen könnte.

»Es wird immer später, Nathaniel. Sollten wir nicht vielleicht trotz des Regens versuchen aus diesem Wald zu kommen und unsere Klasse wieder finden ?«
»Wäre besser, ja. Wenn du mir versichern könntest, dass wir nicht noch einmal sechs Stunden lang herumirren um den richtigen Weg zu finden, aber insgeheim in der Dunkelheit nur im Kreis rennen.«

Ugh, du bist so dumm, Julie !

»Vielleicht sollten wir einfach bis zum Morgen hier bleiben und danach ohne große Bedenken 'rumlaufen.«
»Äh, ja. Entschuldige.«
»Dir geht es nicht gut, oder ?«
»Warum denkst du das ? Es ist alles … gut.«
»Nun … versteh das nicht falsch. Aber du bist so merkwürdig rot im Gesicht und so … abwesend. Ich möchte nur nicht, dass du Fieber bekommst. Ich kann dir hier schließlich nicht wirklich helfen.«

Und wieder wandte sie den Blick von Nathaniel ab, starrte mit rotem Kopf in den Wald hinein und lauschte dem unaufhörlichen Prasseln des Regens. Die Holzdielen knirschten, während der Schülersprecher durch den Raum ging und nach nützlichen Sachen suchte.


»Julie ! Hier, hinter der Kommode, ist eine Tür ! Hilf mir mal bitte sie wegzuschieben.«
Das eben genannte Mädchen zuckte zusammen, schüttelte kurz ihren Kopf mit den langen Haaren um wieder klar zu denken und stand mit eingeschlafenen Beinen auf. Nathaniel hatte bereits begonnen die Kommode von der maroden, tiefbraunen Tür wegzuschieben und machte nun wirklich nicht den Eindruck, als ob er Hilfe brauchen würde. Julie sah sich die alte und sehr niedrige Tür an und spürte ein merkwürdiges Rumpeln in ihrem Magen.

»Ähm …«
»Was ist ?«, fragte Nathaniel und pustete sich eine blonde Strähne aus dem Gesicht.
»Bestimmt sind hinter dieser Tür Leichen gestapelt und wir befinden uns in einem perversen Spiel von einem Serienkiller ! Und, noch schlimmer, wir werden demnächst von ihm angegriffen, müssen um unser Leben kämpfen und dann wird doch jemand von uns umgebracht. Derjenige gesteht dann irgendetwas Peinliches und der Andere muss dann ganz heldenhaft aus dieser Hölle fliehen !«

Nathaniel lächelte leicht und runzelte gleichzeitig die Stirn. Er starrte in das fantasieverrückte Gesicht von Julie, den weit aufgerissenen, panischen Augen und musste nach endlos wirkenden Sekunden herzhaft lachen.

»Du liest zu viel, auf jeden Fall !«
»Das … sagt der Richtige.«

Widerwillig half Julie dem Schülersprecher trotzdem und wenige Sekunden später war ihre verrückte Vorstellung nieder gemacht worden. Es gab bloß einen kleinen Nebenraum, in dem ein breites Bett stand, bestückt mit einer durchgelegenen Matratze und alten, feuchten Decken, die schon beinahe nach Schimmel rochen. Aber immerhin war es eine Option. Durch die kleine Tür, an der sich Nathaniel aus Versehen den Kopf gestoßen hatte, bekamen sie keine kalten Windböen in das Zimmer und die Decken konnten wenigstens etwas Wärme spenden, da war der Geruch nun wirklich egal.
Julie schmiss ihre schwarze Umhängetasche unsanft in eine Ecke und setzte sich auf die Matratze, die nachgiebiger war, als gedacht.

»Julie ?«
»Was denn ?«
»Hast du zufällig deinen iPod mit ? Dann könnten wir etwas Musik hören oder so«, meinte Nathaniel und hielt einen peniblen Abstand zum Bett ein. Julie tat erst einmal so, als ob sie diese Tatsache nicht bemerkt hätte und wühlte in der Tasche herum. Kleinen Krimskrams wie einen Spiegel, zwei Taschenbücher und Notizblöcke wurden von ihr unachtsam auf den Boden gelegt, damit sie besser an ihren iPod heran kam. Letztendlich fand sie ihre vier Jahre alte Musikmaschine und drehte das kleine, weiße Rad um schnell zu checken, was sie auf den MP3-Player gestopft hatte. Verzweifelt schlug sie sich das kleine Gerät gegen die Stirn und verfluchte sich im Stillen. Sie hatte wieder einmal nur alte Disneylieder herauf gepackt - das konnte sie Nathanael unmöglich ganz locker und selbstbewusst zeigen !

