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Im Schatten des königs

von Alurie
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P16 / Gen
01.10.2012
01.10.2012
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1.142
 
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Der Dolch, scharf und spitz, bohrte sich in den Hals des jungen Prinzen. Das Blut spritzte in einer Fontäne aus der Wunde, der Nachtelf drehte seine Klinge noch ein Mal um, seine Lippen zuckten in einem finsteren Grinsen nach oben.
 Die letzten Schreie des Jungen haben die Wachen alarmiert, Schwerter bohrten sich in den Rücken des Elfen und sein Grinsen wurde noch breiter, als das Blut aus seinem Mund lief. Sein Auftrag war getan, für den Prinzen kam alle Hilfe zu spät.
 Ein Mann rannte zu dem Kind, dessen Gesicht dem seinen ähnelte, er hob ihn in seine Arme und sah mit Verzweiflung zu, wie sein Sohn seinen letzten Atemzug tat. Der Mann drückte den toten Jungen an seine Brust, eine Träne, voll Trauer und Wut, rollte über seine Wange hinab und tropfte auf den Körper des toten Blondschopfes.
 Sanft, mit einer gewissen Überwindung, legte er das Kind auf den boden und schloss ihm die Augen. Dann stand er auf und blickte zu den Wachen, seine Mimik verdüsterte sich und Rachsucht schwoll in seiner Stimme mit, als er sagte: „Genug! Dieses Mal gibt es keine Vergebung mehr, nein! Es wird Zeit, diese erbärmlichen Maden von dieser Welt zu tilgen! Führt den Befehl 99 aus…“
 Die Blicke der Anwesenden waren entsetzt, jedoch wagte es keiner, dem Befehl des Königs zu wiedersprechen. Prinz Anduin wurde ermordet, durch die Klinge eines Nachtelfen, dies war für den Anführer der Allianz Grund genug, um das aus der Not geborene Bündnis von damals zu versplittern und das alte Volk der Nachtelfen zu vernichten. Die Tat eines einzelnen sollte den Untergang für ein ganzes Volk bedeuten.
 Der erste Bote rannte los, die Generäle wurden informiert und die Glocken der Kaserne läuteten, um die Armee von Sturmwind zusammen zu rufen, das erste Bataillon war bereits damit beauftragt, das alte Volk aufzuspüren und einzusperren.
 Eine junge Nachtelfe, Alurie, saß mit ihrer Schwester am Tisch in ihrem Haus in der Altstadt und spielte Karten, als sie das Läuten der Glocken vernahm. Aluries Schwester erschrack, die düstere Elfe blickte jedoch nur wachsam auf und wartete. Etwas stimmte nicht, ihre Instinkte sagten ihr das, und nun würde sie warten. Die Schwester der Elfe sprang auf, als jemand fest gegen die Tür hämmerte, und als sie gerade eben jene öffnen wollte bohrte sich ein Schwert durch das Tor.
 Die auf Blut gedrillten Sinne von Alurie rochen das Blut in dem Moment, als sie die Klinge am Rücken ihrer Schwester austreten sah, entsetzen setzte sich auf ihr Gesicht als sie schrie: „Sharila!“ Nein!“
 Die Tür wurde aufgetreten und die sterbende Sharila wurde zurückgeschleudert, sie lag am Boden während eine Lache ihres Blutes sich aus ihrer Wunde und ihrem Mund ausbreitete.
 "General, sie stirbt gleich." Die Stimme des Soldaten war leicht geschockt, er war jung, noch nicht lange Rekrutiert, und in den Augen einer Elfe mit Sicherheit noch ein Kind, aber trotz der Qual, die er verursachte, befolgte er blind seine Befehle.
 „Lass sie liegen, soll sie an ihrem eigenen Blut ersticken!“ Die Stimme des Veteranen, das war er mit Sicherheit, war kalt, geradezu genüsslich sah er zu, wie Sharila starb.
Alurie war inzwischen auf die Knie gesunken und weinte bitterlich, die Wachen traten auf sie zu und wollten sie Packen, das war der Moment, in dem ihr Gehirn sich ausschaltete und sie aufhörte zu denken. Sie griff an, eiskalt, unfähig zu reagieren, worauf auch immer, in blinder Rage über den Tod ihrer Schwester. Der Überzahl gegenüber hatte sie jedoch keine reelle Chance.
 Mit kalten eisernen Fesseln wurden ihr die Arme hinter dem Rücken zusammengebunden, dann wurde sie vor dem General in die Knie gezwungen.
 "Was für eine Schönheit... schade eigentlich, aber irgendwer im Gefängnis wird sich sicher über sie freuen." Das dreckige Grinsen erreichte sie nicht wirklich und als sie unsanft in den Dreck der Gassen gestoßen wurde, wo Nachtelfen, zeitweise so jung, dass sie sie gerade erst in die Welt hinaus gezogen sein mussten, in Ketten lagen. Einige weinten bitter, andere hatten das Kinn stolz erhoben, vor allem einige der älteren Männer des Volkes ließen sich durch die schäbige Behandlung nicht brechen.
 Unsanft wurde Alurie zu ihnen gestoßen, die Tränen liefen lautlos über ihre Wangen und ihr Herz verdunkelte sich in Trauer und Wut, unfähig, sich zu bewegen, überkommen von den Emotionen, die der Tod ihrer Schwester ausgelöst hatten.
 Die Wachen umkreisten die Nachtelfen und passten auf das keiner entkam, immer wieder schlugen sie grundlos auf die Elfen ein, auch Alurie bekam einige Tritte ins Gesicht und wurde lachend bespuckt. Sie gingen vor allem auf die weinenden los.
 Als die Wachen ihren Spott mit den Nachtelfen getrieben hatten führten sie die Gefangenen in den Hafen wo sie die Nachtelfen im Hafen auf Schiffe verluden. Alurie weinte nur noch lautlos, dabei war sie in einer Trance, durch die sie einfach nur geschehen ließ, was man mit ihr tat, geistig komplett zurückgezogen.
 Die Wachen schienen in der Zwischenzeit einen regelrechten Sport daraus gemacht zu haben die Nachtelfen zu demütigen, einige Männer wurden so sehr zusammengeschlagen, dass viele davon nur noch blutend am Boden lagen, obwohl sie die harte Schule der Krieger von Darnassus kannten.
 Auch Alurie wurde nicht verschont, ein Wachmann packte sie grob und zerriss ihr Kleid mit einem Ruck, während andere Wachen sich bereits an Elfen vergingen und manche schon vergewaltigt am Boden lagen, merkte die junge Frau kaum, was mit ihr passierte.
 Als der Wächter gerade seinen Gürtel öffnete wurde eine Muskulöse schulter in seinen Solarplexus gerammt. Ein Elf mit einer Narbe über dem linken Auge knurrte leise und stellte sich schützend vor Alurie, die Wache, die sich an ihr vergehen wollte, ging zu Boden, atemlos. Die Schulter des Elfen wurde durch die Plattenrüstung bereits blau und schwoll leicht an, andere Wachen packten ihn und schlugen ihn heftig zusammen, trotzdem wagte es keiner mehr, Alurie anzufassen, während die eine Wache an Atemnot starb.
 Etwa eine viertel Stunde später bemerkte Alurie das erste Mal wieder, was um sie geschah, als eine warme, feuchte Hand sich auf ihre Schulter legte. Als sie Aufblickte sah sie in das Gesicht des Elfen, der sie gerettet hatte, und das feuchte an seiner Hand war Blut, welches wohl aus den Wunden an seinem muskulösen Oberkörper kam.
 „Hey, Kleine, alles ok?“ Seine Stimme war tief und warm, der Schmerz darin war kaum zu hören, als seine Augen, welche von einem hohen Alter sprachen, in die ihren Blickten. Sie beruhigte sich durch den bernsteinfarbenen Blick ein wenig, dann blickte sie auf die Narben des Elfen und als er sie tröstend an seine Brust zog ließ sie ihre Tränen frei fließen, im Gedanken an ihre Schwester.
 Das einzige was Alurie hörte, war das Stöhnen und Jauchzen ihres Volkes während der Elf sie sanft in den Schlaf wog.
 
 
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