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Dead Inside - Das Leben von Mia Walker

GeschichteKrimi, Thriller / P16
Detective Woodrow "Woody" Hoyt Dr. Garret Macy Dr. Jordan Cavanaugh Dr. Mahesh "Bug" Vijayaraghavensatyanaryanamurthy Dr. Nigel Townsend Lily Lebowski
04.10.2012
09.11.2012
5
8.411
 
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04.10.2012 1.477
 
Ich hätte niemals gedacht, dass ich gleich an meinem ersten Tag eine unvorhergesehene Nachtschicht einlegen würde... vor allem, weil Dr. Macy die Meinung meines Arztes -vor den Einstellungsgespräch- hören wollte. Dieser sagte ihm -wie ich später herausfand- dass ich keine Überstunden machen dürfe, weil ich nicht wüsste, wann mein Körper seine Energiereserven aufgebraucht hatte... deshalb war ich während meines Studiums schon mehrmals zusammengebrochen... doch an diesem Tag, dem ersten meiner Einstellung, waren die Argumente von Dr. Wheldon längst in Vergessenheit geraten. Ich sage es nicht gern, aber ich war -und bin- ein regelrechter Workaholic. Diese Eigenschaft war mein größter Vor- und auch der größte Nachteil während meiner ganzen Arbeitszeit als Forensikerin...

Noch immer aufgeregt -ich wusste nicht warum- beobachtete ich den Monitor des Computers an dem ich mir seit drei Stunden die Aufnahme des Notrufes anhörte. Ich hatte eine Intuition, dass es schon mit der Aufnahme etwas auf sich hatte... doch um dies zu beweisen -und nicht eine unschuldige Frau zu belasten- musste ich erst jegliches Detail analysieren.
"Bi...tte hel...fen S...ie m...ir." jammerte die Frau in der Aufzeichnung. Sie stand unter Schock.
"Was ist passiert?", fragte der Officer an der anderen Leitung.
"Men...schen... tote Men...schen... sog...ar m...Kin..." ihre Stimme versagte. Sie schluchzte.
"Wo sind Sie, Mam?"
"B...arton Grundschule im Keller."
"Sind Sie verletzt?"
"Al...le wur...den Er...er..." sie begann zu weinen "Sogar..." ihre Stimme versagte.
"Ma'm. Sind Sie verletzt?" jetzt klang er besorgt.
"Al...le get...ötet... so grausam... Hil...fe..." dann legte sie auf.
Mittlerweile konnte ich dieses Gespräch auswendig. Ich wusste, dass da irgendwas nicht stimmte. Noch einmal hörte ich mir die Aufnahme an. Dieses Mal allerdings filterte ich das Gespräch heraus und verstärkte die Hintergrundgeräusche. Der Anfang bestand aus einem andauernden Murmeln. Dies war aber das Murmeln eines Mannes. Von der Qualität gesehen hätte dies nie vom Ende der Polizei kommen können. Im allgemein war die Qualität der Frauenstimme nicht gerade die Beste. Ich stoppte. Das hatte nichts mit dem Hintergrund zu tun... zumindest nicht jetzt.
"sog...ar m... Kin..."
"Wo sind Sie, Ma'm?"
"B...arton Grundschule im Keller."
Aha! Sofort pausierte ich. Das Stottern! Dies war anders. Diese Frau hatte einen bestimmten Rhythmus in Stress- oder Angstsituationen! Doch warum war dann nur in der Antwort des Standortes...? Auf einmal kam mir ein Geistesblitz. Wieder hörte ich mir die Hintergrundgeräusche an. Doch dieses Mal nur die vom Anfang der Aussage, dass Menschen tot seien, bis zum Ende der Aussage ihres Standortes und noch ein paar Sekunden länger. Zu Beginn dauerte dieses Murmeln an. Abgesehen von diesem Murmeln war es still. Wie in einem Gespräch zwischen Psychiater und Patient. Doch dann, ganz plötzlich, mitten in der Frage des Polizisten, ertönte eine ganz andere Geräuschkulisse. Hunde fingen -wenn auch ungefiltert kaum zu hören- an zu bellen, Autos begannen zu hupen. Wütende Schreie ertönten. All dies hatte man ohne die Filtrierung nicht gehört... Nach einigen Augenblicken war der Lärm vorbei. Das Murmeln begann wieder.
"Das war eine Aufzeichnung!" ich war im ersten Moment empört. Sofort nahm ich eine weitere Software zu Hilfe. Ich wollte herausfinden, was der Mann im Hintergrund gesagt hatte. Angespannt lauschte ich. Er hatte eine beruhigende  Stimme. Vielleicht war dies wirklich ein Psychiater?
"Bleiben Sie ganz ruhig Leia. Verschlucken Sie ihre Zunge nicht. Alles wird gut. Sie haben es überstanden… Sie sind in Sicherheit… Haben Sie keine Angst. Damit können Sie anderen Menschen helfen. Sie sind se-" dann ertönten die Straßengeräusche. Stumm sprach ich das mit, was normalerweise gesagt wird. ‚ B...arton Grundschule im Keller.‘ Mitten in der nächsten Frage des Polizisten ging das beruhigende Murmeln weiter "-hr tapfer."
"Wusste ichs doch!!!" rief ich, ohne zu merken, dass Nigel mich seit meinem ersten Zwischenruf verwirrt ansah. Ich glaube er hatte etwas gesagt wie, "Natürlich ist das eine Aufzeichnung.", doch ich hatte es nicht gehört, da die Kopfhörer jeglichen Schall von außen abschirmten. Ich drehte mich um. Irgendwem musste ich meine Ergebnisse mitteilen. Gleichzeitig streifte ich die Kopfhörer von meinen Ohren.
"Sie haben etwas herausgefunden, Mia?", fragte er interessiert. Im ersten Moment war ich verwirrt, weil er mich bei meinem Vornamen genannt hatte. Doch ich versuchte mir nichts anmerken zu lassen. Dies klappte, aber den Kampf mit meinem Herzschlag, der abrupt begann schneller zu werden, verlor ich. Ich konnte mich irgendwie nicht beruhigen. Ich war so aufgeregt… Allein der Anblick von Nigel reichte mir, um panisch zu werden. Das geschah irgendwie immer, wenn ich jemanden attraktiv fand. Allerdings machte ich mir keine Hoffnung… ich war sowieso nicht sein Typ… Leider…
"Äh… ja. Das Gespräch mit der Anruferin… das war eine Aufzeichnung."
"Wie kommen Sie denn darauf?" interessiert stellte er sich zu meiner Rechten und stützte sich mit seinem linken Arm ab. In dieser gebeugten Haltung konnte ich -wenn ich mich getraut hätte- genau in seine Augen sehen.
"Schauen Sie sich das mal an, Dr. Townsend.", antwortete ich. Ich merkte, wie ich rot wurde. Um mir nichts anmerken zu lassen öffnete ich erst einmal ein Bild von meinem Handydisplay, "Ich hatte vollen Empfang in diesem Keller gehabt. Egal wo ich mich im Gebäude aufgehalten hatte… überall voller Empfang… Haben Sie schon die Aufzeichnung gehört, Doctor?"
"Nigel.", er sah mich mit einem Lächeln an.
"...Nigel...", mein Herz machte einen Aussetzer, als ich seinen Vornamen nannte. Ich schluckte, lächelte aber, "Mia."
Auch er lächelte, "Ja. Ich bin mir des Wortlautes vertraut. Aber wie kommst du auf die Idee, dass auch die Anruferin in diesem Keller Empfang gehabt hätte? Dein Handy und dein Vertrag unterscheiden sich vielleicht."
Auf diese Frage hatte ich gewartet. Sofort öffnete ich eine Word Datei mit den Zahlenkombinationen sämtlicher Telefonanbieter, die in den jeweiligen Handynummern zu finden waren, "Die Nummer der Zeugin ist von dieser Telefongesellschaft.", währenddessen markierte ich die Nummer und kopierte sie in eine neue Datei, dann tippte ich meine Handynummer und die der Zeugin unter die  Zahlenkombination von United Mobiles. Die Ziffern 0373 von UM stimmen in beiden überein, "Und jetzt zum Handy: Ich hatte meines so eingestellt, dass es das Handy mit dem schlechtesten Empfang simuliert. Also auch mit dem größten Schrotthandy hätte man vollen Empfang gehabt.", ich lächelte ihn zufrieden an.
"Gut gemacht.", anerkennend schlug er mir auf die Schulter.
"U…", mein Herz machte einen Aussetzer, als ich bemerkte, dass ich zu stottern begann. Ich schluckte. Statt etwas zu sagen ließ ich die Aufnahme abspielen. Während Nigel sich diese noch einmal gebannt und andächtig anhörte kämpfte ich mit mir selbst. Ich hatte meine Augen geschlossen und atmete tief ein und wieder aus. Meine Zunge blieb dennoch verkrampft. So sehr, dass mir schlecht wurde. Ich hatte Angst mich vor ihm zu blamieren. Der Anfall vor Garrett war schon genug… Gut… er war mein Chef. Deshalb hatte er über meine Schwächen Bescheid zu wissen, aber bis zu jenem Tag hatte ich höchstens einen Anfall pro Monat gehabt… Je mehr ich darüber nachdachte, desto banger wurde mir. Mein ganzer Körper begann sich zu verkrampfen. ‚Warum???‘ Diese Frage hallte mir immer wieder durch den Kopf. Ich versuchte an etwas Beruhigendes zu denken… doch es wollte mir ums verrecken nicht gelingen… Die Anspannung… Tory… Der Stress… Nigel… dies war wohl zu viel für meine Psyche und meinen Körper.
"Mia? Ist alles in Ordnung?", riss mich eine Stimme aus den Gedanken. Schlagartig löste sich der Krampf wieder. Erleichtert atmete ich tief durch, während ich meine Augen öffnete. Mit einem Lächeln sah ich ihn an, "Natürlich.", sofort zeigte ich meine herausgefilterten Ergebnisse.
Gebannt sah er auf die Tonspur. Ich konnte Faszination und auch Unglaube erkennen. Vor allem, als das Gespräch mit dem Psychiater in das Straßengewirr umschlug. Gegen Ende trafen sich unsere Blicke wieder. Wieder begann mein Herz zu rasen. Beschämt sah ich wieder auf den Bildschirm. Für einen Herzschlag herrschte eisige Stille.
"Wie bist du darauf gekommen, dass der Standort in die Aufzeichnung kopiert wurde?"
"Ich wusste von Anfang an, dass das was nicht stimmt. Ich konnte nur nicht sagen was. Diese Frau hat einen bestimmten Rhythmus in ihrem Stottern. Doch dieser verändert sich kurzfristig. Dies passiert in der Regel nicht. Außer: Es wurde zu einem anderen Zeitpunkt aufgenommen. Allerdings weiß ich, dass diese Aussage vor Gericht nicht stand halten könnte. Deshalb habe ich diese Sequenz näher analysiert."
"Alle Achtung-", er wollte noch etwas sagen, aber in diesem Moment kam Jordan in den Raum gestürmt. Völlig außer Atem hielt sie eine Röntgenaufnahme in ihrer Hand, "Nigel, Mia. Das müsst ihr euch ansehen…"
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