»Und, hast du ihn ?«, fragte Nathaniel und versuchte von seinem Abstand über Julies Schulter zu gucken.
»Oh, ja. Äh, aber der Akku ist gerade leer geworden. Hab wohl im Bus zu lange gehört !«
Übertrieben kratzte sie sich am Kopf, wuschelte dann einmal durch ihre braunen Haare und grinste ihn entschuldigend an.
Nathaniel zuckte anschließend mit den Schultern und lehnte sich mit dem Rücken an der Holzwand ab. Ein betretenes Schweigen entstand und Julie sah nach rechts, nach links, nach oben und nach unten. Immer noch still. Sie kräuselte die Stirn und betrachtete wieder Nathaniel.

»Willst du die Nacht mit der Wand verbringen ?«, fragte sie irgendwann skeptisch und amüsierte sich über seinen erschrockenen Blick. Er wusste nicht genau, was er darauf antworten sollte und wie sie das überhaupt gemeint hatte, also sagte er gar nichts und war auch ein kleines Bisschen angefressen. Julie seufzte theatralisch.

»Das war nicht böse gemeint, okay ? Ich frage mich nur, warum du keine Anstalten machst dich in das Bett zu legen.«
Nathaniel atmete tief aus und wandte den Blick von dem Mädchen ab. Nun war sie diejenige, die sich angegriffen fühlte. Er sah in dem dunklen Licht der jungen Nacht ein bisschen böse aus. Aber Julie wollte nicht aufgeben.

»Ist vielleicht wegen diesem Schimmel-Geruch ?«
»Nein.«
»Weil wir uns heute Mittag gestritten haben ?«
»Nein !«
»Vielleicht weil -«
»Du willst es nicht verstehen, oder ?«, fragte er leise und beherrscht. Ein bisschen zu beherrscht, wie Julie fand. Es wirkte richtig bedrohlich. Sie entschied sich nicht auf seine Frage zu antworten und starrte ihn stattdessen einfach nur eingeschüchtert an.

»Ich möchte nicht, dass du dich bedrängt fühlst. Ich möchte auch nicht, dass du etwas Falsches von mir denkst, dass ich diese Situation vielleicht gegen deinen Willen ausnutze oder so. «
»Das … denke ich auf keinen Fall«, murmelte sie verlegen und wandte den Blick ab. Wenige Sekunden später fühlte sie, wie die Matratze ein bisschen nach unten gedrückt wurde und drehte sich wieder so herum, dass sie Nathaniel ansehen konnte. Er lag nun in dem Bett und starrte die hölzerne Decke der kleinen Hütte an. Julie legte sich auf den Rücken und tat es ihm gleich. Ein bisschen unangenehm war ihr diese Situation schon, weswegen sie eine Weile gedankenvoll mit ihren Strähnen spielte. Hin und wieder sah sie einige gespaltene Haare und versuchte sich ehrlich über diese Tatsache zu ärgern, aber es gelang ihr nicht wirklich. Schlussendlich warf sie ihre Haarsträhne zurück und seufzte laut. Julie vernahm das Rascheln des alten Kopfkissens, als Nathaniel seinen Kopf bewegt hatte um sie fragend zu mustern. Unruhig ließ sie ihre Hände auf die Matratze zurück fallen.


»Du bist nicht engstirnig. Tut mir leid, dass ich das gesagt habe.«
Wieder raschelte das Kopfkissen. Julie meinte außerdem zu hören, dass Nathaniel zufrieden lächelte.
»Es tut mir auch leid. Ich mag deine verträumte Art, irgendwie.
«
»Ich mag dich wirklich sehr«, sagte sie einfach direkt heraus.
»... Flirtest du mit mir ?«
Julie lachte kurz und Nathaniel stimmte mit ein, betrachtete sie aber weiterhin. Als sie sich beruhigt hatte, boxte sie ihm leicht gegen die Schulter und lächelte breit.
»Also, flirtest du mit mir ?«, fragte er abermals.
»... Vielleicht.«

Nathaniel lächelte und wurde prompt rot im Gesicht. Julie ging es nicht anders und unter dem Vorwand, sich bequemer hinzulegen, rutschte sie etwas näher an ihn heran und legte sich auf ihre Seite um ihn genauer betrachten zu können.

»Ist dir auch so kalt ?«, fragte sie und vergrub ihre eisigen Hände unter der Bettdecke.
»Nicht wirklich.«, meinte Nathaniel schlicht und sah Julie in die grünen Augen. Sie runzelte fragend die Stirn und lächelte hilflos, weil sie nicht verstand, warum er sie einfach nur ansah. Nach weiteren, zähen Sekunden hob er seine Hand und legte sie auf Julies Wange, die daraufhin wohlig seufzte. Nathaniel lächelte hörbar.

