Mononoke Hime

von Eadan
GeschichteAllgemein / P12
Ashitaka San
04.10.2012
04.10.2012
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Stark inspiriert von dem Musikstück "Mononoke Hime"

Das Original: http://www.youtube.com/watch?v=4j9fp7rnfX0
Und eine sehr gelunge englische Version: http://www.youtube.com/watch?v=S-HulaBVeQI

Eigentlich ist es mehr meine eigene Interpretation des Filmendes, verpackt in eine Geschichte. Sans Gedanken, an Ashitaka gerichtet.

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Als ich dir sagte, dass ich nicht vergessen kann, was die Menschen getan haben, da hast du mir nicht geglaubt.

Sicherlich hast du nicht daran gezweifelt, dass ich davon überzeugt war, aber du hattest auch gedacht, dass sich das ändern wird. Das du es ändern kannst. Das ich irgendwann akzeptieren würde, dass ich zu den Menschen gehöre und nicht in den Wald. Das ich dir in die Eisenhütte folgen würde, in diese Hallen aus Stein und Feuer.

Du kamst hierher, Ashitaka, und dein Blick alleine war nicht von Hass getrübt. In der Dunkelheit hast du mein Herz erkannt und mir gezeigt, dass dort mehr ist als dieser alles verzerrende Hass, der solange in meiner Seele gewütet hat. Du hast mir auch die Wahrheit gezeigt, die ich solange verleugnet habe.

Ich bin ein Mensch, das kann ich nicht mehr leugnen. Aber du irrst, wenn du denkst, dass ich deswegen zu euch gehöre.

Mein Platz ist hier in den Wäldern und hier werde ich bleiben, bis das Ende kommt. Aber bei den Göttern, ich fürchte mich so, Ashitaka.

Ich erwache nachts und höre das Geräusch des Windes zwischen den Bäumen und das Heulen meiner Gefährten. Ich sehe die Sterne am Horizont und einen kurzen Moment denke ich, dass dies die Ewigkeit ist. Aber dann zieht der Augenblick vorbei und ich erinnere mich, dass sich alles verändern wird.

Vielleicht hast du recht, Ashitaka, und der Waldgott kann nicht sterben. Aber auch ich habe die Wahrheit gesagt. Es ist nicht mehr sein Wald. Die Hirschgestalt ist verschwunden im Morgengrauen jenes Tages und er wird nicht zurückkehren. Der Waldgott mag weiterleben, aber nie wieder wird er eine Gestalt annehmen. Ebenso werden die Tiere kleiner werden und das Sprechen verlernen. Das, was uns ausmachte, wird verblassen wie früher Morgennebel in der Sonne und mit den Jahren aus dem Gedächtnis der Menschen verschwinden, bis es nicht mehr ist als ein Märchen aus alten Tagen. Sie mögen den neuen Wald, nicht wahr? Er ist jung und hell und freundlich und so voller Leben.

Aber in ihm ist kein Platz mehr für die alte Welt, er ist nicht mehr Teil davon. Er hat seine Geheimnisse verloren, Ashitaka. Vielleicht mag die Eisenhütte sich noch eine Weile erinnern, was sie uns schuldig sind. Aber auch das kann nicht verhindern, dass die Menschen eines Tages wiederkommen und die Bäume abholzen werden. Sie werden das Holz nutzen, um Häuser zu bauen und die kalten Winternächte zu durchstehen und die freien Flächen, um Nahrung anzupflanzen – und niemand wird sie mehr davon abhalten. Ich will ihnen keinen bösen Willen unterstellen, nicht mehr. Aber ich frage mich, ob es den Preis wert sein wird.

Wenn wir schwinden, Ashitaka, werden die Menschen es nicht bemerken. Zuerst. Aber irgendwann, wenn die Erde freundlich, modern und sauber ist und sie das Land betrachten, dass sie besiedelt haben, werden sie nachdenklich und traurig werden und etwas vermissen, ohne es benennen zu können. Aber ich kann es.

Denn wenn du ihr die Geheimnisse nimmst, was bleibt dann übrig?

Sie wird vergehen, Ashitaka, die alte Welt, wie wir sie sahen, mit ihren Geheimnissen und Wundern und Mythen. Vielleicht hast du recht und sie verschwindet nie ganz, aber sie wird auch niemals wieder so greifbar sein. So real. Nur Schatten und ein leises Flüstern bleiben, kaum wahrnehmbar zwischen Mauern und Gläsern. Ungehört für die allermeisten von euch.

Und du hast mich gebeten, ihr den Rücken zu kehren und dir zu folgen. Doch gerade du, der so klar sah, wo wir alle verblendet waren, hast dieses Eine nicht erkannt.

Ich bin ein Teil von ihr.

An jenem Tag, als meine Eltern flohen und mich zurückließen und eine Göttin in Gestalt eines weißen Wolfes mich meiner annahm, entschied sich mein Schicksal. Und es schied von denen anderer Menschen und ihrer Welt.

Was sahst du, als wir uns zum ersten Mal begegnet sind? Schön und geisterhaft, aber kalt. Und so viel mehr Hass, als Menschen ertragen können. Und mag mein Hass auf die Menschen auch versiegt sein und ich mein menschliches Herz akzeptiert haben, so werde ich doch niemals mehr Teil von euch sein. Mein Schicksal ist es, dem Untergang unserer, meiner Welt beizuwohnen und daran zu verzweifeln. Und diese Verzweiflung ist es, die es mir nicht erlaubt zu vergessen, dass es die Menschen sind, die ihren Untergang besiegelt und mich der Trauer preisgegeben haben.

Wie leben auf der gleichen Erde und doch in verschiedenen Welten, Ashitaka. Und deswegen ist mein Schicksal nicht mit deinem verbunden, so sehr du es dir auch wünschst und so sehr du auch dafür gekämpft hast.
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