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Familie und andere Katastrophen

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Familie / P12 / Gen
Amerika Deutschland England Frankreich Japan Russland
01.10.2012
01.10.2013
17
27.904
 
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
3 Reviews
 
01.10.2012 1.484
 
Ein einsames Mittagessen flog durch die Küche...

Mit einem nassen Klatschen wurde die Fensterscheibe durch hellbraunen Brei, der kurz darauf daran herunterlief, von innen getrübt.

Ein recht kleines Haus in ruhiger Lage, kilometerweit das Nichts zu sehen. Hier und da ein paar vom Herbst gefärbte Bäume. Einige Stehvögel sangen noch einsam ihre Lieder, sonst Stille.
Na ja, fast Stille. Denn hinter dem Fenster des Hauses stand eine junge Frau. Die blonden Haare geflochten und aufwendig drapiert, das zarte Gesicht voll Kummer auf der Hand abgestützt, die Augen gefüllt mit Tränen. Am Rock ihres Kleides klammerte ein vielleicht fünfjähriger Junge, hinter ihr an einem rauen Holztisch saß ein dreijähriges Mädchen, das trotzig den Kopf in die Luft reckte.

"Ich will nicht!", rief die Kleine und schmiss ihren Plastiklöffel durch die Küche dem Brei hinterher. Die Frau drehte sich langsam um und sah sie mit wässrigen Augen an. "Aber Bela, möchtest du es nicht wenigstens einmal-" "Nein! Ich will nicht! Ich will nicht! Ich will nicht! Ich will nicht!"
Dramatisch warf sie ihre kurzen hellblonden Haare über die Schulter, weswegen fast die cremefarbene Schleife von ihrem kleinen Kopf gerutscht wäre.
"Ich will Blini! Nicht Kascha, Blini!"
"Aber Blini gab es doch schon zum Frühstück..."
"Ich will Blini!"

Die ersten Tränen rollten über die Wangen der Großen. Warum war gerade ihre Schwester so schwierig? Die anderen Länder hatten doch auch nicht solche Probleme mit ihren Kleinen. "Wahrscheinlich liegt es an mir, dass sie so kompliziert ist. Ich bin eine schlechte Schwester.", murmelte sie leise. Erschrocken riss der kleine Junge die Augen auf. "Nein, Ukraine. Du bist eine super Schwester! Bela ist nur etwas trotzig. Warte, lass mich mal."

Eilig füllte er einen neuen Teller mit Kascha, legte einen Löffel dazu und ging zu dem Mädchen, dass mittlerweile mit verschränkten Armen in die Luft starrte.
"Bela?"
"Ja?"
"Magst du mich?"
"Ja"
"Magst du mich sehr?"
Die Kleine wurde ein wenig rot und sah sich etwas schämend zu Boden, bevor sie ein leises "Ja" nuschelte.
Genau auf diese Reaktion hatte er gewartet. "Gut, wenn du jetzt deine Kascha isst, dann versprech ich dir dich, wenn wir groß sind, zu heiraten." Mit funkelnden Augen sah sie ihn an, "In echt?" "Ja, in echt." "Okay"

Sie nahm ihren Löffel in die Hand und begann zu essen. Zwar verzog sie am Anfang noch das Gesicht, doch nach und nach schien es ihr sogar zu schmecken. Triumphierend lächelte der Junge und ging zurück zu seiner Schwester. Diese ging in die Hocke und umarmte den Weißhaarigen. "Vielen Dank, Russland. Was würde ich nur ohne dich machen?"
"Fertig!", rief Bela hinter ihnen und warf zur Bekräftigung ihrer Worte den Löffel weg.
"Also ich würde traurig sein, weil ich dann nicht mehr die beste große Schwester der Welt hätte.", sagte der Kleine. Ukraine lächelte leicht und wischte sich die Tränen vom Gesicht. "Ich räum noch ein wenig die Küche und du gehst mit Bela rüber, okay? Spiel mit ihr im Kaminzimmer." Sie ging zum Hochstuhl des Mädchens und hob dieses heraus. Sobald sie auf dem Boden stand, tippelte sie schon los. Nur noch kurz drehte sie sich herum, um ihren Bruder zu rufen, welcher daraufhin der Kleinen hinterher lief.

Seufzend nahm Ukraine einen Wischlappen und fing an, die verschüttete Kascha aufzuwischen. Nachdem Weißrussland schon das dritte Mal in dieser Woche mit Essen geworfen hatte, sollte sie anfangen darüber nachzudenken.  Vielleicht waren ihre Erziehungsmethoden zu locker. Oder ... andere Gründe fielen ihr gar nicht ein. Es war einzig und allein...nein. Nein, sie durfte sich nicht so hängen lassen. Russland hatte recht, Weißrussland war einfach nur ein wenig trotzig. Sie sollte beginnen das Ganze einfach positiv zu sehen. Weißrussland bewies sehr große Kreativität im Umgang mit Essen und das hieß bestimmt, dass sie mal eine sehr künstlerische Nation werden würde. Berühmt für moderne Kunst. Das wäre eine Zukunft, die sie ihrer Schwester wünschen würde.

Besonders 'kreativ' ging Weißrussland im Kaminzimmer zu Werke. Russland hatte sie mit Farbkasten und Papier auf ein Schaffell gesetzt. Vor ihr knisterte ein kleines Feuer und spendete wohlige Wärme und auch ein wenig Licht. Um den zarten Hals des Mädchen hing eine Schürze, auf der sich schon einige Flecken befanden. Den Pinsel in der kleinen Faust und das Blatt auf dem Boden stand nichts dem großen Meisterwerk im Wege. Doch anstatt das Papier mit Mustern und Bildern zu versehen, pinselte sie fröhlich auf dem Fell herum. Immer mehr Linien und Flecke fanden ihren neuen Platz auf den Haaren des Tiers. Als sie wenige Minuten später zufrieden war, schmückten vor allem ein großer roter und ein großer grüner Streifen das Fell. Die Farben waren schön und sie würde sich sie merken. Vielleicht brauchte sie diese später noch einmal.

Weißrussland blickte auf, als ihr Bruder das Zimmer betrat. Scharf zog der Junge die Luft durch die Zähne ein. "Bela, was machst du denn da?", fragte er halb erstaunt, halb entsetzt.
"Magst du es, Bruder?"
"Ja, schon, aber du darfst doch nicht das Fell anmalen. Ich habe dir doch extra Papier hingelegt."
Wütend schmiss die Kleine den Pinsel weg, welcher fast im prasselnden Feuer gelandet wäre. Danach verschränkte sie wieder die Arme und starrte in die Luft. Sie hatte sich doch so viel Mühe gegeben! Und jetzt sagte ihr ihr Bruder, dass sie das Fell nicht anmalen durfte. Die Welt war echt ungerecht!
„Ähm, also. Lass uns lieber raus gehen…“, meinte Russland, nahm ihre Hand und zog sie in die Küche, wo Ukraine immer noch mit den Hinterlassenschaften des Mittagessens beschäftigt war. Im Türrahmen blieb Weißrussland stehen und schmollte weiter, während Russland zu seiner Schwester ging und an ihrem Rock zog. „Ukraine? Können wir vielleicht etwas raus gehen? Draußen ist es doch heute nicht so kalt.“, fragte er mit großen Augen. Ukraine schaute von ihrer Arbeit auf. Tatsächlich war es heute nicht so kalt wie sonst. Eigentlich hatte Russland recht. Sie könnte etwas im Garten Laub rechen und die Kleinen könnten spielen.

Wenige Minuten später standen alle drei im Garten. Russland und Weißrussland mit dicken Jacken an, jeweils einem kleinen Korb mit den Fingern umfassend, und Ukraine mit einer Strickjacke an und einem Rechen in der Hand. Fragend schauten sie die Kinder an. „Wisst ihr was wir jetzt machen?“, beide schüttelten den Kopf, „Ich fange an das Laub zusammenzurechen und ihr sucht Pilze für das Abendessen.“ Begeistert nickten beide. Der Blonden fiel ein Stein vom Herzen, so hatte ein wenig Ruhe für die Gartenarbeit und wenn die Kleinen dann wieder da waren, würde sie fertig sein. Danach würden sie Abendessen machen und das alles in Frieden. Mit diesem Gedanken fing sie an die Wiese vom Laub zu befreien, während Russland mit Weißrussland an der Hand in Richtung des kleinen Waldes ging. Sorgen um die Kinder machte sie sich keine, Russland kannte sich hier sehr gut aus und außerdem würde Weißrussland schon Bescheid geben, wenn sie sich zu weit vom Haus entfernten.

So sammelte sich mit der Zeit ein recht großer Laubhaufen an und Ukraine war froh, als sie das letzte Laub auch endlich in dem Haufen Platz fand. Dass das nicht sehr lange so bleiben würde, wusste sie natürlich nicht. Während sie eine Schaufel oder etwas Ähnliches suchte, um das Laub weg zu befördern, merkte sie nicht, wie sich zwei kleine Gestalten von hinten an den Haufen anschleichten. Nur kurz hatte sie sich umgedreht und genau in diesem Moment hörte sie einen dumpfen Aufprall und anschließendes Geraschel. Erschrocken drehte sie sich um. Direkt hinter ihr wirbelte das Laub nur so durch den Garten, untermalt wurde das Ganze vom belustigten Quietschen der kleinen Nationen. Mitten im ehemaligen Haufen saßen Russland und Weißrussland und bewarfen sich gegenseitig mit Laub. Ukraine zwang sich für beide zu einem Lächeln. Zumindest waren sie sehr kreativ im Umgang mit Laub. Das war doch gut, oder?

_____________
Lilas Kapitel =D

Lila: Sorry, dass es etwas länger gedauert hat, aber ich hoffe, es hat euch trotzdem gefallen und ihr hinterlasst mir eine Review^^

Für alle, die sich nicht so mit der russischen Küche auskennen:
Kascha: Die direkte Übersetzung lautete: Brei. Kann aus verschiedenen Sachen bestehen z.B. Buchweizen, Mais, Gries oder kann sogar etwas Ähnliches wie Milchreis sein. Wir hatten damals Kascha aus Mais mit Pfirsich darin, die auch recht gut geschmeckt hat. Die ekeligste von allen soll die Kascha aus Buchweizen sein^^
Blini: So etwas wie dünne Pfannkuchen. Schmeckt sehr, sehr lecker und wird traditionell mit gezuckerter Kondensmilch [die hat da ungefähr die Konsistenz von Schmelzkäse, auch wenn das jetzt ein blöder Vergleich ist xD]  gegessen. Die Kondensmilch von uns kam übrigens aus Weißrussland, was ich sehr witzig fand :D

Genug mit russischem Essen zugespamt ^^
LG Lila und Lily :>
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