»Angenehm ?«, fragte er.
»Mehr als das. Das ist wunderbar.«
Für ein paar Minuten sprachen die beiden nicht mehr miteinander. Julie bekam schon Angst, dass er ihre lauten Herzschläge hören konnte und versuchte langsamer zu atmen. Aber beruhigen konnte sie sich nicht, dafür war seine Präsenz zu berauschend.

Seine Hand streichelte ihre allmählich warme Wange und als er ihrem sehnsüchtigen Blick aus den dunkelgrünen Augen nicht mehr standhalten wollte, beugte er seinen Kopf über ihren und berührte mit den Lippen ganz leicht ihre Stirn. Julie hörte für wenige Sekunden auf zu atmen, kostete Nathaniels Nähe ungehemmt aus. Sein warmer Atem streifte ihre Stirn, ließ ihr Gesicht erneut wie Feuer brennen. Nathaniel stupste sie mit seiner Nasenspitze an und schluckte einmal kräftig.

»Ich mag dich auch wirklich gerne«, sagte er mit gesenkter Stimme. Julies Herz machte einen Satz und schlug danach noch einmal schneller. Beide Schüler hatten den Blick gesenkt, sahen wie hypnotisiert auf die Lippen des Anderen. Nathaniels Haarsträhnen kitzelten ganz leicht an Julies Wangen.

»Darf ich dich küssen ?«
Das Blut in Julie fing an zu brodeln und ihre Sinne zu vernebeln. Sie nickte viel zu schnell, murmelte dann noch ein flehendes »Ja« und kam seinen Lippen ungeduldig näher. Nathaniel überbrückte schließlich die letzten Millimeter, legte seine Lippen ganz sanft auf Julies und umarmte sie kräftig. Er konnte das Pochen ihres Herzens ganz genau an seiner Brust spüren. Als Julie Nathaniel mit ihren kalten Händen durch das blonde Haar fuhr, zuckte er zusammen und beide lachten leise.

»Boar, ich hab echt keine Lust nach dieser Bratze zu suchen !«

Moment. Diese hohe Stimme kannte Julie doch ? War das nicht die reizende Amber ? Nathaniel erhob sich jedenfalls zuerst und wurde hellhörig. Er schlug sich die Decke vom Leib und stand schnell auf um aus dem kleinen Fenster zu gucken.

»Julie ?! Nathaniel ? Halloo ?«

»War das nicht Rosalia ?«
»Ja, ja !«, murmelte Nathaniel und streifte sich schnell seine Schuhe über die Füße, riss dann die kleine Tür auf, kam aber nicht drumherum sich den Kopf anzustoßen. Er ignorierte den Schmerz, rief zu Julie, dass sie ihr Zeug zusammen packen solle und lief aus der kleinen Waldhütte. Während auch Julie allmählich aus dem Bett gesprungen war und den wenigen Inhalt zurück in ihre Tasche packte, hörte sie, wie Nathaniel nach ihren Klassenkameraden rief und die Anderen in seine Richtung rannten und laut grölten.


Letztendlich schaffte es auch Julie endlich aus der Hütte zu kommen und wurde stürmisch von Rosalia umarmt. Sie umarmte fleißig zurück und hörte auch schon Melody und Iris dazu kommen.

»Man, bin ich froh, dass es euch gut geht !«, meinte Melody sofort. »Unser Lehrer ist richtig wütend auf euch gewesen.«

»Was ? Aber … das war doch keine Absicht !«, meckerte Julie und malte sich in Gedanken schon die schrecklichsten Bestrafungen aus. Rosalia, die diese Macke an Julie bereits kannte, tippte ihrer Freundin energisch gegen die Stirn, damit sie wieder ins Hier und Jetzt zurück kam.
Iris zeigte mit ihrem Zeigefinger in die entgegengesetzte Richtung, Julie drehte sich auch sofort um und sah, dass Nathaniel bereits versuchte den besorgten Lehrer zu beruhigen. Erleichtert seufzte sie auf und lächelte breit.

*


»Euer Streit hatte etwas Gutes !«, bemerkte Rosalia mit geheimnisvoller Stimmlage.
»Wie meinst du das ?
«
»Dadurch habt ihr euch verirrt, wir mussten die ganze Nacht nach euch suchen und somit haben wir den ganzen Tag frei bekommen und können tun, was wir wollen ! Weißt du noch, was sonst geplant war ?
«
»Nein, nicht so wirklich ...«
»Wir wären in ein Museum gegangen. Ein Museum über Tannenbäume – hallohoo ? Also, danke, dass ihr uns alle gerettet habt !
«

Julie runzelte die Stirn und sah Rosalia und die anderen beiden Mädchen völlig perplex an.
»… Bitte.
«


~ Fin ~
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast